"Rückwärtsrichten mobilisiert den Rücken"
Ich nutze Rückwärts zur Mobilisierung. Die Bewegung hilft Pferden mit langen, schlecht bemuskelten Rücken, ihren Rücken mehr aufzuwölben. Bei solchen Pferden wende ich die Übung beinahe therapeutisch an und richte sie teils sogar eine oder zwei Pferdelängen rückwärts – zunächst aber nur an der Hand.

Claudia Butry lehrt klassische Dressur, ist aber offen für neue Wege. Sie ist auch Neuroathletik-Trainerin und Bewegungstrainerin nach Eckart Meyners. Mehr Infos unter www.neuesreiten.de
Elastizität herstellen:
Beim Rückwärtsrichten sollte das Pferd die Kruppe absenken und die Lendenwirbelsäule aufwölben. Die Elastizität des lumbosakralen Übergangs, also des Übergangs zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein, wird so gefördert. Zusammen mit der Hankenbeugung ermöglicht die Flexibilität in diesem Gelenk die Versammlung.
Abwehr erkennen:
Die Übung kräftigt nur, wenn das Pferd dabei sauber diagonal zurücktritt und über den Rücken geht. Daher ist sie nur etwas für geübte Reiter, die ein- schätzen können, wie sich ihr Pferd bewegt und wann es auf diese Anstrengung vielleicht mit Abwehrsignalen reagiert und sich zu entziehen beginnt. Von der Anstrengung zur Abwehr ist es nur ein schmaler Grat. Man muss das erkennen und rechtzeitig aufhören.
Typgerecht rückwärtsrichten:
• Typen, die bereits im Schritt und Halten dazu neigen, sich zu verkriechen, richte ich nur wenige Tritte und seltener rückwärts.
• Bei schwerfälligeren Pferden, die wie früher meine Friesenstute dazu neigen, durch die Hand zu laufen, hilft Rückwärts, um sie von der Vorhand wieder mehr auf die Hinterhand zu setzen und besser an die Hilfen zu stellen.
• Bei hoch ausgebildeten Pferden reicht mitunter ein angedachter Rückwärts-Tritt, um einen Grad mehr an Versammlung zu erreichen.
"Das Rückwärts schult feinste Kommunikation"
Rückwärtsrichten lehrt den Reiter, seine Hilfen feiner zu dosieren. Am Boden erarbeite ich es eher mit zwei Gerten und weniger mit dem schwingenden Seil. In einer Hand halte ich dazu eine Gerte, während mir das Pferd im Idealfall frei gegenüber auf dem Platz steht. Die Impulse mit der Gerte lassen sich präziser steuern und vor allem schneller stoppen. Ein Seil schlackert unter Umständen nach, was dazu führt, dass manche Pferde den Kopf hochreißen.

Sandra Kogler ist Pferdetrainerin für Horsemanship und Freiheitsdressur. Sie gibt deutschlandweit Kurse. Mehr Infos unter sandra-kogler.de
Rückwärts denken:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Pferde mit wenig Körpersprache sehr leicht zurückgehen.
• Ich stelle mich mit beiden Beinen fest und aufrecht auf den Boden. Dann hebe ich mein Brustbein und versuche eine klare Präsenz zu zeigen, ohne einschüchternd oder drohend zu wirken.
• Wichtig ist, Körperspannung zu haben, aber dennoch nicht steif zu sein – die Energie soll noch fließen.
• Ich suche Blickkontakt mit dem Pferd und stelle mir ganz konkret vor, dass das Pferd zurückgeht.
• Tut sich nichts, bewege ich minimal die Gerten am Boden. Das kann ein kleines Streichen oder Klopfen sein.
• Schon die Tendenz nach hinten wird belohnt, bis das Pferd versteht, was ich will und wirklich zurücktritt.
Hindernisse fürs Geschick:
Rückwärts im Slalom um zwei/drei Hütchen zur reiten, fördert Konzentration und Geschicklichkeit. Weil es für das Pferd anstrengend ist, bitte mit viel Überlegung und Gefühl probieren. Nicht öfter als ein- oder zweimal hintereinander üben und eine Stehpause einbauen.
Bergauf fürs Selbstbewusstsein:
Genauso wie ich um Hindernisse rückwärtsreite, schalte ich auch im Gelände mal in den Rückwärtsgang. An der Hand oder unter dem Sattel ein paar Tritte rückwärts den Hügel hoch – das lockert den Rücken und wirkt auf die Muskulatur der Hinterhand. Die Übung hilft Pferden, ihre Bewegungen besser zu koordinieren. Und das stärkt wiederum auch das Selbstbewusstsein.
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