Seelenpferde Lisa Rädlein

Was macht ein Pferd zum Seelenpferd?

Beste Freunde auf Hufen Was macht ein Pferd zum Seelenpferd?

Sie lesen unsere Gedanken, sind unsere besten Lehrmeister und vor allem: unsere besten Freunde auf vier Hufen. Was macht ein Pferd zum Seelenpferd, wie finden wir so eines?

Dieses eine Pferd im Leben. Das Seelenpferd. Gibt es das? Manchmal begegnet uns ein Mensch, der zu seinem Pferd eine so enge Bindung hat, dass sie regelrecht magisch wirkt. Zwei, die alles miteinander schaffen könnten, scheint es.

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Seelenpferde
Ein Herz und eine Seele Wie werden Pferde zu Seelenpferden?
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Haben sich hier zwei Seelen gefunden? Und wenn ja, wie "funkt" es zwischen Mensch und Pferd? Ist es Liebe auf den ersten Blick, oder schweißen erst die gemeinsamen Jahre beide eng zusammen? Und wie geht es weiter, wenn dieses besondere Pferd nicht mehr da ist?

Reiter erzählen uns von ihren Seelenpferden – aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die Hobbyreiterin

"Die Geschichte von mir und meinem Seelenpferd begann auf Facebook. Dort entdeckte ich 2014 eine Anzeige, die mich sehr berührte. Es wurden Pflegestellen für Pferde gesucht, die das Veterinäramt in Kiel beschlagnahmt hatte.

Die meisten dieser Jungpferde hatten keinen Pass oder Namen, waren nicht halfterführig oder an Menschen gewöhnt. Ich wollte Gutes tun und einem dieser Pferde einen Pflegeplatz anbieten – nichts ahnend, dass dies mein Leben verändern würde.

Im Dezember 2014 habe ich Procyon kennengelernt, auf einem Hof nahe Flensburg, wo er mit seinen Halbgeschwistern untergekommen war. Ganz sanft und vorsichtig frass er mir die Möhre bei unserer ersten Begegnung aus der Hand. Danach hat er in meinen Haaren geschnuppert und nach weiteren Leckereien gesucht. So war es um mich geschehen und ich war verliebt. In diesen zerzausten, zierlichen Anglo-Araber.

Der Transport wurde geplant, fleißig eingekauft und ein schöner Platz für sein neues Zuhause organisiert. Dann kam plötzlich ein Anruf von dem Hof: Wann ich denn mit dem Geld vorbeikommen würde, die Pferde müssen jetzt verkauft werden.

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Ich, noch in den letzten Zügen meiner Ausbildung, war erst mal bedient. Einfach die Katze im Sack kaufen? Nach erst zwei Begegnungen, ein eineinhalbjähriges Jungpferd? Die Entscheidung war schwer, aber letztlich habe ich auf mein Bauchgefühl gehört. Meine Eltern stimmten dem Kauf zu und schossen mir das Geld bis zum Ende meiner Ausbildung vor. Da war es dann also meiner! Mein erstes eigenes Pferd.

Inzwischen sind sechs Jahre vergangen. Procyon hat sich mittlerweile zu einem stattlichen, soliden Reitpferd und treuem Freund entwickelt. Seine Ausbildung war alles andere als leicht. Es gab viele Tränen, viele Unsicherheiten und einen schlimmen Reitunfall im Frühjahr 2018, der mich fast in den Rollstuhl befördert hat.

Aber es gab auch die Momente, die mir gezeigt haben, dass sich die Ausbildung, der Kauf und die Tränen gelohnt haben. Wir haben in den letzten Jahren so viel erlebt und erreicht. Dieses Jahr mein absolutes Highlight: unser erster Galopp im Stoppelfeld. Ich möchte meinen kleinen Rabauken um kein Geld der Welt mehr hergeben." Ann-Christin Klever, CAVALLO-Leserin

Die Psychologin

"Die Liebe zu einem Pferd ähnelt dem Bindungsmechanismus in zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Begriff des Seelenpartners verändert sich im Laufe eines Lebens. Bei der Liebe unterscheidet man verschiedene Formen: Es gibt die romantische, die spielerische und die praktische Liebe.

Die erste große Liebe wächst oft aus sehr romantischen Vorstellungen und wird idealisiert. So ähnlich ist es auch beim ersten eigenen Pferd. Manchmal ist es Liebe auf den ersten Blick. In anderen Fällen entsteht die tiefe Verbindung erst mit der Zeit. Dann nämlich, wenn wir feststellen müssen, dass unsere Vorstellungen nicht erfüllt werden.

