Viel Schub und schnell im Fluchtmodus
Der Ausbilder Josef Kmoch über Stute Aruna: "Aruna kam bereits mit knapp drei Jahren zu mir, um sie aufs Anreiten vorzubereiten. Die Stute bringt, wie viele moderne Sportpferde, viel Schub aus der Hinterhand mit, den sie aber aufgrund ihres Alters noch nicht durch den Körper nach vorne durchlassen konnte. Wenn so ein Pferd schon so früh mit Reitergewicht belastet und sein Hals mit den Zügeln begrenzt wird, würde sich dieser ganze Schub vorwiegend im Lendenbereich stauen. Das zeigt sich dann an einer deformierten Oberlinie – diese Pferde entwickeln häufig einen karpfenähnlichen Rücken und einen Axthieb."

Kannst du dich biegen? Josef Kmoch gibt Stute Aruna Hilfestellung.
Ausbildungsweg: Alle neuen Berittpferde beobachtet Josef Kmoch genau: Er achtet darauf, wie sie sich ohne Reitergewicht bewegen und schaut, wo sie Unterstützung brauchen könnten. Außerdem nimmt er wahr, wie sie sich anderen Pferden und dem Menschen gegenüber verhalten und mitteilen. Das hilft ihm, später individuell auf jedes Tier einzugehen.

Josef Kmoch ist aktiver Springreiter und bildet Berittpferde auf der von ihm gepachteten Anlage in Lichtenau bei Chemnitz liebevoll aus. Seinen Ausbildungsweg zeigt er auf Shows und Lehrveranstaltungen sowie in seiner Online-Academy. Mehr Infos: www.josefkmoch.de
Neben der Arbeit am Boden macht er die Jungpferde mit dem Alltag als künftiges Reitpferd vertraut: Aruna hat gelernt, sich mit ihm allein von der Herde wegzubewegen, er hat sie auf Spaziergänge mitgenommen, mal einen Sattel auf sie gelegt, das Verladen geübt und sie auch mal mit zum Auswärtstraining genommen. Nachdem sie die Basics kannte, ging sie zurück auf die Koppel, um alles sacken zu lassen. Daran konnte der Ausbilder nach der Pause wieder gut anknüpfen. Er fing an, sie zu reiten – immer nur kurze Sequenzen, maximal 20 Minuten. Das verlief unkompliziert, weil sie schon eine gute Basis hatte und körperlich reifen konnte.

An der Hand lernt das junge Pferd, sich gesund zu bewegen.
Wichtig bei Aruna war, eine Kommunikation aufzubauen. Sie ist sehr reaktiv und neigt dazu, zu explodieren. Josef Kmoch ging immer darauf ein, wenn sie unsicher wurde, anstatt dies zu ignorieren. So hat er ihr Vertrauen gewonnen. Inzwischen macht sie sich aktiv bemerkbar, wenn sie unsicher wird, dreht etwa den Kopf zum Reiter. Dann kann der Ausbilder sie beruhigen und danach die Arbeit entspannt fortsetzen.
Praxis-Tipp: Bodenarbeit

Immer wieder reicht der Trainer der Stute die Hand. Der Kontakt gibt ihr Sicherheit - auch später unter dem Sattel.
Mit Aruna zeigt Josef Kmoch, wie er am Boden eine Verbindung zum Pferd aufbaut und es unterstützt, sich gesund zu bewegen. Beim Führen hält er das Seil locker in der Hand, ohne die Stute damit zu ziehen. Führt er die Hand mit dem Strick langsam nach unten, spürt er, ob Aruna seiner Bewegung folgen und ihren Hals fallenlassen und dehnen kann. Auf der gebogenen Linie testet er, ob Aruna sich zu beiden Seiten gleichmäßig biegen kann. Wo es dem Pferd schwerfällt, unterstützt der Trainer es mit der Hand: etwa am Hals, am Genick, in Gurtlage oder an der Kruppe.
Bei Pferden, die schon besser mit ihrem Körper umgehen können, kann Josef Kmoch die Unterstützung reduzieren. "Mein Ziel ist, dass das Pferd in meinen Hilfen Entspannung findet", erklärt Josef Kmoch. "Am Anfang ist das meine Hand, später die Gerte oder der Schenkel. Vor allem für ein künftiges Sportpferd ist es wichtig zu lernen, wie es Spannung aufbauen und wieder auflösen kann. Nur dann kann ich auch Leistung erwarten, wenn es darauf ankommt."
Praxis-Tipp: Anreiten

Jungpferde reitet Josef Kmoch immer gebisslos an.
Das Pferd nicht in der Bewegung zu stören, ist Josef Kmochs Grundverständnis von der Ausbildung unter dem Sattel. Dazu gehört für ihn vor allem, es so wenig wie möglich zu manipulieren und zu begrenzen. Wie bei der Bodenarbeit steht beim Anreiten im Vordergrund, das Pferd dabei zu unterstützen, sich mit seinem Körper in der neuen Situation zurechtzufinden. "Gerade die modernen Sportpferde bringen viel Übersetzung und Gummi mit. Wenn Kraft und Balance noch fehlen, sind sie damit unter dem Reiter zunächst überfordert", erklärt der Trainer. Deshalb reitet er gebisslos an – und verzichtet auch im weiteren Verlauf der Ausbildung gerne darauf: "Je mehr Material ich am Pferd habe, desto mehr kann ich über Schwachstellen hinwegtäuschen. Ohne das muss ich viel gründlicher arbeiten, kann aber auch keine Schritte überspringen."
Du willst mehr zu den Ausbildungsgrundsätzen von Josef Kmoch anhand verschiedener Pferde-Typen erfahren? Hier kannst du den vollständigen Artikel lesen:





