Kappzaum-Messung: Wie viel Kraft wirkt an der Longe auf die Nase?

Fünf Kappzäume unter der Lupe

Zwei Biomechaniker – Dr. Parvis Falaturi aus Sontra-Berneburg (Hessen) und Roland Kleinschroth vom Sattelmesstechnik-Anbieter Savecomp Megascan aus Hannover – nahmen mit Longierexpertin Babette Teschen die Wirkung fünf verschiedener Kappzäume unter die Lupe.
Foto: Rädlein CAVALLO Kappzaum Messungen

Die Messfolie ist ursprünglich für Fußdruckmessungen gedacht.

Testpferde waren der siebenjährige Andalusier Pepe und der fünfjährige Hannoveraner Ronaldo auf dem Pferdehof Teschen bei Lüneburg.

Die lange Leine führte Ausbilderin Babette Teschen selbst. Sie entwickelte zusammen mit ihrer Partnerin Tania Konnerth einen Internet-Kurs zum effektiven und gesunden Longieren mit Kappzaum, den CAVALLO im Februar 2009 in der Praxis testete (siehe auch www.wege-zum-pferd.de). Bei ihren bundesweiten Longierkursen trifft sie auf viel Unwissen rund um den Kappzaum. „Es gibt Verkäufer, die Reitern zu einem hierzulande traditionell verwendeten schweren Modell raten, weil es das Pferd dazu bringen würde, den Kopf zu senken“, erzählt die Ausbilderin kopfschüttelnd.

Die Mär vom schweren Kappzaum, der das Pferd belastet, ist weit verbreitet: „Viele greifen deshalb zu leichten Caveçons oder Serretas, übersehen dabei aber, dass diese südeuropäischen Zäume schärfer als unsere traditionellen sind“, sagt Teschen.

Ist das wirklich so? Die Messungen von CAVALLO bringen erstmals Licht ins Dunkel zwischen Pferdenase, Kappzaumeisen und Longenführer. Dabei nutzt das Experten-Team diesen Aufbau: Eine Messfolie wird mit Doppelklebeband am Kappzaum fixiert. Vier Messpunkte pro Quadratzentimeter erfassen 50 Mal in der Sekunde den Druck auf den Nasenrücken. Ein Kabel leitet die Werte vom seitlich am Kappzaum angebrachten Datalogger zum Speichergerät am Longiergurt.

Zwischen Longe und dem mittleren Kappzaumring misst ein Zugsensor die Kraft an der Leine. Auch diese Daten werden in einem Aufzeichnungsgerät am Longiergurt gespeichert, welches per Kabel mit dem Sensor verbunden ist. Ohne Ausbinder kann das Pferd die Hals- und Kopfposition frei wählen.

08.12.2010
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 08/2010