Pferd mit Reiterin auf einer Wiese im Trab Lisa Rädlein

Was Sie beim Ausreiten gegen die natürliche Schiefe tun können

An der Schiefe arbeiten beim Ausreiten Geraderichten im Gelände

Auch im Gelände kann jeder Reiter schon einiges für die Geraderichtung seines Pferds tun. Und das ist gar nicht kompliziert. Worauf Sie dabei achten sollten, verrät Pferdegesundheitstrainerin Karin Kattwinkel hier.

Geraderichten erfordert viel Know-how, reiterliche Fähigkeiten und Geduld. Der Reiter muss das Pferd nicht nur gymnastizieren, sondern auch Gehirnjogging einbauen, sagt Pferdegesundheitstrainerin Karin Kattwinkel. Oft braucht es Anleitung. Weniger kompliziert können Sie Ihr Pferd im Gelände unterstützen, beide Seiten gleichmäßig zu entwickeln.

Beim Leichttraben im Gelände – immer dann, wenn Sie nicht darauf achten, auf welchem Fuß Sie einsitzen bzw. aufstehen –, setzt Sie das Pferd so, dass es die zusätzliche Last des gerade einsitzenden Reiters mit der stärkeren Diagonalen bewältigen kann. Deshalb sollten Sie im Gelände besonders darauf achten – und es sollte Ihnen vor allem bewusst sein – auf welchem Fuß Sie gerade traben.

Mit dem bewussten und sinnvollen Wechseln des Fußes beim Leichttraben im Gelände können Sie also gezielt daran arbeiten, die schwache Diagonale Ihres Pferds zu stärken. Beginnen Sie damit, zunächst nur kurze Sequenzen (wenige hundert Meter) auf der schwachen Diagonalen einzusitzen und wechseln Sie dann durch doppeltes Aussitzen oder doppeltes Stehenbleiben wieder zurück, sitzen dort eine längere Sequenz ein usw. Nach und nach dehnen Sie das Sitzenbleiben auf der schwächeren Diagonalen aus. Als gefühlvoller Reiter merken Sie, dass dies Ihrem Pferd zunächst schwerer fällt. Anfangs fühlt sich das Einsitzen auf der schwachen Diagonalen "unrund" an, so als ob ein eckiges Rad unter Ihnen laufen würde. Wenn sich beide Diagonalen gleichmäßig anfühlen, sind Sie dem Geraderichten ein großes Stück nähergekommen.

Auch beim Galoppieren im Gelände wird ein noch nicht geradegerichtetes Pferd versuchen, sein schwächeres Hinterbein zu schonen (die Einbeinstütze hinten ist der anstrengendste Moment des Galopps!). Es wird Ihnen deshalb meist von sich aus den Galopp zu seiner händigen Seite anbieten. Ein linkshändiges Pferd wird also lieber von sich aus im Linksgalopp anspringen. Manche Pferde springen sogar von sich aus nach einer Weile um, wechseln also den Galopp fliegend, wenn der Reiter zuvor bewusst den Galopp auf der schwächeren Hand gewählt hat. Beim Galoppieren im Gelände verfahren Sie ähnlich wie beim Ausgleichen der Schwäche im Trab. Fordern Sie zunächst nur kurze Strecken im für das Pferd schwierigeren Galopp. Wenn Sie dem Pferd dabei eine leichte Außenstellung geben (also eine leichte Linksstellung, wenn Sie den Rechtsgalopp bei einem Linkshänder fordern), wird diesem sowohl das richtige Angaloppieren als auch das Durchhalten des geforderten Galopps leichter fallen.

Übrigens: Mehr zum Erkennen der Händigkeit und zu den biomechanischen Hintergründen lesen Sie in CAVALLO-Ausgabe 12/2020 (erhältlich im Onlineshop) und in Karin Kattwinkels aktuell laufender Webinar-Reihe zum Thema Schiefe und den Aufzeichnungen der Module.