Reiten lernen Teil 3 Lisa Rädlein
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Reiten lernen - mein erstes Mal (Teil 3)

Weg mit der Longe und frei reiten

Es wird langsam ernst im Stall. Natürlich nur im übertragenen Sinne, denn: Zum ersten Mal wird Mona frei reiten. Und dabei nach etwas Bammel auch viel Spaß haben. Aufregende Momente, kleine Erfolge.

Zur Erinnerung: Nach dem ersten Führtraining habe ich einige Stunden an der Longe geübt. Schritt, Trab und Galopp. Als Kind hatte ich erste Reiterfahrungen gemacht und saß auf handlichen Isländern. Nun – gut 15 Jahre später – steige ich doch etwas nervös aus dem Auto, nachdem ich auf den Hof des Barockreitzentrums in Heimsheim gefahren bin.

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Heute werde ich zum ersten Mal – zum ersten Mal nach sehr langer Zeit! – frei und ohne Longe reiten. Angst habe ich nicht. Ich kenne Xalando nun schon eine Weile und meine zu wissen, dass er es gut mit mir meint. Dass er es generell gut mit Menschen meint. Beim Putzen wirkt er gewohnt entspannt bis gelangweilt, lässt sich schön machen für meinen großen Tag.

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Xalando weiß, wo es langgeht. Ich leider noch nicht so richtig. Aber er macht mir das Lernen leicht.

Vorbereitung für die große Stunde

Dann sind wir in der Halle, tauschen noch schnell die Steigbügel aus, in die kürzere Version für Ponys, damit ich nicht mit den Füßen danach angeln muss. Bevor ich aufsitze, muss Xalando aber noch etwas warten, denn wir wollen ja nicht einfach im Kreis trotten.

Um das Ganze noch spannender zu machen, holen wir allerhand Geräte aus dem Nebenraum: Zunächst zwei große Holzstangen, die wir wie zwei Mikadostäbchen übereinander platzieren. Dann stellen wir rote Hütchen zu einem Slalom auf. Die letzte Station besteht aus schaumstoffartigen Balken, die wir zu einer L-förmigen Gasse legen.

Wenn ich ein wenig Angst verspüre, dann davor, dass sich Xalando vielleicht erschreckt und plötzlich losrennt oder einfach eine unerwartete Bewegung macht. Und dann fällt mir auf: Wenn ich mich als Pferd hier drin vor irgendetwas erschrecken würde, dann wäre es sicher das riesige „L“ aus Schaumstoffbalken, das knallig, gelb und blau, mitten in der Halle liegt. Aber ich beruhige mich, Xalando ist ja kein Fohlen und wird die Dinger sicher kennen.

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Mona Pekarek (23) ist Volontärin bei der Zeitschrift MOTORRAD, die wie CAVALLO bei der Motor Presse Stuttgart erscheint. Sie wagt das Experiment mit einer Pferdestärke und vier Hufen statt zwei Rädern.

Auf mich alleine gestellt

Also gut, der Parcours steht, ich setze meinen Helm auf, ziehe die Handschuhe an und hole den Hocker, während Xalando und Ulrike geduldig auf mich warten. Wie immer versuche ich, möglichst korrekt aufzusteigen, ohne dabei Xalando in irgendeiner Weise zu stören. Dann sitze ich auch schon im Sattel – das kenne ich. Mit dem Unterschied, dass mich heute keine Longe mit meiner Reitlehrerin Ulrike Störzbach verbindet.

Ich bin also nun irgendwie auf mich allein gestellt, bekomme ein Gefühl von Verantwortung. Es wäre spannend zu wissen, ob Xalando vielleicht das gleiche denkt, schließlich hat er die Macht von uns beiden. Er ist stärker, schneller und zu 100 Prozent erfahrener als ich. Aber gerade das macht ihn ja zum perfekten Trainingspartner.

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Die richtige Zügelführung muss man auch erst mal verstehen …

Okay, wenigstens die Zügel sollte ich jetzt mal aufnehmen. Ich weiß noch, dass man sie nicht einfach nur so in der Hand hält. Wie genau, ist jedoch nicht mehr präsent. Also zeigt mir Reitlehrerin Ulrike natürlich den richtigen Griff. Hier zwischen die Finger, den Daumen draufhalten. Fühlt sich nicht so an, als wäre das so richtig, ist es aber wohl doch.

Der Rest des Zügels baumelt dann neben Xalandos Hals herum. Also, dann reiten wir mal los. So auch die Anweisung von Ulrike, die mir die Basics erklärt. Ich erwarte eine Art klares Signal, das jedes Pferd versteht und auf das es losläuft. Vielmehr ist es aber ein Zusammenspiel aus Bewegungen und Fast-Bewegungen, die Xalando bedeuten sollen: Vorwärts!

Beim Anreiten legt Xalando den Rückwärtsgang ein

Ganz wichtig: Pferde haben einen sehr empfindlichen Mund, weshalb man auf keinen Fall am Zügel reißen darf. Ich will ja, dass auch Xalando Spaß hat, wenn es für ihn schon nicht die aufregendste Reitstunde aller Zeiten wird. Für mich allerdings schon. Also versuche ich, alle Anweisungen von Ulrike Störzbach zu befolgen.

