Alles über den Schwung beim Pferd

Wie Seitengänge helfen können

Foto: Springfeldt CAVALLO Dressur Jörg Bös

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Seitengänge gelten als Allheilmittel bei reiterlichen Problemen. Für den Schwung sind sie ein zweischneidiges Schwert, denn sie können mal nutzen, mal schaden: „Seitengänge fördern die Beweglichkeit, das ist natürlich auch gut für den Schwung“, meint Ausbilder Andreas Grams.

Doch faule Pferde, die nicht energisch genug abfußen, bremsen sie regelrecht aus. „Seitengänge erfordern eine gute Balance und Körperkoordination sowie viel Kraft“, erklärt Grams. Ist all das noch nicht ausreichend vorhanden, kann ein Pferd seitwärts nicht so schwungvoll gehen wie auf geraden Linien. „Bei solchen Pferden darf man Seitengänge nur sehr dosiert einsetzen“, warnt auch Johannes Beck-Broichsitter, Pferdewirtschaftsmeister und Ausbilder aus Heist in Schleswig-Holstein. Um den schwachen Motor nicht abzuwürgen, empfiehlt er, nur kurz seitwärts zu reiten. „Pferde, die nicht ausreichend nach vorwärts ziehen, muss man aus den Seitengängen wieder vorschicken, bevor ihre Bewegung abstirbt.“

Dazu eignet sich eine Übung ganz besonders: Aus einer Volte in der ersten Ecke der langen Seite gehen Sie ins Schulterherein. Nach wenigen Tritten schicken Sie das Pferd diagonal in die Bahnmitte und verstärken dabei das Tempo. „Das Pferd sammelt im Schulterherein Energie, die es auf der Diagonalen herauslassen kann. Es lernt, auf den Punkt anzutreten“, erklärt Beck-Broichsitter den Zweck seiner Lieblingsübung. Sie ist ein Universalmittel gegen Schwunglosigkeit, weil sie auch Pferden hilft, die ihren Schwung durch zu hohes Tempo verlieren. „Im Schulterherein müssen eilige Pferd mit dem inneren Hinterbein mehr Last aufnehmen, sie fangen an zu tragen, anstatt zu schieben. Das hilft ihnen, die Tritte schwungvoll zu verlängern.“

Ausbilder Klaus Schöneich aus Bedburg-Hau in Nordrhein-Westfalen, bekannt für seine Schiefentherapie (siehe CAVALLO 1/2004), sieht Schulterherein sogar als die Grundlage einer korrekten Dressurausbildung. „Bevor ein junges Pferd geritten werden kann, muss es gelernt haben, sich in Wendungen auszubalancieren“, sagt der Ausbilder. Dafür erarbeitet er im Roundpen das Schulterherein an der Longe. „Das Pferd lernt, sich besser auf seinem Standbein, dem äußeren Hinterbein, abzustützen und mit dem inneren Hinterbein mehr Last auzufnehmen. Erst dann kann es ausbalanciert durch eine Wendung gehen und später Schwung entwickeln.“

18.11.2008
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 05/2008