CAV Führung Tipps Thomas Hartig

12 Tipps: So werden Sie zur Führungsperson fürs Pferd

Der beste Chef werden

Sind Reiter gute Chefs, gehen Pferde mit ihnen gerne durch dick und dünn. Mit dem Wissen unserer Experten erreichen Ihre Führungsqualitäten ein neues Level.

Gelassen & zuverlässig

Führen heißt, dem Herdentier Pferd Sicherheit zu geben. Pure Dominanz sorgt zwar bis zu einem gewissen Grad für Gehorsam, denn „für Pferde geht Sicherheit über Unwohlsein“, erklärt Pferdepsychologin Herdis Hiller (www.herdishiller.de).

Unterwerfen sich Pferde aber nur aus Angst, ist das wenig nachhaltig: Verängstigte Tiere lernen langsamer oder gar nicht; in einer brenzligen Situation folgen sie eher dem eigenen Fluchtinstinkt als dem Reiter.

Der Mensch sollte dem Pferd daher ein gelassener, zuverlässiger Partner sein. Nur dann kann er auch Gehorsam erwarten.

Führen & verstehen

„Ein guter Leitmensch hat stets vor Augen, dass er es mit einem Flucht- und Herdentier zu tun hat, das keine Spielchen spielt, sondern grundsätzlich gerne bereit ist zu folgen“, sagt Dressurausbilder Jörg Bös (www.joerg-boes.de).

Pferde entziehen sich nur dann einer Aufgabe, wenn sie ihr körperlich oder mental nicht gewachsen sind oder Schmerzen haben.

Gehen Sie der Sache nach, bitten Sie Ihren Trainer oder Tierarzt hinzu, anstatt unbedingten Gehorsam vom Pferd zu fordern.

Wo soll's hingehen?

„Hat der Mensch eine genaue Vorstellung von dem, was er will, spürt sein Pferd das“, erklärt Dressurausbilderin Sabine Ellinger (www.dressur-design.de). Oft braucht es dann viel weniger Einwirkung als gedacht.

Innere Bilder helfen, dem Pferd mitzuteilen, wohin der Reiter möchte. „Stellen Sie sich vor, dass eine Kugel in Ihrem Becken liegt“, beschreibt Trainerin und Tierverhaltenstherapeutin Ann-Kathrin Maraun (www.psychologie-tiere.de). „Diese Kugel soll auf einer unsichtbaren Schiene geradeaus oder in einer Biegung rollen – je nachdem, wo Sie hinreiten wollen.“

hr Pferd wird dadurch ebenfalls auf der imaginären Schiene geführt, sodass Abwenden oder Zirkel leichter gelingen.

Klare Regeln geben

Eindeutiges Verhalten und klare Regeln geben Pferden Sicherheit. Um zu erklären, wann welches Verhalten erwünscht ist, empfiehlt sich das Ampelsystem.

Stellen Sie sich vor, das Pferd läuft am Strick neben Ihnen her und soll auf ein Signal hin anhalten. Starten Sie mit dem grünen Signal etwa ein „Und Halt“. Läuft das Pferd weiter, springt die Ampel auf Gelb, das heißt ein warnendes Stimmsignal wie „Na!“. Bleibt die Reaktion weiter aus, folgt Rot: Stören Sie das Pferd durch einen Reiz, der unangenehm ist, jedoch keine Schmerzen verursacht: Führen Sie zum Beispiel die Gerte vor der Pferdenase auf und ab.

Hat das Pferd angehalten, können Sie das grüne Signal wiederholen, um zu loben.

Gelassen bleiben

Ungeduldige Menschen verlieren schnell die Nerven, wenn das Pferd nicht gehorcht. Doch Wutausbrüche sind kontraproduktiv, wirken angsteinflößend und demotivierend. In so einer Situation ergibt es mehr Sinn, die Übung zu beenden und mit dem Pferd spazieren zu gehen. „Je öfter man es schafft, den Zorn unter Kontrolle zu bekommen, desto leichter wird es mit der Zeit“, sagt Trainerin Cornelia Weidenauer (www.wahre-haltung.de). Nehmen Sie sich bei der Arbeit mit dem Pferd auch immer nur so viel vor, wie Sie entspannt in der verfügbaren Zeit bewältigen können.

Damit uns negative Emotionen nicht übermannen, empfiehlt Herdis Hiller eine einfache Atemmeditation: Konzentrieren Sie sich auf den Atem, lassen Sie ihn natürlich fließen. Damit der Kopf etwas zu tun hat, zählen Sie beim Ein- und Ausatmen jeweils bis drei. Stellen Sie sich dann vor, wie die unerwünschte Emotion durch den Körper fließt und dabei ein- und wieder ausgeatmet wird.

Sei immer Du selbst

„Alle Menschen haben eine natürliche Autorität“, erklärt Brigitte Rössler (www.atemzyklus.de). Als Therapeutin bietet sie pferdegestütztes Persönlichkeitstraining in Zusammenarbeit mit Horsemanship-Trainer Ralf Heil an. „Das Wichtigste ist, dass man sich so akzeptiert, wie man ist und daraus seine Führungsstärke entwickelt“, sagt Rössler. Denn in jeder Charaktereigenschaft lägen positive Aspekte.

„Extrovertierte Menschen können beispielsweise gut andere begeistern und mitreißen, introvertierte vermitteln Vertrauen und Sicherheit.“ Probleme tauchen erst auf, wenn sich Menschen verstellen und einen Charakter vortäuschen, der nicht ihr eigener ist. „Pferde spüren das sofort.“

Kopf freimachen

„Gerade ehrgeizige Menschen, die auf ein Ziel hinarbeiten, sind oft zu kopflastig“, erzählt Brigitte Rössler. Der Schritt zur Verbissenheit ist da nicht weit.

