Working Equitation Thomas Hartig
Working Equitation - Yvonne Gutsche
Working Equitation - Christiane Wehnert
Working Equitation - Maria Vetter
Working Equitation - Mirjam Wittmann 15 Bilder

3 Reiterinnen haben's getestet

4 Übungen für Working Equitation

Wie trainiert man Working Equitation? CAVALLO hat’s ausprobiert – mit drei ganz unterschiedlichen Reiterinnen und ihren Pferden.

Drei Anrufe, drei Zusagen. So schnell waren die Plätze für ein CAVALLO-Fotoshooting selten vergeben. CAVALLO-Autorin Christiane Wehnert ist eine typische Freizeitreiterin, Maria Vetter startet mit ihrer Stute bei Dressurturnieren der Klasse A und Yvonne Gutsche ist auf die Ausbildung von Jungpferden sowie Korrektur von Problempferden spezialisiert.

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So unterschiedlich die reiterlichen Fähigkeiten der drei sind, einen Wunsch haben sie gemeinsam: Sie wollen Worker werden! Auf sie wartet ein besonderes Training mit Working-Equitation-Teamweltmeisterin Mirjam Wittmann auf Hof Czeschner in Hohenstadt/Baden-Württemberg.

Trail-Hindernisse aufbauen

Doch bevor es losgeht, wird aufgebaut. Mirjam Wittmann positioniert Utensilien wie Pylonen, Stangen und eine Plane auf dem Reitplatz. „Trail-Hindernisse, die man aus diesen Dingen leicht bauen kann, motivieren Pferd und Reiter. Man probiert mal etwas anderes aus. Das macht super viel Spaß und bringt Schwung in den Dressuralltag“, verspricht die Trainerin aus Grafing bei München.

Als Warm-Up reiten die drei Frauen kreuz und quer über den Reitplatz. „So gewöhnen Mensch und Tier sich schon mal an die Hindernisse“, sagt Mirjam Wittmann. „Viele Pferde kennen das ja nicht. Manche Reiter auch nicht. So wie ich, als ich mit der Working Equitation angefangen habe.“

Mirjam Wittmann kommt ursprünglich aus der klassischen Dressur – und schwört nach wie vor darauf. „Das eine geht ohne das andere nicht“, sagt die Trainerin. „Die Dressur ist unverzichtbare Basis. Ich kann sie aber mit Hilfe der Working Equitation auch prima verbessern. Durch die optischen Markierungen verstehen Mensch und Pferd die Aufgaben besser und führen sie korrekter aus.“

Trail-Training verbindet Spaß mit Gymnastik

Auch das Reiten wird intuitiver. „Die Trail-Hindernisse zwingen den Reiter dazu, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren“, erklärt Mirjam Wittmann. „So fühlt sich der Reiter nicht nur besser in die Bewegung des Pferds ein, auch das Zusammenspiel der Hilfen wird immer feiner.“

Selbst schwierigere Lektionen lassen sich mit Hilfe der Hindernisse leicht Schritt für Schritt erarbeiten. „Und plötzlich reitet man seine ersten Traversschritte, wo man vorher gar nicht gewusst hätte, wie man die Lektion am besten angehen soll“, so Wittmann.

Bei so viel Dressur kommt der gymnastizierende Effekt fürs Pferd dann von ganz allein. Der Spaß an der Arbeit auch, wie die folgenden Übungen zeigen.

1. Rittigkeit fördern mit Zulegen und Einfangen

Das ist eine typische Worker-Basis-Übung. „Bei der Rinderarbeit im Gelände sind prompte, flüssige Tempowechsel innerhalb einer Gang art das A und O“, sagt Mirjam Wittmann. „Plötzlich galoppiert etwa das Rind davon. Dann gilt es dranzubleiben.“ Oder beim Speed-Trail: „Oft hat man nur zwei oder drei Galoppsprünge Zeit, um das Pferd aus einem Sprint in einen langsamen, versammelten Galopp zu holen“, berichtet die Trainerin.

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Yvonne Gutsche mit Quarter-Stute Chex Me: „Diese Übung macht total süchtig. Darf ich noch mal?“

Wozu ist das gut?

Aufmerksamkeit, Losgelassenheit, Versammlungsbereitschaft und Akzeptanz der Hilfen werden gefördert. Das Zulegen verbessert Sprung- und Schnellkraft der Muskeln; beim Einfangen nimmt das Pferd mehr Last mit den Hinterbeinen auf und es wird leichter in der Vorhand.

Der Reiter lernt bewusster, feiner und korrekter zu reiten, klare Hilfen zu geben und mit dem Pferd vermehrt über den Sitz zu kommunizieren.

Aufbau:

Pylonen geben Pferd und Reiter exakte optische Anhaltspunkte fürs Zulegen und Einfangen. Die empfohlenen Abstände der Hütchen für Worker-Neulinge finden Sie in der Grafik unten.

