Reitschulen im Harz im Test

Reitschulen im Test: Flaming Star - Pferdehof im Harz

Foto: CAVALLO CAVALLO Reitschultest im Harz

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CAVALLO hat drei Reitschulen im Harz getestet. Wie schlägt sich der Flaming Star Reiterhof?

Ein Galopp auf dem fliegenden Lorenzo, das ist schon etwas Besonderes. Das Schulpferd ist 26 Jahre alt und sehr motiviert. Wir galoppieren über einen Feldweg, der durch die Wiesen führt. Links von uns erheben sich die Harzer Berge. Sie ziehen im Augenwinkel wie Wolken vorbei. Herrlich! „Und wieder durchparieren zum Teeerab“, ruft Reitlehrerin Sarah, deren Nachnamen ich am Testtag nicht erfahre. Wie gut wird sich der flotte Senior wohl bremsen lassen?

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Ausritte in Kleingruppen

Der Pferdehof Flaming Star wirbt auf der Homepage damit, dass alle Pferde gut ausgebildet und durch täglichen Koppelgang ausgeglichen sind. Der Hof bietet Ausritte für Anfänger und Fortgeschrittene in kleinen Gruppen, Reitunterricht auf dem Platz und Lehrgänge. Ich habe mich im Vorfeld telefonisch für einen 60-minütigen Ausritt angemeldet, der 25 Euro kostet.

Der Pferdehof grenzt an einen Campingplatz

Ein Teil wurde abgetrennt und so ist der Pferdehof im Harz entstanden. Wo früher Wohnwagen parkten, sind Weiden, Offenställe und ein Reitplatz gebaut worden. Am Testtag begrüßen mich zunächst mehrere Hunde. Die Stallbetreiberin und ihre Familie füttern gerade die Pferde im Offenstall.

Dann kommt Reitlehrerin Sarah, die mich heute beim Ausritt begleitet. Sie fragt nach meinen Reiterfahrungen und teilt mir Hannoveraner Lorenzo zu. Zusammen holen wir den Wallach, der gerade Heu knabbert. Er lässt sich brav aus der Herde führen. „Lorenzo lässt sich überall anfassen, nur an den Fesseln ist er kitzelig“, erklärt Reitlehrerin Sarah. Beim Auskratzen der Hinterhufe muss sie helfen, da Lorenzo hin und her tänzelt. Beim Putzen, Satteln und Trensen ist er lieb.

Lorenzo ist aufmerksam, aber brav

Das Schulpferd ist etwa 1,70 m groß. Gut, dass es eine Aufsteighilfe gibt, von der aus ich mich in den Sattel schwingen kann. Die Reitlehrerin reitet vor, wir sind zu zweit unterwegs.

Nachdem wir den Campingplatz überquert haben, führt der Weg durch Wiesen, auf denen Schafe, Esel und Pferde grasen – ein idyllisches Bild. Die Reitlehrerin fragt, ob ich traben möchte. Lorenzo ist flott und läuft teils dicht auf ihr Pferd auf. „Wenn du es dir zutraust, kannst du vor mir reiten“, schlägt sie vor. Gute Idee: Vorne geht Lorenzo ruhiger. Bald steigt der Weg leicht an. „Das bietet sich gut für den ersten Galopp an“, meint die Reitlehrerin. Lorenzo galoppiert frisch vorwärts. Ich gebe einige halbe Paraden, damit er nicht zu schnell wird. Darauf reagiert er gut. Auch das Durchparieren klappt.

„Vorne bei dem Weg musst du etwas aufpassen, da möchte Lorenzo manchmal abbiegen“, kündigt die Rittführerin an. Sie kennt die Schulpferde gut: Tatsächlich drängelt Lorenzo an dem Weg, aber dank der Vorwarnung bin ich vorbereitet und kann ihn mit verwahrendem Schenkel am Abbiegen hindern.

Die Reitlehrerin, die im Praktikum zur Pferdewirtschaftsmeisterin ist, erhält drei Hufeisen. Sie achtet auf Sicherheit, gestaltet den Ausritt abwechslungsreich und hat eine freundliche Art. Etwas Abzug gibt es, da sie vor dem Ritt meine Sattelfestigkeit nicht auf einem umzäunten Platz überprüft hat.

Schulpferd Lorenzo erhält ebenfalls drei Hufeisen. Beim Hufeauskratzen könnte er braver sein. Er ist kein Anfängerpferd und testet ab und an, ob er nicht den Weg bestimmen kann. Ansonsten ist er ein tolles Geländepferd.

Nach dem Ritt darf Lorenzo auf die Weide

Die Haltung der Pferde ist artgerecht. Sie leben in der Herde robust und haben täglich Auslauf auf Weiden oder im Offenstall. Teils gibt es feste Überdachungen in den Offenställen, teils Planen. Es wäre gut, wenn ein Teil des Bodens befestigt wäre, damit die Pferde bei schlechtem Wetter nicht im Matsch stehen müssen. Punktabzug gibt es für den Zustand von Lorenzos Hufen: Er hätte einen Besuch beim Hufschmied nötig. Außerdem hat das Pferd Scheuerstellen in der Gurtlage. So bleiben zwei Hufeisen für Haltung und Pflege.

Der Betrieb ist gut organisiert, die Reitschüler sind rundum betreut. Es gibt einen Reitplatz und gute Ausreitmöglichkeiten. Laut Reitlehrerin ist eine Halle in Planung. Die Stallbetreiber sind vor etwa drei Jahren auf den Pferdehof gezogen und bauen ihn noch aus. Es liegen allerdings viele Gegenstände auf dem Gelände herum – eine mögliche Verletzungsgefahr für die Pferde. Mehr feste Anbindeplätze wären wünschenswert. Der Reitbetrieb bekommt eineinhalb Hufeisen.

Nett ist die familiäre Atmosphäre. Als ich vom Hof fahre, winken mir freundlich ein paar Camper zu.

Bewertung

Schulpferd: drei von vier Hufeisen
Reitlehrer: drei von vier Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von vier Hufeisen
Pflege & Haltung: zwei von vier Hufeisen

Kontakt

Flaming Star – Pferdehof im Harz
Ilsenburger Str. 111
38667 Bad Harzburg
Telefon: 0178 / 4 01 15 51
www.pferdehof-im-harz.de

07.01.2019
Autor: CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 12/2018