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Selen für Pferde: Mangel oder Überversorgung?

Selen für Pferde: Mangel oder Überversorgung? Der Mythos vom Selen-Mangel beim Pferd

Woran erkennen Sie einen Selen-Mangel beim Pferd und wie füttert man Selen zu? CAVALLO klärt auf.

Fehlt es dem Liebling an diesem Spurenelement oder bekommt er gar zu viel davon? In einer Studie aus dem Jahr 2017 hat Dr. Ingrid Vervuert, Privatdozentin am Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der Universität Leipzig, zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe interessante Erkenntnisse zur richtigen Dosierung von Selen herausgefunden.

Wie viel Selen bracht ein Pferd?

Empfehlungen zum Selen-Bedarf:

0,01 – 0,015 mg/kg KM hoch 0,75 (Die Metabolische Körpermasse (KM hoch 0,75) spiegelt den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Körperoberfläche)
Der tägliche Selenbedarf liegt bei 0,1 bis 0,2 mg pro kg aufgenommener Trockensubstanz (Die Trockensubstanz oder auch Trockenmasse ist die gesamte Masse eines Futtermittels ohne Wasser)

Wichtig: Wenn über längere Zeit täglich mehr als 2 mg Selen pro Kilogramm Trockenmasse verfüttert werden, kommt es zu einer chronischen Vergiftung.

Wird Selenmangel im Blutbild eines Pferds sichtbar?

Ja – wer wissen möchte, ob sein Pferd optimal mit Selen versorgt ist, lässt oftmals das Blut des Tiers untersuchen; im Labor wird die Selen-Konzentration in Plasma oder Serum bestimmt. Folgende Referenzbereiche gelten für die Selen-Konzentration:

Neuer Referenzbereich: 70 – 150 Mikrogramm/Liter

Alter Referenzbereich: 100 bis 200 Mikrogramm/Liter

Früher lag der Referenzbereich für ausgewachsene Pferde bei 100-200 Mikrogramm/Liter. Danach haben viele Pferde einen Selenmangel. Doch das ist zweifelhaft. Dr. Ingrid Vervuert schlug nach einer 2017 von ihr und weiteren Wissenschaftlern veröffentlichten Studie eine Korrektur der Werte vor. Denn "Pferde mit einer Serum-Selen-Konzentration zwischen 70 – 100 Mikrogramm/Liter zeigten keinerlei klinische Abweichungen, die mit einer marginalen Selen-Versorgung im Zusammenhang stehen konnten", schreibt Dr. Ingrid Vervuert in der Studie. Heißt im Klartext: Werte von 70 bis 100 Mikrogramm/l bedeuten nicht, dass das Tier einen Selenmangel hat.

Auch der bisherige Höchstwert von 200 Mikrogramm/Liter müsse korrigiert werden, rät die Expertin. Denn bei Selen-Konzentrationen von über 150 Mikrogramm/Liter gebe es bereits eine Plateaubildung beziehungsweise Sättigung im Serum.

Was passiert bei zu viel Selen?

Experten unterscheiden zwischen der akuten, subakuten und chronischen Vergiftung.Zu einer chronischen Vergiftung kommt es meist durch falsche Fütterung über einen längeren Zeitraum. Genauer gesagt, wenn täglich mehr als 2 Milligramm Selen pro Kilo Trockenmasse verfüttert werden. Symptome bei einer Überversorgung mit Selen sind ringförmige Einschnürungen an den Hufen bis hin zum Ausschuhen der Hufkapsel, Lahmheit, Abmagerung.

Akute Vergiftungserscheinungen sind Schwitzen, Kolik oder verfärbte Schleimhäute. Bei Vergiftungsverdacht: sofort Tierarzt rufen. Zu viel Selen ist für Pferde richtig gefährlich, denn in höherer Dosierung ist das Spurenelement toxisch. Ein tragisches Beispiel für eine akute Intoxikation gab es 2009 bei den US Polo Championships. 21 Pferde eines Teams aus Venezuela waren erst völlig desorientiert. Kurze Zeit später kollabierten sie und starben noch am Spielfeldrand. Schuld war eine wohl versehentlich verabreichte Überdosis Selen.

Wie erkennt man Selenmangel bei Pferden?

Folgende Symptome zeigt ein Pferd bei Selenmangel: Infektionsanfällig, müde, reduzierte Leistungsbereitschaft, feste Muskeln, Atrophien, Muskelschmerz, Lahmheit, Juckreiz, brüchige Hufe, kreisrunde Flecken an Hals, Bauch oder Kruppe in anderer Fellfarbe, zu dünne Mähne und Schweif.

Frisst das Pferd nur Heu, Hafer und Weidegras, können Sie fast sicher davon ausgehen, dass Selen bei Ihrem Liebling zu knapp ist. Also muss Mineralfutter her. Damit die Fütterung nicht zum Blindflug wird, sollten Sie genau berechnen, welche Menge das Pferd braucht. Einfacher ist es, wenn Experten den Bedarf und die Futtermengen kalkulieren. Tierärzte, Futtermittelhersteller, Universitäten und unabhängige Futtermittelberater bieten diesen Dienst an. Er kostet einmalig etwa 100 Euro.

Wie füttert man das Pferd richtig, wenn es unter Selenmangel leidet?

Sie sollten den Selengehalt im Pferdefutter und den Bedarf Ihres Pferds analysieren. Eine kombinierte Bewertung von Fütterung und Selenkonzentration in Plasma oder Serum ist sinnvoll – und spiegelt die Versorgung am besten wider. Selen ist oft in Mineralfutter für Pferde enthalten, schauen Sie auf die Herstellerangaben. Auch pur lässt sich Selen zufüttern.

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