CAV Reitlehre H.Dv.12 Balance Teaser TL Rädlein

Reiten nach H.Dv.12: Teil 3 - Die richtige Balance

So kommen Pferd und Reiter ins Gleichgewicht

Mit diesen Tipps der alten Kavallerieschule führen Sie Ihr Pferd aus der Anlehnung in die richtige Balance.

Ein stabiles Gleichgewicht - der Schlüssel zur Dressur

"Mit dem Biegen ist nicht eher zu beginnen, als bis das Pferd eine gleichmäßige Anlehnung an die Zügel gewonnen hat, der Hals am Widerrist feststeht und die dem Dressurgrad entsprechende Beizäumung erreicht ist. (H.Dv.12)"

Nur ein ausbalanciertes Pferd kann sich mit seinem Reiter harmonisch bewegen. Ein gleichmäßiger Takt, Losgelassenheit und eine sichere Anlehnung in allen Gangarten sind die drei Grundvoraussetzungen dafür, dass sich das Pferd auf gerader Linie im Gleichgewicht bewegen kann. Wie Sie diese Ausbildungsziele erreichen, haben wir Ihnen in den ersten beiden Teilen dieser Serie gezeigt.

Auf dieser Basis können Sie nun weiter arbeiten und das Gleichgewicht auch auf gebogenen Linien stabilisieren. „Denn erst jetzt darf der Reiter beginnen, sein Pferd vorsichtig zu biegen“, erklärt Dr. Gerd Heuschmann. Der Tierarzt und gelernte Bereiter, der sich seit Jahren mit der Biomechanik des Pferds beschäftigt, möchte seinen Schülern Verständnis für die Bewegungsabläufe ihrer Pferde vermitteln – auf Grundlage der militärischen Reitvorschrift H.Dv.12, „die einfach und gut erklärt, wie man richtig reitet“.

Ihr Ziel ist ein durchlässiges Pferd, das perfekt an den Hilfen steht – die Voraussetzung für erste Schritte in die Versammlung, die wir Ihnen im nächsten Teil erklären.

Vom Gleichgewicht zum Geraderichten

"Bei fast allen jungen Pferden treten im Geraderichten Schwierigkeiten auf, die davon herrühren, dass die Pferde von Natur schief und in der Vorhand schmäler als in der Hinterhand sind. (H.Dv.12)"

Ein Pferd im Gleichgewicht ist schon gerade, aber noch nicht geradegerichtet. Das gerade Pferd lässt die Bewegung über den schwingenden Rücken von hinten nach vorne hindurch. Es tritt gleichmäßig an beide Zügel heran, ohne mit der Hinterhand auszuweichen, sich zu verwerfen oder auf die äußere Schulter zu fallen. So ist das Pferd in der Lage, mit der Hinterhand immer unter seinen Schwerpunkt zu treten – die Voraussetzung für ein gutes Gleichgewicht.

Auf der gebogenen Linie fällt es jedoch vielen Pferden schwer, im Gleichgewicht zu gehen. Beim Reiten spüren Sie dann, dass Ihr Pferd sich auf der linken und rechten Hand unterschiedlich anfühlt. Der Grund: Die meisten Pferde sind von Natur aus schief. Das liegt daran, dass sie auf einer Seite weniger dehnungsbereit sind.

Deshalb ist es Ihre Aufgabe als Reiter, Ihr Pferd geradezurichten – indem Sie es auf beiden Händen gleichmäßig dehnen. Ihr Weg dahin: Sie beginnen vorsichtig, Ihr Pferd zu biegen. „Aber nur, wenn Sie es richtig machen, wird Ihr Pferd von dieser Arbeit profitieren“, erklärt Gerd Heuschmann.

Der korrekte Weg zum Stellen und Biegen

"Das Pferd geht in Stellung, wenn es durch tätige Einwirkung der äußeren Hilfen in einer gleichmäßigen Längsbiegung erhalten wird. In dieser spurt der innere Hinterfuß in Richtung auf den inneren Vorderfuß; der äußere Hinterfuß in Richtung zwischen die Vorderfüße. (H.Dv.12)"

Das Pferd zu stellen und zu biegen, fördert das Geraderichten unter dem Sattel und ist Voraussetzung für viele Lektionen. Das Ziel ist ein Pferd, das sich auf beiden Händen gleich gut biegt. Stellung und Biegung werden immer in der Bewegung erarbeitet.

Mit einer ersten leichten Stellung können Sie erreichen, dass Ihr Pferd in der Ganasche nachgibt. Sie verkürzen den inneren Zügel durch Eindrehen der inneren Hand (nicht ziehen!) und verlagern Ihr Gewicht leicht nach innen. Gibt Ihr Pferd im Genick nach innen nach, gehen Sie mit der äußeren Hand etwas vor. Ob Ihr Pferd richtig reagiert, erkennen Sie daran, dass der Mähnenkamm nach innen kippt. „Dies ist der Moment, in dem Ihr Pferd eine erste minimale Biegung hat“, erklärt Gerd Heuschmann. „Denn aus biomechanischer Sicht gibt es grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Stellung und Biegung: Ein gestelltes Pferd ist im Hals und in der Wirbelsäule schon leicht gebogen.“

Aus der Stellung heraus können Sie allmählich mehr Längsbiegung über Ihren inneren Schenkel erarbeiten. Der äußere Schenkel hindert das Pferd daran, mit der Hinterhand auszuweichen. Wichtig ist die Lage des inneren Schenkels möglichst dicht am Gurt: „Sie können nur dort biegen, wo die Rippen mit dem Brustbein verbunden sind“, erklärt Gerd Heuschmann. Vermeiden Sie jedoch, permanent mit dem Schenkel zu drücken. „Ihr Pferd kann nur um Ihren Schenkel herum weich werden, wenn Sie selbst weich bleiben“, sagt Heuschmann. Gibt Ihr Pferd nicht nach, wiederholen Sie die Hilfe.

