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CAVALLO Exterieur-Serie: Kurzer Hals und kurzer Rücken

CAVALLO Exterieur-Serie: Hals und Rücken sind kurz

Kurzer Hals und kurzer Rücken laden Pferde zum Herausheben oder Verkriechen ein. Wie macht man ihnen die Dehnung schmackhaft?

Das verwächst sich noch, heißt es bei jungen Pferden gerne. Statt allein auf die Natur zu vertrauen, kann freilich auch gezieltes Training Jungpferden helfen, Problemzonen zeitig abzubauen, damit sie sich über die Jahre nicht zur umfassenden Dauerbaustelle auswachsen.

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Bei dieser vierjährigen Araber-Berberstute ist das Hauptproblem ihr kurzer Hals und der schwache Rücken. Fünf Experten haben sich die Stute angesehen und sich Tipps für ihre Ausbildung überlegt. Diese reichen vom simplen Rat, sie einfach noch wegzustellen, über Klettern bis zum Kutschefahren.

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Pferdehaltung

Distanz und Dehnung statt Dressur

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Einer Ausbildung im klassischen Sinne stehen die Hals-Schulter-Konstruktion und die Winkelung der Hinterhand im Wege. Man kann dem Pferd aber durch Dehnungshilfen bei der Longenarbeit helfen. Seine natürliche Halsform, das Genick und die Anatomie der Sattellage werden einer erfolgversprechenden Ausbildung als Dressurpferd mit guter Durchlässigkeit im Genick aber immer Grenzen setzen. Die Winkelung und Hebelwirkung der Hinterhand ist für Vorwärtsimpulse einfach deutlich besser geeignet als für die Lastaufnahme, wie sie bei der Versammlung gefordert ist. Es ist dem Pferd zu wünschen, dass es einen Ausbilder findet, der seiner natürlichen Veranlagung gerecht wird.

Der Experte

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privat

Roland Metz, Pferdewirt Schwerpunkt Zucht, ­Haltung und Reiten, vom Zuchtverband Baden-Württemberg

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Nur eine Idee von Versammlung

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Außerdem hat sie ein sehr gerades Hinterbein und eine gebrochene Fesselstand-Zehenachse. In der Folge entwickelt sie vorne links eine Tendenz zum Bockhuf mit sehr steilen Trachten.

Ich vermute, dass sie schwungvoll gehen kann. Allerdings wird es mit der Tragfähigkeit schlecht stehen, weil das Hinterbein in sich eher gestreckt ist. Auch das Ausbalancieren wird ihr mit dem kurzen Hälschen schwerfallen. Den Hals braucht das Pferd auch als Gegenpol für die Hinterhand, wenn es sich über die Körpermitte tragen soll.

Der kurze Widerrist birgt die Gefahr, dass der Sattel auf die Schulter rutscht und dort drückt. Weil der Rücken insgesamt eher kurz ist, hätte ich bei einem Westernsattel Bedenken, dass er rasch auf den Hüftbereich drückt. Der Widerrist sollte weiter in den Rücken reichen, um den Schwung aus dem Hinterbein harmonisch durch die gesamte Oberlinie zu leiten. Bei dieser Stute wird es vermutlich eher so aussehen, dass sie zwar Schwung entwickelt, jedoch den Rücken nicht aufwölbt, sondern den Unterhals vorschiebt und sich nach oben rausdrückt.

Mit der Hinterhand wird sie vermutlich bei hochgezogener Kruppe nach hinten rausschaufeln. Ausbalanciertes Tragen oder ein federnder Gang mit Kadenz wird ihr kaum möglich sein. Auch für die Versammlung ist sie nicht gebaut. An Piaffe und Passage denke ich dabei gar nicht, sondern an eine Volte im Arbeitstrab, zu der sie sich ein biss-chen setzen müsste. Sie wird mit dem Hinterbein tendenziell nach außen driften, statt in der Spur zu fußen. Mit dem Hals entzieht sie sich entweder durch Verkriechen oder hebelt sich nach oben hinaus. Beides ist möglich. Sie traut sich vermutlich nur, ihren Hals richtig zu dehnen, wenn sie sich über ein hohes Tempo selbst stabilisieren kann.

