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Reitschul-Test: Reiten in Hamburg

Reitschulen in Hamburg

Tipps für Reitschüler: CAVALLO-Redakteurin Miriam Kreutzer hat vier Reitschulen in Hamburg und Umgebung getestet. Reiten in Hamburg: Hier finden Sie Ergebnisse und Fotos!

Reiten in Hamburg: Reitschule Anja Wallert
Die Reitschule Wallert testete CAVALLO vor vierzehn Jahren. Damals standen die Pferde noch in Ständern. Was hat sich dort getan?

Mit Übergängen und Tempowechseln macht Miriam Kreutzer Schulpferd Darina beim Reitstall Kruse flott. Verschwindet dabei auch der Zungenfehler?

Fuchsstute Sansibar ist vier Jahre alt und nicht gern allein. Ist das junge Reitpony von Juliane Bolduan auf dem Schimmelreiterhof bereits als Lehrpferd geeignet?

Fjord-Wallach Intervall beim Boberger Reitverein ist ein Verlasspferd – solange man ihn in Ruhe lässt. Fordert ihn der Reiter, lupft er sein Hinterteil. Wie reagiert die Reitlehrerin?

Reiten in Hamburg: Boberger Reitverein

Die Vor- und Nachnamen der Reitlehrer vom Boberger Reitverein in Hamburg haben zufällig einen Gleichklang. Sie beginnen mit dem gleichen Buchstaben: Jule Jacke, Birte Bars und Stefanie Stanelle. Letztere treffe ich bei meiner Anmeldung im Büro des Reitstalls.

Sie hat gerade die Nachricht bekommen, dass in Schleswig-Holstein das Herpes-Virus grassiert. „Schlimm ist das. Da sollte kein fremdes Pferd auf die Anlage kommen. Turniere sind tabu“, erklärt sie verantwortungsbewusst.

Am Testtag soll ich Fjord-Wallach Walli reiten, der eigentlich Intervall heißt. Er ist 17 Jahre alt und hat ein Stockmaß von etwa 1,40 Metern. Walli ist eins von 15 Schulpferden. Seine Box ist etwa 3 x 2,80 Meter groß. Eigenes Putzzeug liegt in einem Spind an der Box.

Auf einem Schild ist zu lesen, dass Walli drei Mal täglich Hafer und Silage bekommt. Ich sattele Walli mit einem Vielseitigkeitssattel, nachdem ich ihn vom Paddock geholt habe. Dort hat er seinen Nachmittag verbracht.

Beim Boberger Reitverein sind die Schulpferde jeden Tag draußen. Es gibt Weiden und Paddocks, die alle gepflegt sind. Dasselbe gilt für die zwei Reithallen und den Außenreitplatz. „Ich gebe Ihnen heute Walli, weil ich nicht genau weiß, wie gut Sie reiten,“ begründet Stanelle.

Walli und Rapunzel sind ihre zuverlässigsten Schulpferde, die sie Neulingen aus Sicherheitsgründen gibt. Auch dass ich die Dreieckszügel sofort einschnallen soll, begründet sie damit, mich nicht zu kennen. Es reiten vier weitere Reitschüler in der etwa 20 x 40 Meter großen Reithalle.

Das entspricht der Aussage auf der Internetseite, dass in der Gruppenstunde maximal mit fünf Mitreitern gerechnet werden muss. Jeder von uns darf reiten, wie er möchte, inklusive Richtungswechsel. Das finde ich angenehm.

Nicht so angenehm wirkt Walli. Er ist steif, legt sich auf die Hand und ist triebig. Auf den Schenkel reagiert er unwillig. Ich soll eine Gerte nehmen, aber vorsichtig sein. Walli werfe den Hintern in die Luft, wenn man ihn antippe. „Viele Schüler verzichten daher auf die kleine Aufmunterung“, erzählt Stefanie Stanelle.

Tatsächlich macht der Fjord-Wallach Bocksprünge, sobald ich ihn touchiere. Er wird aber deutlich wacher, und die kleinen Buckler sind für mich problemlos zu sitzen. Ich reite viel Schritt, Schulterherein und Tempowechsel. Nach und nach wird Walli nachgiebiger an der Hand und löst sich.

