Kappzaum: So hilft er beim Longieren

So hilft der Kappzaum
Mit Kappzaum optimal longieren

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 31.07.2026
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CAV Longieren mit Kappzaum 10
Foto: Rädlein

Die Arbeit am Kappzaum ist eine tolle Methode, um deinem Pferd zu helfen, den Weg in die korrekte Dehnung und Biegung zu finden – ganz ohne Ausbinder oder andere Hilfszügel.

Wie wirkt ein Kappzaum?

Über den mittig auf dem Nasenriemen platzierten Ring des Kappzaums wirken Impulse sehr präzise auf Nase und Genick, sodass du dein Pferd über die Longenverbindung fein steuern kannst. "Am Kappzaum zeigt sich schnell die Wahrheit über den Trainingszustand des Pferds. Denn hier wird es nicht in eine bestimmte Haltung gezwungen, die es vielleicht körperlich noch überfordert", erklärt Klassik-Ausbilderin Nicole Künzel.

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Nicole Künzel
Die Expertin

Kappzaum aus Biothane, Leder, Eisen – Kappzaumarten

Die Expertin empfiehlt einen Kappzaum aus weichem, glattem Material wie Leder oder Kunstfaser (z.B. Biothane). Der klassische Kappzaum hat entweder einen Nasenriemen ganz aus Leder oder mit einem eingearbeiteten Metallteil, das aus bis zu drei Gliedern oder einem einzelnen Bügel besteht.

Kappzäume gibt es international in verschiedensten Ausführungen: Der klassisch-deutsche Kappzaum hat ein mehrgelenkiges Naseneisen, das durch Leder abgepolstert ist, das französische Caveçon eine gepolsterte Kette. Die Naseneisen iberischer Kappzäume wie der Serreta sind an einem Stück – und manche haben gar kein Metall.

Welcher Kappzaum eignet sich für Anfänger?

Je punktueller ein Kappzaum aufliegt, desto mehr Kraft wirkt auf die einzelnen Punkte. Viele Pferde treten nur ungern an einen scharfen Kappzaum heran. Serreta und Co. sind mit Kandaren vergleichbar: Es sind Werkzeuge für weit ausgebildete Pferde und Reiter. Wer an der Longe die Grundbegriffe erarbeitet, sollte genauso wenig zur Serreta greifen, wie er beim Anreiten eine Kandare einschnallen würde. Anfänger sollten also einen stabil sitzenden, gepolsterten Kappzaum mit breitem Nasenriemen nach Machart des klassischen deutschen Kappzaums verwenden.

Auch Kappzäume ohne Naseneisen oder dieser anatomisch geformte Trensen-Lederkappzaum haben eine breite Auflagefläche und wirken somit grundsätzlich mild. Zu beachten ist jedoch, dass solche Kappzäume ohne Naseneisen beim Longieren evtl. weniger stabil auf der Pferdenase sitzen.

Welcher Kappzaum eignet sich zum Longieren?

Gerade bei der Longenarbeit wirkt der Kappzaum schnell recht scharf auf Genick und Halswirbelsäule. Heftige oder falsche Einwirkung bringt das Pferd aus der Balance oder sorgt gar für Schmerzen. Korrekt angewandt, ist der Kappzaum jedoch eine tolle Trainingshilfe für jedes Pferd. Für die Arbeit an der Longe oder Bodenseil ist ein weich gepolsterter Kappzaum mit gut sitzendem Naseneisen optimal. Ein wichtiger Aspekt für die Kappzaumwahl hat nur am Rande mit dem Druck auf der Nase zu tun. "Kappzäume ohne stabiles Naseneisen bewegen sich auf der Nase wesentlich stärker seitlich, als wenn Bügel den Sitz stabilisieren", sagt Longier-Expertin Babette Teschen. Kommt zu viel Zug auf die Longe, verdreht sich der Zaum und kann dem Pferd auf der äußeren Kopfseite ins Auge rutschen. Schmale, harte Nasenteile wirken schärfer als breite, weich gepolsterte; egal ob flexibel oder nicht. Vermeintlich leichte Kappzäume entlasten die Pferdenase beim Longieren nicht, sondern belasten. An der einfachen Longe solltest du daher zum Wohle deines Pferds zur deutschen Variante mit mehrteiligem gepolstertem Naseneisen greifen.

Welcher Kappzaum ist der Beste?

Für welches Pferd sich welcher Zaum eignet, lässt sich pauschal nicht sagen: Es kommt vor allem aufs einzelne Pferd an. Das Temperament des Pferds und das Können des Longenführers bestimmen ebenfalls die Wahl des Kappzaums.

Kann man mit Kappzaum reiten?