Vergessen Sie für eine Weile den Trainingsplan, spielen Sie mit Ihrem Pferd oder setzen Sie sich zu ihm auf die Koppel. Dabei fällt die Anspannung ab. Kehren Sie danach zurück zum Training, denken Sie nicht ans große Ziel, sondern an kleine Etappen. „Bleiben Sie immer im Augenblick, denn das tut Ihr Pferd auch“, rät Cornelia Weidenauer.

Mein Platz, Dein Platz

„Hier geht es darum, einen festen Abstand zu bestimmen, den das Pferd zum Menschen stets einhalten sollte“, sagt Herdis Hiller.

Üben Sie dies, indem Sie mit Ihrem Pferd, am besten ohne Halfter und Strick, spielen und laufen, dann stehenbleiben und das Pferd zu sich rufen. Dabei muss der Vierbeiner den geforderten Abstand wahren. Das bedeutet, das Pferd darf Ihnen nur so nahekommen, wie Sie es noch als angenehm empfinden; eine halbe bis ganze Pferdelänge ist ein guter Richtwert. Sie hingegen dürfen – wie ein ranghöheres Pferd – in den persönlichen Raum des Pferds eintreten.

Streicheln Sie es an Hals und Widerrist und machen ihm die Situation angenehm.

Vorder- und Hinterhand kontrollieren

Schickt ein ranghöheres Pferd ein rangniedriges weg, bleibt es selbst ganz gerade und spannt sich an. Dadurch signalisiert es: Ich stehe hier! Der unterlegene Vierbeiner wird dagegen weich, wendet sich seitlich ab und signalisiert Gehorsam.

„Dieses Verhalten kann der Mensch nutzen, um das Pferd durchlässiger und beweglicher zu machen“, sagt Ann-Kathrin Maraun. Lassen Sie das Pferd bei der Boden- oder Freiarbeit mit der Vorder- und Hinterhand weichen. So überprüfen Sie, ob es bereitwillig reagiert oder sich steif macht.

Bewegt es sich nicht, können Sie seine Reaktionsfreudigkeit nach dem Ampel-Prinzip trainieren und verbessern.

Longieren im Hula-Hoop-Reifen

„Oft lassen sich Menschen unbewusst vom Pferd bewegen“, sagt Alexandra Schmid, die Pferde nach den Methoden von Michael Geitner ausbildet (www.pferdetrainingallgaeu.de). Ein kleiner, unbewusster Schritt rückwärts, wenn das Pferd beim Handwechsel an der Longe in die Zirkelmitte drängt, reiche da schon aus. „Das Pferd registriert so etwas sofort, unsere Führungsposition beginnt zu wackeln“, sagt Schmid.

In akuten Gefahrensituation gilt jedoch: Bringen Sie sich immer erst in Sicherheit, um nicht verletzt zu werden, etwa wenn das Pferd steigt oder aggressiv wird.

Um zu überprüfen, ob sich der Mensch vom Pferd aus der Position bringen lässt, empfiehlt Alexandra Schmid, sich zum Longieren in einen Hula-Hoop-Reifen zu stellen. So merken Sie schnell, in wie weit das Pferd Sie dazu bringt, sich von diesem Fixpunkt zu entfernen. Eine deutliche Körpersprache sollte genügen, um das Pferd auf dem Zirkel zu halten.

Wer macht den ersten Schritt?

Geben Sie leichten Druck auf den Führstrick oder die Longe, schauen Sie auf die Hufe des Pferds und geben Sie das Kommando zum Vorwärtsgehen – Sie selbst bleiben jedoch stehen.

„Dabei nicht die Geduld verlieren, bei manchen Pferden kann es lange dauern, bis sie den ersten Schritt machen, ohne dass der Mensch vorausgeht“, sagt Alexandra Schmid. Hat man das Pferd jedoch erfolgreich dazu gebracht, wirkt sich das auf die gesamte Arbeit mit dem Pferd positiv aus, so auch beim Reiten.

Bauen Sie die Übung deshalb immer wieder ein, zum Beispiel, wenn Sie das Pferd aus der Box holen oder es auf die Koppel bringen.

Genauen Weg vorgeben

„Gehen Sie mit Ihrem Pferd spazieren. Geben Sie dabei genau vor, wo es laufen soll“, rät Herdis Hiller. Idealerweise geht Ihr Pferd mit dem Kopf auf Ihrer Höhe oder etwas dahinter, damit Sie deutlich vorweggehen können und dabei sein Gesicht, Augen und Ohrenspiel im Blick haben.

Will das Pferd überholen, ziehen Sie nicht am Führstrick, sondern führen Sie nur den Arm zur Seite, um den Vierbeiner zu begrenzen. Ganze eilige Tiere können Sie auch in einem kleinen Kreis um sich herumlaufen lassen, sodass es sich dann wieder neben oder leicht hinter Ihnen einreihen kann.

Für Fortgeschrittene: Stellen Sie sich eine vereiste Straße vor, auf der nur ein schmaler Streifen für Sie und Ihr Pferd begehbar ist. Nun bringen Sie Ihr Pferd mithilfe Ihrer Körpersprache dazu, genau dort sehr langsam in kleinen Schritten zu gehen. Nach ein paar Metern wieder schneller vorwärtsgehen und dann das Gleiche wiederholen.

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