Auf der rechten Hand lässt er sich nur schwer stellen. Beim Angaloppieren springt er zunächst falsch an. Walli hat eine erkennbare Ausbildung. Er sollte aber häufiger Korrektur geritten werden, damit er wieder feiner auf den Schenkel reagiert. Ich gebe dem Fjord-Wallach ein Hufeisen.

Stefanie Stanelles Unterricht ist für mich nicht hilfreich. Die Reitlehrerin macht nur selten Vorschläge, was geritten werden sollte. „Jetzt könnt ihr mal Schritt-Galopp-Übergänge machen“, ruft sie zum Beispiel. Sie sitzt auf einem Stuhl an der langen Seite der Halle und kann gerade so über die Bande gucken. „Setzen Sie sich etwas aufrechter hin und versuchen Sie, Ihre Hände mehr zu tragen.“ Das ist der einzige Kommentar der Reitlehrerin zu meinem Ritt.

Ich bin etwas verunsichert und frage deshalb am Ende nach. Sie sei mit mir zufrieden gewesen und habe deswegen nicht weiter korrigiert, sagt Stefanie Stanelle. Die Reitlehrerin hat sich Gedanken um die Sicherheit gemacht und mir ein Pferd gegeben, das zuverlässig ist, solange man nichts von ihm verlangt. Abzüge gibt‘s beim Unterricht, der sich auf wenige Kommandos beschränkte. Bei einem Mitreiter übersieht sie eine viel zu hohe Hand, die den Kopf des ausgebundenen Pferds weit hinter die Senkrechte zieht. Ein halbes Eisen für die Reitlehrerin.

Der Schulunterricht wird vom Boberger Reitverein betrieben. Die Anlage punktet mit guter Organisation und Koppelgang für die Schulpferde. Ein Hufeisen ziehe ich ab, weil Walli in einer vergitterten Innenbox ohne Fenster lebt. Ich gebe dem Betrieb zwei Hufeisen.

Für Reitschüler besteht die Möglichkeit, zehn Probereitstunden zu nehmen. Dann muss man sich entscheiden, dem Verein beizutreten. Die Aufnahmegebühr beträgt einmalig 100 Euro. Zusätzlich müsste man einen Monatsbeitrag von 20 Euro bezahlen und 50 Euro im Monat für eine Reitstunde wöchentlich. Das ist grundsätzlich ein fairer Preis für die Gruppengröße. Weil aber weder die Reitlehrerin noch das Schulpferd voll überzeugen konnten, vergebe ich beim Preis-Leistungs-Verhältnis ein Hufeisen.

Bewertung:

Schulpferd: ein von drei Hufeisen
Reitlehrer: einhalbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: ein von drei Hufeisen

Kontakt:

Boberger Reitverein
21033 Hamburg
Tel. 0172-8778842
www.boberger-reitverein.de

Reiten in Hamburg: Schimmelreiterhof Hamburg

Beim Schimmelreiterhof gibt es eigentlich keinen Schulbetrieb im klassischen Sinne. Dafür bieten mehrere Einsteller auf ihren eigenen Pferden Unterricht. Auf Nachfragen direkt vor Ort gibt es gleich zwei Möglichkeiten, auf Schulpferden Unterricht zu nehmen: bei einer Westerntrainerin und einer klassischen Ausbilderin.

Ich entscheide mich für Juliane Bolduans klassischen Unterricht. Sie gibt auf sechs ihrer acht Pferde Reitstunden. Ihr ist es am liebsten, wenn ihre Schüler so regelmäßig zum Unterricht kommen, dass es eher einer Reitbeteiligung entspricht. Bolduan möchte nicht zu viele verschiedene Reiter auf einem Pferd und legt großen Wert darauf, dass Reiter und Pferd zueinander passen. Deshalb versucht sie von Anfang an die richtige Reiter-Pferd-Konstellation zu finden.

Das Paar bleibt dann regelmäßig zusammen, es finden kaum noch Pferdewechsel statt. Bolduan ist selbst Springen bis Klasse L geritten, musste den Sport aber krankheitsbedingt aufgeben. Heute bildet sie sich zusammen mit ihrer Tochter, die aktiv im Sport reitet, fort und besucht Seminare, wann immer es ihr möglich ist.