Auch beim Reiten kannst du den Kappzaum nutzen. Voraussetzung: Dein Pferd kennt die Hilfen bereits aus Boden- und Longenarbeit. Reiten mit Kappzaum erfordert etwas Übung, besonders wenn du ihn mit einer Trense kombinierst und vierzügelig reitest. Die Mühe lohnt sich jedoch: etwa bei Pferden, die Angst vor dem Gebiss haben, bei jungen Pferden oder Pferden, die sich im Genick verwerfen. Gerade für Pferde, die Angst vor dem Gebiss haben, ist der Kappzaum ideal. Oft wirkt es alleine schon sehr befreiend, wenn das Pferd kein Metall mehr im Maul spürt. Dann wird es sich schnell auch mal trauen, die Nase nach vorne zu nehmen. Kappzäume öffnen auch dem Reiter neue Wege. Es sind perfekte Werkzeuge, um zügelunabhängig zu reiten. Weil der Reiter über den Zaum nur impulsartig einwirkt, erzieht er sich quasi selbst, mehr über Sitz und Schenkelhilfen zu arbeiten. Kappzäume, in die sich ein Gebiss einschnallen lässt, findest du in unserem Partnershop:

Wie soll ein Kappzaum sitzen?

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Rädlein

Damit der Kappzaum optimal wirkt und dem Pferd den Weg in die Dehnung und Stellung weist, muss er korrekt am Pferdekopf sitzen. Sonst wirken die Signale über die Longe schwammig; ein schlecht sitzender Kappzaum kann außerdem für Schmerzen und Verletzungen sorgen. So legst du den Kappzaum richtig an:

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Rädlein

Die meisten Kappzäume bestehen aus einem Nasen- und Ganaschenriemen sowie einem Genickriemen mit Backenstück. Achte darauf, dass alle Riemen des Kappzaums längenverstellbar sind. Schließe zunächst den Ganaschenriemen und erst danach den Nasenriemen. So verhinderst du, dass beim Anziehen zu starke Kräfte auf Nase und Genick wirken.

Damit der Nasenriemen nicht auf empfindliche Nervenbahnen drückt, sollte zwischen Jochbein und Nasenriemen zwei Finger Abstand sein.

Der Ganaschenriemen verläuft am besten vom Pferdeauge aus gesehen gerade nach unten. So sitzt er etwa mittig an der Ganasche, kann nicht rutschen und hält den Zaum stabil. Angenehm fürs Pferd ist außerdem ein an den Ohren anatomisch geformter Genickriemen.

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Rädlein

Der Nasenriemen sollte nicht verrutschen. Vor allem hier kommt es auf die optimale Passform an. Der mittlere Ring sollte stets auf dem Nasenrücken bleiben. Hat der Nasenriemen einen Metallbügel, muss dieser der Pferdenase angepasst sein.

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Rädlein

Das Backenstück sollte neben dem Jochbein verlaufen. Achte darauf, dass sich der Riemen nicht verzieht, wenn Nasen- und Ganaschenriemen angezogen sind. Das Backenstück des Kappzaums sollte flach seitlich am Pferdegesicht anliegen.

Im Folgenden zeigen Judith Eckert und ihre Paint-Horse-Stute Sweety unter Anleitung von Nicole Künzel, wie der Einstieg in die Longenarbeit mit dem Kappzaum Schritt für Schritt gelingt.

Vorübung 1: Vorhand bewegen

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Rädlein

Vor dem Einstieg ins Kappzaumtraining sollte dein Pferd Basisübungen am Boden wie Antreten, Halten, Weichen, Rückwärts und Schritt-Trab-Übergänge sicher beherrschen. Nicole Künzel empfiehlt dazu die folgenden drei Vorübungen. Erarbeite diese mit Halfter und Strick sowie einer Touchiergerte.

Vorhand bewegen: Stelle dich leicht schräg vor dein stehendes Pferd. Die Hand mit dem Führstrick führst du seitlich von dir weg. Gebe dann ein Signal mit der Gerte auf Schulterhöhe (etwa leichtes Wedeln), bis das Pferd mit der Vorderhand zur Seite weicht – dabei sollte es die Vorderbeine kreuzen und nicht zu sehr vorwärts gehen.

Vorübung 2: Präzise Schulterkontrolle

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Führe dein Pferd mit 5 bis 6 Metern Abstand parallel zum Hufschlag und lass es dann vorwärts-seitwärts nach außen weichen wie beim Viereckvergrößern. Stelle zur Orientierung ein Hütchen auf, das du dabei ansteuern kannst.

Die Vorwärts-Seitwärts-Bewegung leitest du ein, indem du wieder die äußere Hand seitlich von dir wegführst und die Gerte mit abgesenkter Spitze in Richtung der Schulter anhebst.

Vorübung 3: Auf Druck am Genick nachgeben

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Stell dich neben den Pferdekopf und übe am Strick einen sanften und stetigen Zug nach unten aus. Gibt dein Pferd nach, lässt du sofort los und lobst den richtigen Ansatz.

