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Profis helfen Reitern: Fehler beim Reiten von Übergängen vermeiden

So gelingen Reitern die Übergänge

Herausheben oder bremsen auf der Vorhand: Das sind die häufigsten Probleme bei Übergängen. Übungen für Reiter wie der Affensitz und gezielte Lektionen fürs Pferd verbessern die Wechsel sofort.

Kaum geritten, schon wieder vorbei: Ein Übergang dauert nicht länger als ein paar Sekunden. Doch die haben es in sich. Der Wechsel zwischen den Gangarten stärkt die Hinterhand, lockert den Pferderücken und ist eine Schlüssellektion: Hier zeigt sich, ob ein Pferd rittig und durchlässig ist sowie von hinten nach vorn tritt.

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Oft haben Reiter bei Übergängen aber zwei Probleme: Das Pferd verliert die Anlehnung und hebt sich heraus, um die Balance zu halten. Oder es tritt nicht genug von hinten und landet beim Parieren auf der Vorhand.

Bessere Wechsel in nur einer Reitstunde

Falls es Ihnen bei den Gang-Wechseln genauso geht: Das können Sie schneller als gedacht ändern. Gute Übergänge sind reine Übungssache. Die ersten Verbesserungen sieht man schon nach einer Reitstunde. Das beweisen zwei Reiterinnen, die für CAVALLO mit ihren Pferden Übergänge trainieren. Sie haben die beiden typischen Übergangsprobleme: Das eine Pferd hebt sich heraus, das andere bremst auf der Vorhand.

Reitlehrerin und Bewegungstrainerin Claudia Butry analysiert, woran es hakt. Das ist oft der Reiter, etwa wenn er steif im Becken ist oder zu fest mit der Hand einwirkt. Die Expertin erklärt, mit welchen Übungen Reiter locker werden, besser sitzen und eine feine Verbindung zum Pferdemaul halten. Bei den Pferden gelingt das Feintuning für fließende Übergänge mit speziellen Wechsel-Figuren, halben Übergängen und Überraschungseffekten.

Claudia Butry

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Lisa Rädlein

Expertin Claudia Butry aus Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) ist Trainerin A mit Schwerpunkt Dressur und von Eckart Meyners zertifizierte Bewegungstrainerin.

Herausheben beim Übergang

Übergänge gelingen nur fließend, wenn das Pferd in der Balance ist. Damit können kleine wie große Pferde Probleme haben. Ihnen geht es dann wie Testpferd Daccordino: Dem langen Schlaks fällt es schwer, beim Antraben oder Angaloppieren die Balance zu halten. Der siebenjährige Wallach nutzt seinen Hals als Balancierstange und hebt sich bei Übergängen heraus. „Das Pferd entzieht sich der Anlehnung nach oben, um sich so in die nächste Gangart zu hebeln, weil die Hinterhand nicht aktiv genug ist“, analysiert Trainerin Claudia Butry.

Damit das Pferd fleißig von hinten arbeiten und den Rücken aufwölben kann, muss der Reiter diese Bewegungen zulassen. Dafür muss er locker im Becken mitschwingen und mit der Hand eine weiche Verbindung zum Pferdemaul haben. Bevor Claudia Butry an das Training fürs Pferd geht, hat sie einige Tipps und Übungen für die Reiterin parat, um die Grundvoraussetzungen für lockere Übergänge zu schaffen.

Die Testreiterin soll zunächst im leichten Sitz traben. „In der Bewegungslehre wird das als Affensitz bezeichnet“, sagt die Expertin. Der Reiter muss jeden Tritt weich mitfedern und sich dabei ständig ausbalancieren. Das lockert steife Reiter vom Genick bis zu den Sprunggelenken und macht den Sitz schnell elastischer.

Der nächste Tipp betrifft das Treiben. „Das Pferd muss vor dem treibenden Schenkel sein und fein auf das Bein reagieren, sonst klappen später keine Übergänge“, betont Claudia Butry. Wallach Daccordino ist hierfür ein Paradebeispiel: Er reagiert auf die treibende Beinhilfe, die ihn vom Schritt in den Trab bringen soll, nur zäh.

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Die Hand muss federn und nachgeben.

