Pferde sicher führen in jeder Situation

Der CAVALLO-Sicherheits-Ratgeber
Gute Führung

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.06.2026
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Liane Kahn setzt sich für Sicherheit beim Führen ein.
Foto: Jessica Freymark

Meine Vision und Mission: Jeder kann mit seinem Pferd entspannt laufen – ob beim längeren Spaziergang, dem kurzen Weg zur Koppel, auf den Pferdeanhänger oder beim Turnier.

"Führen können" gilt als selbstverständlich. Ist es aber nicht. Das erlebe ich beim Verladetraining wie bei Bodenarbeitskursen. Hand aufs Herz: Sehr oft sind es Kleinigkeiten, die man nicht bedenkt und die das Pferd in der non-verbalen Kommunikation missverstehen kann. Zwei kleine Beispiele: Wir tragen leichte Turnschuhe oder haben einen zu geringen Abstand (zur Pferdeschulter) beim Führen.

Liane Klahn
Die Expertin

Tatsächlich passieren viele Unfälle in vermeintlich harmlosen, alltäglichen Situationen – wenn wir unsere Pferde von A nach B bringen, sei es aus der Box zum Putzplatz, oder wenn wir draußen unterwegs sind. Wir wissen: Pferde können sich schnell und überall erschrecken. Selbst erfahrene Pferdemenschen haben das mitunter schmerzhaft erlebt. Und ein Pferd, das haltlos durch die Gegend stürmt, treibt jedem das Adrenalin in die Adern.

Mit gutem Training und Equipment mehr Spaß beim Führen – dazu sollen die folgenden Tipps euch Anregungen und praktische Hilfestellung geben. Um den Alltag für Pferd und Mensch sicherer zu machen. Und sehr viel entspannter.

Koppelgang: Gier aufs Gras steuern

Bekannte Bilder, vor allem beim Start der Koppelsaison: Das Pferd stürmt zum Gras oder kann sich nur schwer wieder davon lösen. Statt am Halfter zu ziehen und im schlimmsten Fall sogar das Wegstürmen zulassen zu müssen, könnt ihr das Training jederzeit beginnen: mit einer Futterschüssel.

Pferde sind häufig konditioniert, sich direkt aufs angebotene Futter zu stürzen. Dabei ist das Pferd ja bekannterweise kein Raubtier – und somit ist Futter, anders als etwa bei Hunden oder Katzen, keine natürliche Belohnung – quasi ein Jagderfolg. Beobachtet man Pferde in der Herde, entscheidet die Rangordnung, wann welches Pferd wo fressen darf.

Da setzen wir an: Unser Pferd darf erst fressen, wenn wir es zulassen. Und wir beenden auch die Zeit an der Futterschüssel. Selbstverständlich fair und mit Lob, wenn wir das gewünschte Verhalten erreichen.

Wir beginnen mit kleinen Schritten in sicherer Umgebung wie einem umzäunten Reitplatz. Wir laufen ein paar Mal den gleichen Weg und lassen uns von einem Helfer eine Futterschüssel hinstellen. Dann halten wir das Pferd beim nächsten Vorbeigehen an und lassen es ein paar Happen fressen. Dann fordern wir das Pferd zum Weitergehen auf. Reagiert es nicht auf den Impuls am Halfter, geben wir mit einer Gerte eine treibende Hilfe zur Unterstützung oder drängen uns selbst mit unserem Körper vor die Schüssel – wie ein ranghöheres Pferd. Wer das konsequent übt, profitiert nicht nur zum Start der Weidesaison.

Reha: Führtraining in der Box

Wer kennt das nicht? Das Pferd soll nach längerer Schonungsphase wieder in Bewegung kommen, mit wenigen Minuten Schrittführen. Das ist oft mit der Angst verbunden, dass sich das Pferd aufgrund der aufgestauten Energie gleich wieder verletzen könnte. Hier können wir bereits in der Box vorsichtig mit dem Führtraining beginnen – wieder mit Futterschüssel wie beim Angrasen (sofern medizinisch nichts gegen ein paar Leckerlis spricht).

