Mental Coach Lisa Rädlein

So werden Reiter ihr eigener Mental-Coach

Reiten mit Hirn und Herz So werden Reiter ihr eigener Mental-Coach

Wer hat den besten Zugang zu Ihren Gedanken? Natürlich Sie selbst! Mit unseren Tipps werden Sie Ihr eigener Mental-Coach fürs Reiten.

Probleme erkennen und angehen

Klingt platt, ist aber wichtig: Hören Sie auf Ihre Gefühle! Achten Sie genau darauf, welche Situationen und Gedanken im Sattel oder rund ums Pferd sich nicht gut anfühlen.

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Tipps & Tricks So werden Sie Ihr eigener Mental-Coach fürs Reiten
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Wann bekommen Sie Bauchschmerzen oder fühlen Anspannung? Machen Sie sich bewusst, was genau bei Ihnen Unbehagen auslöst: Ist es zum Beispiel die Angst, sich selbst zu enttäuschen, wenn etwas im Training nicht klappt, oder vor anderen vermeintlich schlecht dazustehen?

Lauschen Sie auch bewusst in sich hinein, wie Sie in solchen unangenehmen Situationen mit sich selbst sprechen. Oft ätzt ein innerer Kritiker oder Schwarzmaler Sätze wie "du bist zu doof" oder "da passiert bestimmt etwas ganz Schlimmes". Notieren Sie sich diese Aussagen in einem Notizbuch, um sie greifbar zu machen.

Haben Sie Ihr inneres Teufelchen einmal klar vor sich, können Sie es bei den Hörnern packen. Das geht am besten mit einer klaren, positiven Vision dessen, was Sie sich wünschen – und mit den Tipps für entspanntes Reiten auf den nächsten Seiten.

Wichtig: Sitzen die Gefühle sehr tief, zum Beispiel durch eintraumatisches Erlebnis, sollten Sie sich professionelle Unterstützung holen.

Ziel vor Augen halten

Haben Sie ein kritisches Problem identifiziert, können Sie es positiv formulieren und so in ein Ziel verwandeln. Sie haben Angst vorm Springen? Dann könnte Ihr Ziel sein: Ich will entspannt über ein Hindernis springen.

Überlegen Sie genau, ob Sie das Ziel direkt angehen können oder ob Zwischenziele nötig sind: Vielleicht üben Sie vorher, sich mental zu entspannen (siehe Abschnitt "Stimme im Kopf entmachten") oder trainieren im Kopf und auf dem Pferd einen sicheren Sitz (siehe Abschnitt "Reiten im Kopf").

Überlegen Sie auch, bis wann Sie das Ziel erreicht haben möchten und ob Sie dafür Unterstützung benötigen. Wenn ja, von wem? Und woran merken Sie, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben? Vielleicht daran, dass Sie den Sprung mit Freude anreiten, Ihr Pferd das Hindernis vertrauensvoll taxieren lassen, ausbalanciert mit der Bewegung mitgehen und nach dem Sprung gleichmäßig weitergaloppieren?

Stellen Sie sich die Situation ganz genau vor. Wie wird es sich anfühlen? Je besser und öfter Sie Ihr Ziel mental bereits erleben, umso einfacher werden Sie es erreichen. Nutzen Sie dafür die Ergebnisse aus dem Sinnestypen-Test. Auditive Typen hören vielleicht das zufriedene Schnauben des Pferds nach dem Sprung, visuelle sehen seine konzentriert gespitzten Ohren vor sich.

Sinnestypen-Test

Wie nehme ich wahr? Der Test aus der NLP-Methode (Neuro-Linguistisches-Programmieren) zeigt, welcher Sinn besonders ausgeprägt ist. Nutzen Sie das für Ihre Zielvorstellung.

Beispiel Zitrone: Zieht sich Ihr Mund zusammen (gustatorisch)? Sehen Sie das strahlende Gelb (visuell)? Riechen Sie den frischen Duft (olfaktorisch)? Fühlen Sie die Schale (kinästhetisch)? Oder hören Sie das Geräusch beim Ausdrücken (auditiv)?

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Sinnestypen-Test

Zählen Sie in der letzten Zeile die Kreuze zusammen. Nun haben Sie einen ersten Hinweis auf Ihre Neigung. Es kann ein Haupt-Sinneskanal sein, aber auch zwei oder drei gleich starke.

Ziel 1: Mental entspannt

Lächeln: Machen Sie doch mal gute Miene zu angespannten Situationen. Wenn Sie lächeln, bekommt Ihr Gehirn automatisch das Signal, dass es Ihnen gut geht und Sie entspannen sich. Lächeln wir bei einer Aufgabe, empfinden wir sie zudem positiver.

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Mental entspannt

Sogar ein aufgesetztes Lächeln wirkt auf unser Gemüt, wie Studien zeigen. "Sie können sich zum Beispiel einen Stift quer in den Mund klemmen. Ich nenne das mit meinen Coachees Grinsezeit", so Mentaltrainerin Anna Danielsen. "Meist kommt das echte Lachen dann von ganz allein."