Sind wir bereit, uns auf eine gemeinsame Entwicklung mit Höhen und Tiefen einzulassen, kann trotzdem – oder gerade deshalb – eine sehr innige Verbindung zu einem Pferd wachsen. Wir Reiter wissen: Das erste Pferd muss alle Fehler ausbaden, die wir am Anfang machen.

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Die späteren Lieben sind dann schon abgeklärter. Wir wissen, was wir wollen, und suchen unser Pferd deshalb nach anderen Kriterien aus. Es entspricht dann schon genauer unseren Vorstellungen und Ansprüchen, die wir während der gemeinsamen, oft nicht einfachen Entwicklung mit dem ersten Pferd herausgefunden haben. Dennoch bleibt das erste Pferd meistens unvergessen und wird zur Messlatte für alle nachfolgenden Pferde.

Manche suchen im Pferd einen Kameraden, bei dem sie sich angenommen, verstanden fühlen und der sie nicht zurückweist. Bindung ist ein Konstrukt, das in der Kindheit entsteht. Wer als Kind sicher gebunden war, hat in späteren Beziehungen weniger Verlustängste.

Menschen, denen diese Erfahrung ganz oder teilweise fehlt, suchen in ihrem Leben nach einer verlässlichen Konstante. Ein Pferd kann dem Menschen unbewusst dieses Bedürfnis nach Bindung geben.

Die enge Bindung zum Pferd kann viel Positives bewirken: Menschen können lernen, ihre Beziehungsmuster verändern und entwickeln ein besseres Selbstwertgefühl. Pferde wiederum lernen dem Menschen zu vertrauen, und selbst schwierige Tiere werden ein Stück weit geheilt.

Auch ich hatte ein Seelenpferd. Pascal, ein ehemaliges Schulpferd, war Liebe auf den ersten Blick. Er war berüchtigt, weil er viele Reitschüler abwarf, doch ich konnte mit ihm sogar gleich ins Gelände gehen. Durch ihn lernte ich vor allem, meine Emotionen zu zügeln.

War ich wütend, ließ er mich einfach stehen und ging davon. Unsere Beziehung war partnerschaftlich, und Pascal hatte ein großes Mitspracherecht. Pascal ist 34 Jahre alt geworden. Ich träume heute noch von ihm."

Tatjana Quiring ist Diplom-Psychologin und Reiterin. Sie blickt auf rund 20 Jahre Erfahrung im Coaching für Menschen und Pferde zurück.

Die Therapeutin

"Wenn wir über Seelenpferde sprechen, hat das in erster Linie etwas mit uns selbst zu tun. Wir können aus unseren Interaktionen mit Pferden viel über uns selbst lernen, wenn wir wirklich hinschauen wollen. Mit dem Pferd, das wir als unser Seelenpferd bezeichnen, fühlen wir uns besonders verbunden.

Besonders Frauen gehen häufig eine sehr enge Verbindung zu ihrem Pferd ein. Mein Mann, der als Huforthopäde arbeitet, hat in seinem Kundenkreis 98 Prozent Frauen. Warum ist das wohl so? Ich denke, das Pferd füllt häufig eine Lücke aus. Frauen sind archetypisch gesehen in der gebenden Rolle: Sie schenken uns das Leben.

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Wenn sie keinen Partner oder Kinder haben, treten oft Kompensationen über die Zuwendung und Fürsorge zu Tieren auf. Männer definieren sich da eher über den Beruf oder die (Sport-)Reiterei.

Wenn ein bestimmtes Pferd zu einem Seelenpferd wird, dann entsteht eine besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass dies auch oft abhängig davon ist, in welcher jeweiligen Lebenssituation der Mensch auf das Pferd trifft.

Ich habe eine Araberstute, die ich wirklich als mein Seelenpferd gesehen habe. Sie hatte keinerlei Vertrauen zum Menschen, als sie zu mir kam. Doch wir haben uns aufeinander eingelassen und viel voneinander gelernt.

Diese Stute hatte einen ganz besonderen Status unter meinen Pferden. Sie lebt mit meinen Therapiepferden zusammen und begegnet mit ihnen vielen Patienten, die mit den Tieren therapeutisch arbeiten. Sie ist diejenige, die sich dabei aber häufig völlig zurückzieht. Doch bei einem Menschen hat sie eine Ausnahme gemacht.