Wir stellen uns in die Box vor die leicht geöffnete Türe, um die Box im Notfall schnell verlassen zu können. Die Futterschüssel stellen wir mit ein paar Leckerlis auf den Boden – und warten, bis das Pferd nicht dahin drängelt; dann gewähren wir den Zugang zum Futter. Wenn das funktioniert, Halfter und Strick ans Pferd (das kann natürlich auch schon vorher passieren) und dann das Beenden des Fressens üben.

Zweiter Tipp fürs Training in der Box: Das Pferd ein bis zwei Schritte nach vorne gehen lassen und dann wieder diese Tritte rückwärtsrichten. Jeweils mit so wenig Einwirkung wie möglich und so viel wie nötig. Häufig unterschätzen wir, wie viel es bringt, diese wenigen Schritte und Tritte sorgfältig zu üben. Die Wirkung ist immens, wenn wir das Pferd nach einer Boxenruhe auf die Stallgasse führen und auf den Pferdeanhänger. Jede Pferdebewegung nach vorne und hinten selbst bestimmen zu können, ist einer der wertvollsten Tipps, den ich bei Tierarzt und Ausbilder Stefan Schneider lernen durfte.

Verladen: Fokus aufs Ziel

Ähnlich wie beim Springreiten ist der Weg bzw. eine gute Linienführung ein wichtiger Faktor. Egal, ob man nur vom Stall zum Reitplatz läuft oder an einer womöglich heiklen Situation vorbei (z.B. rennende Pferde auf einer Koppel) – man sollte sich komplett auf ein Ziel in der Entfernung fokussieren und geradeaus laufen. Und nicht etwa seinen Kopf zu dem "Problem" wenden mit dem Kopfkino "gleich wird mein Pferd losrennen". Diese Situationen kann man wunderbar zu zweit trainieren: Eine Begleitung kann viel Sicherheit geben oder auch einfach ablenken.

Sicher führen und sicher verladen
Rädlein

Insbesondere beim Verladen ist der Weg zentral. Wer etwa neben dem Pferd läuft und sich in Richtung Hängerklappe auf die rechte Seite orientiert, wird feststellen, dass das Pferd schon zu weit rechts das erste Bein auf die Klappe setzt. Deshalb empfehlen wir von "Easy Verladen" die Orientierung an der Mitte (Mittelwand) und entscheiden erst kurz vor der Rampe, ob wir beim Trainieren das Pferd links oder rechts einsteigen lassen. Wie beim Durchschreiten eines Engpasses wie einer Tür, gehen wir hier deutlich vor dem Pferd.

Tipp, um Geräusche zu reduzieren und Unebenheiten ohne Aufwand auszugleichen: einfach eine Decke unter die Auflage der Hängerklappe legen.

Trense: Schutz fürs Maul

Führen mit Trense ist in vielen Situationen vorgeschrieben (z.B. beim Vormustern) und sollte jedem geläufig sein. Trotzdem sieht man es häufig: das Führen mit geschlossenen Zügeln. Oft, ohne sich darüber Gedanken zu machen und weil es praktisch ist. Verliert man die Zügel aus der Hand, egal aus welchem Grund, ist die Schlaufe aber ein hohes Unfall- und Verletzungsrisiko fürs Pferd.

Die Lederschlaufe verbindet ebiss und Reithalfter.
privat

Beim Einhaken des Führstricks in den Trensenring kann jedoch bei starker seitlicher Einwirkung das Gebiss durchs empfindliche Maul rutschen; oder das Gebiss klemmt schmerzhaft auf der anderen Seite. Eine Führtrense für längere Spaziergänge, beispielsweise mit Schenkelgebiss oder D-Ring, ist eine gute Alternative. Für eine feinere Verbindung zum Pferdemaul: Nehmt eine Longe oder ein Seil mit Lederschlaufe, um den Trensenring beim Führen mit dem Reithalfter zu verbinden). Im Zweifel reicht dazu auch ein einfacher Sporenriemen. Du willst mehr Tipps von unseren Profis Stefan Schneider, Martin Plewa und anderen erfahren? Hier kannst du den vollständigen Artikel lesen: