Immun-Überreaktion beim Pferd
Zu den häufigsten Auslösern für Allergien zählen Milben, Schimmelpilzsporen, Pollen und Insekten. Typische Symptome allergischer Reaktionen sind Husten, Nasenausfluss, Quaddeln (Nesselsucht) oder eine atopische Dermatitis, also eine allergiebedingte entzündliche Hautveränderung. Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt von der genetischen Veranlagung, Umweltfaktoren und dem individuellen Immunstatus des Pferds ab.
Eine der häufigsten allergischen Hautreaktionen beim Pferd überhaupt ist das Sommerekzem ("Insect Bite Hypersensitivity"). Auslöser sind die Speichelproteine blutsaugender Insekten , die beim Stich in die Haut gelangen. Das Immunsystem stuft die als gefährlich ein, schüttet Entzündungsbotenstoffe aus, die wiederum starken Juckreiz auslösen. Die Folge: Das Pferd scheuert sich massiv, teils sogar blutig, vor allem an Schweifrübe und Mähnenkamm.

"Heuschnupfen" kann auch Pferde betreffen: Sie können allergisch auf Pollen von Gräsern und Bäumen reagieren.
Auf Allergen-Suche
Laut Dr. Regina Wagner, Fachtierärztin für Dermatologie beim Fachlabor für veterinärmedizinische Diagnostik Laboklin, wird der Ursache einer atopischen Dermatitis häufig nicht konsequent nachgegangen: "Die Erkrankung ist unterdiagnostiziert. Oft wird vorschnell auf ein Sommerekzem geschlossen, es können aber auch andere Allergene wie Pollen, Schimmelpilze, Hausstaub- oder Vorratsmilben dahinterstecken."
Auch Dr. Jasmin-Isabelle Michutta, Fachtierärztin für Pferde, betont, wie wichtig eine gründliche Ursachenforschung bei Haut- und Atemwegsproblemen ist: "Aus Informationen über die Haltungsbedingungen, einer genauen Erhebung der klinischen Symptome und im Falle von Insektenallergien der Berücksichtigung von artspezifischen Anflugmustern lassen sich erste Schlüsse ziehen." Sogenannte Vortests überprüfen die Allergengruppen Milben, Pollen, Pilzsporen und Insekten. "Darauf aufbauend können wir gezielt nach einzelnen Allergenen suchen." Beide Tierärztinnen beobachten zudem, dass Pferde meist auf mehrere Allergene gleichzeitig reagieren.
Aussagekräftige Tests
Beim Intrakutantest (auch Intradermaltest) injiziert der Tierarzt kleine Mengen möglicher Allergene in die Haut und beobachtet die Reaktion des Gewebes. "Das Pferd sollte zum Zeitpunkt des Tests symptomfrei sein, sonst reagiert es möglicherweise auf viele potenzielle Allergieauslöser positiv", erklärt Dr. Michutta, die bei der Diagnostik oft Intrakutan- und Bluttests kombiniert.

Bewährte Allergie-Tests: Serologische Tests weisen Antikörper im Blut des Pferdes nach. Beim Intrakutan-Test werden hingegen die Allergene direkt in die Haut des Pferdes injiziert, sodass mal größere und kleinere Reaktionen auf der Haut beobachtet werden können.
Bei einem IgE-Bluttest wird im Labor untersucht, ob das Pferd Antikörper gegen bestimmte saisonale oder ganzjährige Allergene oder Insekten gebildet hat. Bis zu 200 Allergene gleichzeitig kann der PAX-Test ("Pet Allergy Explorer") überprüfen. Er nutzt eine Kombination von Allergen-Extrakten und bestimmten molekularen Komponenten und bietet damit ein breites Screening des Blutserums in nur einem Testlauf. "Gerade weil Pferde oft auf mehrere Allergene reagieren, ist der PAX-Test oder das Allergie-Profil Haut, das saisonale oder ganzjährige Allergene, Insekten und Futtermittel prüft, sinnvoll", sagt Dr. Wagner. Je nach Problematik gibt es beispielsweise Allergieprofile, die auf Haut oder Atemwege abzielen.
Was hilft dem Pferd? – Therapie-Optionen
Inhalation, Lotionen oder Shampoos können die Allergiesymptome lindern. In vielen Fällen – etwa bei der atopischen Dermatitis, wo durch das starke Scheuern bakterielle Sekundärinfektionen drohen – kommen auch Medikamente zum Einsatz. Dabei ist Vorsicht geboten: "Gerade bei Pferden mit Hufrehe-Vorgeschichte und Stoffwechsel-Erkrankungen sollte eine Kortisongabe sorgfältig abgewogen werden", sagt Dr. Michutta.