Es war der Mann einer Patientin. Er hatte zu Pferden keinerlei Bezug. Doch ausgerechnet meine Araberstute nahm zu ihm Kontakt auf. Ich war total überrascht und berührt. Der Mann jedoch war so überwältigt, dass er vor Rührung, dass ein wildfremdes Tier zu ihm Kontakt aufnahm, zu weinen begann.

Er besucht nun regelmäßig die Stute und hat sich zu einem richtigen Horseman entwickelt. Für ihn ist sie sein besonderes Seelenpferd. Und ich verstand und fühlte in diesem Moment, dass die Stute und ich unsere gemeinsame Zeit hatten, die nun vorüber war. In Liebe konnte ich sie loslassen und sehe voller Freude, welch tiefe Funktion sie jetzt für diesen Mann erfüllt.

Manchmal finden Themen und Aspekte in Pferd und Mensch in einem bestimmten Kontext und zu einer bestimmten Zeit zusammen. Wie wir Menschen uns im Laufe eines Lebens verändern, so können es auch unsere Seelenpferde. Und manchmal helfen sie plötzlich einem anderen Menschen.

Diese Begegnung zeigt übrigens auch, welche wichtige Rolle die Rahmenbedingungen spielen. Wir können von Pferden nicht erwarten, dass sie sich uns zuwenden, wenn wir ihnen keinen Raum dafür lassen. Viele Pferdebesitzer managen ihre Pferde zwar prima, vergessen aber, sie wirklich wahrzunehmen.

Eine Beziehung zum Pferd entwickelt sich aus Wohlwollen und Respekt gegenüber dem Tier. Sie ist wechselseitig: Es gehört dazu, die Bedürfnisse des Pferdes zu achten. Ohne artgerechte Haltung und einen achtsamen Umgang wird es dem Fluchttier Pferd schwerfallen, sich auf das Raubtier Mensch einzulassen. "

Claudia Swierczek bietet Pferdegestützte Therapie an. Der Dokumentarfilm "Stiller Kamerad" zeigt, wie ihre Pferde traumatisierten Soldaten helfen, ein neues Leben zu beginnen. www.claudia-swierczek.de

Die Züchterin

"Schon als junges Mädchen hatte ich die Vision, Pferde zu züchten, die eine sehr enge und vertrauensvolle Bindung zu Menschen aufbauen und bewahren können. Pferde mit der Fähigkeit und der Bereitschaft, sich auf Menschen voll und ganz einzulassen und "ihrem" Menschen möglichst bedingungslos zu vertrauen.

Wer sein Seelenpferd suchte, sollte es bei mir finden können. Auch wollte ich natürlich die richtigen Menschen für meine Seelenpferde finden: Menschen, die genau diese enge Bindung suchen und bereit sind, die Verantwortung und Wertschätzung für dieses Pferd zu übernehmen.

Viele Jahre lang habe ich im kleinen Rahmen Vollblutaraber gezüchtet, die ohne jegliche schlechte Erfahrungen aufwuchsen, damit sie ihre Freude und ihr Interesse am Menschen beibehielten. Dabei investierte ich sehr viel Geduld, Zeit und Liebe und stellte andere private Interessen zurück.

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Viele Kaufinteressenten wurden über die Papiere auf die Pferde aufmerksam, die sie als Asil-Araber auswiesen. Dass diese Pferde zudem noch sehr besonders waren im Umgang mit Menschen, wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen, doch zählten häufig in erster Linie die Blutlinien und weniger die Aufzuchtsform.

Wiederum waren meine kleinen Seelenpferd-Perlen für die Kunden, die ich mir für diese gewünscht hätte, zu teuer. Den Pferden zuliebe habe ich sie meist weit unter Wert verkauft, wenn sich die richtigen Menschen für sie interessierten. Es waren wirtschaftliche Gesichtspunkte, die mich letztendlich zwangen, meine Vision aufzugeben, "Seelenpferde" züchten zu wollen.

Die Begeisterung für Vollblutaraber und die Idee für die Zucht entdeckte ich durch mein erstes eigenes Pferd, das ich vom ersten Tag seines Lebens an begleiten durfte. Mit Massarah habe ich viel Zeit verbracht und von ihr habe ich viel gelernt.