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Er macht es! Zufall oder nicht, Xalando läuft durch das Gassen-Labyrinth.

Ganz sanft lege ich meine Beine an den Pferdebauch, richte mich auf, lasse die Zügel locker und mache automatisch ein kleines Schnalz-Geräusch – genau so, wie man es aus Pferdefilmen kennt. Zunächst passiert... nichts. Dann tänzelt Xalando kurz und versteht offenbar meine Signale nicht. Oder habe ich gar keine gesendet?

Na gut, nächster Versuch: Das Gleiche nochmal, mit ein bisschen mehr innerer Überzeugung und reflexartig einer kleinen Vorwärtsbewegung mit meinem Becken. Davon war zwar nie die Rede, aber ich habe es trotzdem mal gemacht. Xalando scheint ähnlich verwirrt wie ich und läuft los – rückwärts. Ich muss laut lachen, Ulrike und Fotografin Lisa lachen mit. Was ist los?

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Slalom kann ich, zumindest ohne Pferd! Reitlehrerin Ulrike hilft zum Glück.

Aktiv reiten statt sich tragen lassen

Ich möchte doch nur reiten, einfach mal loslaufen und nicht mal das klappt. Verdammt! Aber so schnell gebe ich nicht auf. Und tatsächlich macht Xalando schließlich die ersten Schritte nach vorne. Jedoch anders als ich dachte, denn ich ging zum einen davon aus, dass er läuft, wenn er einmal läuft. Stattdessen muss ich ihm immer wieder sagen, dass es weitergehen soll. Aktiv reiten also und mich nicht nur tragen lassen.

Zum anderen dachte ich lustigerweise, dass ein geübtes Pferd irgendwie von selbst weiß, dass man in einer Reithalle erstmal am Rand entlangläuft. Also auch, dass man abbiegt, wenn man an einer Ecke angekommen ist, oder dass man nicht so super nah an der Bande läuft, dass ich fast daran entlangschleife. Aber tatsächlich ist es so, dass das Pferd macht, was man ihm sagt, wenn man denn etwas sagt …

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Der liebe Xalando musste ganz schön geduldig mit mir sein. Jetzt hat er erst mal Feierabend.

Ab über die Hindernisse

Dann nehmen wir uns mal der Hindernisse an. Als erstes soll ich über die Stangen laufen. Also Xalando, nicht ich. Ulrike begleitet uns, und – wir bleiben stehen. Nochmal, dann nochmal und schließlich überqueren wir die Hürde. Weiter geht es zur L-förmigen Schneise. Auch hier bleibt Xalando erst einmal stehen und ich weiß nicht recht, ob ich ihn überzeugen oder einfach seinen Stopp akzeptieren soll.

Ich wähle Variante eins und so reiten wir erneut an. Diesmal mit Erfolg und zwar im wahrsten Sinne des Wortes auf ganzer Linie: Er läuft brav durch das komplette Mini-Labyrinth. Wir freuen uns alle über dieses Manöver, aber sicher bin ich mir nicht, ob ich überhaupt dazu beigetragen habe oder ob Xalando mir nur einen Gefallen getan hat.

Dann geht es zum Slalom. Das klappt auf Anhieb relativ gut. Wir üben den ganzen Parcours noch ein paar Mal, dann beendet Ulrike die Stunde. Eigenartig, mir kommt es so vor, als seien wir gerade erst vom Fleck gekommen. Also darf ich nochmal – Zugabe – und reite noch ein bisschen durch die Halle, versuche Kreise zu drehen und lache mich kaputt, weil es nicht wirklich klappt. Schließlich lasse ich Xalandos Zügel hängen, tätschele seinen Hals, lande unelegant wie eh und je wieder auf meinen Füßen und führe Xalando in die Stallgasse.

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„Pferde sind irgendwie geheimnisvoll. Ihre Vorliebe für Kekse verbergen sie allerdings nicht sehr gut.“

Kekse zum Abschied

Den Sattel ist er los, die Trense auch und sicher denkt er: „Das war unsere letzte Stunde, sie wird doch nicht gehen ohne ein Leckerli?“ Werde ich nicht. Natürlich habe ich extra ein Reitgeschäft aufgesucht und ihm kleine Kekse in Herzform mitgebracht. Wehmütig reiche ich ihm einige auf meiner Hand.

Tatsächlich ist mein CAVALLO-Experiment nun vorbei und ich widme mich wieder motorisierten Zweirädern. Ich habe unglaublich viel gelernt und scheine doch noch ganz am Anfang zu stehen. Um richtig reiten zu lernen, bräuchte ich Zeit – viel Zeit. Trotzdem glaube ich, Pferde nun besser zu verstehen. Und ich verstehe, dass so viele Menschen ihnen so viel Zeit widmen. Wie etwa Ulrike Störzbach, die mich immer geduldig, ruhig und fröhlich angeleitet hat. Vielen Dank, ich hatte großen Spaß mit euch!

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