Auch ein Lächeln von innen heraus lässt sich leicht aufs Gesicht zaubern. Denken Sie dazu intensiv an eine positive Situation, die Sie zum Lächeln bringt. Wie das geht, lesen Sie rechts unter "Visualisierung".

Atem: Bei Angst und innerem Druck wird unsere Atmung flach und schnell. Atmen Sie bewusst langsam, können Sie Ihrem Körper signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Leichter fällt das, wenn Sie sich an Zählzeiten orientieren. Atmen Sie auf vier Zählzeiten ein, auf vier Zählzeiten aus.

Wenn es Ihnen nicht zu schwerfällt, können Sie die Ausatmung um ein bis zwei Zählzeiten länger werden lassen als die Einatmung, um noch mehr zu entspannen. "Sitze ich auf dem Pferd, nutze ich die Pferdeschritte für den Atemrhythmus. Ich atme vier Schritte lang ein, vier bis sechs Schritte lang aus", rät Anna Danielsen.

Sie können sich dabei einen Luftballon im Bauch vorstellen, den Sie mit jedem Einatmen aufblasen. Je nachdem, welcher Sinnestyp Sie sind, visualisieren Sie den Luftballon, stellen sich das Geräusch vor oder konzentrieren sich auf das Gefühl im Bauch, wenn die Luft in den Ballon ein- und ausströmt.

Visualisierung: Wie wäre es, jederzeit in die totale Entspannung eines guten Moments zurückkehren zu können? Überlegen Sie dazu, wann Sie sich vollkommen gelöst und wohl gefühlt haben. Das kann eine Situation auf dem Pferderücken oder auf dem Sonnendeck im Urlaub sein. Nutzen Sie die Ergebnisse aus dem Sinnestypen-Test, um die Situation wieder präsent werden zu lassen.

Je öfter Sie sich in die Situation versetzen, desto leichter können Sie sich das Setting in Stresssituationen mit dem Pferd wieder ins Gedächtnis rufen und nutzen. Ihr Körper hat dann bereits gelernt, sich bei dieser Vorstellung zu entspannen.

Nutzen Sie Visualisierungen auch für konkrete Probleme. "Dem guckigen Pferd einer Kundin haben wir mental große rosa Plüschkopfhörer aufgesetzt", erzählt Anna Danielsen. "Das entspannte und brachte auch gleich zum Lächeln".

Entspannungsanker: Sie wollen sich noch leichter jederzeit entspannen können? Quasi auf Knopfdruck? Dann stellen Sie sich wie oben unter "Visualisierungen" beschrieben eine entspannte Situation vor und berühren, sobald Sie ein intensives Entspannungsgefühl erreichen, mit etwas Druck einen bestimmten, gut erreichbaren Punkt an Ihrem Körper. Drücken Sie zum Beispiel mit zwei Fingern auf einen Fingerknöchel. Üben Sie regelmäßig, wird Ihr Körper entspannen, wenn Sie diesen Punkt berühren.

Auch Reiter, die unter Selbstzweifeln leiden, können Ankerpunkte nutzen. Setzen Sie dann einen Kompetenz-Anker. "Jeder Mensch hat Situationen, in denen ihm etwas gelungen ist, wo er sich kompetent und sicher fühlte", so Anna Danielsen. "Aber die vergessen wir oft." Rufen Sie sich so eine Situation, ob aus Reitstunde, Arbeit oder Alltag, bewusst immer wieder ins Gedächtnis. Drücken Sie später Ihren damit verbundenen Knopf, können Sie leichter von Selbstzweifeln auf Kompetenzgefühl umschalten.

Stimme im Kopf entmachten: Kennen Sie diese Stimmen, die in bestimmten Situationen anfangen, in Ihrem Kopf zu raunen: "Gleich kommt wieder die gruselige Stelle", "jetzt blamierst du dich" oder "heute klappt bestimmt wieder gar nichts"?

Auf manche dieser inneren Stimmen sollten Sie hören. Ist Ihr Pferd wirklich nervös und wird scheuen, reiten Sie nicht über diese begründete Ahnung hinweg. Steigen Sie ab und nehmen Ihrem Pferd in Ruhe die Angst. Wissen Sie dagegen, dass Sie eigentlich mehr Angst vor dem Traktor am Wegrand haben als Ihr Pferd, dürfen Sie die Stimme entmachten – das gilt auch für negative Glaubenssätze.

Einfach geht das mit der Micky-Maus-Methode: Geben Sie den Gedanken eine hohe, nervige Stimme. Wetten, dass sie geradezu lächerlich scheinen?

Glaubenssätze prüfen: Vielleicht haben Sie schon damit begonnen, Sätze Ihres inneren Kritikers zu notieren. Oft werden Sie merken, dass seine Sätze sich regelrecht in Ihren Kopf gebrannt haben. Sie sind zu festen Glaubenssätzen geworden. Ein Glaubenssatz könnte zum Beispiel sein: "Ich habe kein Talent zum Reiten."