Vorsicht mit dem inneren Zügel!

"Der häufigste und folgenschwerste Fehler beim Reiten in Stellung besteht darin, dass die Kopfstellung durch zu festes Halten oder Ziehen am inneren Zügel gefordert wird. (H.Dv.12)"

Sie dürfen die Biegung niemals über den inneren Zügel erzwingen. Für das Biegen ist alleine der innere Schenkel zuständig. Anstatt am inneren Zügel hängen zu bleiben, wenn das Pferd beim Stellen nicht nachgibt, geben Sie selbst nach und wiederholen die Hilfe.

Gerd Heuschmann beklagt, dass viele Reiter versuchen, Widerstände im Genick und Anlehnungsprobleme durch Ziehen am inneren Zügel zu beseitigen. Die Folgen: Das Pferd gibt nicht mit dem Genick nach innen nach. Der Hals wird nach innen gezogen, doch das Pferd biegt sich nicht im Rumpf. So wird es immer schiefer. „Das zerstört das Gleichgewicht des Pferds. Es wird steif, rollt sich ein oder geht nicht mehr richtig vorwärts“, erklärt Heuschmann.

Biegung festigen auf dem Zirkel

"Durch das Reiten auf dem Zirkel wird der innere Hinterfuß des Pferdes vermehrt zum Stützen der Körperlast gezwungen, mithin auch in höherem Maße als auf gerader Linie gebogen. (H.Dv.12)"

Bevor Sie Ihr Pferd in enge Wendungen führen oder mit Seitengängen beginnen, sollte es sich auf beiden Händen gleichmäßig auf der Zirkellinie gerade halten können, also mit seiner Hinterhand genau dem Hufschlag der Vorhand folgen. Dafür muss das Pferd sich im Rumpf biegen und den inneren Hinterfuß mehr beugen.

Achten Sie darauf, dass das Pferd im Hals nicht zu stark abknickt. „Der Hals darf nicht stärker gebogen sein, als das Pferd im Rumpf nachgeben kann“, warnt Heuschmann. Reiten Sie jeden Zirkel gleichmäßig rund, um Ihrem Pferd die Balance zu erleichtern.

Lässt sich das Pferd auf beiden Händen gleichmäßig auf dem Zirkel biegen, ist es schon sehr gut geradegerichtet. Nun können Sie den Zirkel bis zu einer Volte verkleinern, durch den Zirkel wechseln oder Achten reiten.

Wichtig: Arbeiten Sie Ihr Pferd auf beiden Händen gleichmäßig. Wenn Sie sich zu stark auf eine Hand konzentrieren, provozieren Sie Überlastungen und Verspannungen.

Seitwärts - Die Krönung der Balance

"Das Schulterherein kann geritten werden, wenn die Pferde im verkürzten Arbeitstrab Durchlässigkeit und Selbsthaltung gewonnen haben und in Stellung gehen können. Das Geraderichten wird hierdurch besonders gefördert. (H.Dv.12)"

Seitengänge machen das Pferd nicht nur auf die Schenkelhilfen aufmerksam, sondern fördern auch das Gleichgewicht. Denn zum Beispiel bei der Hinterhandwendung oder dem Schulterherein muss Ihr Pferd das seitwärtstretende Hinterbein mehr beugen – eine Voraussetzung, um unter den Schwerpunkt zu treten.

Den seitwärtstreibenden Schenkel können Sie Ihrem Pferd leicht erklären. Gerd Heuschmann lässt dazu diese Übung reiten: Führen Sie die innere Hand am Pferdehals nach oben. Das Pferd wird daraufhin vom Zügel weg zur Seite treten. Sobald es weicht, sinkt Ihre Hand wieder in die korrekte Position. Unterstützen Sie die Zügelhilfe, indem Sie mit dem inneren Schenkel treiben. So können Sie mehrere Tritte entwickeln – und das Schenkelweichen entsteht.

Für mehr Schenkelgehorsam und ein besseres Gleichgewicht empfiehlt Heuschmann folgende Übung auf dem Zirkel: Reiten Sie das Pferd auf dem Zirkel, aber halten Sie es gerade (ohne Stellung oder Biegung). Treiben Sie nun das Pferd mit dem äußeren Schenkel seitwärts nach innen. Nach ein paar Tritten fangen Sie es mit dem inneren Schenkel ab und treiben es wieder nach außen. „Beim Weichen auf den inneren und äußeren Schenkel wird sich das Pferd schon etwas biegen“, so Heuschmann.

Wie gut sich Ihr Pferd im Gleichgewicht befindet, können Sie mit dem Rückwärtsrichten überprüfen, wie der verstorbene Kurd Albrecht von Ziegner in „Die kommentierte H.Dv.12“ erklärt: „Wenn das Pferd auf fast unsichtbare Hilfen zufrieden und taktrein zurücktritt und dabei sauber in der Spur bleibt, deutet das darauf hin, dass Geraderichtung und Durchlässigkeit stimmen.“

Geht Ihr Pferd sowohl auf gebogenen Linien als auch im Seitwärts im Gleichgewicht, haben Sie ein wichtiges Ziel erreicht: Ihr Pferd ist geradegerichtet und kann sich gesund bewegen. Damit hat es nun alle Voraussetzungen für die weitere fördernde Arbeit und erste versammelnde Lektionen wie das Schulterherein. Lesen Sie mehr im nächsten Teil!

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