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Gebisslos Reiten - Springreiten mit Bosal

Gegen den Strom

Fair zu Pferden: Jürgen Krackow musste von Bayern nach Österreich umziehen – weil der Springreiter den Nasenring - sprich das Reiten mit Bosal liebt.

In Deutschland ist der Weg zur Spitze eng. Und wer anders reitet als alle anderen, dem wird die Tür vor der Pferdenase einfach zugeknallt. Erst recht, wenn sich darum etwas so Exotisches schlingt wie ein Bosal.

Jürgen Krackow behielt sein Bosal und tauschte dafür seinen deutschen gegen einen österreichischen Paß: Der einzige Springreiter der schweren S-Klasse, der sein Pferd gebißlos gezäumt im Parcours lenkt, zog Anfang des Jahres mit Frau Anna und Sohn Finn von Bayern in die Nähe von Salzburg und trainiert seine Pferde nun auf der Anlage Göllner in Lamprechtshausen.

„Viele sind immer noch skeptisch. Sie fragen sich, wie das geht mit dem Bosal und wann ich den Unsinn endlich sein lasse. Aber sobald ich im Parcours bin, sind sie auf einmal alle da. Sie wollen mich fallen sehen“, sagt Krackow, der über das Hin und Her mit dem deutschen Nationalkader samt Bundestrainer Kurt Gravemeier – kommt Krackow rein, kommt er nicht rein? – nicht mehr reden mag.

„Ich habe das jetzt abgehakt. Hier in Österreich habe ich das Gefühl, daß mich die Leute akzeptieren und mir meine Freiheiten lassen“, begründet Krackow seine Entscheidung pro Alpenrepublik und pro Bosal.

Video-Interview mit Jürgen Krackow - Doping im Spitzensport

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Markenzeichen Bosal

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Auf dem Weg zur Halle schleckt sich Looping noch das Maul: Es gab Zuckerstücke von der Pflegerin.

Um ein Pferd damit reiten zu können, muß man es mit Gewicht und Stimme lenken können statt durch wüstes Zerren an den Zügeln.

Krackow tut das seit etwa drei Jahren bei internationalen Turnieren vor allem mit seinem Top-Pferd Looping, einem zwölfjährigen holländischen Warmblutwallach. „Die Zuschauer mögen das. Looping ist der absolute Publikumsliebling“, sagt er. Verlassen kann man sich freilich nicht darauf, daß Krackow tatsächlich auf jedem Turnier mit Bosal startet: „Ich mache ungern, was man von mir erwartet, und reite daher auch mal mit Trense.“

Sicher ist er sich aber, daß ihm das Publikum im Oktober 2005 in Wien beim Drei-Sterne-CSI Arena Nova nicht so zugejubelt hätte, wäre er mit Trense im Zeitspringen geritten. „Ich wollte nicht schnell reiten und bin völlig ruhig durch diesen Parcours. Das Publikum hat getobt. Mit Trense hätten die mich ausgepfiffen“, sagt Krackow. Er landete auf dem zweiten Platz, mit null Fehlern.

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Krackows Kindheitstraum wird wahr

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Ein Ohr zum Reiter, eins nach vorn, fliegt Looping mit völlig entspanntem Maul über den Oxer und galoppiert locker.

Auf die Idee mit dem Bosal brachte ihn seine Schwärmerei für die Reitweise der Indianer, die – ebenso wie alle anderen Naturvölker, die sich irgendwann aufs Pferd schwangen – mit einer Schnur um den Pferdekopf ritten, ehe sie den Weißen die Gebiß-Idee klauten.

Ursprünglich stammt das Bosal freilich aus dem Norden Afrikas, wie man heute vermutet. Von dort schleppten es die Mauren nach Spanien und dann in die Neue Welt.

Da Looping als junges Pferd ein sehr sensibles Maul und Anlehnungsprobleme hatte, ritt Krackow den Wallach fast nur mit Gewicht und Stimme. Die Zügelhilfen ließ er nach und nach weg, und als seine Frau ihm dann ein Bosal zum Geburtstag schenkte, stellte er die Zäumung komplett um. Vorher hatte er es ein paarmal mit Stallhalfter versucht. Das aber scheuerte Looping die Nase wund.

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Wie funktioniert "zügelunabhängiges Reiten"?

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Zufrieden galoppiert Looping mit dem gebisslosen Zaum.

Er will Spaß am Springen vermitteln und deutlich machen, daß Gehorsam nicht erzwungen werden kann – auch nicht mit immer schärferen Gebissen, wie sie im Springsport gang und gäbe sind. Ab und an tauchen zu Krackows Freude tatsächlich auch schon Reiter mit Bosal in seinen Kursen auf.

