Die russischen Don Pferde Lisa Rädlein
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Don-Pferde: Pferderasse aus Russland

Seltene Pferderasse aus Russland Ein Herz für Don-Pferde

Sechs Pferde nur, aber die größte Zucht West-Europas: Die russischen Don-Pferde sind rar geworden. Züchterin Claudia Weißbach kämpft wie ein Löwe für die Rasse.

Garbr schaut suchend in die Ferne, schickt ein fragendes Wiehern los. Wo sind seine Mädels bloß? Sonst grasen sie immer in Sichtweite, doch heute muss er sie aus den Augen lassen. Dafür hat er ein Rendezvous mit einer anderen Dame, nämlich der CAVALLO-Fotografin.

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Die russischen Don Pferde
Russische Pferderasse Was Don-Pferde so besonders macht
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Dass der Fuchs seinen Job als Hengst so ernst nimmt, ist gut so. Denn Garbr hat die wichtige Aufgabe, eine Rasse am Leben zu halten. Er ist einer der wenigen noch lebenden Vertreter der russischen Don-Pferde und der König eines kleinen Zuchthofs im rheinlandpfälzischen Schneppenbach.

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Der kleine Gogol, geboren im Februar, ist das vierte Fohlen von Hengst Garbr.

Züchterin Claudia Weißbach krault dem 13-jährigen Fuchs die Nase, dem dabei genüsslich die Augen zufallen. "Warum sagen die Leute immer, man soll nicht mit Hengsten schmusen?", fragt sie schelmisch. Mit so einem Gentleman wie Garbr kein Problem. Als die 62-Jährige ihren Hengst das erste Mal sah, war er fünf Jahre alt – und sie verliebte sich sofort in ihn.

Sie erinnert sich: "Ich entdeckte Garbr zuerst in Mainz und sah ihn dann wieder in Fontainebleau, vor den Toren von Paris." Das war nur wenig später. Die Strecke legte Garbr nicht im Transporter, sondern auf seinen eigenen vier Hufen zurück. Claudia Weißbach begleitete damals das besondere Ereignis als Zuschauerin: Garbrs damaliger Besitzer, Pferdezüchter Pavel Moshchalkov, ließ 2012 den legendären Ritt der Kosaken von Moskau nach Paris wieder aufleben.

200 Jahre zuvor verfolgten die Kosaken Napoleons Truppen bis nach Frankreich und kehrten nach ihrem Sieg auf ihren Don-Pferden wieder nach Russland zurück. Eine Wahnsinns-Leistung! Moshchalkov ritt dieselbe Strecke vor acht Jahren mit dem erst fünfjährigen Garbr.

Die Pferde sollten alle zum Schlachter

In Paris sprach Claudia Weißbach Garbrs Besitzer an und sagte ihm, wenn er sein Pferd jemals verkaufen wolle, dann wolle sie es haben. Nach 14 Tagen klingelte ihr Telefon. Moshchalkov war dran: "Willst du mein Pferd noch?"

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Nach einem Jahr Reitpause ist Garbr tiefenentspannt unter dem Sattel.

Eine Woche später war Claudia Weißbach in Russland. "Bei gutem Essen und viel Wodka besiegelten wir den Kauf", sagt sie lachend. Garbr blieb vorerst bei Moshchalkov, weil er nicht alleine nach Deutschland reisen sollte. So flog die frischgebackene Hengstbesitzerin noch einmal ins Land der goldenen Pferde, um nach weiteren Pferden zu suchen.

Sie landete in Rostov, im Zentrum der Goldfuchs-Zucht. Die Stadt liegt im Südwesten Russlands am Ufer des Don. In den dortigen Steppengebieten hat die russische Pferdezucht ihren Ursprung.

Die Fellfarbe ist ein Rassemerkmal der Don-Pferde. Der goldene Glanz ist ein Überbleibsel der Vorfahren, denn neben turkmenischen und arabischen Pferden setzten die Russen zu Beginn der Zucht im 18. Jahrhundert überwiegend Karabaghen ein. Seit 1977 werden die Dons rein gezüchtet. Im 20. Jahrhundert waren Don-Pferde die am weitesten verbreitete Rasse in der UdSSR. Nach dem ersten Weltkrieg schrumpfte der Pferdebestand jedoch enorm, viele Gestüte machten dicht.

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Trotzdem ist der Fuchs keine Schlafmütze und gibt auch gerne mal Gas.

Heute gibt es nur noch etwa 200 Don-Stuten, erzählt Claudia Weißbach. Als sie damals in Rostov war, wurde gerade wieder ein Gestüt aufgelöst. "Es gab keine Verwendung mehr für die Pferde", berichtet sie, "viele wurden damals zum Schlachter gebracht." Sie rettete zwei Pferde, Hengst Tigel und eine Stute.