Es war und ist wundervoll zu spüren, wie die Augen eines anderen Lebewesens direkt ins Herz schauen und die Seele berühren. Massarah ist jetzt 28 Jahre alt. Bis heute haben wir eine besondere Verbindung und ein großes gegenseitiges Vertrauen. Ein Geschenk, das man mit Geld nicht aufwiegen kann."

Annet Sbaghdi, ehemalige Vollblutaraber-Züchterin, die heute einen Pensionsstall in der Nähe von Berlin betreibt. www.equilibri.de

Die Dressurausbilderin

"Als Ausbilderin habe ich mit wahnsinnig vielen Pferden zu tun, und ich liebe jedes einzelne von ihnen. Doch die ganz besonderen, mit denen ich jede Sekunde meines Lebens teilen wollen würde, die gibt es ganz selten.

Ich empfinde es als großes Glück, zwei Seelenpferde gefunden zu haben, die ich dann auch zu mir nehmen durfte. Es sind Pferde, die mich in bestimmten Phasen meines Lebens tief berührt haben. Zu ihnen habe ich eine extrem enge Verbindung und sie lehren mich extrem viel – es ist die Verknüpfung von beidem, die es ausmacht.

Meine Seelenpferde sind ganz unterschiedlich: Gapp war das Pferd einer Reitschülerin. Ein Steiger, unreitbar, mager, misstrauisch. Als ich begann mit ihm zu arbeiten, öffnete er sich mir nach und nach. Ich hatte das Gefühl, in seine Seele schauen zu können.

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Meine Schülerin bekam diese Verbindung zu Gapp nicht, sodass sie ihn mir schließlich zum Kauf anbot. Natürlich kaufte ich ihn! Gapp blieb immer schwierig, doch ich habe ihn bis M-Niveau ausbilden können und meine Trainer-A-Prüfung mit ihm bestanden. Ich sage heute: Er hat zugelassen, dass ich ihn ausbilden darf.

Und er war mein bester Lehrer. Gapp hatte ein großes Ungerechtsbewusstsein und brachte mich 1.000 Mal an meine Grenzen. Aber als Ausbilderin und als Mensch habe ich von ihm unendlich viel gelernt.

Es war wie eine Fügung: Kurz bevor Gapp starb, lernte ich Wietske kennen. Mir ihr hat es gar nicht gefunkt. Sie war auch ein Kundenpferd, eine Friesenstute, was ich schrecklich fand. Ich war der Meinung, diese Pferde gehören vor die Kutsche und Stuten kommen mir schon mal gar nicht ins Haus.

Doch als ich das erste Mal auf ihr ritt, war es um mich geschehen. Sie gab mir ein unfassbar tolles Reitgefühl. Ich wusste: Wenn ich das erhalten kann, wird es einfach genial. Dafür war sie am Boden eine Furie.

Während Gapp mich Demut, Achtung und Geduld gelehrt hat, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückzustellen, war Wietske diejenige, die mich ruhiger gemacht hat. Sie zeigt mir, wie wichtig es ist, bei der Arbeit mit Pferden im Hier und Jetzt zu sein und nirgendwo anders.

Auch wenn es "esoterisch" klingt: Ich glaube, meine Seelenpferde haben mich gefunden, weil sie bestimmte Aufgaben für mich haben. Wir müssen nur bereit sein, uns darauf einzulassen. Das funktioniert nur, wenn wir die Pferde sehen, wie sie sind, anstatt auf ihre Leistung oder ihr Aussehen zu schauen.

Und anstatt von unseren Seelenpferden nur zu nehmen, geben wir ihnen auch ganz viel zurück: Wir helfen ihnen, selbstbewusster und sicherer zu werden und geben ihnen Vertrauen, damit wir in allen Situationen losgelassen mit ihnen arbeiten können."

Claudia Butry arbeitet seit 2004 mit Pferden. Sie bietet deutschlandweit Reitunterricht, Beritt und Sitzschulungen nach Eckart Meyners an. Ihre junge Stute Sky schickt sich gerade an, zu einem weiteren Seelenpferd zu werden. www.neuesreiten.de

Kommentar

Mein erstes Seelenpferd war mein Reitbeteiligungspferd. Für mich war der Rapp-Wallach "Zwerg" vor rund 20 Jahren das perfekte Pferd, und kein anderes kam an ihn heran.

