Seniorenteller Lisa Rädlein

Seniorenteller: Alte Pferde richtig füttern

Einmal Seniorenteller, bitte! Alte Pferde richtig füttern

Mit dem Alter des Pferds steigen seine Ansprüche ans Futter. Was ist die Basis für Senioren-Kost, die zu Bedürfnissen und Bedarf passt?

Die Zwanzig gilt als magische Grenze. Zumindest bei Warmblütern: Wenn diese ihr 20. Lebensjahr vollendet haben, zählen sie in der Regel zu den alten Pferden, bezogen auf die durchschnittliche Lebenserwartung.

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Pferdefütterung im Alter Einmal Seniorenteller, bitte!
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Kaltblutrassen altern eher schneller, während Ponys und Araber oft langlebiger sind. Der Alterungsprozess variiert aber individuell, abhängig von Rasse, Größe, Umweltbedingungen und Genen. Ebenso individuell ist der ideale Seniorenteller: Damit der gut fürs Pferd passt, muss er auf das einzelne Tier, insbesondere auf dessen Ernährungs- und Bemuskelungszustand, vorliegende Erkrankungen und die Haltung abgestimmt sein.

Damit Ihnen trotz aller Individualität die Rationszusammenstellung leichter von der Hand geht, haben wir ein paar Geling-Tipps: Die Fütterungsspezialistinnen Dr. Kathrin Irgang (www.tierarzternaehrung.de) und Dr. Anne Mößeler (www.praxis-moesseler.de) erklären, worauf es bei der Seniorenkost grundsätzlich ankommt. Das wird Ihrem Pferd schmecken und es gut versorgen.

Wie ändert sich der Nährstoff- und Energiebedarf alter Pferde?

Ob ein altes Pferd mehr oder weniger Energie braucht, hängt von seinem Ernährungszustand ab. Was jedoch im Alter steigt, ist der Bedarf an bestimmten Nährstoffen. "Bei einigen Nährstoffen, insbesondere Antioxidantien und den fürs Immunsystem relevanten Nährstoffen, ist man bei Senioren etwas großzügiger", erklärt Tierärztin Dr. Anne Mößeler.

Heißt: Die Empfehlungen für den Pferdesenior bezüglich Zink und Selen sowie den Vitaminen A und E sind doppelt so hoch wie für ein jüngeres, erwachsenes Tier. "Diese vier Nährstoffe wirken vor allem als Antioxidantien und Bestandteile von Enzymen", so Dr. Mößeler.

Alte Pferde brauchen täglich

  • 700 bis 900 mg Zink,
  • 2,4 mg Selen,
  • 1.200 mg Vitamin E und
  • 39 000 IE Vitamin A (alles bezogen auf einen 600-Kilo-Senior).

Auch der Eiweiß-Bedarf kann steigen. Protein ist für Muskeln wichtig; baut das alte Pferd Muskelmasse ab, braucht es im Vergleich zum adulten Tier zehn bis 20 Prozent mehr Eiweiß (also zwischen 330 und 720 Gramm täglich). Allerdings ist Alter nicht zwingend an Muskelabbau geknüpft: "Wird ein Senior leicht gearbeitet und ist ausreichend mit den Aminosäuren Lysin und Threonin versorgt, kann er so gut bemuskelt sein wie ein jüngeres Tier", sagt Dr. Mößeler.

An der Figur eventuelle Mängel erkennen

Was heißt das nun für Besitzer alter Pferde – mit Stift und Taschenrechner in den Stall und die Energie- und Nährstoffwerte der Futtermittel addieren? Nein, erstmal sind Ihre Augen gefragt. Schauen Sie sich Ihren Senior genau an: Ist die Figur top? Dann müssen Sie am Energiegehalt der Ration nichts ändern.

Hagere Senioren brauchen mehr Energie, alte Moppelchen weniger. Wie Sie die Figur beurteilen, lesen Sie hier: www.cavallo.de/BCS

Und wie ist es ums Innenleben bestellt? Unabhängig vom Äußeren muss der Nährstoffbedarf an Mineralien und Vitaminen gedeckt werden. Eine gute Grundlage ist ein auf die Ration abgestimmtes Mineralfutter, ggf. speziell für Senioren. In diesem Zusatzfutter ist der Gehalt an den essenziellen Nährstoffen Zink, Selen & Co. bereits erhöht.

