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Pferderasse Maremmanos

Working Horses aus Italien

Kennen Sie schon die Maremmanos? Die robuste Rasse aus Italien ist vom Aussterben bedroht. Das sollte sich ändern, denn sie sind ideale Freizeitpferde.

Gleich wollen wir ein Stück Italien in Deutschland erleben – und zwar nicht mit Pizza und Vino, sondern mit ganz ursprünglichen italienischen Arbeitspferden, den Maremmanos. Sie sind teils noch immer mit den berittenen Viehhirten Italiens, den Butteri, unterwegs und anspruchsvolle Arbeit abseits des Dolce Vita gewöhnt.

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Maremmanons - Working Horses aus Italien
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Als wir auf dem Hof ankommen, wirken die Pferde fast ein bisschen aus der Zeit gefallen: Völlig unaufgeregt stehen zwei Maremmanos am Putzplatz, die angedeuteten Ramsköpfe entspannt gesenkt, die langen Ohren spielen ab und zu.

Mit ihrem ursprünglichen Aussehen und ihrem gefestigten Charakter stehen sie im Gegensatz zu den Showattitüden modern gezüchteter Pferderassen. Kein Wunder: Kraftraubende Zappeleien, während der Buttero einen Zaun repariert oder Rast macht, sind nicht gefragt.

Das Rinderhüten liegt den Pferden im Blut

Doch in den Pferden steckt viel mehr, als man im ersten Moment vermutet. Das Besondere an ihrem Temperament: Sie können auf den Punkt aufdrehen und wieder herunterfahren. „Wenn ich hier im Schwäbischen an einer Kuhweide vorbeireite, werden die beiden sofort groß und mächtig“, erzählt Züchterin Tina Martusciello über ihren Wallach Armido und Stute Uvetta. Martusciello ist dem ursprünglichen Charme der Maremmapferde mit Herz und Seele verfallen. Deshalb hat sie das „Projekt Maremmapferde“ gegründet und will die Rasse in Deutschland bekannter machen. „Die Maremmanos wissen noch, was eigentlich ihr Job ist“, erklärt sie – nämlich Rinderhüten. Dabei müssen die Pferde in Sekundenschnelle reagieren und wendig sein.

Wie wendig die Pferde unter dem Sattel sind, dürfen wir gleich erleben. Aus dem Stall treten die Reiter Luigi Giardina und Gianluca Calisesi mit traditionellen Sätteln auf dem Arm. Luigi und Gianluca sind in voller Montur – beziehungsweise in voller „Divisa“, der klassischen Reitkleidung der Butteri. Dazu gehören Reithose, Stiefel, ein weißes Hemd mit Stehkragen und ein Hut. „Solo italiano“, beide Reiter sprechen nur italienisch, gibt Luigi zu verstehen.

Dafür erzählt der Umgang mit den Pferden umso mehr darüber, wie sehr die Butteri ihre Pferde schätzen. Ruhig und unaufgeregt satteln die beiden und führen die Pferde ganz selbstverständlich einen kleinen Hügel nach oben, um aufzusitzen. Dort gibt es eine Mauer, von der aus es sich gut aufs Pferd kommen lässt. „Die Butteri steigen nie über den Steigbügel auf“, erklärt Tina Martusciello. „Da sie bei ihrer täglichen Arbeit sehr oft auf- und absitzen müssen, wäre das eine zu große Belastung fürs Pferd.“

Wir machen uns auf den Weg zu einer großen Wiese, die vor einem kleinen Waldstück liegt. Hier können Wallach Armido und Stute Uvetta nicht nur zeigen, wie rasant und wendig sie galoppieren können, sondern auch ihre Trittsicherheit im Unterholz beweisen. „Für Trailaufgaben und die Working Equitation sind diese Pferde perfekt geeignet“, erklärt Tina Martusciello. Auch als Geländepferde für Freizeitreiter seien sie ideal.