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Träge Pferde anschubsen

Reiter, deren Pferde träge auf die Schenkelhilfen reagieren, sollten nicht mehr Druck machen, sondern stattdessen Druck herausnehmen. Die Trainerin vergleicht das Treiben mit einem Tretroller: „Man schubst das Pferd einmal an, damit es in Gang kommt. Wenn man dauernd treibt, versteht das Pferd nicht, was der Reiter will und stumpft ab.“ Auf Schenkeldruck muss das Pferd sofort zünden. „Der Reiter muss faul werden. Das Pferd soll arbeiten.“

Fürs richtige Treiben brauchen Reiter weniger Muskeln, als man denkt: Es reicht, die hintere Oberschenkelmuskulatur anzuspannen. Die Fußspitzen sind dabei leicht nach außen gedreht. Durch das Anspannen wird das Knie stärker gewinkelt, die Wade kommt von selbst an den Pferdebauch und treibt. Die biomechanischen Zusammenhänge dahinter sind der Knackpunkt: „Ist der Knieschluss zu stark, wird das Becken in seiner Kippbewegung eingeschränkt“, erklärt Butry. Ist der Reiter im Becken blockiert, überträgt sich das automatisch aufs Pferd.

Das Becken und die Beine lassen sich mit der Übung „Rad fahren“ lockern: Dazu gehen Sie im Halten aus den Bügeln raus und ziehen die Knie abwechselnd in Richtung Kinn hoch. Machen Sie das nur, wenn Ihr Pferd brav steht oder gehalten wird. Erst wenn der Reiter locker ist, kann er Gang-Wechsel gezielt trainieren – und muss das auch.

„Übergänge verbessert man nur durch Übergänge“, sagt Claudia Butry. Feiner werden die Wechsel, wenn der Reiter auf zwei wichtige Punkte achtet: seine Einwirkung über das Becken und die Zügelhilfen.

Beim Wechsel vom Trab in den Schritt rät die Trainerin, im Leichttraben langsamer aufzustehen. Das bereitet das Pferd darauf vor, dass etwas Neues kommt. Dann sitzt die Reiterin aus. Die Hände bleiben weich stehen, das Becken kippt etwas nach hinten, um das Pferd in den Schritt hineinzutreiben. „Zuerst kommt immer die Gewichtshilfe“, betont die Trainerin. „Meist reicht das, um zu parieren oder Tempo zu verlangsamen.“

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Noch hebt sich der Wallach in den Übergängen etwas heraus. Er bleibt jedoch nach der Trainingseinheit sicherer in der Anlehnung als zu Beginn der Reitstunde.

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Übergänge mit der Hand belohnen

Bei vielen Reitern beobachtet sie jedoch, dass diese zuerst mit der Hand arbeiten. Das ist der zweite Punkt, auf den Reiter besonders achten müssen. „Die Hände dienen eigentlich nur der Präsentation der Handschuhe.“

Soll heißen: Hände einfach stehen lassen und nur wenig vorne einwirken. Der Knackpunkt beim Übergang besteht darin, das Pferd energisch von hinten zu treiben. „Von hinten kommt die Energie, vorn wird sie nur passiv verwaltet“, sagt die Trainerin.

„Tritt das Pferd genügend von hinten, federt es automatisch an die Hand heran und holt sich die Hilfen selbst ab.“ Dafür muss die Reiterhand die Bewegungen annehmen und darf nicht gegenhalten. Das gilt bei allen Wechseln, ob in eine höhere oder eine niedrigere Gangart.

Den Übergang mit der Hand belohnen

Die Trainerin zeigt, wie sie das meint: Sie greift zwischen Reiterhand und Pferdemaul in die Zügel und zupft leicht an den Zügelenden, die zur Hand laufen. „Diese Bewegungen muss der Reiter zulassen. Er darf nicht gegenhalten, die Hand muss weich sein und die Schultern entspannt“, sagt sie. Bei Übergängen muss der erste Schritt in der neuen Gangart sofort mit leichtem Nachgeben honoriert werden. Ist die Hand zu fest, entzieht sich das Pferd dem Druck, indem es sich hinter dem Zügel verkriecht oder heraushebt.

