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Rittigkeits-Probleme durch Seitengänge lösen

Schenkelweichen hilft

Reitprobleme? Können Reiter ab sofort lösen. Wer im Sattel Seitengänge gut kombiniert, überwindet fast jede Schwierigkeit beim Reiten. Tipps für das Rücken lockern, Galoppwechsel und Schenkelgehorsam.

Losgelassenheit, Balance und Kraft – diese drei Dinge braucht jedes Pferd, damit es sich beim Reiten gesund und geschmeidig bewegen kann. Und wie kommt es dazu? Die Antwort steckt in einem Wort: seitwärts. Schräge Linien und diagonale Bewegungen wirken im Sattel wahre Wunder.

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Das wusste schon die alten Meister. Der Portugiese Nuno Oliveira soll den Seitengang Schulterherein als das „Aspirin der Reitkunst“ bezeichnet haben. Ein Mittel gegen alles. Auch heute setzen viele Trainer auf die Kraft der Seitengänge. Zum Beispiel Andrea Bethge. Die Dressurausbilderin aus Münchehagen in Niedersachsen schwört aufs Seitwärts: „Das ist für Reiter etwa so wichtig wie Fingerübungen für Pianisten.“

Wie man so effektiv seitwärts reitet, dass Reitprobleme schnell verschwinden, zeigt die Ausbilderin. Pferde sollen seitwärts gehen, damit sie besser geradeaus laufen. Nur: Was sind Seitengänge eigentlich? Warum spricht man von echten und unechten? Und dürfen die Pferdebeine kreuzen oder nicht?

Der Weg zum korrekten Seitwärts hat drei Stufen

Pferde und Reiter entwickeln Seitwärtsbewegungen in drei Stufen. Zuerst steht das Schenkelweichen (auch Übertreten genannt) an. Es schult seitwärts treibende Hilfen und löst Muskeln sowie Gelenke von Genick bis Kruppe. Das Pferd weicht dem zurückgelegten Reiterschenkel. Es geht auf geraden und gebogenen Linien vorwärts-seitwärts und ist gegen die Bewegungsrichtung gestellt. Damit können Reiter beginnen, wenn ihre Pferde sich entspannt, fleißig und taktmäßig im Schritt und Trab durch die Bahn bewegen.

Die zweite Seitwärts-Stufe ist Schulterherein. Das Pferd ist weiterhin gegen die Bewegungsrichtung gestellt, soll sich nun aber deutlich um den am Gurt liegenden inneren Reiterschenkel biegen. Das gelingt erst, wenn das Pferd sich sicher biegt und steht damit erst zum Ende der Grundausbildung an. In der Lektion muss das Pferd das innere Hinterbein stärker beugen und entwickelt so erste Ansätze zur Versammlung.

Zuletzt kommen Travers, Renvers und Traversalen. Das Pferd ist weiterhin um den inneren Schenkel am Gurt gebogen und wird vom äußeren, verwahrend zurückgelegten Schenkel vorwärts-seitwärts geführt. Der Unterschied zwischen den Lektionen ist lediglich der Ort und die Abstellung, in der sie ausgeführt werden: Travers heißt, das Pferd mit der Hinterhand in die Bahn zu verschieben. Im Renvers führt der Reiter in Konterstellung und -biegung die Vorhand in die Bahn. Und in Traversalen bewegt sich das Pferd diagonal durch die Bahn. Korrekt geritten, verbessern diese Lektionen Biegung, Geraderichtung und Versammlung. Sie sind aber nur für gut ausgebildete Pferde reell zu schaffen.

CAVALLO-Expertin Andrea Bethge

Andrea Bethge führt einen Ausbildungsstall in Münchehagen/Niedersachsen. Dort lehrt sie Dressur mit feinen Hilfen bis Grand-Prix-Niveau. Ihre Schüler profitieren dabei auch von Andrea Bethges Erfahrungen als Leistungssportlerin in der Leichtathletik. www.playfulpiaffe.de

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Schiefe seitwärts überwinden

Seitengänge wirken so positiv, weil sich die Muskeln im Pferdekörper besonders effektiv dehnen. Das löst Verspannungen. Gelenke, die von strammen Muskeln blockiert wurden, können sich wieder freier bewegen. Das hilft vor allem auf der steiferen Seite des Pferds, wo es sich stärker festhält. Mit konsequentem Seitwärtstraining überwinden Reiter die Schiefe ihrer Pferde.

