12 Tipps fürs Training im Gelände

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Foto: Rädlein 12 Tipps fürs Training im Gelände

Koordination & Gleichgewicht: Im Schritt über Äste und Wurzeln

„Im Wald liegen Äste und Baumstämme nicht in einem geplanten Muster“, sagt Ausbilderin Christine Hlauscheck (www.bewegungs-freiheit.de). „Hier müssen die Pferde mitdenken und sich selbstständig einen Weg suchen.“

Achten Sie beim Reiten abseits des Wegs darauf, dass der Untergrund stets übersichtlich, trocken und trittfest ist. Dichtes Unterholz meiden Sie besser, ebenso wie sehr dicke Baumstämme. Äste sollten zudem so liegen, dass sie nicht davon rollen, falls das Pferd daran stößt.

Leichtes Stolpern ist anfangs völlig normal: So lernt das Pferd, seine Beine gezielter zu setzen. Legen Sie gegebenenfalls Gamaschen zum Schutz an.

Koordination & Gleichgewicht: Böschungen und Unebenheiten nutzen

Darf Ihr Pferd beim Ausritt viele verschiedene Untergründe kennenlernen, bekommt es bald ein besseres Gefühl für seinen Körper und lernt, sich und den Reiter auszubalancieren.

Claudia Butry, Dressurtrainerin und Bewegungstrainerin EM (nach Eckart Meyners, www.neuesreiten.de) rät: Bucklige Feldwege, kleine Böschungen oder Ackerkanten von abgeernteten Feldern eignen sich prima fürs Balancetraining.

„Das Reiten über unebene Böden stärkt außerdem die Muskulatur, die Gelenke und den Sehnenapparat des Pferds. Auf diese Weise beugen Sie aktiv Verletzungen vor“, erklärt Westerntrainerin Linda Leckebusch-Stark (www.leckebusch.com).

Koordination & Gleichgewicht: So werden Youngster im Freien fleißig

Im Gegensatz zur Reitbahn bietet das Gelände einen gewaltigen Vorteil: Es gibt keine begrenzende Bande, die den Youngster optisch und räumlich ausbremst. „Vielen jungen Pferden fehlt es in der Bahn unterm Reiter an Go. Trab und Galopp im freien Vorwärts auf einer längeren, geraden Strecke im Gelände ist für diese Pferde das optimale Training“, sagt Ausbilderin Cornelia Weidenauer (www.wahrehaltung.de). Oft gehen Youngster draußen von sich aus befreiter und lockerer vorwärts. Auch Balanceprobleme bessern sich im Gelände oft von allein. Ist Ihr Nachwuchs draußen noch unsicher, lassen Sie ihn neben einem erfahrenen Pferd als Handpferd mitlaufen.

Stärkere Muskeln & mehr Kondition: Mehr Kraft für die Beine

Haben Sie schon einmal versucht, in knietiefem Wasser zu rennen? Ganz schön anstrengend, stimmt’s? Ähnlich geht es Ihrem Pferd, wenn Sie es durch einen Bach oder Fluss reiten. Je tiefer das Wasser, umso mehr Muskelkraft kostet es, im kühlen Nass vorwärts zu kommen. Nutzen Sie diesen Trainingseffekt aus, und reiten Sie im Schritt ein paar Meter durchs Wasser – vorausgesetzt, Ihr Pferd ist mit dem kühlen Nass vertraut und fürchtet sich nicht. Wie Sie Ihr Pferd Schritt für Schritt daran gewöhnen, ins Wasser zu gehen, lesen Sie unter „Mehr Mut & starke Nerven“.

Stärkere Muskeln & mehr Kondition: Kurz und knackig, statt lang und weilig

„Ausdauer-Training im Gelände macht Pferde zufrieden und ist eine tolle Abwechslung zur Dressur-Arbeit“, sagt Ausbilderin Claudia Butry. Unterteilen Sie dazu den Ausritt in Schritt-, Trab- und Galoppsegmente. Fordern Sie jeweils ein paar Minuten mittlere Belastung, die das Pferd ins Atmen und Schwitzen bringt, und bauen dann wieder eine Erholungsphase ein. Beenden Sie den Ausritt mit einer längeren Schrittsequenz.

