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6 Dinge, die man zum Longieren nicht braucht

Unnötige Hilfsmittel für die Arbeit an der Longe

Von diesen Hilfsmitteln sollte man beim Longieren die Finger lassen. Wir sagen, warum.

Halfter: Der Nichtsnutz

Fürs Pferdemaul ist es schonend, die Longe einfach ins Stallhalfter einzuhängen – da gibt’s garantiert keinen Zug im Maul. Einen echten Nutzen hat das Halfter beim Longieren allerdings auch nicht. Es eignet sich zwar dafür, um das Pferd locker ein paar Runden zu bewegen. Stellen und Biegen können Reiter ihre Pferde damit aber nicht.

Außerdem hat auch das Halfter seine Tücken: Wirkt der Longenführer über die Longe aufs Halfter ein, kann er – je nachdem, an welchem Ring die Longe eingehakt ist – das Halfter ins Pferdeauge ziehen. Locker an der Longe joggen lassen, kein Problem – aber bei jeglicher Einwirkung ist das Halfter kein guter Helfer.

Die Longierhilfen: Zusammenzurrer

Longierhilfen sind eigentlich eine Irreführung – denn eine wirkliche Hilfe sind sie beim Longieren nicht, zumindest nicht fürs Pferd. Ganz egal, zu welcher der zahlreichen Varianten man greift.

Wie sieht’s etwa mit dem langen Seil aus, das vom einen Gebissring unter der Pferdebrust hindurch und über den Widerrist zum anderen Gebissring führt? Angeblich soll diese Konstruktion dem Pferd den Weg in die Tiefe weisen. Das Gegenteil ist der Fall: Das Seil begrenzt die Pferdenase, so dass sich das Pferd nicht vorwärts-abwärts strecken kann.

Außerdem rupft die Schnur bei jeder Bewegung der Vorderbeine mal links, mal rechts im empfindlichen Pferdemaul. Das Pferd riegelt sich so selbst nach unten, selbst wenn der Kopf schon tief ist. Was tut das Pferd also gegen den Schmerz? Es rollt sich ein. Gut atmen kann es so nicht mehr, und verspannt wird es auch – das Gegenteil dessen, was eigentlich erreicht werden soll.

Andere vermeintliche Hilfen führen vom Longiergurt über den Sprunggelenken um die Hinterhand. Das Seil wippt so bei jedem Schritt gegen die Hinterbeine. Das Ziel: eine aktive Hinterhand. Allerdings wird das Ziel in der Praxis meist verfehlt: Ist die Longierhilfe zu locker, ignorieren Pferde einfach das nervige Klopfen. Eine zu kurze Verschnallung wiederum behindert die Beweglichkeit der Hinterbeine – das Pferd verkürzt seine Tritte, statt sie zu verlängern.

Dazu kommt: Selbst wenn das Pferd fleißig vorwärts tritt, wird es dafür nicht belohnt – die Longierhilfe klopft immer noch an die Hinterbeine. Also stumpft das Pferd ab.

Will man das Pferd vorne und hinten zugleich abstumpfen, greift man einfach zu einer Longierhilfe, die beide Techniken kombiniert: Ein Polster führt um die Hinterbeine, ein Seil vorne rum zum Maul. Vorne wird im Maul gerupft, hinten ständig ans Hinterbein geklopft. Diese Longierhilfe gehört daher nicht ans Pferd, sondern in die Tonne.

Was wirklich die Hinterhand anregt, aktiv vorwärts zu treten, sind elastische Trainingsbänder wie etwa von Dressurausbilderin Corinna Lehmann. (CoraLe). Das Pferd bekommt ein besseres Körpergefühl. Von allem anderen sollte man die Finger lassen.

Der Stoßzügel: Zwangsjacke

Der Stoßzügel besteht aus einem einzelnen Riemen, der vom Sattelgurt zwischen den Vorderbeinen zum Pferdekopf führt. Dort wird er meist über eine Longierbrille mit dem Gebiss verbunden. Der Stoßzügel begrenzt das Pferd nicht seitlich, soll es aber daran hindern, den Kopf zu weit anzuheben.

Gleichzeitig verhindert er, dass sich das Pferd vorwärts-abwärts dehnen kann. Das Pferd wird quasi in eine Zwangshaltung „gestoßen“; es kann weder den Hals lang machen noch den Rücken aufwölben oder mit den Hinterbeinen schwungvoll nach vorne treten. Hebt es den Kopf, bekommt es einen Ruck ins Maul. Ist der Stoßzügel an einer Longierbrille eingehakt, ziehen sich die Gebissringe zusammen. Stoßzügel? Abstoßend!