Selbst in Russland sind Hengste selten

Den Hengst gibt es nicht mehr – oder zumindest nur noch als Wallach. "Zwei Hengste neben den Stuten zu halten, das war mir zu anstrengend", erklärt Claudia Weißbach. Tigel lebt dafür heute glücklich mit den Stuten zusammen. Bevor Tigel seine Männlichkeit verlor, sicherte sich seine Besitzerin noch etwas davon. "Ich habe Gefrier-Sperma von ihm. Wir müssen das Genmaterial, das es noch gibt, unbedingt erhalten." In Russland werde die Möglichkeit, den Samen der raren Hengste einzufrieren, zu wenig genutzt, bedauert sie.

Die Stute, die mit Tigel kam, gehört zur Rasse der Budjonnys. "Diese Rasse hat sich aus den Don-Pferden entwickelt", erklärt die Züchterin. Nach der russischen Revolution begann Marschall Semjon Michailowitsch Budjonny das perfekte Kavalleriepferd zu züchten: zäh, ausdauernd, mutig, schnell und wendig. Er kreuzte überwiegend Don-Stuten mit englischen Vollblut-Hengsten. "Dem Marschall verdanken wir, dass es noch Don-Pferde gibt", betont Weißbach. "Seine Soldaten sammelten damals die Restbestände der Tiere ein."

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Dieses Schmuckschmück, das Garbr hier trägt, ist ein originalgetreuer Nachbau des Zaums, den die Kosakenreiter nutzten. Es wurde in Russland gefertigt.

Die Züchterin, auf deren Hof in Schneppenbach fünf Don-Pferde und eine Budjonny-Stute leben, hat nun den größten Don-Pferde-Bestand in West-Europa. Aus ihrer Leidenschaft für die russischen Pferde, die vor rund 25 Jahren mit dem Kauf ihrer ersten Budjonny-Stute begann, ist somit auch eine große Verantwortung geworden.

Diese erste Stute ist vor zwei Jahren im Alter von 30 Jahren gestorben. Auch die meisten anderen der damals in Deutschland beheimateten russischen Pferde leben nicht mehr. "In den 1980er- und 1990er-Jahren wurden einige dieser Pferde nach Deutschland importiert, aber keiner wusste so recht, was er da im Stall stehen hatte", erzählt Claudia Weißbach.

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Garbr lässt sich auch durch außergewöhnlichen Besuch auf seiner Weide nicht stören.

Heute importieren Pferdehändler keine Tiere mehr aus Russland. "Das müssen wir privat machen", sagt Claudia Weißbach. Wer ein russisches Pferd haben möchte, braucht Geduld und Geld für einen Kraftakt: Visum besorgen, Flüge buchen, Gestüte abklappern und den teuren Transport organisieren.

Mühen, die Claudia Weißbach gerne auf sich nimmt. Sie reist regelmäßig nach Russland und besucht die Gestüte am Don. Und wenn es sich ergibt, hat sie danach ein Pferd mehr im Stall. "Wenn ich könnte, würde ich viel mehr Pferde holen", sagt sie. Doch die Züchterin managt ihren Hof inklusive fünf Hektar Weideland in Eigenregie – und hat einen Vollzeit-Job. "Mein Sozialleben kommt etwas kurz", gibt sie zu. "Aber wenn ich nur meinen Job hätte und keine Pferde, wüsste ich gar nicht, was ich mit mir anfangen sollte."

Trotz einem Jahr Reitpause ist Garbr brav

Die Pferde stehen im Offenstall mit Zugang zu den Koppeln. Hengst Garbr hat seinen eigenen Bereich direkt neben den Stuten – wenn er nicht für Nachwuchs sorgt. "Dann lebt er bis zu einem Dreivierteljahr mit ihnen zusammen", berichtet seine Besitzerin. Garbrs viertes Fohlen Gogol kam im Februar zur Welt, ein verschmuster Kerl, genauso menschenbezogen wie sein Papa, der gerade gesattelt wird.

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In Russland wird kalt gebrannt.

Das Schmuckstück auf Garbrs Rücken ist ein originalgetreuer Nachbau des Kosakensattels, der ebenso aufwändig gearbeitet ist wie der hübsche Zaum, der das Kosaken-Set am Pferd komplettiert. Das Sattelsitzpolster thront als dickes Kissen über dem Baum und schont den Reiterpopo auf langen Ritten. Die CAVALLO-Redakteurin sitzt Probe und lacht: "Fühlt sich komisch an!"

Als sich Claudia Weißbach in den Sattel schwingt, gesteht sie: "Ich bin Garbr jetzt seit einem Jahr nicht mehr geritten." Wir staunen: Der Hengst stapft dennoch tiefenentspannt über die Wiese, als hätte er das gestern erst getan. "Auch dafür liebe ich die Don-Pferde. Sie sind nicht nur wunderschön, sondern haben auch einen super Charakter."