Die Konzentration auf die Handarbeit zahlt sich prompt aus, wie unsere Testreiterin merkt. Der Wallach bleibt beim Antraben besser in der Anlehnung als zuvor. Auch auf das richtige Timing kommt es an. „Den Übergang sollte man erst einleiten, wenn das Pferd den Hals fallen lässt.“ In diesen Momenten bietet das Pferd die Anlehnung an und behält sie leichter im Übergang. Das gilt auch bei Wechseln vom Trab in den Galopp. „Der Reiter muss ebenfalls fein mit der Hand sein, vor allem mit der inneren. Ist diese fest, bremst man das innere Hinterbein und damit den Schwung der ganzen Hinterhand aus“, erklärt die Expertin. Wer leicht mit der inneren Hand zu fest wird, sollte für ein paar Sprünge deutlich überstreichen.

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Calimero rollt sich gerne ein und kommt so auf die Vorhand.

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Tempowechsel machen geschmeidig

Nach dem Feintuning am Reiter geht es an die Arbeit beim Pferd. Der erste Schritt sind Paraden für Tempowechsel innerhalb einer Gangart. „Dafür lege ich im Galopp ein paar Sprünge zu und führe das Pferd zurück, indem ich mein Becken nach hinten abkippe“, sagt die Trainerin. Wichtig ist, das Zurückführen über die Gewichtshilfen einzu - leiten, um das Pferd auf diese Hilfen zu sensibilisieren. Die Hand lässt der Reiter dabei ruhig stehen.

Klappen diese Übergänge, kann man Übergänge in die nächsthöhere oder nächsttiefere Gangart verlangen. Hier kommt es auf einen fließenden Übergang an, das Pferd soll nicht stocken. Dafür muss der Reiter umdenken: „Beim Durchparieren sollte man an das Vorwärts in der nächsten Gangart denken und nicht daran, dass eine Gangart endet.“ Der Tipp der Expertin: Nicht auf der Zirkellinie parieren, sondern den Zirkel verkleinern oder vor dem Parieren eine Volte reiten. Das Pferd steht dann besser an den Reiterhilfen und muss mehr Last auf dem inneren Hinterbein aufnehmen. Das erleichtert einen feinen Übergang; dem Pferd fällt es leichter, seine Balance zu halten.

Erst wenn der Reiter zwischen den Gangarten wechseln kann, ohne dass sein Pferd ins Stocken gerät, sollten anspruchsvollere Übergänge (etwa vom Galopp in den Schritt oder vom Trab ins Halten) verlangt werden. Das Pferd muss sich versammeln und verstärkt mit der Hinterhand arbeiten. Das fällt Pferden, die sich herausheben, schwer.

Korrekt gerittene Übergänge kräftigen die Hinterhand, sind aber auch anstrengend für das Pferd. Sind die Muskeln am Pferde-Po noch nicht ausreichend trainiert, ermüden sie schnell. Daher sind viele Pausen wichtig, sonst überfordert man das Tier.

Genauso essentiell sind Handwechsel. Denn jedes Pferd hat eine Hand, die es bevorzugt und auf der Übergänge leichter sind. Bei Testpferd Daccordino ist das die linke Hand; rechtsherum fallen ihm die Übergänge schwerer. Er hebt sich heraus und drängt nach außen. „Das Pferd muss auf seiner hohlen Seite verstärkt über den äußeren Zügel begrenzt werden“, sagt die Trainerin. Dazu kann man im Schritt fast in Konterstellung reiten und so in den Trab wechseln. Das sorgt dafür, dass das Pferd beim Antraben gerade gerichtet wird und über den Rücken antraben muss.

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Lockert das Reiterbecken: Knie im Stand abwechselnd hochziehen.

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Feilen an den Übergängen

„Übergänge sind Millimeter-Arbeit“, gibt die Expertin zu. „Es gibt keinen Trick, damit man das von heute auf morgen kann. Da hilft nur üben, üben, üben.“ Eine feine Reiterhand sorgt dafür, dass das Bewegungsmuster des Pferds umgeformt wird. „Das Pferd soll so lernen, dass es das Heraushebeln über den Hals nicht braucht, um die Gangart zu wechseln.“ In bestimmten Momenten lernen Pferde das leichter: „Achten Sie darauf, dass sich Ihr Pferd vor Übergängen an die Hand herandehnt. Daraus wird das Pferd vorsichtig in die neue Gangart hineingeschubst.“