Vorbereitend würde ich sie mit einem Chambon longieren. Ausbinder würden auf die Maulspalte drücken und dazu führen, dass sie sich versteckt. Das Chambon zeigt ihr über Druck auf das Genick, dass sie beim Dehnen ihre Oberhalslinie benützen soll und die Nase nach vorne-abwärts strecken kann. So trainiert sie die Unterhalsmuskeln ab. Allerdings gehört dieser Hilfszügel in Profihände. Longiert man mit ihm ein Pferd zu langsam, kommt es ruckzuck auf die Vorhand.

Ich würde es auch mit Trabstangen versuchen. Jedoch neigen manche Pferde dazu, statt mit dem Hinterbein vermehrt nach vorne und oben zu treten, noch weiter nach hinten rauszuschaufeln.

Unter dem Sattel würde ich schwungvoll vorwärts reiten, ohne übereilig zu werden. Das stellt das Zusammenspiel von Hinterhand, Rücken, Widerrist und Hals her. Dabei ist auf die reelle Dehnung zu achten. Vielleicht mogelt sie, indem sie nur in den Ganaschen leicht wird, aber nicht aus der Schulter heraus die obere Halsmuskulatur benützt.

In kurzen Phasen müssen Übergänge geübt werden, um ihr eine Idee von Versammlung zu vermitteln und die Tragkraft zu fördern. Zu Beginn kann es sein, dass sie nur ein- bis zweimal einen Trab-Schritt-Wechsel schafft, bei dem sie die Dehnungshaltung beibehält.

Im Gelände ist viel Bergauf- und Bergabreiten eine Trainingsalternative. Sie wirkt drahtig, und das Vorwärtsgehen liegt ihr sicher. Von daher könnte sie ein gutes Buschpferd werden. Eine weitere Möglichkeit wäre das Fahren mit Brustblattgeschirr. Dabei muss sie mit der Hinterhand arbeiten. Gleichzeitig wird der Hals gekräftigt.

Die Expertin

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privat

Martina Nießl, Pferdewirtschaftsmeisterin und Pferde-Physiotherapeutin aus Graisbach bei ­Donauwörth/Bayern.

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Auch im Gelände vorwärts-abwärts

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Die ausgeprägten Backenknochen können zusammen mit der geringen Ganaschenfreiheit die Ohrspeicheldrüse einquetschen, vor allem, wenn das Pferd korrekt durchs Genick gehen soll. Der Hals ist sehr kurz, hat eine gerade Ober- und eine konvexe Unterhalslinie. Eigentlich sollte es andersherum sein. Durch die kurze und steile Halsung können Schwierigkeiten im Gleichgewicht entstehen. Zudem fällt es Pferden mit kürzeren Hälsen schwer, an das Gebiss heranzutreten, den Hals in Dehnungshaltung zu wölben und korrekt über den Rücken zu gehen.

Die Schulter ist sehr steil, der Halsansatz ungünstig. Der kurze Oberarm verhindert Raumgriff und Schulterfreiheit, weil sein Winkel nur wenig geöffnet ist.

Weil der Widerrist wenig ausgeprägt ist, vermute ich, dass das Pferd in Verbindung mit der steilen Schulter keine gute Sattellage hat. Ich stelle es mir schwierig vor, für dieses Pferd einen optimal passenden Sattel zu finden, der nicht nach vorne rutscht.

Rücken- und Nierenpartie der Stute sehen stramm aus. Das deutet darauf hin, dass sie sich im Rücken festhält und mit dem Schwingen Schwierigkeiten hat. Der Übergang zur Hinterhand könnte etwas harmonischer sein. Die Hinterhand gefällt mir ganz gut, weil sie recht gut gewinkelt ist. Die Kruppe ist eher kurz. Vom Kreuzbein zum Sitzbeinhöcker hätte ich gerne eine längere Achse. Da die Hinterhand den Antrieb liefern soll, ist es um so günstiger, je länger und breiter die Kruppe ist. So bietet sie mehr Ansatzflächen für die Muskulatur, die für die Kraftentwick­lung gebraucht wird. Dennoch hat diese Stute genügend Schräge in der Kruppe. Das ist günstig, weil es ihr erleichert, mit den Hinterbeinen unterzutreten.