Enthält das Mineralfutter nicht schon einen Anteil an hochwertigem Eiweiß wie den Aminosäuren Lysin oder Methionin, können Sie zusätzlich zu einer Eiweißquelle wie Sojaschrot, Leinsamen oder Luzernegrünmehl greifen. Zusammen mit genug Heu (1,5 bis 2 kg pro 100 kg Körpermasse (KM)) und Kraftfutter nach Bedarf haben Sie so eine gute Futterbasis.

Apropos Kraftfutter: Senior-Müslis sind oft schon Mineralstoffe und Vitamine zugesetzt. Das macht bei einer entsprechenden Fütterungsmenge ein zusätzliches Mineralfutter überflüssig. Sonst gerät das Nährstoffverhältnis aus den Fugen, oder Spurenelemente wie Selen werden sogar überdosiert.

Was tun, wenn das Pferd zu dick ist oder Stoffwechselprobleme hat?

Extra-Pfunde sind nur in geringem Ausmaß und einer Ausnahme angebracht: "Im Herbst, damit Senioren ein Polster für den Winter haben", betont Dr. Anne Mößeler. Ist das Pferd ganzjährig zu dick, hat das Folgen – etwa das Equine Metabolische Syndrom (EMS). Diese Sammlung von Risikofaktoren für Hufrehe speist sich aus Übergewicht (zu viel Futter bei zu wenig Bewegung) und einer Störung des Zucker- und Insulinstoffwechsels.

Dicke Senioren sollten unbedingt abspecken, wollen ihre Reiter keine Hufrehe heraufbeschwören. "Kann sich das Pferd noch lahmfrei bewegen, sollte es das unbedingt tun", sagt Tierärztin Dr. Kathrin Irgang. Das Sportprogramm könnte lange, flotte Spaziergänge mit Höhenunterschieden und Trab-Reprisen enthalten, die nach und nach verlängert werden; je nach Gesundheitszustand auch Arbeit unterm Sattel oder an der Longe, bei der Puls und Atmung ansteigen dürfen und sollen. "Studien belegen etwa, dass 30 Minuten Trab täglich die Insulinsensitivität verbessern", so Dr. Irgang.

Knackpunkt für einen Diät-Erfolg ist die angepasste Fütterung. Heißt vor allem: leichtlösliche Kohlenhydrate vom Speiseplan streichen. Sie führen zur Entgleisung des Stoffwechsels und stecken in Getreide, Gras oder Möhren. Auch Pferde mit dem Equinen-Cushing-Syndrom, bei denen die Hirnanhangdrüse Hormone im Übermaß produziert, brauchen möglichst stärkearmes Futter.

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Senior-Müsli enthält die Nährstoffe, die ältere Pferde brauchen.

Bei dicken Pferden muss zudem das Raufutter reduziert werden: 1,2 bis 1,5 kg Heu pro 100 kg KM, maximal ein Drittel davon durch Stroh ersetzen (nur bei guter Zahngesundheit) und viermal täglich in engmaschigen Netzen füttern. Tipp von Dr. Irgang: "Wenn Sie das Heu 30 bis 60 Minuten wässern, werden die Kohlenhydrate ausgewaschen."

Nur: Genug Nährstoffe liefert so eine Raufutter-Ration nicht. Die Tiere brauchen zusätzlich Eiweiß und Mineralfutter. "Das sollte bei stoffwechselkranken Pferden getreide- und melassefrei sein", so Dr. Kathrin Irgang. Speziell für EMS-Pferde auf Diät gebe es jetzt einen Riegel (Nutraxin von Boehringer Ingelheim), der komprimiert alles Nötige an Spurenelementen, Mineralstoffen, Vitaminen und Aminosäuren enthalte. Dr. Irgang: "Denn dass das Pferd vor allem mit Spurenelementen versorgt wird, ist für die Gesundheit essenziell."

Was tun, wenn mein Senior abnimmt?