Eingerollt und fest im Rücken: Pferde mit diesen Problemen landen bei Übergängen in niedrigere Gangarten unweigerlich auf der Vorhand. Wallach Calimero gehört zu der Gruppe. „Er tut sich schwer damit, hinten Last aufzunehmen“, analysiert Trainerin Claudia Butry. „Das Pferd entzieht sich der Einwirkung des Reiters, indem es übereilt wird und davon läuft. Seine Bewegungen werden flach, der Rücken ist fest und kommt nicht zum Schwingen.“

Um den sechsjährigen Wallach dazu zu bringen, künftig den Rücken aufzuwölben und von hinten aktiver unterzutreten, muss die Reiterin richtig einwirken können. Bewegungstrainerin Claudia Butry hat eine simple Übung, mit der jeder Reiter seine Hilfen im Sattel verfeinern kann. Der erste Schritt beginnt vor dem Aufsteigen mit Bodenarbeit für den Reiter: Im Mittelpunkt steht das Becken. Das soll lockerer werden, damit man im Sattel besser mitschwingen und feinere Gewichtshilfen geben kann.

Die Bewegungsexpertin erklärt, wie‘s geht: „Legen Sie sich auf den Rücken und stellen die Beine auf. Die Fußsohlen legen Sie aneinander. Dann spreizen Sie die Beine, indem Sie Ihre Knie in Richtung Boden bewegen.“ In dieser Haltung wird das Becken abwechselnd nach vorn und hinten gekippt. „Wichtig sind möglichst große Bewegungen“, sagt Claudia Butry. Nach zehn bis fünfzehn Wiederholungen heben Sie Ihren Oberkörper an, stützen Sie sich auf den Unterarmen ab und wiederholen die Übung. Dann richten Sie sich so weit auf, dass Sie sich mit den Händen abstützen, und kippen das Becken wie gehabt in Richtung Boden.

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Hände hoch: Wer seine Handhaltung mal ändert, verspannt nicht so leicht.

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Trockenübungen fürs Mitschwingen

Im Anschluss wird alles von Anfang an wiederholt. Mit sichtbaren Ergebnissen: Die Kipp-Bewegungen des Beckens unserer Testreiterin sind deutlich größer. Davon profitiert sie, als sie wieder in den Sattel steigt. „Ich kann viel besser sitzen und weicher in der Bewegung mitgehen“, sagt sie. Schon im Schritt schwingt sie elastischer mit.

Ist das Becken locker, gelingen feine Gewichtshilfen für flüssige Übergänge. „Man muss das Gefühl haben, als ob man seinen Bauchnabel nach innen zieht. Dann kippt das Becken etwas nach hinten ab“, sagt die Trainerin. Das reicht oft aus, um Tritte zu verkürzen oder durchzuparieren.

Der zweite wichtige Punkt, auf den Reiter mit vorhandlastigen Pferden achten sollten, ist die Einwirkung über die Zügelhilfen. Die Pferde dürfen nicht mit der Reiterhand festgehalten werden. Die Zügelverbindung wegzuwerfen, wäre aber der falsche Weg: „Die Hand bleibt dran, wird nur ein Stückchen nach vorne geschoben. Dazu kommen die treibenden Schenkelhilfen und die Hilfen über das Gewicht“, erklärt Claudia Butry, wie ein guter Trab-Schritt-Übergang gelingt.

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Der Wallach neigt nach der Reitstunde nicht mehr so stark zum Einrollen. Wichtig ist bei einem vorhandlastigen Pferd, dass es von hinten nach vorn geritten wird.

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Hände rotieren lassen

Wenn Reiter dazu neigen, mit ihrer Hand in einer bestimmten Position einzufrieren, sollten sie wie die Testreiterin bewusst an ihrer Handhaltung feilen. „Dazu hält man seine Hände auf dem stehenden Pferd in verschiedenen Positionen.“ Mal ganz hoch und mal tief, mal nach außen oder nach hinten unten. Diese Übung lockert die Reiterschultern und verhindert, dass die Hände das Pferd womöglich im Maul blockieren. Der Effekt macht sich sofort bemerkbar: „Ich achte mehr auf meine Hand“, beobachtet die Reiterin.