Die Fesseln sind mittellang, die Hufe gut proportioniert, sie passen zum Fesselstand. Sehr schön sind die trockenen, geraden Beine mit deutlich hervortretenden Sehnen. Die Gelenke könnten ausgeprägter sein.

Insgesamt hat die Stute eher wenig Reitpferdepoints. Das Verhältnis von Vorderhand, Mittelhand und Hinterhand steht in keinem guten Verhältnis. Der Kopf ist fast so groß wie der ganze kurze Hals. Dafür ist die Mittelhand lang und sehr rumpfig, die Hinterhand wiederum knapp. Ein Dressurpferd wird es deshalb wohl nicht werden. Wenn die exterieurbedingten Probleme beachtet werden, kann es bei entsprechendem Charakter ein gutes Freizeitpferd werden.

Bildet das Pferd über korrekte Arbeit die Muskeln an den richtigen Stellen, kann das eine Menge wettmachen. Reiten in Dehnungshaltung bringt den unflexiblen Rücken zum Schwingen und dehnt die Halsmuskeln, was für diese Stute das Wichtigste ist.

Vor allem die Hinterhand-, Rücken- und Oberhalsmuskulatur müssen ausgebildet werden. Die Grundausbildung sollte das Reiten von Seitengängen zu einem späteren Zeitpunkt mit einbeziehen. Das fördert Rückentätigkeit, Biegung und Gleichgewicht. Doppellonge und das Reiten über Cavalettis unterstützen das Ganze. Wenn man so ein Pferd nur am langen Zügel ins Gelände reitet, läuft es mit naturgegeben hohem und steifem Hals. Das ist nicht förderlich, denn dadurch wird nur der Unterhals trainiert. Das Pferd sollte auch im Gelände locker und schwungvoll vorwärts-abwärts geritten werden.

Die Expertin

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privat

Sabine Ellinger, Dressur­aus­bilderin bis Klasse S, lebt in Murrhardt, Baden-Württemberg.

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Longieren lenkt den Blick nach unten

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Ich schätze, dass sich diese Stute ungerne in Dehnungshaltung vorwärts-abwärts reiten lassen wird. Darauf deutet ihr ausgeprägter Unterhals hin.

Er führt dazu, dass sie den Kopf sehr hoch hält. Den Reiter versucht sie zu tragen, indem sie ihre dorsale Muskelkette (Rücken- und Kruppenmuskulatur sowie Muskeln der Ginterbeine) versteift. So entwickelt sie einen kurzen, abgehackten Gang mit relativ wenig Schwung und Verspannungen im Rücken und Hinterbein. Durch die fehlende Ganaschenfreiheit fällt es es ihr außerdem schwer, korrekt im Genick nachzugeben und in Dehnungshaltung zu kommen. Die steile, lange Schulter sorgt für eher knappen Raumgriff. Die Schulter wirkt massiger als Kruppe und Hinterbein; das Pferd trägt also vorne viel Gewicht. Die Beulen (Knäste) am Unterkiefer verraten, dass das Pferd noch relativ jung ist. Sie weisen auf die unter den Milchzähnen nachschiebenden dauerhaften Zähne hin: Das Tier ist im Zahnwechsel.

Ich würde die Stute über einen längeren Zeitraum ausgebunden longieren, am besten mit dem DIPO-Trainer. Er hat keine direkte Einwirkung auf Genick oder Maul und wirkt über leichten Druck gegen die Kehle. Eine Alternative wäre der Dreieckszügel. Dabei ruhig Stangen und Cavalettis in allen drei Gangarten einbeziehen. Das stärkt die Koordination und hilft, die Aufmerksamkeit nach unten auf den Boden zu richten. Am Anfang würde ich beim Longieren nicht speziell Übergänge üben, sondern bloß auf den Takt achten und das Pferd sein eigenes Tempo finden lassen. Aufbauend könnten im Verlauf der Ausbildung Stangenlabyrinthe dazu kommen.