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Die empfohlenen Abstände der Hütchen für Worker-Neulinge finden Sie in der Grafik.

So geht's:

Sie können die Übung im Schritt, Trab oder Galopp reiten. Pferdetrainerin Yvonne Gutsche entscheidet sich für Galopp. „An der ersten roten Pylone fängst du Chex Me leicht ab“, sagt Mirjam Wittmann. „Dazu kippst du dein Becken etwas nach hinten und treibst die Stute weich an deine Hand.“ Dann geht’s im versammelteren Tempo bis zur nächsten Pylone. „Ab jetzt Hände und Oberkörper leicht nach vorne nehmen und das Pferd wieder vermehrt nach vorne treiben“, erklärt Mirjam Wittmann. Am letzten Hütchen wird durchpariert.

„Puh, man muss sich ganz schön konzentrieren, um exakt zu reiten“, lacht Yvonne Gutsche. Wiederholen Sie die Übung direkt im Anschluss oder bauen Sie die Aufgabe zwischendurch immer wieder ein, um die Rittigkeit zu verbessern.

Lust auf mehr?

Wählen Sie eine schnellere Gangart oder verringern Sie die Abstände zwischen den Pylonen. Noch eine Worker-Variante: Eine enge Wendung um die letzte Pylone reiten und die Tempiwechsel in die entgegengesetzte Richtung fortsetzen oder eine andere Übung anschließen.

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Noch eine Worker-Variante: Eine enge Wendung um die letzte Pylone reiten und die Tempiwechsel in die entgegengesetzte Richtung fortsetzen oder eine andere Übung anschließen.

2. Plane für mehr Mut

Die Plane ist ein eigenständiges Trail-Hindernis und gleichzeitig auch eine gute Vorübung für die Holzbrücke.

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Vor der Plane hält sie an und lässt Araberstute Shimounah daran schnuppern. „Im Training würde ich das immer zulassen“, sagt Mirjam Wittmann. „Die Pferde müssen nicht ohne zu zögern drüber gehen. Sie dürfen die Plane gerne vorher untersuchen.“

Wozu ist das gut?

Plane und Brücke sind der Klassiker schlechthin, wenn es um Mut, Vertrauen und Gelassenheit geht. Zum einen weiß das Pferd nicht, was sich darunter befindet, zum anderen hört sich das Hufgetrappel beim Überqueren plötzlich anders an. Und das Pferdeauge muss sich schnell von einem dunklen auf einen hellen Untergrund oder umgekehrt umstellen. Das zu üben, ist nicht nur für Worker sinnvoll: Freizeit- und Turnierreiter profitieren, wenn Sonnen-Schatten-Spiele auf dem Boden das Pferd irritieren könnten.

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Nach wenigen Sekunden hat Shimounah für sich entschieden, dass die Plane nicht gefährlich ist und läuft gelassen darüber.

Aufbau:

Für die Übung brauchen Sie eine Plane. Die Farbe sollte sich vom Boden abheben. Damit die Plane nicht wegweht und auch um zu vermeiden, dass das Pferd mit den Hufen hängen bleibt, beschweren Sie die langen Seiten am besten mit Stangen.

So geht's:

CAVALLO-Autorin Christiane Wehnert reitet im Schritt auf die kurze Seite der Plane zu. Vor der Plane hält sie an und lässt Araberstute Shimounah daran schnuppern. „Im Training würde ich das immer zulassen“, sagt Mirjam Wittmann. „Die Pferde müssen nicht ohne zu zögern drüber gehen. Sie dürfen die Plane gerne vorher untersuchen.“ Nach wenigen Sekunden hat Shimounah für sich entschieden, dass die Plane nicht gefährlich ist und läuft gelassen darüber.

Lust auf mehr?

Betreten Sie zunächst die Plane im Schritt. Traben Sie an, sobald das Pferd sich auf der Plane befindet. Runde für Runde können Sie früher antraben. Für den Galopp gilt das gleiche Schema.

Gestalten Sie die Aufgabe noch anspruchsvoller, indem Sie mehrere hintereinandergelegte helle sowie dunkle Planen verwenden. Dabei muss das Pferdeauge noch öfter von Hell auf Dunkel umstellen. Sie können auch den Schwierigkeitsgrad der Übung steigern, indem Sie mit einer Holzbrücke üben.

3. Hilfen verfeinern beim Ringstechen

Die südeuropäischen Hirten benutzen eine sogenannte Garrocha zum Rindertreiben. Daraus entstanden ist das Trail- Hindernis Ringstechen. Dabei nimmt der Reiter die Garrocha auf, reitet zu einem künstlichen Stier, sticht den darauf befestigten Ring und stellt die Garrocha samt Ring zum Schluss in einem Fass ab.