Die feine Hilfengebung über Gewicht und Zügel soll die Reiterin nun bei ihrem Pferd umsetzen. Weil der Wallach dazu neigt, über Tempo zu laufen, ist ein ruhigerer und gleichmäßiger Takt Voraussetzung für die weitere Arbeit. Den erreicht man über Tempounterschiede innerhalb einer Gangart.

Die Reiterin soll im Trab bewusst Tritte verlängern sowie verkürzen und das Tempo nicht von ihrem Pferd bestimmen lassen. „Das funktioniert über die Gewichtshilfen, indem man das Becken nach hinten kippt“, sagt die Trainerin. „Wird das Pferd zu eilig, holt man es so zurück und kann es in ein ruhigeres Tempo hineinschwingen.“ Das zahlt sich bereits nach wenigen Runden aus: Der Wallach wird gleichmäßiger im Takt. Er schiebt mehr von hinten und bleibt in der Anlehnung.

Im Galopp hingegen rollt sich das Testpferd noch ein und verkriecht sich. „Auch hier gilt: Über die Kippbewegungen des Beckens kann man die Sprünge verkürzen und danach wieder größere Sprünge herausreiten.“ Beim Zulegen muss das Pferd schwungvoller durchspringen, beim Zurücknehmen muss es mehr Last aufnehmen. Kommt genug Schub aus der Hinterhand, fällt das Pferd automatisch nicht mehr so leicht auf die Vorhand.

Neben den Tempowechseln rät Claudia Butry bei vorhandlastigen Kandidaten zu häufigen Trab-Galopp-Übergängen. Das lockert die Rückenmuskulatur des Pferds und aktiviert die Hinterhand.

Für die einfachen Übergänge ist das richtige Timing entscheidend: „Bei einem Pferd, das sich gern einrollt, muss ich als Reiter auf den Moment warten, in dem es mit dem Hals wieder hoch kommt und sich an die Hand heran dehnt.“ Erst dann kann der Reiter über den Rücken angaloppieren oder in den Trab durchparieren.

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Der Wallach neigt nach der Reitstunde nicht mehr so stark zum Einrollen. Wichtig ist bei einem vorhandlastigen Pferd, dass es von hinten nach vorn geritten wird.

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Überraschungseffekt lockt die Nase vor

Verkriecht sich das Pferd weiter hinter der Hand, hilft der Überraschungseffekt: „Wenn sich das Pferd partout einrollt, kann der Reiter einfach mal die Zügel springen lassen und deutlich überstreichen.“ Das klappt: Der Wallach öffnet sich in der Ganasche deutlich und streckt den Hals.

Aus dieser Position kann sich die Reiterin wieder an die Anlehnung „heranschleichen“, wie es die Expertin nennt. Heißt: langsam die Verbindung zum Pferdemaul suchen und die Zügel sanft annehmen. Dann wird die Galoppade runder. Als unsere Testreiterin daraus in den Trab pariert, dehnt sich ihr Pferd an die Hand heran und fällt nicht mit der Nase in Richtung Boden.

„Das A und O bei vorhandlastigen Pferden ist eine aktive Hinterhand“, betont Claudia Butry. Dafür ist Kopfarbeit des Reiters gefragt: Er muss speziell in den Übergängen daran denken, das Pferd von hinten in eine neue Gangart hinein zu reiten und nicht nur die alte Gangart vorne auszubremsen.

Ebenso wichtig ist, dass das Pferd losgelassen geht und im Rücken schwingt. Pferde, die im Rücken fest sind, können mit den Hinterbeinen nicht genug unterfußen und fangen die Bremskraft auf der Vorhand ab. Mit Scheinübergängen kann man das Pferd überraschen: Die Tritte verkürzen und kurz vor dem Parieren wieder verlängern.

Die Schaukel macht Pferde locker

Zurück, vor, zurück, vor: Die Übergänge in der Schaukel sind was für Könner. Vier Tritte rückwärts, vier Tritte vorwärts, sechs Tritte rückwärts, daraus im Mittelschritt anreiten: Diese Lektion mussten früher Reiter beherrschen, wenn sie eine S-Dressur ritten. Aus den meisten Prüfungen verschwand die Schaukel mittlerweile. Dabei ist diese Lektion, so unspektakulär sie auf den ersten Blick wirken mag, ein idealer Test für Durchlässigkeit und Losgelassenheit.