Durch dieses Longentraining verändert sich die Halsform vom steilen „S“ zu einem dorsal-konvexen „C“. Gleichzeitig wird der Halsansatz am Übergang von der Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule angehoben und die Unterhalsmuskulatur abgebaut. Das wirkt sich auch positiv auf die Ganaschenfreiheit aus. Dabei darf man die Hinterhand natürlich nicht vergessen. Durch deren fleißiges Untertreten soll der Rücken von hinten her aufgewölbt werden. Wenn sich der Reiter später auf das Pferd setzt, sollte er weiter mit tiefer Einstellung reiten. Vermutlich wird das Pferd sie nicht lange halten können, den Kopf hochnehmen und den Rücken versteifen. Dann muss man im Training einen Schritt zurückgehen oder auch mal 10 Minuten führen. Am besten ist es, die Arbeit zu beenden, ehe das Pferd sich zu wehren beginnt.

Die Expertin

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privat

Claudia Schebsdat, Pferde-Osteothera­peutin und -Physio­therapeutin, aus Kleinmachnow in Brandenburg

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Auf die leichte Klettertour

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Die Sprunggelenke hinten sind wenig gewinkelt (11), die Hufe (13) sind in Ordnung. Vorne steht sie etwas unterständig (8). Die Beine sind trocken, fein und gut gesetzt (9), die Schulter ist kräftig und korrekt (6).

Vom Typus repräsentiert sie das klassische Araber-Berberpferd. Die kräftige Kruppe ist typisch Berber (12), ebenso die Ramsnase und die Stirn des etwas schweren Kopfs (2). Was mir negativ auffällt, ist das kleine Auge (1). Ein klarer, offener Blick aus einem großen Auge würde mich optisch mehr ansprechen.

Die Stute scheint eine geringe Ganaschenfreiheit (3) zu haben, das lässt sich jedoch auf einem Foto schwer beurteilen. Möglich, dass es ihr schwerfällt, richtig durch das Genick zugehen. Ihr Hals hat zu viele Muskeln unten und ist steil aufgesetzt (4 und 5), die Brustmuskulatur (7) ist kräftig.

Auffällig sind die beiden Wölbungen am Unterkiefer, die auf ein Zahnproblem hindeuten. Ich würde dringend davon abraten, dem Pferd momentan ein Gebiss einzuschnallen. Hätte ich die Stute im Training, würde ich sie in den kommenden 6 bis 12 Monaten nur am Boden arbeiten. Eine Vierjährige sollte man allerdings auch nicht einfach auf die Weide stellen, weil sich das auf längere Sicht rächt. Sie ist in einem Alter, wo der Reiter an der Rollenverteilung feilen sollte. Wer folgt wem? Wo sind die Grenzen? Was darf das Pferd und was nicht? Diese Dinge würde ich am Boden klären. Dazu gehören gründliches Longieren, Trails, Gelassenheitstraining und Spaziergänge. Ganz spielerisch verbessert sich auf diese Weise ein weiteres momentanes Manko: die weiche und lange Rückenpartie (10).

Sie muss aufgebaut werden. Ich empfehle Longentraining, aber auch leichte Kletterpartien an Hügeln. Keinesfalls darf man diese Pferd überfordern, sonst landet man mit ihm schnell wegen Rückenproblemen beim Tierarzt. Erfolge in der Dressur und beim Springen halte ich bei diesem Exterieur für fraglich. Di-stanzreiten, Pleasure oder Trail käme der Stute vermutlich eher entgegen. Auch dafür muss sie zunächst die entsprechenden Muskeln aufbauen. Es wäre schade, dieses Pferd zu früh zu überfordern.

Die Expertin

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privat

Sanja Leuenberger, ­Präsidentin des Schweiz­erischen Verbandes der Berber und Araber-Berberpferde, aus ­Aargau in der Schweiz

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