Die Trense: Maul-Abstumpfer

Wollen Sie, dass Ihr Pferd unsensibel im Maul wird, Zügelhilfen ignoriert und Schmerzen hat? Dann nutzen Sie zum Longieren am besten die Trense. Wie Sie daran die Longe verschnallen, ist unerheblich: Es rupft, zuckt und drückt immer im Pferdemaul. Einzige Ausnahme: Longieren mit Doppellonge.

Wird die Longe am inneren Gebissring eingehakt, ziehen Sie das Gebiss durchs Pferdemaul. Auf die Zunge drücken Sie auch nebenbei. Eine Innenstellung können Sie so vergessen: Das Pferd kippt garantiert nur mit dem Kopf nach innen. Dafür trainieren Sie die falschen Halsmuskeln, weil sich das Pferd gegen den unangenehmen Zug wehrt und dagegen hält.

Und wenn die Longe durch den inneren Gebissring unterm Unterkiefer zum äußeren Gebissring führt? Dann ziehen sich bei Zug die Ringe zusammen, das Gebiss stellt sich im Pferdemaul auf.

Ebenfalls nicht empfehlenswert: die Longe durch den inneren Gebissring übers Genick auf die andere Kopfseite führen und im äußeren Gebissring verschnallen. Dabei werden die empfindlichen Lefzen nach oben gezogen. Selbst wenn der Longenführer nachgibt, bleibt der Druck im Genick und aufs Maul bestehen.

Feine Hilfen? Fehlanzeige. Das Pferd stumpft bei solchen harten Einwirkungen nur im Maul ab. Die bessere Variante: Greifen Sie lieber zu einem gut passenden Kappzaum.

Die Longierbrille: Quälgeist am Gaumen

Mit Brillen sieht man schärfer – nur mit Longierbrillen nicht. Die machen nur Einwirkungen aufs Pferdemaul schärfer. Die Longierbrille wird in die Gebissringe eingehakt, die Longe in der Mitte der Brille befestigt.

Kommt jetzt Zug auf die Longierbrille, ziehen sich die Gebissringe zusammen – und das Gebiss stellt sich im Pferdemaul auf. Im Pferdemaul hat ein Gebiss zwar im Normalfall ausreichend Platz, aber eben nicht für diesen Fall: Wird das Gebiss auf diese Weise zusammengezogen, drückt der mittlere Teil schmerzhaft in den Gaumen. Dieser Effekt tritt am stärksten bei einfach gebrochenen Gebissen auf, da diese sich am weitesten aufstellen. Autsch!

Noch fieser: Sind dann sogar Nasenriemen oder Sperrriemen eng verschnürt, kann das Pferd nicht einmal das Maul aufsperren, um dem Schmerz zu entgehen. Brille? Bitte nicht!

Ausbinder & Co.: Schraubstöcke

Seitlich begrenzt, oben begrenzt, vorne begrenzt: Hilfszügel wie Ausbinder können ein Pferd ganz schön einengen. Von außen mag das zwar nett aussehen; das Pferd läuft immerhin in ansehnlicher Haltung. Locker bewegen kann es sich so aber nicht.

Sind die Hilfszügel zudem zu kurz, rollen sich die Pferde ein und bewegen sich eher rückwärts als vorwärts. Genick-, Hals- und Rückenmuskulatur verspannen; entweder, weil das Pferd in eine zu enge Kopf-Hals-Haltung gezwungen wird, oder weil es dagegen drückt. Der einzige Muskel, der so trainiert wird, ist der Unterhals – und den will kein Reiter haben.

Die Balance verbessern Reiter mit diesen Methoden übrigens auch nicht. Denn derart verschnürte Pferde können gar nicht lernen, sich selbstständig zu tragen und auszubalancieren. Sind die Hilfszügel weg, ist auch die gewünschte Haltung futsch.

Ausnahme: Drücken Pferde etwa den Rücken weg, können Hilfszügel dem Tier den Weg ins Vorwärts-Abwärts zeigen. Greifen Sie in diesem Fall am besten zu Laufferoder Dreieckszügeln; sie beeinflussen das Gangbild am wenigsten. Verschnallen Sie sie ausreichend lang (die Laufferzügel seitlich), damit sich das Pferd strecken kann. Die Pferdenase sollte deutlich vor die Senkrechte kommen. Schnallen Sie den inneren Hilfszügel nicht kürzer: Dadurch wird der Raumgriff der inneren Schulter begrenzt und das Pferd drückt gegen den Zug an.

Überprüfen Sie regelmäßig, ob sich Ihr Pferd ohne Hilfszügel selbst trägt.

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