Ich habe mich als fortgeschrittener Reiter mit Erfahrung auf A-Niveau angemeldet und darf das Deutsche Reitpony Sansibar reiten. Die Fuchsstute ist vier Jahre alt und noch in der Grundausbildung. Juliane Bolduan legt Wert auf viel Bewegung. Ihre Tiere sind tagsüber gemeinsam mit anderen Pferden auf einem großen Paddock oder auf der Weide. Nachts wohnt Sansibar in einer etwa 3 x 2,70 Meter großen Innenbox.

Sie kann Kontakt zu den Boxennachbarn aufnehmen. Die Box ist sauber gemistet und mit Stroh eingestreut. Damit die junge Stute nicht alleine sein muss, leistet uns eine Haflinger-Stute beim Putzen Gesellschaft. Auch in der Reithalle muss das junge Pferd noch nicht allein bleiben: Hier kommt Schimmelpony Nikki als Begleitung mit. Juliane Bolduan möchte, dass ihre Pferde schonend ans Alleinsein gewöhnt werden.

Um die Gelassenheit ihrer jungen Reitpony-Stute zu fördern, wässert sie einen Teil der Reithalle mit dem Schlauch, während ich warmreite. Sansibar kennt das schon und bleibt völlig cool. Neben Pony Nikki läuft Bolduans Hund in der Halle herum.

Sansibar schwankt unterm Reiter. Sie ist noch nicht im Gleichgewicht und versucht, das wackelige Gefühl durchs ungewohnte Reitergewicht über Geschwindigkeit auszugleichen. Dafür reagiert die Stute bereits sehr fein auf Zügel- und Schenkelhilfen. „Setzen Sie sich in den Sattel. Im Entlastungssitz kommt sie Ihnen noch mehr ins Rennen“, rät Juliane Bolduan.

Sie achtet auf weiche Zügelführung. Der Reiter soll mit den Händen der Nickbewegung des Pferdekopfs folgen. Ich reite Schritt, Trab und Galopp. Außerdem traben wir über ein paar Stangen. Dabei achtet Juliane Bolduan genau darauf, wie ich die Stangen anreite. Sansibar macht das Stangentraining Spaß. Sie wird mit der Zeit aber auch immer flotter, weil ihr die Balance fehlt.

„Die kann sie noch nicht so gut halten“, sagt die Reitlehrerin. Ein lockerer Reitersitz ohne klammernde Schenkel soll der jungen Stute helfen. Im Galopp ist die Geschwindigkeit des Reitponys noch schwer zu regulieren. Ein Reitschüler, der Sansibar regelmäßig reiten würde, müsste weiter an der Basis feilen.

Sansibar ist rittig, kooperativ und lernt schnell. Die Reitstunde auf ihr hat Spaß gemacht. Was sie kann, macht sie gut. Ich gebe der Stute ein Hufeisen. Für ein gutes Lehrpferd fehlt ihr noch die Ausbildung.

Die Reitlehrerin bekommt eineinhalb Hufeisen. Juliane Bolduan korrigiert den Sitz des Reiters und unterstützt den Reitschüler in Situationen, in denen Sansibar flotter wird. Sie lobt viel und ist sehr engagiert. Es fehlen aber Tipps, welche Lektionen man reiten könnte.

Der Betrieb schneidet gut ab. Es gibt Weiden und Paddocks, die bei jedem Wetter genutzt werden können. Die Pferde leben im Gruppenverband. Sansibar hat eigenes Putzzeug. Sattel und Zaumzeug passen. Die 20 x 45 Meter große Halle ist hell. Eine zweite Halle sowie ein Longierzirkel sind vorhanden. Zwei Hufeisen für den Betrieb.

Für die etwa 40-minütige Reitstunde zahle ich 18 Euro. Das ist an sich sehr günstig für eine Einzelstunde. Da der Unterricht am Testtag nicht voll überzeugte und das Schulpferd noch durchschnittlich ist, erhält das Preis-Leistungs-Verhältnis eineinhalb Hufeisen.