Zur Behandlung des Sommerekzems wird auch der Wirkstoff Oclacitinib diskutiert. Er blockiert die Signalwege verschiedener entzündungsfördernder Botenstoffe. Das Medikament mit diesem Wirkstoff ist bislang nur für Hunde zugelassen und wird beim Pferd im sogenannten Off-Label-Use eingesetzt.
An einer Impfung gegen Interleukin-5 wird schon seit Jahren gearbeitet. Dieser Botenstoff steuert die Aktivierung und Vermehrung von Eosinophilen – jenen Immunzellen, die eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Sommerekzems spielen. In Studien führte die Impfung zu einer deutlichen Verringerung der Eosinophilen und damit zu einer Verbesserung der Symptome. Aktuell befindet sich der Impfstoff in der Zulassungsphase.
Eine bewährte Therapiemöglichkeit ist die allergenspezifische Immuntherapie, kurz ASIT. Dabei werden dem Pferd sehr geringe Mengen der Allergene verabreicht, um das Immunsystem daran zu gewöhnen. Wird die Therapie frühzeitig begonnen – im Idealfall innerhalb der ersten zwei Jahre nach Auftreten der Symptome –, können Studien zufolge bei bis zu 80 Prozent der Pferde deutliche Verbesserungen erzielt werden. "Auf lange Sicht gesehen ist die ASIT die günstigste Allergie-Therapie, und sie hat keine Nebenwirkungen", sagt Dr. Wagner. Die ASIT muss lebenslang erfolgen.
Wie aussagekräftig sind Speichel- und Fellproben?
Klingt verlockend: Es gibt frei verkäufliche Tests, die nicht invasiv sind. Man sendet eine Speichelprobe und/oder einige Mähnen- oder Schweifhaare mit Wurzel ein und erhält eine Auswertung über bis zu 300 mögliche Unverträglichkeiten bzw. Allergene.
Die meisten dieser Tests basieren auf der Bioresonanzmethode, also der Analyse elektromagnetsicher Schwingungen. Der Haken: Allergische Reaktionen werden durch das Immunsystem vermittelt, insbesondere über IgE-Antikörper, die nur im Blut nachweisbar sind. Speichel und Fell enthalten solche Antikörper nicht in verwertbarer Form. Untersuchungen zeigen, dass die Ergebnisse solcher Tests weder reproduzierbar noch wissenschaftlich validiert sind. Sie können daher keinen Ersatz für die veterinärmedizinische Diagnostik bieten. Wer wirklich wissen will, ob sein Pferd an einer Allergie leidet, kommt daher an einer serologischen Untersuchung oder/und einem Intrakutantest nicht vorbei.

Zum Schütteln: Fliegen sind einfach "nur" nervig.
Plagegeister fernhalten
Ob Allergie oder "nur" empfindlich: Alles, was reizt, sollte möglichst reduziert werden. Die Belastung mit Pilzsporen und Milben lässt sich durch gutes Stallmanagement eindämmen – bei Pollen ist das schwieriger. Gegen Insekten helfen Repellents mit Wirkstoffen wie DEET oder Icaridin. Pflanzliche Alternativen mit ätherischen Ölen sind zwar beliebt, wirken aber meist nicht so lange.
Welche Produkte am besten helfen, hängt vom jeweiligen Pferd, Wirkstoffen und Insektenart ab. Hier hilft nur ausprobieren. Generell gilt: Je höher die Wirkstoffkonzentration, desto länger besteht der Schutz. Beim Weidegang helfen Fliegendecken und -masken, und im Stall halten Fliegennetze oder ein Ventilator am Stalltor die Insekten fern, denn viele Arten meiden starke Luftströmungen. Nicht zu empfehlen sind Bremsenfallen, UV-Licht-Fallen oder elektrische Fliegenvernichter: Sie "fangen" auch nützliche Insekten.
Fiese Spinnentiere
Zecken werden aktiv, wenn es wärmer wird – oft schon ab Februar. Beim Blutsaugen können sie Krankheitserreger übertragen. In Deutschland sind vor allem Borrelien und Anaplasmen verbreitet. Generell sind Pferde zwar recht widerstandsfähig gegen diese Erreger, da ihr Immunsystem öfter damit konfrontiert wird, dennoch kommen Borreliose und Anaplasmose durchaus vor.