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Glaubenssätze prüfen

Schauen Sie sich solche Überzeugungen genauer an. Stimmen sie wirklich, und wenn ja, immer und in jeder Situation? Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie tatsächlich nicht mit einer besonders beweglichen Hüfte gesegnet sind. Aber andererseits ein gutes Timing bei der Hilfengebung haben.

Formulieren Sie Ihren Glaubenssatz also entsprechend neu – und zwar so, dass er Ihnen leicht über die Lippen geht. Er muss nicht lauten: "Ich bin ein talentierter Reiter." Wie wäre es mit: "Ich bin ein guter Reiter und lerne jeden Tag dazu"? Wiederholen Sie Ihren positiven Glaubenssatz möglichst oft. Hängen Sie ihn an Ihren Spiegel.

Hilfreiche Fragen: Wer sich die richtigen Fragen stellt, bekommt hilfreiche Antworten. Nutzen Sie das, um sich von innerem Druck und Ängsten zu befreien. Fragen Sie sich:

Was würde meine beste Freundin sagen? Würde Sie Ihnen an den Kopf werfen, dass Sie einfach zu doof sind? Sicher nicht. Sie würde Sie verstehen und den Blick auf das Positive einer Situation lenken.

Ist ein Fehler schlimm? Oder hilft er uns, zu lernen und zu üben? Versuchen Sie, Misserfolge positiv zu sehen.

Was sind die Folgen? Was passiert wirklich, wenn Sie die Dressurprüfung verhauen? Wahrscheinlich nicht viel, wenn man mal von Ihren Selbstvorwürfen absieht.

Interessiert mich das in fünf Jahren noch? Hat es langfristige Folgen für Sie, wenn ein paar Reiter an der Bande einen schlechten Eindruck bekommen? Nein! Wahrscheinlich interessiert es Sie sogar schon in einer Woche nicht mehr.

Wie würde ich das durch eine Wohlwollen-Brille sehen? Mal schauen!

Ziel 2: Besser reiten

Modeling-Technik: Wenn Sie besser reiten wollen, hilft ein Vorbild. Das funktioniert sowohl für einzelne Lektionen als auch bei übergeordneten Zielen wie: "Ich wünsche mir, dass mein Pferd losgelassen und zufrieden geht." Überlegen Sie, welcher Reiter das so umsetzt, wie Sie es sich wünschen. Das kann eine berühmte Reiterin, aber auch ein Stallkollege sein.

Betrachten Sie diesen Menschen möglichst oft beim Reiten, ob als Zaungast am Reitplatz oder vor dem Bildschirm. Schauen Sie genau hin: Was ist das für ein Mensch, wie hält er sich, welche Ausstrahlung und Einstellung hat er, wie sieht sein Leben aus? All das wird dazu beigetragen haben, dass er nun so eine perfekte Traversale reiten kann.

Überlegen Sie, wie sich dieser Mensch von Ihnen unterscheidet. Scheint er beweglicher? Machen Sie Yoga oder Gymnastik. Hat er ruhigere Beine? Buchen Sie Sitzschulungen und trainieren mental. All das kann Ihnen helfen, ähnlich gut zu reiten wie Ihr Vorbild. Dabei geht es nicht darum, die Person zu kopieren, sondern für sich selbst etwas mitzunehmen.

Reiten im Kopf: Möchten Sie eine bestimmte Lektion oder einen guten Sitz üben, hilft es, wenn Sie einmal auf dem Pferd erleben, wie es sich richtig anfühlt. Am besten schaffen Sie das gemeinsam mit einem guten Reitlehrer, vielleicht auch mit einem gut ausgebildeten Lehrpferd. Später können Sie sich dann im Kopf erneut vorstellen, wie Sie die Lektion reiten.

Nutzen Sie dafür die Ergebnisse des Sinnes-Tests. Spüren Sie als kinästhetischer Typ zum Beispiel genau, wie Ihr Bein am Pferdebauch anliegt, wo das Pferd abfußt. Vielleicht sind Sie zusätzlich visuell veranlagt und rufen sich in Erinnerung, wie der Hals des Pferds vor Ihnen positioniert war, ob Sie sein Auge sehen konnten oder nicht.

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Reiten im Kopf

Gehen Sie die richtige Hilfengebung oder wichtige Aspekte Schritt für Schritt im Kopf durch, wie bei einem Drehbuch. Haben Sie die Lektion noch nicht in der Realität erlebt, sprechen Sie den Ablauf genau mit Ihrem Trainer durch. Schreiben Sie sich Schritt für Schritt so detailliert wie möglich auf. Üben Sie im Idealfall jeden Tag wenige Minuten im Kopf, um einen guten Effekt zu erzielen.

Die Expertin

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Anna Danielsen

Anna Danielsen ist Mental-Coach für Reiter und kombiniert mentale Techniken mit Reitunterricht und Arbeit am Boden. Auch Inhalte aus ihren Ausbildungen zur Meditationstrainerin, NLP-Master und Kinder- und Jugendcoach fließen in die Reitcoachings ein. www.genial-mental.de

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