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Maria Vetter mit ihrer Stute Queensland vom Kurgestüt: „Das wollte ich schon immer mal testen. Und es hat so viel Spaß gemacht!“

Wozu ist das gut?

Im Fokus steht neben der Treffsicherheit die zügelunabhängige Hilfengebung des Reiters, denn er muss beide Zügel in einer Hand führen, um die Garrocha zu halten. Gleichzeitig wird das Reiten intuitiver, weil man sein Ziel genau vor Augen hat.

Aufbau:

Sie brauchen eine leere Tonne, eine Garrocha (alternativ geht auch ein zirka zwei Meter langes Bambusrohr), einen Ring zum Stechen und einen Holz-Stier. „Ein Hindernisständer, an dem man den Ring etwa auf Kniehöhe des im Sattel sitzenden Reiters fixieren kann, tut’s auch“, sagt Mirjam Wittmann. Tonne und Stier mit Ring werden für die Worker-Neulinge im Abstand von zehn Metern aufgestellt; die Garrocha kommt ins Fass.

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Wer die Garrocha hat, hält sie waagerecht neben sich. Unterarm und Zeigefinger liegen auf der Garrocha.

So geht's:

Nehmen Sie beide Zügel in eine Hand und reiten Sie im Schritt um die Tonne, um die Garrocha herauszunehmen. Bei Maria Vetter ist der Abstand zur Tonne noch zu groß, um die Garrocha greifen zu können. „Denke in der Wendung mehr an ein Schulterherein“, rät Mirjam Wittmann.

Wer die Garrocha hat, hält sie waagerecht neben sich. Unterarm und Zeigefinger liegen auf der Garrocha. Dann geht’s weiter zum Stier mit dem Ring.

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Dann geht’s weiter zum Stier mit dem Ring.

„Schaut nicht nach vorne, sondern in die Mitte des Rings. Stellt euch vor, im Ring hängt eine Spinne, die ihr treffen wollt“, erklärt die Trainerin. „Das erhöht die Trefferquote, weil man die Spinne unbedingt erwischen will.“ Das klappt. Beide Reiterinnen stechen den Ring beim ersten Versuch.

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Wichtig: Beim Hochheben der Lanze den Daumen abspreizen, damit er den Ring fangen und mit der Garrocha festhalten kann. „Sonst besteht die Gefahr, dass der Ring über den Unterarm rutscht und diesen einklemmt.“

„Jetzt die Garrocha senkrecht halten“, sagt Wittmann. Wichtig: Beim Hochheben der Lanze den Daumen abspreizen, damit er den Ring fangen und mit der Garrocha festhalten kann. „Sonst besteht die Gefahr, dass der Ring über den Unterarm rutscht und diesen einklemmt.“ Zum Schluss geht‘s zurück zur Tonne, wo die Garrocha mit Ring abgestellt wird.

4. Anständige Hüpfer sorgen für kräftigere Muskeln

Bei der Working Equitation überprüft man mit einem kleinen Sprung, wie gehorsam das Pferd ist. „Das kommt daher, dass das Pferd bei der Arbeit mit den Rindern auf dem Feld ab und zu auch über kleine Gräben oder Baumstämme springen muss“, erklärt Mirjam Wittmann.

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„Auch als Trainer lernt man nie aus“, sagt Yvonne Gutsche. Zum Fotoshooting reiste sie mit Stuntpony Bailey (Foto) und Quarter Chex Me an.

Wozu ist das gut?

Kleine Hüpfer fördern nicht nur das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter, sie sorgen auch für mehr Power in der Hinterhand und einen lockeren Rücken. Das wiederum ist gut für die Dressur. Auch die Koordination und Reaktionsschnelligkeit des Reiters verbessern sich.

Aufbau:

Bauen Sie einen einzelnen Sprung auf, 30 bis 50 Zentimeter Höhe reichen.

So geht's:

„Wer noch nie mit seinem Pferd gesprungen ist, reitet das Cavaletti am besten zunächst im Trab an“, rät die Trainerin. Steuern Sie die Mitte des Sprungs an, indem Sie das Pferd mit Ihren Hilfen einrahmen. Gehen Sie kurz vor dem Absprung in den leichten Sitz und nehmen Sie die Arme überm Sprung etwas nach vorne, ohne die Zügel dabei wegzuschmeißen. „Beim Landen muss man dann den Oberkörper wieder aufrichten“, sagt Mirjam Wittmann. „Und am besten geradeaus weiterreiten.“

Lust auf mehr?

Parieren Sie beispielsweise nach dem Sprung sofort zum Schritt durch. Achten Sie beim Durchparieren darauf, nicht am Zügel zu ziehen und das Pferd möglichst nur über den Sitz zu verlangsamen.

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