Krankheitsüberträger: Zecken können zu Borreliose führen. Aber auch andere Plagegeister können Schaden anrichten. Der Speichel von Gnitzen kann beispielsweise Sommerekzem hervorrufen und Asiatische Tigermücken können West-Nil-Viren im Gepäck haben. Ein guter Rundum-Schutz ist deshalb wichtig!
"Beide Erkrankungen können symptomlos verlaufen. Wenn jedoch ein Pferd plötzlich Mattigkeit, gelbe Schleimhäute und angelaufene Beine hat, sollte auch an Anaplasmose gedacht und darauf getestet werden", sagt Dr. Michutta. Beide Erkrankungen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt. Bis 2020 gab es gegen Borreliose einen Impfstoff von Boehringer Ingelheim; laut dem Pharmakonzern besteht die Möglichkeit, den Hundeimpfstoff Merolym3 umzuwidmen. Wie oft das jedoch genutzt werde, sei offen.
Pferde können, wenn auch selten, an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkranken; mit schweren neurologischen Symptomen. Diese Infektion wird von Viren ausgelöst, die eng mit denen des West-Nil-Virus verwandt sind. Für Menschen gibt es eine Impfung gegen FSME – für Pferde nicht. Daher am besten das Pferd regelmäßig und gründlich nach Zecken absuchen und die entfernen (am besten mit einer Zeckenzange, die das Spinnentier nicht quetscht). Und: Viele Insekten-Repellents helfen auch gegen Zecken.
Fliegenschutz-Liebling von Online-Redakteurin Catharina Köther:
Das Angebot an Insektenschutz-Produkten für Pferde ist mittlerweile riesig – entsprechend viele Sprays und Lotionen habe ich in den vergangenen Jahren getestet. Die Mückenmilch von Relax BioCare gehört für mich dabei ganz klar zu meinen Favoriten am Markt. Besonders positiv fällt der Geruch auf: Während viele Fliegensprays sehr intensiv und unangenehm riechen, versprüht die Mückenmilch ein Fluidum von beruhigendem Lavendel und erfrischender Citronella. Gerade in der täglichen Anwendung in den Sommer-Monaten macht das für mich einen enormen Unterschied.
Hinzu kommt die sehr gute Wirksamkeit gegen Kriebelmücken und andere kleine Plagegeister sowie die hohe Ergiebigkeit des Produkts. Auch in puncto Verträglichkeit habe ich bislang ausschließlich positive Erfahrungen gemacht – selbst bei empfindlicheren Pferden. Praktisch: Ich sprühe damit zusätzlich das Fliegenmützchen ein, was den Schutz rund um Kopf und Ohren nochmals verbessert.
Fazit: Ein durchdachtes Produkt, das für mich eine gelungene Kombination aus Wirksamkeit, Hautfreundlichkeit und angenehmer Anwendung bietet.
Wirkstoffe in Fliegenmitteln für Pferde
DEET: gilt als "Goldstandard” (von der Weltgesundheitsorganisation für Tropengebiete em- pfohlen); hält Flöhe, Mücken, Milben, Bremsen und Zecken auf Abstand. Ist etwa im DEET Phaser von Leovet enthalten (in Kombi mit Citridiol).
ICARIDIN: ähnliche Schutz- wirkung wie DEET, wirkt gegen Mücken und Zecken. Steckt z.B. in den RP1-Insekten-StopProdukten von Stiefel oder Bremsen-Blocker von Effol.
IR3535: angelehnt an eine natürliche Aminosäure. Schützt vor Mücken, Zecken, Bremsen und Grasmilben. Ist z.B. in BremsenBremse, Stichfrei Animal von Ballistol oder Power Phaser (in Kombi mit DEET) von Leovet enthalten.
CITRIODIOL: wird aus Zitroneneukalyptus gewonnen, gilt als einer der wirksamsten pflanz- lichen Wirkstoffe gegen Mücken- und Zeckenstiche. Steckt etwa in TamTamVet (Leovet) und in Insekten- schutz von Zedan.
PERMETHRIN: wirkt gegen Stechmücken, Flöhe, Zecken und Milben. Permethrin weist diese nicht nur ab, sondern kann sie töten (Insektizid und Akarizid). Ist etwa im Care Fliegenspray von Höveler, in Vamoose-Decken von Horseware und im Stallspray Ultra Shield von Absorbine.