Das klappt nur, wenn Seitwärtsübungen korrekt mit langsamen und langen Bewegungen ausgeführt werden. Nur dann dehnt das Pferd die Muskeln. Zudem muss immer genügend Vorwärtstendenz da sein. Die erkennt man mit einem Blick auf die Bewegung der Hufe: Sie sollten sich bei unerfahrenen Pferden mehr vor als zur Seite bewegen. Fortgeschrittene Pferde setzen die Beine ebenso weit vor- wie seitwärts.

Starkes Kreuzen ist deshalb schon beim lösenden Schenkelweichen nicht erwünscht. Bei versammelnden Seitengängen ist es sogar schädlich. Nur wenn das Pferd mit dem Hinterbein unter den Körperschwerpunkt fußt, kann es optimal Last aufnehmen. Kreuzen die Beine deutlich, tritt es meist am Schwerpunkt vorbei.

Bleibt noch die Frage nach den „echten“ Seitengängen. So werden oft Schulterherein, Travers, Renvers und Traversalen zusammengefasst. Für diese Lektionen müssen Pferde sich unterm Reiter bereits gut biegen können und beginnen, sich zu versammeln. Demgegenüber gilt Schenkelweichen nicht als „echter“ Seitengang, weil hier weder Biegung noch Versammlung gefordert sind. Allerdings dürften die Pferde sich schon ein wenig biegen. Wie sonst wäre es möglich, dass sich die Muskeln der äußeren Körperseite dabei so effektiv dehnen?

Die Unterscheidung ist vor allem deshalb problematisch, weil sie den Eindruck erweckt, dass Schenkelweichen bzw. Übertreten weniger wert sei als die „echten“ Seitengänge. Das sorgt dafür, dass viele Reiter zu früh mit Schulterherein und Co. beginnen, während sie das Übertreten vernachlässigen. Der Effekt: In vielen Reithallen werden Pferde von schief sitzenden, verdrehten Reitern mit kräftigem Schenkeldruck, Gerte oder Sporen irgendwie seitwärts gequetscht. Dabei entsteht Frust, und die Pferde klemmen, anstatt sich zu lösen.

„Leider beschäftigen sich viele Reiter und auch manche Trainer nicht genügend mit den Hintergründen und Anforderungen der einzelnen Lektionen“, hat Andrea Bethge beobachtet. „Sie bemerken dadurch oft gar nicht, wenn Mensch oder Pferd noch wesentliche Voraussetzungen für Schulterherein, Travers und ähnliches fehlen.“ Zum Beispiel der Drehsitz für die Biegung. „Wer noch nicht gelernt hat, Schultern, Becken und Beine in Wendungen korrekt zu koordinieren, kann sein Pferd nicht in ein gutes Schulterherein dirigieren“, erklärt Bethge.

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Im Schulterherein biegt sich Andrea Bethges Top-Pferd Waikato um ihren inneren Schenkel.

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Seitwärts aber richtig

Tipps zur Seitwärts-Arbeit mit Pferden: Reiter, die sich zunächst mit dem Schenkelweichen beschäftigen, machen es sich und ihren Pferden oft unnötig schwer. „Viele versuchen, ihre Pferde am Anfang mit dem Kopf zur Bande am Hufschlag übertreten zu lassen“, sagt Andrea Bethge. „Dabei landen die Tiere mit der Nase oft direkt vor der Bande. Vorwärts und Leichtigkeit gehen dann schnell verloren. Reiter reagieren darauf oft mit mehr Druck von Bein und Hand. Doch das macht Pferde nur noch fester.“

Andrea Bethge empfiehlt einen anderen Weg: Der Reiter sollte die Vorhandwendung beherrschen und sein stehendes Pferd im Genick umstellen können. Für die ersten Seitwärts-Tritte kann er am Anfang der langen Seite anhalten, umstellen, im Schritt anreiten, den äußeren Schenkel zurücklegen und das Pferd in die Bahn weichen lassen. Sobald das Pferd seitwärts tritt, sollte der Reiter mit Händen und Schenkeln weich werden.

„Geben Sie die Hilfen gefühlvoll und wellenförmig, so dass Sie die Bewegungen sanft begleiten“, rät Bethge. Sie warnt davor, am Anfang zu viel zu verlangen: „Nach wenigen Schritten seitwärts sollten Sie geradeaus reiten, Ihr Pferd in die Dehnung entlassen und es loben.“

Sitzt diese Basis, können Sie Pferde im Seitwärts klug ausbilden und auftauchende Schwierigkeiten leicht lösen.

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