Was ist der Mittelgalopp?
Der Mittelgalopp wird in Dressurprüfungen ab Klasse A gefordert – oder im Gelände aus Freude an der Bewegung. Galoppsprünge werden länger, der Rahmen des Pferds größer, vorne richtet es sich mehr auf, damit die Hinterbeine tiefer unterspringen können. Übrigens: Erst im Galopp belüftet die Pferdelunge bis in die letzten Ecken.
Bergauf mit großen Sprüngen
Der Mittelgalopp fühlt sich im Idealfall an wie ein startendes Flugzeug”, beschreibt Antonia Baumgart den Moment, wenn ihre Stute Kelly Rose im Galopp zulegt. Dann spürt die Vielseitigkeitsreiterin aus Warendorf, dass der Sattel sie förmlich aufsaugt, während Kelly Rose jeden Galoppsprung mit mehr Bergauftendenz angeht – so, als würde ein Flugzeug die Nase heben und losfliegen.

Antonia Baumgart ist Sportsoldatin und trainiert am DOKR, wo auch ihre Pferde leben. 2025 ritt sie erstmals den Vier-Sterne-Kurs beim CHIO Aachen. Mit Ris de Talm erzielte sie gerade im polnischen Baborówko Platz zwei in der CCI4*-L – und steht auf der Longlist der deutschen Vielseitigkeitsreiter für die WM 2026.

Katharina Hemmer ist eine der wenigen Spitzenreiterinnen ohne Pferdesportfamilie im Rücken – ihr Weg begann im Schulpferdestall. Heute ist sie angestellt bei Olympiamannschaftssieger Hubertus Schmidt auf dem Fleyenhof bei Paderborn. Mit ihrem Spitzenpferd Denoix gewann sie Mannschafts-Gold bei der Europameisterschaft 2025 und zuletzt Mannschafts-Gold bei der Weltmeisterschaft 2026 in Aachen.
Harmonie und Kontrolle
Im Mittelgalopp sind die Galoppsprünge länger und raumgreifender, der Rhythmus bleibt, und es geht förmlich bergauf, weil hinten der Motor an ist. Leicht ist der Weg dorthin selten – aber das Ergebnis umso schöner, wie Antonia Baumgart und Katharina Hemmer beim gemeinsamen Training am DOKR zeigen. Davon können alle profitieren: im Turnier-Viereck, im heimischen Training oder auf dem Waldweg im Gelände. Das Glücksgefühl, wenn alles klappt, wird kein Reiter je vergessen.

Zeit lassen – Trotz Tempo
"Der Mittelgalopp soll sich aus dem Hinterbein entwickeln”, sagt Antonia Baumgart. Das darf ein, zwei, drei Galoppsprünge dauern, bis eine mittelgaloppreife Rahmenerweiterung zu sehen ist. Den allmählichen Übergang zurück zum Arbeitsgalopp darf man genauso deutlich sehen wie zuvor das Zulegen. "Diese Übergänge zu zelebrieren, gibt in der Dressur richtig viele Punkte.”
Feedback vom Boden aus
"Von unten sieht man oft besser, ob ein Reiter den Mittelgalopp überreitet”, sagt Katharina Hemmer."Manche Reiter sind zu vorsichtig, andere zu forsch – dann wird die Lektion hektisch statt groß und bergauf. Mein Job ist es, dieses Maß von außen einzuschätzen.” Sie achtet auf eine deutliche Rahmenerweiterung, und dass das Aufnehmen zurück in den Arbeitsgalopp nicht abrupt passiert, sonst fällt das Pferd auf die Vorhand.
An großen Rahmen herantasten
Tipp 1 – Mental-Map:
"Die mentale Einstellung auf die Aufgabe ist wichtig. Ich muss mich konzentrieren und einen Plan haben, was ich reite”, sagt Antonia. Mit Schlangenlinien durch die ganze Bahn stimmt sie ihre diagonalen Hilfen ab und überprüft, ob Kelly Rose sich gut einrahmen lässt.
Tipp 2 – Typsache:
Für Pferde, die ins Laufen kommen, empfiehlt Katharina Hemmer, den Mittelgalopp an der langen Seite oder Hallenbande zu entwickeln – dort findet manches Pferd optischen Halt. Pferde, denen die Gerade schwerfällt, profitieren vom Zirkel mit ein paar Sprüngen an der offenen Seite.
Weiter geht's mit Profi-Tipps für den Mittelgalopp von Katharina Hemmer im vollständigen Artikel:
SO GEHT’S WEITER BEI #ridingtogether:
In der nächsten Folge stellt Para-Dressurreiterin Gianna Regenbrecht ihre Lieblingslektion vor: die Volte – auch aufgrund ihrer Bedeutung für die äußeren Hilfen. Trainerin Katharina Hemmer muss umdenken, denn Gianna muss die Schenkelhilfen kompensieren.












