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Workshop: So lernt Ihr Pferd das Apportieren

Flinkes Mundwerk

Braucht Ihr Pferd Abwechslung? Dann bringen Sie ihm doch Apportieren bei. Das lernen Pferde schneller als Sie glauben. CAVALLO erklärt, wie's geht.

Viele Pferde versüßen sich den Alltag, indem sie herrenlose Gegenstände durch die Stallgasse wirbeln oder Halfter klauen und mit diesen über den Paddock ­flitzen.

Was den Reitern meist ein Dorn im Auge ist, freut Tiertrainer. Denn diese Pferde können bereits die ersten Schritte des Apportierens.

Training: So lernt Ihr Pferd apportieren

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Der versierte Ausbilder Peter Deicke aus dem nieder­sächsischen Holle erklärt im ­CAVALLO-Fotokurs, wie jedes Pferd systematisch das Holen von Gegenständen lernen kann.

„Die Übung setzt sich aus zwei Teilen zusammen“, ­erklärt Deicke. „Im ersten ­bringe ich dem Pferd bei, den Gegenstand mit dem Maul ­aufzunehmen – auf das ­Kommando ,Holen’. Im zweiten lernt es, zu mir zu kommen: mit dem Kommando ,Hier’. Am Ende werden die Teile verbunden.“

Der Schlüssel zum Erfolg liegt größtenteils in Menschen­hand. Es gilt, eine klare Reihen­folge einzuhalten: Kommando, Ausführung, Belohnung. Sonst wird das Pferd nicht verstehen, wann es etwas richtig oder falsch macht.

„Ein Kommando zu geben, ist vergleichbar mit einem ­Versprechen“, erklärt Deicke. „Fordere ich ein Pferd auf, zu mir zu kommen, verspreche ich ihm etwas. Denn es hat gelernt, dass es belohnt wird, wenn es meinem Kommando folgt.“

Belohnung als Grundprinzip

Er sollte einfach mit dem Maul zu greifen, ­jedoch nicht zu verschluck­en sein sowie keine ­scharfen Kanten haben.

Bunte Geschirr­tücher ­eignen sich hervorragend für die ersten Versuche. Suchen Sie sich ein ruhiges Plätzchen, an dem Sie konzentriert arbeiten können.

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Ideal sind eine Reithalle, ein gepflasterter Hof oder ein Paddock. Nicht auf der Wiese arbeiten: Dort ist das Pferd zu sehr vom Gegenstand abgelenkt.

Die Basis: Pferde sind neugierig

Andere Zirkuslektionen wie Liegen, Steigen, Spanischer Schritt und Piaffe lassen sich von natürlichen Verhaltens­mustern ableiten. Die Piaffe etwa basiert auf dem Imponiergehabe von Hengsten.

Apportieren kann man allein aus der Spielfreude und Neugierde des Pferds entwickeln. Das Pferd muss sich für den Gegenstand interessieren, es kann nicht gezwungen werden.

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Je neugieriger ein Pferd, desto schneller wird es die Übung verstehen. Neugierde ist zwar eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches ­Apportier-Training, jedoch reicht dies allein nicht aus.

Der Mensch braucht eine Strategie, wie er dem Pferd beibringt, was es tun soll. Das klappt beim Apportieren über die Methode „Lernen am Erfolg“: Das Pferd wird für die richtige Reaktion belohnt. Keine Belohnung darf es geben, wenn das Pferd etwas nicht ausführt oder einen Fehler macht.

Zunächst lernt das Pferd, das Tuch mit einer Belohnung zu verbinden: Schaut es das Tuch an, bekommt es ein Leckerli. Schnell wird es sich dies merken.

Im nächsten Schritt lobt man das Pferd nicht mehr für das bloße Anschauen des Tuchs. Es versteht natürlich nicht, warum es jetzt kein Leckerli mehr bekommt, und wird andere Dinge ausprobieren – bis es zufällig mit der Nase an das Tuch stupst.

Dieses Verhalten wird so oft ­belohnt, bis das Pferd sich den ­Zusammenhang gemerkt hat. Schließlich wird es das Tuch ins Maul nehmen. Ausnahmen ­bestätigen die Regel: Es gibt Pferde, die das Tuch partout nicht mit den ­Zähnen greifen wollen. Ihnen gibt man das Tuch zunächst wie ein ­Gebiss ins Maul, bis sie diese Verknüpfung verinnerlicht haben.

Apportieren im Selbstversuch

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Volontärin Christiane Wehnert im Selbstversuch.

„Mit einem bunten Geschirrtuch, einem Eimer voller Leckerlis und der dreijährigen Araberstute Shimounah mache ich mich ans Mundwerk.

Neugierig inspiziert die unerfahrene Stute das Tuch. Bereits nach einer Viertelstunde hat sie gemerkt, dass sie ein Leckerli bekommt, wenn sie das Tuch anstupst. Um sie nicht zu überfordern, gönne ich ihr ein paar freie Minuten auf der Weide.

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Hochmotiviert geht ­danach das Training weiter. Ganz plötzlich fällt mir das Tuch mehrere Meter von Shimounah entfernt auf den Boden. Sie läuft direkt dorthin, schnuppert daran und wartet, bis ich ihr ein Leckerli gebe. Ein Erfolg.

Am nächsten Tag wiederhole ich ­anfangs die Übung. Dann will ich ihr beibringen, das Tuch mit dem Maul zu greifen und festzuhalten. Dazu schiebe ich ihr das Tuch sachte ­zwischen die Schneidezähne und ­belohne sie, sobald sie anfängt, auf dem Stoff herumzukauen.

Diesen Schritt zu lernen, fällt ihr schwer, und ich gönne ihr zwischendurch immer wieder kurze Pausen. Danach geht es stets ein kleines Stück besser.

Um das Tuch selbständig mit dem Maul zu greifen und festzuhalten, ­benötigt sie zwei Tage. Am vierten Tag überrascht mich Shimounah: Sie dreht sich mit dem Tuch im Maul zu mir um und läuft auf mich zu. Unser erster ­Apport, den ich sofort belohne.“

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