Alles über den Schwung beim Pferd

Ein bisschen Physik: Was Schwung eigentlich bedeutet

Dass der Schwung in der deutschen Reiterei so hohen Stellenwert hat und elementarer Bestandteil der Ausbildungsskala sowie der Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist, hat einen simplen Grund:

Deutsche Militärpferde, in deren Ausbildung die heutige FN-Reitlehre wurzelt, mussten nicht in engen Arenen den Stieren entwischen, sondern zügig weite Strecken zurücklegen. Dabei half ihnen der Schwung. „Auf langen Ritten sorgt er für energiesparendes Laufen“, sagt Andrea Glink, Tierheilpraktikerin und Trainingstherapeutin aus Winsen/ Niedersachsen.

Warum, erklärt die Physik. „Schwung“ steht für die gespeicherte Bewegungsenergie eines Körpers (Impuls) und hängt von der Masse des Körpers und seiner Geschwindigkeit ab. „Im Pferdekörper sorgt er für ruhigere Atmung und niedrigeren Puls“, erklärt Andrea Glink. Mit Schwung müssen die Muskeln das Pferd nicht alleine vorwärtstreiben, sondern werden durch die im Körper gespeicherte Bewegungsenergie unterstützt.

Fehlt der Schwung, schadet das keinem Pferd. Dressur im Sinne der deutschen Reitlehre ist allerdings auch laut Dr. Heuschmann nur mittels Schwung möglich. Nur er zaubert aus Fußfolgen und Figuren einen mitreißenden Walzer. Wie das funktioniert, zeigt Pferdewirtschaftmeister Andreas Grams aus Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart in diesem Artikel anhand dreier Pferde mit unterschiedlichen Schwungproblemen: Floragamo, Roger, Fuevo. Grams erklärt für CAVALLO auch, welchen Einfluss der Körperbau auf den Schwung hat.

Die FN-Richtlinien für Reiten und Fahren definieren Schwung als „Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand auf die Gesamt- Vorwärtsbewegung des Pferdes“. Schwung im FN-Sinn ist immer Ergebnis einer korrekten Ausbildung.

18.11.2008
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 05/2008