Warum ist das so? Auf Zwerg bin ich das erste Mal ohne Sattel im Gelände galoppiert. Stundenlang sind wir alleine durch Wald und Feld gezogen. In der Reitbahn hat er mich gelehrt, wie toll sich ein losgelassenes und durchlässiges Pferd anfühlt. Oft hat er seinen Kopf auf meine Schulter gelegt und die Zeit mit mir genossen. Die Erlebnisse und die Zeit haben uns zusammengeschweißt. Es passte eben.

Es passt auch jetzt, mit meinem eigenen Pferd, Wallach Callando. Trotzdem ist Callando anders, vielschichtiger, komplizierter. Es ist nicht alles rosarot. Aber ich bin ja auch nicht mehr die, die ich mal war. Callando hat viele Charakterzüge, die ich ebenfalls besitze. Vielleicht ist mein Pferd genau deshalb bei mir.

CAVALLO-Redakteurin Nadine Szymanski mit Callando

Historische Dreamteams

Halla und Hans Günther Winkler: Halla trug ihren Reiter Hans Günther Winkler bei den Olympischen Spielen 1956 fast im Alleingang zu Team- und Einzel-Gold. Winkler hatte sich im ersten Spring-Durchgang verletzt: ein Muskelriss, der Reiter konnte sich kaum im Sattel halten.

Nur dank einer Menge an Schmerzmitteln, Morphium und Kaffee konnte er zur zweiten Runde antreten. Vor dem Start schüttelte man ihn noch, weil er kurz davor war einzuschlafen. Daran, die Stute zu den Parcours zu steuern, war nicht zu denken. Doch Halla, die Winkler einmal als "Mischung aus Genie und irrer Ziege" bezeichnete, brauchte keine Hilfen: Die braune Stute nahm Sprung für Sprung – und das Paar blieb als einziges fehlerfrei.

Halla, deren Eltern ein französisches Wehrmachts-Beutepferd und ein Traber-Hengst waren, starb 1979 mit 34 Jahren. Sie wird einzigartig bleiben: Der Name Halla ist für weitere Turnierpferde gesperrt.

Ahlerich und Dr. Reiner Klimke: "Nie hat mich ein Pferd so sehr fasziniert", sagte Dr. Reiner Klimke über seinen Ahlerich, mit dem er 1984 Olympia-Gold in der Dressur gewann. Eine fantastische Leistung des hochsensiblen Wallachs.

Doch "Ali" schaffte es, das Turniergeschehen auszublenden und sich vollkommen auf seinen Reiter einzulassen. "Ich bilde mir ein: An diesem Tag wusste Ahlerich, worum es ging", schrieb Klimke in seinem Buch, das Ahlerichs schwierigen Ausbildungsweg schildert. Der Wallach starb mit 21 Jahren.

Bukephalos und Alexander der Große: Bukephalos duldete Zeit seines Lebens nur einen Reiter: Alexander den Großen. Der Hengst trug den Feldherrn Tausende von Kilometern – von Griechenland bis Indien. Und das bis ins hohe Alter von fast 30 Jahren.

Auf dem Feld verlor das Pferd schließlich auch sein Leben. Bukephalos stürzte verletzt in einen Fluss und ertrank. Zu Ehren seines geliebten Pferds gründete der Feldherr an diesem Ort eine Stadt. Alexander ritt nie wieder in eine Schlacht.

Zwischen Kitsch und Kommerz

Für unser Lieblingstier sind wir bereit, viel Geld auszugeben. Eine Studie des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie e.V. (BSI) vom Januar 2019 bescheinigt den Pferdehaltern eine überdurchschnittlich hohe Zahlungsbereitschaft. Der Markt erfüllt die Nachfrage: Die FN hat für 2019 ermittelt, dass Einzelhandel und Dienstleistungen rund ums Pferd 4,1 Milliarden Euro Umsatz machten.

Im Kaufrausch: Warum kaufen wir so gerne hübsche Dinge für unser Pferd? "Wir drücken unsere Zuneigung und das Gefühl der Zusammengehörigkeit gerne durch Symbole aus", erläutert Psychologin Tatjana Quiring. Und gibt selbst mit einem Zwinkern in den Augen zu, jedes ihrer Pferde in einer bestimmten Farbe auszustatten.

In Erinnerung: Das geliebte Pferd bleibt auch nach seinem Tod unvergessen. Dennoch möchten viele Besitzer sich ein Andenken bewahren: vom Hufeisen über die Strähne aus dem Schweifhaar bis hin zur Urne im Schrank oder dem Amulett mit der Asche. Die Einäscherung eines Pferds kostet zwischen 2.000 und 3.000 Euro.

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