Bewertung:

Schulpferd: ein von drei Hufeisen
Reitlehrer: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eineinhalb von drei Hufeisen

Kontakt:

Schimmelreiterhof Hamburg
22149 Hamburg
Tel. 040-6734022
www.schimmelreiterhof.de

Reiten in Hamburg: Reitstall Kruse

Schulpferd Darina ist am Testtag schon in der Halle im Einsatz. Man sieht, dass sie unterm Reiter den Rücken wegdrückt. Die Zunge der schwarzbraunen Warmblut-Stute hängt seitlich aus dem Maul. „So kommt die schon aus der Box, sobald sie das Gebiss im Maul hat“, erklärt Patricia Kilan, als ich vor meinem Unterricht nachfrage.

Die Reitlehrerin gibt heute die Stunde, an der ich teilnehme. Sie ist Pflegerin im Stall Kruse und früher bis zur Klasse L geritten. Seit ihr Kaltblut vor eineinhalb Jahren starb, reitet sie selbst nicht mehr. Die etwa 1,65 Meter große Darina trägt Dreieckszügel. „Da müsste man ein Leben lang Korrektur reiten, damit sie ohne Hilfszügel läuft“, sagt Patricia Kilan.

Zwischen den beiden Reitstunden bleiben die Hilfszügel drin. Kilan hilft mir beim Aufsteigen mit einem Hocker. Danach setzt sie sich an ein Pult hinter der Bande an der kurzen Seite und gibt von dort aus ihren Unterricht. Als die Reitstunde schließlich beginnt, sind wir elf Reiter in der etwa 20 x 40 Meter großen Reithalle.

Ich brauche eine Gerte, da Darina stumpf am Schenkel ist und nicht reagiert. Trotz Antippen lässt sich die Stute von hinten wenig aktivieren. Ihr Rücken hängt durch. Kilan sagt wenig – außer, dass ich die Beine lang machen soll. Sonst kündigt sie nur Handwechsel an.

Also überlege ich mir selbst ein Programm und probiere Wendungen und Tempowechsel. Ich versuche damit, Darinas Hinterhand zu aktivieren. Sobald die Stute nicht auf den Schenkel reagiert, tippe ich sie mit der Gerte an. Ich reite Zirkel, Volten und Schenkelweichen sowie Schultervor und Schulterherein.

Tempowechsel und Übergänge sollen das Schulpferd lockern. Diese Kombination zeigt schon bald eine Wirkung. Darina wird weicher an der Hand und tritt aktiver unter. Am Ende der Reitstunde kaut Darina zufrieden auf ihrem Gebiss. Die Zunge ist phasenweise sogar komplett im Pferdemaul verschwunden. Jetzt reagiert sie auch gut auf den Schenkel und lässt mich angenehm sitzen.

Ihr Galopp ist richtig rund und macht Spaß. Weil Darina feiner reagiert, kann ich sie problemlos durch die volle Reithalle lenken, ohne den zehn anderen Reitern in die Quere zu kommen. Beim Trockenreiten darf ich die Dreieckszügel abnehmen. Darinas gute Ausbildung ist erkennbar. Die Stute bräuchte einfühlsamen Korrekturberitt, dann wäre sie sicher wieder ein sehr gutes Schulpferd. Der Zungenfehler ist eine Abwehrreaktion gegen harte Reiterhände. Die Stute war sehr brav und entwickelte sich über die Stunde hinweg immer besser. Am Ende des Unterrichts war sie richtig rittig. Ich gebe ihr ein Eisen.

Patricia Kilan bekommt Abzüge. Die Reitlehrerin gibt weder gute Tipps noch unterstützt sie mich vor, während oder nach der Reitstunde. Es findet kaum Unterricht statt. Sie korrigiert hier und da andere Reitschüler. Ich bleibe mir selbst überlassen. Also reite ich nach meinem eigenen Plan. Da Patricia Kilan an der kurzen Seite an ihrem Pult sitzt, kann sie vieles gar nicht richtig sehen, weil sie zu weit weg von den Reitschülern ist. Sie schenkt dem einzelnen Reiter nur wenig Aufmerksamkeit. Ich ziehe zweieinhalb Hufeisen ab und notiere ein halbes für die Reitlehrerin.