„Ein Pferd, das auf Bosal gezäumt ist, muß nicht springen, wenn es nicht will. Es kann ganz einfach umdrehen“, erklärt Krackow die Überzeugungskunst, die der Reiter mit dieser Schmalspur-Ausrüstung bei seinem Pferd anwenden muß.

Das schafft nicht jeder – und greift doch wieder zum Gebiß. „Viele sind am Anfang begeistert vom Bosal. Das geht ein-, zweimal gut, aber wenn die Pferde dann realisieren, daß sie nichts zurückhält, drehen sie alle um. Folglich wird die Trense wieder genommen“, erklärt Krackow.

Wer mit Bosal reitet, muß seine Hilfen komplett umstellen – auf Schenkel, Gewicht, Stimme. Umgekehrt profitiert der Springreiter aber auch davon, weil sein Gleichgewicht und seine Beweglichkeit sich verbessern.

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Hier gilt das Prinzip "wenig Zwang"

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Oben ohne, unten mit: Krackow schnallt kurze Sporen an.

Looping zwickt es heute im Rücken. Nach dem Sprung schlägt er unwillig mit dem Hinterbein aus. Nach dem Reiten bekommt er deshalb ein dreifaches Verwöhnprogramm: Massage und Magnetfelddecke sollen den Muskelkater vertreiben; unter der Höhensonne soll das Pferd wohlig dösen. „Das merkt er sich: Es zwickte zwar beim Reiten, aber hinterher wurde verwöhnt“, sagt Krackow.

Looping kennt das Verwöhnprogramm schon und schielt währenddessen nach den Leckerbissen in der Hand seiner Pflegerin. Schwupps, ist das Stück Zucker verschwunden. Der braune Wallach mit dem hellen Maul ist ein Frechdachs: Er zwickt gerne mal, immer wieder flutscht die Unterlippe vor und sucht Halt an der Jacke. Ruhig in der Stallgasse stehen ist auch nicht sein Ding, sein Vorwärtsdrang ist enorm.

Den nutzt Krackow im Parcours. Druck muß er seinen Pferden nicht machen und tut es auch nicht. Je nachdem, wie sie drauf sind, fällt das Training aus: mal ein Spazierritt, mal ein paar Sprünge, mal eine Longen-Einheit. „Wir müssen unsere Pferde pflegen und gesund halten, erst dann können wir mit ihnen in den Sport gehen.“

Auch diese Einstellung möchte er weitergeben. Im Februar hielt Krackow in Bregenz am Bodensee einen Vortrag über Mentales Training. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. So etwas würde ich gern häufiger machen“, sagt Krackow, der findet, daß man mit den intelligenten, wachen Pferden von heute sensibler umspringen muß als mit ihren klobigen Vorfahren: „Man muß das Training ganz anders aufbauen. Diese Pferde vertragen keine grobe Reiterei, die machen sonst zu. Wir müssen mehr aufs Pferd eingehen, reines Durchsetzen funktioniert nicht.“

Doch damit steht Krackow laut Krackow allein auf weiter Flur. Es gebe kaum neue, junge Gesichter, die „das Herz haben, zu gewinnen und dabei trotzdem auf die Pferde achten. Die Pferde sind gut, aber die Reiter entwickeln sich nicht mit“.

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Stuntman im Springsport

„Ich kämpfe freiwillig mit meinen Rechnungen“, beschreibt Krackow seine neueste Sportart. Und was Sport anlangt, macht ihm so leicht keiner etwas vor: Als Jugendlicher fuhr er Skirennen. 1972 turnte er bei der Einweihung der Olympischen Spiele in München, und Reiten war schon immer sein Hobby – auf Isländern, Rennpferden oder Warmblütern.

1999 ging er für vier Jahre nach Dubai und trainierte die Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Sechs Jahre lang arbeitete er als Stuntman, um sich den Springsport leisten zu können. „Ich hab’ mir immer gesagt: Wenn ich mich noch nicht gut genug fühle, darf ich damit kein Geld verdienen.“

Ursprünglich wollte ihn sein Reitlehrer gar nicht Richtung Springen bugsieren. „Der wollte aus mir einen Dressurreiter machen“, erinnert sich Krackow und lacht. „Da bin ich eben beim Ausreiten im Wald über alle Baumstämme gesprungen und hatte wahnsinnige Freude daran.
Geschwindigkeit ist einfach was Schönes.“

Mittlerweile springt er nur noch selten Naturhindernisse, sondern fliegt erfolgreich über bunte Kunstsprünge: Beim Drei-Sterne-CSI im französischen Lons le Saunier im Juni 2005 zum Beispiel siegte er mit Looping im Großen Preis; zum ersten Mal für seine neue Heimat Österreich.

Ein Erfolg fehlt noch: Jürgen Krackow freut sich schon auf den Tag, an dem er mit Looping und Bosal den Großen Preis von Aachen reitet. Für Österreich.

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