Pferde richtig loben mit Arien Aguilar

Spaß-Lektionen und Lob

Das perfekte Lob ist Charaktersache. Und zwar für Pferd und Reiter. Ausbilder Arien Aguilar und Sandra Kogler zeigen, wie Reiter herausfinden, welche Belohnung ihr Pferd besonders beflügelt.
Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Pferde richtig loben mit Arien Aguilar

NACHGEBE-LOB: Lässt der Druck nach, fühlt sich das Pferd besser – ein klares Lob. Araber-Wallach Ciryon (links) lässt sich zu den Bodenstangen dirigieren. NACHGEBE-LOB: Viele Reiter (rechts) geben nicht oft und schnell genug nach. Arien Aguilar lässt sie fühlen, wie wichtig und effektiv dieses Lob ist.

Nachgeben...

heißt, die Intensität eines Signals oder eine Hilfe zu verringern, wenn das gewünschte Verhalten kommt. Dieses Prinzip ist für Pferde instinktiv verständlich, weil so die Kommunikation untereinander funktioniert.

Tücken: Nachgeben heißt, den Druck zu reduzieren, aber nicht ihn zu stoppen. Das muss im richtigen Moment passieren und wirkt nur, wenn der Druck zuvor allmählich aufgebaut wurde. Wichtig: Druck an sich ist nichts Negatives, auch ein Fingerzeig erzeugt minimalen Druck.

Geeignet für alle Pferde.

Araberwallach Ciryon ist ein kleiner Streber, unsicher, aber extrovertiert. „Ein fleißiger Bub, der gute Noten schreibt, aber oft alleine in der Ecke steht“, analysiert Arien Aguilar. Fürchtet er sich – wie jetzt vor Stangen am Boden – schlägt sein Verhalten um, aus extro- wird introvertiert. „Solche Pferde sind schwer zu loben, weil man die Belohnung an diese Veränderung anpassen muss.“

Für Pferde mit schnell wechselnder Stimmung schnürt Aguilar deshalb ein Paket mit verschiedenen Lob-Strategien. Die wichtigste darin: Annehmen und Nachgeben am Seil des Kappzaums. Weil Ciryon Angst hat vor der Stange, will er möglichst schnell weg. „Hält man jetzt am Kappzaum einfach dagegen, würde er klaustrophobisch und mit Panik reagieren“, vermutet Sandra Kogler. Die vibrierenden Paraden mahnen ihn hingegen zur Konzentration. Arien Aguilar kombiniert den Druck am Kappzaum mit ruhigem Stimmlob und sanftem Streicheln. Das funktioniert, weil Ciryon Menschen mag und ihre Nähe sucht. Mit dieser Kombi gelingt es den Trainern, den Araber von seinen Fluchtgedanken abzubringen und für die Aufgabe zu interessieren. Nach kurzer Zeit prüft er mit dem Huf das Holz der Stange.

Systematisch Nachgeben sorgt für mehr Leichtigkeit im Training. Wie das geht, zeigt Arien Aguilar am Beispiel von Vigo, dem unmotivierten und trägen Letten-Wallach. Der reagiert beim Reiten zäh und stützt sich auf die Hand. Das kann Typsache sein oder menschengemacht. Die häufigste Ursache: Reiter geben nicht oft genug nach.

Jedes Nachgeben ist ein kleines Lob. „Wenn ich viel nachgebe, besteht das Training für mein Pferd aus einer Abfolge von Bestätigungen“, erklärt Arien Aguilar. „Bleibe ich mit meinen Hilfen dagegen zu lange dran, frustriere und demotiviere ich auf die Dauer mein Pferd.“

Mit Vigo demonstriert Arien Aguilar, wie Nachgeben zähe Pferde leichter macht. Anstatt sich auf ein Tauziehen am Zügel einzulassen, lockert Arien Aguilar den Zügelkontakt, sobald Vigo einen Hauch von Nachgeben im Genick andeutet. Das wirkt: Nach wenigen Minuten trägt der Wallach den Kopf selbst, anstatt sich auf der Reiterhand auszuruhen. Nach diesem Prinzip kann man alle Hilfen verfeinern. Wurden Pferde lange falsch geritten, kann die Umstellung allerdings bis zu ein Jahr dauern.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Pferde richtig loben mit Arien Aguilar

LEKTIONS-LOB: Die aktive Siva arbeitet gern. Sandra Kogler testet, ob sie auch Seitwärts als Lektions-Lob mag.

Spaß-Lektion...

baut Energie ab und macht Freude.

Tücken: Das Pferd muss bereits viel können, damit man Lieblingsübungen findet. Der Reiter muss Vorlieben erkennen und nutzen können.

Geeignet für sehr aktive, kreativverspielte und exzentrische Pferde.

Lektionen als Lohn? Klingt komisch. „Doch eine Übung kann für Pferde ein super Lob sein“, sagt Arien Aguilar. Unter zwei Voraussetzungen: Eine gute Beobachtungsgabe beim Menschen und ein breites Spektrum an Dingen, die das Pferd kennt und idealerweise kann. Dann kristallisieren sich oft Lieblingsübungen heraus, die als Sahnehäubchen den Schluss des Trainings krönen.

Arbeit kann viel Spaß machen. Als Siva am Seil mit Sandra Kogler herumtollt, beobachtet Arien Aguilar, dass die nervige Stute Freude an Übungen hat, die Energie abbauen. Ein paar Runden im flottem Galopp – und viele Energiebündel konzentrieren sich besser auf ihre Aufgaben. Eine Lieblingsübung für viele Pferde ist Spanischer Schritt. Allerdings sollten Reiter ihn gut unter Kontrolle haben, damit Pferde nicht dauernd mit den Beinen herumfuchteln.

Auch weniger dynamische Pferde mögen Lob-Lektionen. So wie die sechsjährige Gitti. Die Schwarzwälder-Stute trainiert zurzeit nur unregelmäßig. „Vieles ist angefangen, aber noch nicht beendet“, sagt Arien Aguilar.

Doch Gitti ist schlau, sie will etwas können. Ihre Neugier macht sie leicht ablenkbar. Arien Aguilar vermutet, dass Lieblingslektionen ihr helfen könnten, sich besser zu konzentrieren.

Manchmal stectk sogar in Problemen ein Lob. Zum Beispiel bei Ciryon, der Stangen nicht mag. Zunächst sollte der Araber sich im Stand ruhig mit dem Holz am Boden befassen. Für ihn eine schwierige Aufgabe. „Als er sie verstanden hatte, durfte er auch einmal drüber gehen“, sagt Arien Aguilar. „Für ihn ein Erfolg und damit ein Lob.“ Um solche komplexen Lob-Strategien zu nutzen, brauchen Reiter besonders viel Pferde-Wissen und -Erfahrung. Sonst fördert man damit leicht Fehler.

09.12.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 07/2016