Fordern Sie anfangs nur kurze Einheiten, rät Christine Hlauscheck, und achten Sie darauf, wann sich Puls und Atmung nach der Belastung beruhigen. Mit der Zeit sollte das immer schneller gelingen, weil sich die Ausdauer Ihres Pferds verbessert. Verlängern Sie die Trab- und Galoppphasen stetig.

Stärkere Muskeln & mehr Kondition: Bergauf ...

Schicken Sie Ihr Pferd im Schritt, Trab oder später im Galopp erst kurze und nach und nach auch längere Strecken hinauf und hinunter. Anfangs sollten die Hänge nicht zu steil sein: Ein Pferd ist überfordert, wenn es bergab den Rücken wegdrückt oder davon eilt. Ebenso, wenn es beim Anstieg im Schritt selbständig antrabt oder angaloppiert.

Bergauf: fördert die Schubkraft, sagt Christine Hlauscheck. Sitzen Sie entlastend und lassen Sie die Zügel länger. So kann sich Ihr Pferd dehnen und den Schub aus der Hinterhand nach vorne durchlassen. Halten Sie weich Kontakt zum Maul und vermeiden Sie zu kurze Zügel. Die bremsen die Hinterhand aus; das Pferd zieht sich dann mit der Vorhand den Berg hoch, statt zu schieben.

... und bergab

Bergab: fördert die Tragkraft: „Das Pferd muss den Schwerpunkt nach hinten verlagern, um in der Balance zu bleiben. Das ist sehr anstrengend“, erklärt Christine Hlauscheck. Sie rät, sich dabei dem Gefälle angepasst leicht nach hinten zu lehnen. Vermeiden Sie zu viel Druck in den Bügeln, sonst rutschen die Unterschenkel nach vorn. Lassen Sie die Schenkel stattdessen am Gurt und balancieren Sie sich gleichmäßig aus. „Mit einem bergab korrekt sitzenden Reiter fällt es dem Pferd leichter, das Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern und in Balance zu bleiben“, erklärt Hlauscheck. Neigt sich der Reiter vor, muss das Pferd dessen Gewicht mit der Vorhand abstützen. Mit der Hinterhand Last aufzunehmen, wird dann schwieriger bis unmöglich.

Mehr Mut & starke Nerven: Viel Neues

Eine Parkbank, ein Mülleimer oder ein Siloballen: Egal, was Ihnen im Gelände an gewöhnlichen oder ungewöhnlichen Objekten begegnet, lassen Sie Ihr Pferd in Ruhe daran schnuppern und es untersuchen. „Je mehr neue Reize Sie Ihrem Pferd zeigen, umso besser lernt es, Ihnen zu vertrauen und mit vermeintlich gruseligen Gegenständen umzugehen“, sagt Cornelia Weidenauer. Steigen Sie ab, wenn Ihr Pferd unterm Sattel zu unruhig wird und führen Sie es zu dem neuen Gegenstand. Das gibt zusätzlich Sicherheit.

Mehr Mut & starke Nerven: Zeit geben

Bei größeren Schreckhindernissen wie etwa Wasserstellen oder auch Brücken macht sich eine gute Vorbereitung bezahlt: Legen Sie in gewohnter Umgebung ein paar Trockenübungen ein, bevor Sie diese Hindernisse im Gelände angehen. Führen Sie Ihr Pferd etwa erst einmal durch Pfützen auf dem Hof oder üben Sie auf dem Reitplatz, über eine Trailbrücke oder ein Holzbrett zu reiten. Wenn Sie später wirklich ins Wasser oder über eine echte Brücke reiten wollen, gestalten Sie die Situation so stressfrei wie möglich. Linda Leckebusch-Stark rät: „Nehmen Sie ein erfahrenes Pferd mit, das vorausgeht. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Pferd sich nicht vom Hindernis wegdreht, und begrenzen Sie es eventuell mit dem Zügel.“ Fürchtet sich Ihr Pferd zu sehr, steigen Sie ab und führen es ans Wasser oder über die Brücke. Ein paar ruhige Wiederholungen unterstützen den Lernerfolg.