Die 26 Schulpferde des Betriebs kommen täglich auf Weiden oder Paddocks. Im Sommer haben sie einen Monat frei. Dann findet vier Wochen lang kein Schulbetrieb statt. Die Webseite des Reitstalls Kruse wirbt mit Fenster- und Außenboxen. Schulpferd Darina steht aber in einer Innenbox ohne Fenster. Die Box ist mit etwa 3 x 3,50 Meter groß genug, aber rundherum vergittert. So kann Darina wenig Sozialkontakt mit den Boxennachbarn aufnehmen.

Am Testtag sind die Ställe sauber gemistet. Das Putzzeug für die Schulpferde befindet sich in einer Gemeinschaftskiste. Darinas Sattelzeug hat seinen eigenen Platz in der ordentlichen Sattelkammer. Auf der Anlage stehen zwei Außenreitplätze, zwei Reithallen, ein Longierzirkel und ein Springplatz zur Verfügung. Der Reitstall Kruse ist nicht nur eine Reitschule, sondern auch ein Aufzucht-, Verkaufs- und Pensionsstall. Der Betrieb bekommt eineinhalb Hufeisen.

Die 60-minütige Reitstunde kostet 18 Euro, was im Prinzip nicht teuer ist. Am Testtag ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aber nicht empfehlenswert und erhält kein Hufeisen: Ich musste mir die Halle mit zehn Reitern teilen, die Reitlehrerin gab dem einzelnen Schüler nur wenig Tipps und das Schulpferd zeigte Rittigkeitsdefizite.

Bewertung:

Schulpferd: ein von drei Hufeisen
Reitlehrer: einhalbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: keines von drei Hufeisen

Kontakt:

Reitstall Kruse
22179 Hamburg
Tel. 040-6426473
www.reitstallkruse.de

Reiten in Hamburg: Reitschule Anja Wallert

Hero hat eine wunde Stelle im Schulterbereich. Der Hannoveraner soll heute mein Schulpferd sein. Als ich Reitlehrerin Britta Hartwig darauf anspreche, sagt sie: „Da ist jemand mit seinem eigenen, viel zu engen Sattel geritten.“ Trotzdem solle ich Hero weiter putzen und satteln.

Britta Hartwig, die seit ihrem fünften Lebensjahr reitet und eine Bereiterlehre abgebrochen hat, schmiert Zinksalbe auf die Haut und prüft, ob der Sattel Druck auf die Stelle ausüben könnte. Ich soll Heros Sattel und Putzzeug aus der Sattelkammer holen. Sie ist aufgeräumt, alle Sättel und Trensen sind mit den Pferdenamen beschriftet. Ansonsten hält sich die Reitlehrerin vor der Stunde mit Anweisungen zurück.

Sie steht neben mir, unterhält sich aber mit einer anderen Reitschülerin. Schulpferd Hero ist ein Fuchs und misst etwa 1,55 Meter. Der Wallach koppt und streckt die Zunge heraus, als ich ihm das Gebiss ins Maul schieben möchte. Das kombinierte Reithalfter seiner Trense ist zu lang verschnallt und drückt dadurch auf den besonders empfindlichen Nasenbereich. Bevor die Reitstunde beginnt, frage ich die Reitlehrerin, ob die Dreieckszügel bei Hero benötigt werden. Sie hängen beim Sattelzeug dabei. „Ich weiß nicht, wie Sie reiten, daher schnallen wir sie ein“, sagt Hartwig.

Ich soll die Hilfszügel schon vor der Lösungsphase anlegen. Sie sind zu kurz und zwingen Heros Kopf im Stand hinter die Senkrechte. Hero hat keine Chance, sich nach vorwärts-abwärts zu strecken und den Rücken zu wölben. Ich frage bei der Reitlehrerin nach. „Das passt so“, sagt sie. Heros Hals hat in dieser Haltung einen falschen Knick. Für mich fühlt sich das auch nicht gut an, da ich eine Stunde lang auf einem verspannten Pferd sitze.