Alte Pferde wirken im Lauf der Zeit oft dünner, weil Muskelmasse schwindet. Doch Sie sollten auch bei diesen drei Punkten genauer hinsehen: Haltung, Futter und Gesundheit.

"In Offenställen sind nicht immer genügend Futterplätze vorhanden. Rangniedrige Pferde kommen so möglicherweise nicht zur Raufe oder können dort nicht lange genug fressen", sagt Dr. Mößeler. Auch Stress in der Herde lässt Kilos purzeln. Beobachten Sie das Verhalten Ihres Pferds ein paar Tage lang.

Alles in Ordnung? Dann nehmen Sie die Futterration unter die Lupe. Ist das Pferd mit Spurenelementen & Co. versorgt (siehe "Nährstoff-Bedarf")? Bekommt es genug Energie? Spät geschnittenes Heu enthält oft weniger Energie als in oder direkt nach der Blüte geerntetes (7 bis 8 Megajoule/kg Trockenmasse); auch Eiweiß ist hier oft Mangelware. Möglicherweise kann oder will der Senior auch nicht mehr so viel fressen, wie er sollte. "Dann muss die Energiedichte des Futters höher sein", so Dr. Mößeler.

Ist die Futterration in Ordnung, kann der Senior das Futter möglicherweise nicht mehr richtig verwerten. Das kann an Würmern im Darm liegen oder an Zahnproblemen. Gewissheit haben Sie, wenn Sie eine Kotprobe analysieren und einen Zahnspezialisten ins Maul schauen lassen. Kann das Pferd sein Heu tatsächlich gar nicht mehr kauen, braucht es rohfaserreiche Heu-Cobs als Ersatz – und zwar mindestens 1,5 kg pro 100 kg Körpermasse.

Wichtig: Auch Schmerzen können schuld sein, wenn Pferde abmagern.

Sollte ich die Fütterung im Winter anpassen?

Kälte, Nässe, Wind: "Das entzieht Senioren ordentlich Energie; vor allem, wenn zu dünnen Tieren das schützende Unterhautfett fehlt", sagt Dr. Irgang. Also: Eindecken, "das spart Energie von mindestens einem Kilo Hafer täglich", schätzt Dr. Mößeler.

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Senioren, die zu Untergewicht neigen, brauchen neben Heu (lose anbieten) eingeweichte Heucobs (zusammen mind. 1,5 kg/100 kg Idealgewicht) und energiedichtes Kraftfutter wie Sportpferdefutter.

Senioren, die zu Untergewicht neigen, brauchen neben Heu (lose anbieten) eingeweichte Heucobs (zusammen mind. 1,5 kg/100 kg Idealgewicht) und energiedichtes Kraftfutter wie Sportpferdefutter; bei Stoffwechselerkrankung getreidefrei (etwa PSSM-Futter oder Reiskleie (0,25 bis 0,5 kg/100 kg KM, in kleinen Portionen); Mineral- und Vitaminversorgung aufs Kraftfutter abstimmen). Pflanzenöle (bis 25 ml/100 kg KM) lassen sich unter die Cobs mischen.

Meine Erfahrung: Präventiv gegen den Abbau füttern.

Zu viele Pfunde, die das Pferd mit sich herum schleppt? Ich habe bei meinem Wallach Chicco (20) das gegenteilige Problem. Er baute bei Stress oder Verletzungen schon immer schnell ab; und jetzt im Alter verschwinden die Kilos bei kleinsten Anlässen noch rapider.

Weil die sich nur schwer wieder auffüttern lassen, versuche ich einem möglichen Gewichtsverlust schon präventiv gegenzusteuern: Chicco ist eingedeckt und bekommt Heu ad libitum; tagsüber im Auslauf, nachts in seiner Box. Zusätzlich zur Tagesration Quetschhafer und Mineralfutter gibt es jetzt im Winter Extra-Energie in Form von Müsli, Leinsamen und Öl. Damit sollte mein Wallach ohne weiteren Kilo-Verlust über den Winter kommen. Barbara Böke, CAVALLO-Redakteurin

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Meine Erfahrung: Präventiv gegen den Abbau füttern. Barbara Böke, CAVALLO-Redakteurin
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