Erste Schritte an Longe und Kappzaum

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Rädlein

Dein Pferd soll nun lernen, dem Impuls am Kappzaum nachzugeben, sich weich im Genick nach innen zu stellen und die Oberlinie zu dehnen.

Beginne auf etwas kleineren Zirkeln im Schritt und halte eine konstante Verbindung zwischen Longe und Kappzaum.

Gehe anfangs mit großen Schritten nah am Pferd mit und kombiniere die Zirkel mit geraden Linien etwa am Hufschlag entlang.

Den Weg in die Dehnung zeigst du deinem Pferd, indem du die Hand, die die Longe hält, etwa in Hüfthöhe nach außen führst. Eine nach unten gedrückte Hand bringt das Pferd dagegen leicht aus dem Gleichgewicht. Lobe sofort mit Stimme und führe die Hand wieder in die Ausgangsposition zurück, wenn dein Pferd ansatzweise richtig reagiert. Zum Antreiben, zeigst du mit der Gerte auf seine Hinterhand. Ansonsten bleibt die Gerte, ebenso wie später die Longierpeitsche, in neutraler Position (abgesenkt, etwa auf Höhe des Pferdebauchs).

Schritt und Trab in Dehnung

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Rädlein

Wenn dein Pferd gelernt hat, sich am Kappzaum in die Dehnung zu begeben, kannst du den Zirkel vergrößern und die Gerte gegen eine Longierpeitsche tauschen. Gehe anfangs noch mit, um dem Pferd die Biegung auf dem Zirkel zu erleichtern. Später kannst du im Zentrum des Zirkels stehenbleiben und dich nur mitdrehen.

Übe nun, dass dein Pferd im Schritt weiter ausgreift, ohne dabei die Dehnung aufzugeben. Erst wenn das sicher gelingt, lässt du es antraben. Anfangs nur in kurzen Reprisen traben; sobald dein Pferd den Kopf hebt oder sich in Rücken und Genick verspannt, parierst du zum Schritt durch. Erarbeite die Dehnung in Ruhe neu und trabe dann erst wieder an.

Im Trab treibst du erst vermehrt nach, wenn dein Pferd die Dehnung am Kappzaum sicher halten kann. Erst dann ist es in der Lage, vermehrt mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt zu treten und die Oberlinie weiter zu dehnen. Achte darauf, dass die Kopf-Hals-Position nicht zu tief gerät: Genick etwa auf Widerrist-Höhe ist ein guter Richtwert. Nach und nach wird dein Pferd so in eine korrekte Stellung und Längsbiegung finden.

Erst wenn dein Pferd ausbalanciert in Schritt und Trab am Kappzaum zirkelt und die Dehnung über einen längeren Zeitraum und in Übergängen sauber hält, kannst du es galoppieren lassen.

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Rädlein

Am Kappzaum hast du die Möglichkeit, dein Pferd fließend von einer Hand auf die andere zu wechseln. Das erfordert jedoch einiges an Koordinationsvermögen von Mensch und Pferd. Nicole Künzel rät deshalb, die Richtungsänderung am Kappzaum schrittweise zu erarbeiten, bis alle Bewegungsabläufe – vor allem beim Menschen – sitzen. Übe zunächst die einfache Variante mit einem Zwischenhalt.

Einfache & fließende Handwechsel am Kappzaum

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So geht der einfache Handwechsel: Mach dein Pferd aufmerksam, etwa durch ein Stimmsignal. Dann kannst du es einladen, nach innen abzuwenden, indem du mit entspannter Körperhaltung rückwärtsweichst; die Longe sollte dabei leicht gespannt bleiben und nicht durchhängen.

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Sobald dein Pferd auf einer geraden Linie vor dir angekommen ist, hältst du es an, etwa per Stimmsignal oder indem du die Hände mit gesenkter Peitsche vor dir ausstreckst und anhebst.

Wechsel nun die Peitsche unter der Longe hindurch und greife diese mit der anderen Hand.

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Dann lässt du die Vorhand in die neue Richtung weichen und schickst dein Pferd wieder auf den Zirkel. Übe diese Abläufe mehrmals auf beiden Seiten.

Den fließenden Handwechsel am Kappzaum leitest du genauso ein wie den einfachen. Anstatt das Pferd jedoch anzuhalten, sobald es auf der geraden Linie vor dir angekommen ist, wechselst du Longe und Peitsche, während du rückwärtsgehst und lässt dein Pferd gleich in die neue Richtung abbiegen.

Achte unbedingt darauf, dass dein Pferd sauber und weit genug mit der Vorhand weicht und dich nicht beim Abwenden in die neue Richtung mit der Schulter bedrängt. Gelingt dies noch nicht reibungslos, verbesserst du noch einmal separat die Schulterkontrolle aus den Vorübungen.