Britta Hartwig korrigiert meinen Sitz: Gerade sitzen soll ich. Aber sie erklärt nicht, wo genau ich krumm bin. Das wiederholt sie immer wieder: „Gerade sitzen, gerade sitzen. Fußspitzen nach innen, ruhigerer Unterschenkel, Zügel kürzer.“ Hero zieht mir die Zügel fast aus der Hand. Er reagiert sehr verzögert auf Schenkeldruck. Ich bekomme eine Gerte, damit ich die Hilfe unterstützen kann. Bald tun mir die Handgelenke weh. Hero gibt nicht nach und legt sich schwer auf die Zügel. Ich soll Schenkelweichen reiten und Bahn‹ guren wie Volten, Zirkel sowie Wechsel durch die ganze Bahn.

Dann kommt die andere Reitschülerin, mit der sich Hartwig in der Stallgasse unterhalten hatte, mit ihrem Pferd in die Reithalle. Ab jetzt bin ich nicht mehr im Fokus der Reitlehrerin. Sie korrigiert die andere Schülerin, obwohl ich eine Einzelstunde gebucht habe. Als meine Stunde zu Ende ist, bleiben Heros Dreieckszügel beim Trockenreiten drin. Ich bringe den Wallach in seine Box. Sie ist etwa 3,10 x 3 Meter groß und hat ein Außenfenster.

Die Box ist sauber gemistet, und es liegt eine große Portion Heu bereit. Ich sattele ab. Die Zinksalbenspur auf der Satteldecke zeigt, dass der Sattel doch an der aufgescheuerten Stelle auflag.

CAVALLO testete die Reitschule Wallert schon im Jahr 1998. Damals sorgte vor allem die Haltung der Pferde in Ständern und viel zu kleinen Containerboxen für eine schlechte Betriebsbewertung. Schulpferd und Reitlehrer waren damals durchschnittlich und konnten mit je einem Hufeisen punkten.

Die Ständer sind mittlerweile verschwunden, Heros Box ist groß genug. Das Außenfenster sorgt für frische Luft und freien Blick. Die Reithalle hat nicht ganz Standardmaße. Sie ist etwa 20 x 30 Meter groß. Der Außenplatz ist mit etwa 20 x 50 Metern größer und gepflegt. Er wird am Testtag von anderen Reitern genutzt. Der Betrieb ist sauber und gut organisiert. Nur der regelmäßige Weidegang ist wie vor 14 Jahren nicht selbstverständlich. Die Pferde kommen ab und zu auf einen Paddock. Hero steht am Testtag in der Box. Der Betrieb bekommt ein Hufeisen.

Schulpferd Hero hatte aufgrund der kurzen Hilfszügel am Testtag keine Möglichkeit zu zeigen, ob er rittig sein kann. Ich erlebte einen verspannten, anstrengenden Ritt, der keinen Spaß machte. Hero reagierte auf Hilfen, wenn auch erst auf Nachdruck – etwa beim Schenkelweichen. Der Hannoveraner-Wallach ist im Umgang ein braver Kerl. Das Schulpferd bekommt ein Hufeisen.

Britta Hartwig bekommt ebenfalls Abzüge. Sie ließ mich trotz Druckstelle in der Sattellage reiten und übersah die zu kurzen Hilfszügel. Sie korrigierte meinen Sitz, aber nur bis zur Hälfte der Stunde. Dann kam eine andere Schülerin herein, der sie die Aufmerksamkeit schenkte. Ich gebe der Reitlehrerin ein halbes Hufeisen.

Für die 60-minütige Einzelstunde zahle ich 35 Euro. Das ist im Prinzip ein fairer Preis. Weil Schulpferd und Reitlehrer nur durchschnittlich sind, ziehe ich zwei Hufeisen ab. Am Ende bleibt ein Hufeisen für das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Bewertung:

Schulpferd: ein von drei Hufeisen
Reitlehrer: einhalbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: ein von drei Hufeisen
Preis-Leistung: ein von drei Hufeisen

Kontakt:

Reitschule Anja Wallert
22117 Hamburg
040-7126300
www.reitschulewallert.de

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