Die Stuten, die Garbr während des Ritts vergessen hat, sind allesamt fuchsfarben, doch ihr Goldglanz schimmert in verschiedenen Tönen. Die Züchterin hat Pferde aus verschiedenen Blutlinien. Alle sind in Russland registriert.

Zu wenig Marketing für die goldenen Pferde

Der Kontakt zu den Zuchtverantwortlichen in Russland ist eng. Die deutsche Züchterin versucht, alle unter einen Hut zu bekommen – wenigstens die Besitzer der russischen Pferde in Deutschland und den umliegenden Ländern. Es gibt keine übergeordneten Zuchtverbände wie hier in Deutschland, die sich um die Förderung und das Marketing der Rassen kümmern. Deshalb lädt sie die russische Verantwortliche für das Stutbuch, Anna Nikolaeva, einmal in Jahr nach Deutschland ein, um mit ihr die hier lebenden Don-Pferde und Budjonnys zu besuchen und registrieren zu lassen.

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Historisch: Marschall Budjonny (im weißen Jackett) sammelte die letzten Don-Pferde für seine Zucht.

Gerade erstellt Claudia Weißbach eine neue Homepage (www.donpferde.de). Ihr Wissen über die Pferde und ihre Geschichte hat sie zum einen aus den Gesprächen mit Anna Nikolaeva und zum anderen aus russischen Büchern, die sie übersetzten ließ.

"Wenn die Rassen nicht überleben würden, wäre das ein großer Verlust", findet Züchterin Claudia Weißbach. "Auf den Don-Pferden haben die Russen ihre Kriege gewonnen. Die Tiere haben Russlands Geschichte mitgeschrieben. Nur die zähesten Pferde überlebten. Sie sind nicht überzüchtet, vielseitig, robust, und sie sind klar im Kopf."

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„Wenn ich diesen Goldglanz sehe, bin ich hin und weg. Dafür lebe ich.“

Als ob sie das noch einmal beweisen wollte, schwingt sich die 62-Jährige auf ihren Aufsitzrasenmäher und rollt damit über die Wiese, auf der Garbr gerade weidet. Der Hengst hebt nur den Kopf und verfolgt die Vorstellung mit gespitzten Ohren. Nichts, was ihn aus der Ruhe bringen könnte. Da hat er schon ganz anderes gesehen.

Zähe und kräftige Russen

Die Heimat der Don-Pferde und Budjonnys liegt im Südwesten von Russland an den Ufern des Dons.

Don-Pferde

Zuchtgebiet: Don-Region in Südwestrussland

Zuchtgeschichte: Eine der ältesten einheimischen Rassen, entstanden aus Pferden, die die Kosaken von ihren Streifzügen mitbrachten, darunter mongolische, turkmenische und arabische Tiere sowie Karabaghen. Später wurden weitere russische Rassen und englisches Vollblut eingekreuzt. Das erste Gestüt wurde 1770 gegründet, die systematische Zucht startete ab 1842.

Exterieur: Kleiner Kopf mit lebhaften Augen und Ohren, starke Muskulatur, kräftiger Rücken, trockene Gliedmaßen, feste Hufe. Fuchsfarben mit Goldglanz. Stockmaß rund 165 cm.

Eignung: Alle Sparten, v. a. Distanz/Freizeit

Züchter in Deutschland: Claudia Weißbach, E-Mail: c.weissbach@t-online.de

Infos: www.karabagh.info/Don.htm und www.donpferde.de (in Arbeit)

Budjonny

Zuchtgebiet: Gestüte im Süden Russlands (z. B. 1. Reiterarmee, Zelena, SM Budjonny)

Zuchtgeschichte: Jüngste russische Pferderasse, begründet von Marschall Semjon Michailowitsch Budjonny ab 1920 mit dem Ziel, das perfekte Kavalleriepferd zu züchten. Entstanden aus Don-Stuten und englischen Vollblut-Hengsten. 1948 wurden die Pferde offiziell als "Budjonny" registriert.

Exterieur: mittelgroßer Kopf mit geradem Profil, große ausdrucksvolle Augen, langer Hals, ausgeprägter Widerrist, breite Brust, kompakter Körper, klare trockene Beine mit kräftiger Fesselung. Stockmaß bis 170 cm. Meist Füchse mit Metallglanz, auch Braune, selten Schwarzbraune, keine Schimmel.

Eignung: Vielseitigkeit, Distanz, Dressur, Springen, Freizeit

Züchter in Deutschland: Claudia Weißbach, E-Mail: c.weissbach@t-online.de, Sonja Seidel, E-Mail: info@goldene-pferde.de

Infos: www.goldene-pferde.de; www.karabagh.info/Don.htm

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