Neben Armido und Uvetta sind im Moment Jungstute Favola und zwei Junghengste bei Tina Martusciello. Bald sollen weitere Junghengste zur Ausbildung kommen. Martusciello achtet darauf, dass alle importierten Pferde aus traditionellen Zuchtlinien stammen. Leider wird der ursprüngliche Typ auch in Italien immer seltener. Denn die Rasse steht in der Toskana nicht nur auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, auch die Maremma-Zucht verändert sich.

Ursprüngliche Rassemerkmale sind wertvoll

Viele Züchter wollen die Rasse gefälliger werden lassen, ursprüngliche Typen kört der italienische Zuchtverband laut Martusciello kaum noch. So verschwinden etwa die typischen längeren Haare an den Fesseln: Sie schützten die Pferde vor Nässe, als die Maremma vor der Trockenlegung für die landwirtschaftliche Nutzung noch ein Sumpfgebiet war. „Dabei sind diese Pferde im ursprünglichen Typ perfekt für Freizeitreiter. Man sollte sie erhalten, statt aus den Maremmanos Sportpferde machen zu wollen“, ist Martusciello überzeugt.

Die Arbeitspferde sind bis ins Detail geschult

Davon, wie wohl sich ein Freizeitreiter auf den Maremmanos fühlen kann, darf ich mich selbst überzeugen. Auf dem Sandplatz erklimme ich – natürlich von einem Cavaletti-Ständer aus – Uvettas Rücken. Die braune Stute hat einen sympathischen Ausdruck. Sie schreitet flott los, will am liebsten direkt in den Trab fallen. Als ich auf Tina Martusciellos Rat hin lang ausatme und mich im Sattel schwer mache, wird sie wie von selbst ruhiger und dehnt sich. „Die Pferde sind bis ins kleinste Detail ausgebildet, reagieren sofort auf Stimme, Körperspannung und Gewichtsverlagerung“, hatte mir die Besitzerin erzählt. Und das stimmt tatsächlich.

Nach dem Reiten dürfen Uvetta und Armido zusammen auf die Koppel – Martusciello nennt die beiden Turteltauben scherzhaft „Romeo und Julia“. Auf der Koppel präsentiert sich Armido in stolzem Trab, ganz so, als wollte er sagen: „Ciao, Bella! Hier bin ich.“ Aus der Zeit gefallen wirkt er plötzlich gar nicht mehr. Denn ich weiß jetzt, dass diese Naturburschen perfekte Partner für moderne Freizeitreiter abgeben. Und deshalb sind die Maremmapferde wirklich ein Fall zum Verlieben.

Wichtige Rasse-Fakten in Kürze

Ursprung: Die Heimat der Maremmapferde liegt in Mittelitalien und umfasst die Maremma des Lazio und der Toskana. Pro Jahr gibt es in Italien geschätzt nur 150 Fohlengeburten.

Aussehen: Leichter bis mittelstarker Ramskopf, starke Schultern, gut bemuskelte, leicht abfallende Kruppe, muskulöse Brust. Dichter Behang, braunes bis schwarzes Fell. Zwischen 160 und 175 Zentimetern.

Charakter: Extrem widerstandsfähig. Sehr trittsicher, nervenstark, mutig und sanft.

Preis: Ein Absetzer kostet rund 3000 Euro, ein voll am Rind ausgebildetes Pferd bis zu 15 000 Euro.

Kontakt & Infos:
Tina Martusciello hat 2015 das „Projekt Maremmapferde“ gegründet. Unter ihrer Leitung setzen sich Züchter, Pferdeliebhaber und Ausbilder dafür ein,
die Rasse über ihre Heimat hinaus bekannt zu machen. maremmapferde.de

Zucht in Deutschland: Martusciello ist Mitglied im Verband für Spezialpferderassen in Bayern, dort werden ihre Maremmanos gekört. Die Nachzucht soll bald auch in Deutschland stattfinden. Der italienische Zuchtverband ist unter anamcavallomaremmano.com zu finden.

Pferderasse im Portrait: Südafrikas Nooitgedachter

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