Alles über den Schwung beim Pferd

Beispiel 1: So kommt Floragamo in Schwung

Egal wie viel Talent ein Pferd hat – schwungvoll gehen kann bei richtiger Ausbildung jedes.

Auch dies zeigt die Demonstration von Pferdewirtschaftsmeister Andreas Grams und seinen Mitarbeitern Stefanie Wieland und Steffen Rothfussden.

Der siebenjährige Westfale Floragamo ist für Schwung eigentlich günstig gebaut, bewegt sich aber schleppend und ist etwas faul. „Für mehr Schwung muss er energischer abfußen und seine Gelenke stärker beugen“, sagt Grams. Steffen Rothfuss reitet viele Übergänge, zunächst innerhalb einer Gangart, später zwischen den Gangarten und zum Halten.

Reagiert Floragamo auf treibende Hilfen nicht prompt, muss der Reiter seiner Aufforderung mit einem kurzen Sporenstoß oder einem Gertenklaps Nachdruck verleihen. Dauertreiben würde das Pferd nur abstumpfen.

Vorsicht beim Zulegen: Damit seine Kraft reicht und er nicht flach und eilig wird, muss der Wallach nur wenige Tritte erweitern. „Es ist besser, immer nur kurz zuzulegen, aber dafür öfter“, erklärt Grams. „Das trainiert die Hinterhandmuskeln und vermeidet Verspannungen durch Überlastung.“

Übergänge zwischen den Gangarten sind anspruchsvoller als Tempowechsel und außerdem ein gutes Muskeltraining. Auch hier darf der Reiter die Anforderung nur langsam steigern. Gelingen dem Pferd lockere Übergänge, kommen Antraben und Angaloppieren aus dem Halten und später aus dem Rückwärtsrichten dazu.

Für Floragamo ist Halten-Antraben das Erfolgsrezept: Er fußt bald deutlich weiter unter den Körper und bewegt sich schwungvoller. Grams hilft Floragamos schlappen Hinterbeinen zusätzlich durch eng gelegte Trabstangen auf die Sprünge.

Der 7 jährige Westfalen-Wallach Floragamo bewegt sich im Trab sehr weich, aber langsam und klemmig. Schneller abfußen fällt ihm schwer. Das liegt an seinem vergleichsweise langen Rumpf in Verbindung mit langen, stark gewinkelten Hebeln an Schulter und Hüfte, die weniger als die gewünschten 90 Grad betragen. Lange Hebel arbeiten kräftig aber langsam. Hält sich der Wallach in Hals, Rumpf und Kruppe fest, richtet sich der Schwung der Bewegung nicht mehr nach vorwärts, sondern nur noch nach oben, und er zeigt Schwebetritte. Diese Neigung wird durch den etwas unharmonischen Körperbau mit der unproportional stark ausgeprägten Vorhand und dem etwas kurzen, hoch angesetzten Hals sowie den tiefen Rücken verstärkt.

18.11.2008
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 05/2008