Von den Vor-Zurück-Tritten profitieren alle Pferde – vorausgesetzt, es wird richtig geschaukelt. Dafür müssen zunächst die Übergänge in allen Gangarten sicher klappen. Dann muss das Pferd korrekt und gerade rückwärts gehen: Der Rücken ist dabei aufgewölbt, das Genick der höchste Punkt, und die Hinterbeine sollten deutlich abfußen. Erst dann können Sie die Schaukel Schritt für Schritt erarbeiten.

Nach dem geraden Rückwärtsrichten ist der Übergang vom Zurück ins Vorwärts der zweite Knackpunkt. Dafür müssen die Pferde vom diagonalen Zweitakt in den Viertakt wechseln. Hier zeigt sich, ob Pferde rittig oder fest im Rücken sind. Wenn Sie mit Ihrem Pferd korrekt schaukeln, wirkt die Lektion versammelnd, fördert die Balance und stärkt die Hankenbeugung. Unspektakulär, aber wirkungsvoll.

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Der Wallach neigt nach der Reitstunde nicht mehr so stark zum Einrollen. Wichtig ist bei einem vorhandlastigen Pferd, dass es von hinten nach vorn geritten wird.

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Locker bleiben während des Übergangs

Bürojobs und mangelnde Bewegung sind Gift für gute Übergänge. Wenn man sich wenig bewegt, wird man automatisch steif im Becken. Das Becken ist aber die Schaltzentrale. Ist der Reiter hier blockiert, kann er keine korrekten Gewichtshilfen mehr geben. Diese Hilfen sind für einen sauberen, geschmeidigen Übergang unverzichtbar.

Mit ein wenig Training werden Sie wieder lockerer. Bewegen Sie dafür Ihr Becken in alle Richtungen. Setzen Sie sich beispielsweise auf einen harten Untergrund wie einen Stuhl oder auf einen Balimo-Hocker. Heben Sie Ihr Becken abwechselnd links und rechts an, kippen Sie es vor und zurück. Wenn das gelingt, üben Sie das in verschiedenen Haltungen – lehnen Sie sich dabei mit dem Oberkörper nach vorne oder nach hinten.

Auch auf dem Pferderücken können Sie Ihre Beweglichkeit verbessern. Versuchen Sie dafür ganz bewusst, Ihr Becken mal zur Seite, mal nach vorn oder hinten zu bewegen. Trab oder Galopp im leichten Sitz lockert ebenfalls. Ist Ihr Pferd ruhig, können Sie „Rad fahren“: Gehen Sie dazu aus den Bügeln und ziehen Sie Ihre Knie abwechselnd nach oben.

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Das Becken ist die Schaltzentrale beim Reiten. Wer mitschwingt, blockiert das Pferd nicht.

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Wechselfiguren für Durchlässigkeit

Im Trab Zirkel verkleinern, dann Schritt, Zirkel vergrößern und antraben: Diese Übung eignet sich für Pferde, die auf die Vorhand kommen. Durch die engere Zirkellinie tritt das innere Hinterbein stärker unter, das Pferd steht besser an den Hilfen. Aus dem Zirkel vergrößern heraus antraben, das Hinterbein soll energisch abfußen.

Im Schritt Schenkelweichen auf der Zirkellinie, daraus antraben: Wenn das Pferd dem inneren Schenkel weicht, schwenkt die Hinterhand nach außen. Das verbessert die Reaktion auf den treibenden Schenkel, und die Hinterhand wird mobilisiert. Beim Antraben tritt das Pferd besser unter.

Im Trab mehrfache Schlangenlinien durch die Bahn, beim Überqueren der Mittellinie Schritt: Den Wechsel zwischen Biegen und Geraderichten kann man gut mit einem Übergang kombinieren. Eine Pferdelänge Schritt reicht aus. Wenn das Pferd zackelt, sollte so lange Schritt geritten werden, bis es gelassen schreitet.

Eine Runde Galopp auf dem Zirkel, Mitte der kurzen Seite Trab, durch den Zirkel wechseln, beim Umstellen angaloppieren: Diese Übung kann man mehrmals hintereinander wiederholen. Das stärkt die Längsbiegung und die Durchlässigkeit. Faulere Pferde werden zudem wacher und aktiver.

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