Mehr Rittigkeit & Gehorsam: Übergänge

Ein rittiges Pferd steht gut an den Hilfen, auch wenn die Umgebung fremd und spannend ist wie beispielsweise im freien Gelände. Übergänge eignen sich prima, um Ihr Pferd aufmerksam und durchlässig zu bekommen. Achten Sie darauf, dass Ihr Pferd prompt, aber ruhig die Gangart wechselt. Je weniger lauffreudig Ihr Vierbeiner ist, umso kürzer sollten die jeweiligen Reprisen ausfallen. Cornelia Weidenauer empfiehlt: „Zählen Sie in jeder Gangart bis fünf, bevor Sie einen Übergang reiten. Bauen Sie bei einem fortgeschrittenen Pferd außerdem Halten und Rückwärts ein.“ Nutzen Sie auch Biegungen im Waldoder Feldweg aus, um abwechselnd Leichttraben und Hand- sowie Außengalopp zu reiten.

Mehr Rittigkeit & Gehorsam: Im Zickzack über den Feldweg

Lassen Sie Ihr Pferd auf einem Feldweg übertreten, ähnlich wie beim Viereckverkleinern und -vergrößern. So erkennen Sie, ob es gut an den Hilfen steht. Fortgeschrittene können zudem Lektionen wie Schulter- oder Kruppeherein entlang des Wegrands oder Traversalen von einer Seite zur anderen reiten.

Mehr Rittigkeit & Gehorsam: Slalom um Bäume oder Tore öffnen

Bäume oder Pfosten sind ideale natürliche Hindernisse. Hier können Sie wunderbar Slalom oder Zirkel anlegen und überprüfen, ob sich Ihr Pferd auch im freien Gelände sauber und weich lenken bzw. umstellen lässt. Eine weitere tolle Gehorsamsprüfung, nicht nur für Westernpferde: das Öffnen und Durchreiten eines Hoftors oder Weidegatters. „Hat das Pferd unterm Sattel gelernt, seitwärts und rückwärts zu weichen und ruhig stehenzubleiben, ist das Tor kein Problem“, erklärt Westerntrainerin Linda Leckebusch-Stark. So funktioniert’s: Positionieren Sie das Pferd so neben dem Tor, dass es mit dem Kopf zur offenen Seite steht und Sie den Torgriff gut erreichen können. Öffnen Sie das Tor und schieben es so weit auf, dass Sie und Ihr Pferd bequem hindurch passe. Reiten Sie hindurch und leiten Sie eine Vorhandwendung ein, bis Ihr Pferd mit dem Kopf in Richtung der Torscharniere steht. Dann treiben Sie es seitwärts und schließen so den Torflügel. Geschafft!

Mehr Rittigkeit & Gehorsam: Anlehnung, Dehnung und Stellung

Fordern Sie im Gelände, wenn möglich, nicht durchgehend eine aufgerichtete, versammelte Haltung. Variieren Sie stattdessen die Kopf- Hals-Position und wechseln regelmäßig in die Dehnungshaltung. „Pferde, die in der Bahn zu eng gehen und schwer in die korrekte Anlehnung finden, tun sich im Gelände oft leichter, weil sie dann freier vorwärts gehen“, beobachtet Claudia Butry. „Gehen Sie hier schön mit der Nickbewegung des Kopfs mit und halten Sie eine nicht zu enge, weiche Verbindung zum Pferdemaul.“

Darüberhinaus können Sie Ihr Pferd auf geraden Wegen über Schenkel und Sitz im Wechsel korrekt nach links und rechts stellen, um so die Oberlinie und das Genick zu lockern. „Nehmen Sie die Zügel grundsätzlich nur auf, wenn Sie etwas Konkretes fordern“, rät Linda Leckebusch-Stark. „Die Pferde sollen sich im Gelände hauptsächlich entspannen dürfen.“
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