Gold! Deutsche Dressurreiter werden Weltmeister – diese vier Runden begeistern Aachen

Dressur-WM Aachen 2026: Deutschland reitet zu Gold
Vier starke Runden machen das Heim-Märchen perfekt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.08.2026
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AACHEN - FEI World Championships 2026: das deutsche Dressur-Team mit ihren Goldmedaillen um den Hals.
Foto: Sportfotos Lafrentz

Was für ein Auftakt für die deutsche Mannschaft bei der Heim-WM in Aachen! Schon nach dem ersten Tag des Grand Prix hatte Deutschland die Führung übernommen. Am Mittwoch machten Katharina Hemmer mit Denoix PCH und Isabell Werth mit Wendy de Fontaine schließlich "den Sack zu": Deutschland ist Dressur-Weltmeister 2026!

Mit insgesamt 235,063 Punkten setzte sich die Mannschaft von Bundestrainerin Monica Theodorescu vor Großbritannien mit 231,445 Punkten und Titelverteidiger Dänemark mit 229,426 Punkten durch.

Und dieser Titel war alles andere als das Werk eines einzelnen Spitzenpaares. Alle vier deutschen Reiter lieferten in Aachen starke Vorstellungen ab. Besonders schön aus Pferdesicht: Die deutschen Runden wirkten über weite Strecken harmonisch, selbstverständlich und geprägt von einer feinen Kommunikation zwischen Pferd und Reiter.

Raphael Netz und Great Escape Camelot legen den Grundstein für Gold

Den Anfang machte am Dienstag Raphael Netz mit Great Escape Camelot. Und der 27-Jährige bewies gleich bei seinem ersten WM-Auftritt starke Nerven.

Mit 73,338 Prozent brachten Netz und sein 11-jähriger Wallach das deutsche Team zunächst in Führung. Noch wichtiger als die nackte Zahl: Das Paar vermittelte den Eindruck, in der großen Aachener Arena ganz bei sich zu bleiben.

Damit erfüllte Netz genau die Aufgabe, die einem ersten Mannschaftsreiter bei einem Championat zukommt: Sicherheit geben, eine solide Wertung vorlegen und den nachfolgenden Teamkollegen den Druck nehmen. Netz zu seinem WM-Debut: "Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Wir hatten ein ganz ganz tolles Reitgefühl. Camelot hat sich in dem großen Stadion nochmal fünf Zentimeter größer gemacht, als er sonst schon tut und ich bin unheimlich froh und dankbar mit diesem Pferd hier einreiten zu dürfen."

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Frederic Wandres und Bluetooth OLD: Auf dieses Paar ist einfach Verlass

Danach folgte ein Paar, das inzwischen beinahe zum Synonym für Verlässlichkeit im deutschen Dressurteam geworden ist: Frederic Wandres und Bluetooth OLD.

Die beiden zeigten einen fehlerfreien Grand Prix und erhielten 75,963 Prozent. Damit baute Deutschland seine Führung weiter aus und ging nach dem ersten Wettkampftag auf Goldkurs.

Gerade Bluetooths Konstanz ist bemerkenswert. Wandres schafft es immer wieder, den inzwischen 16-jährigen Wallach bei großen Championaten auf den Punkt in Form zu präsentieren. Die beiden dürfen sich Team-Olympiasieger, Team-Europameister und nun auch Team-Weltmeister nennen.

Katharina Hemmer und Denoix sorgen für den Gänsehautmoment

Was am zweiten Tag folgte, dürfte Katharina Hemmer so schnell nicht vergessen.

Mit Denoix PCH gelang ihr im Aachener Stadion ein nahezu fehlerfreier Grand Prix. 79,224 Prozent bedeuteten persönliche Bestleistung für das Paar. Ausgerechnet bei einer Heim-WM und unter maximalem Druck.

Hemmer und Denoix präsentierten sich dabei mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit. Das Paar wirkte konzentriert und gleichzeitig losgelassen, Denoix schien mit seiner Reiterin förmlich durch die Aufgabe zu tanzen.

Und selbst Hemmer wurde bereits während ihres Rittes emotional. Nach der Prüfung erzählte sie, dass ihr nach der Piaffe bewusst geworden sei, was für ein außergewöhnliches Pferd sie unter sich habe. Auf die Frage von Bundestrainerin Monica Theodorescu, ob sie etwa schon während der Prüfung geweint habe, antwortete Hemmer später lachend: "Nur von X bis G."

Mit ihrer persönlichen Bestleistung brachte Hemmer Deutschland wieder an die Spitze und verschaffte Schlussreiterin Isabell Werth eine hervorragende Ausgangsposition.

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Plötzlich wird es noch einmal spannend: Großbritannien und Dänemark greifen an

Entschieden war die Goldmedaille trotzdem noch nicht. Denn die internationale Konkurrenz lieferte. Der Brite Carl Hester und Fame kamen auf starke 77,314 Prozent. Dann setzte Cathrine Laudrup-Dufour mit Mount St John Freestyle ein echtes Ausrufezeichen: 82,375 Prozent bedeuteten die Führung in der Einzelwertung des Grand Prix.

Auch der amtierende Europameister Justin Verboomen und Zonik Plus knackten mit 80,885 Prozent die 80-Prozent-Marke.

Und dann kam Charlotte "Lottie" Fry. Mit Glamourdale erhielt die Weltmeisterin von 2022 trotz eines Fehlers in der Piaffe 80,311 Prozent – und plötzlich lag Großbritannien in der Mannschaftswertung vorne. Alles hing am letzten deutschen Paar.

Isabell Werth muss liefern – und das Aachener Stadion hält den Atem an

Die Rechnung vor Isabell Werths Ritt war klar: Mindestens 76,259 Prozent mussten sie und Wendy de Fontaine erreichen, damit Deutschland Weltmeister wird.

Eine Situation, die wohl kaum jemand häufiger erlebt hat als die erfolgreichste Reiterin der Welt.

Und trotzdem: Heim-WM. Volles Stadion. Mannschaftsgold auf dem Spiel. Selbst für Isabell Werth dürfte das kein ganz gewöhnlicher Ritt gewesen sein.

Wendy und Werth starteten stark in ihre Aufgabe. Besonders in den Piaffen und Passagen konnte die elegante Stute punkten. Ein Fehler in den Einerwechseln kostete zwar wertvolle Zähler, doch Werth ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Als schließlich 79,876 Prozent auf der Anzeigetafel erschienen, gab es kein Halten mehr. Deutschland hatte Gold.

WM-Gold mit Bonus: Deutschland hat das Olympia-Ticket für Los Angeles

Der Weltmeistertitel bringt noch einen weiteren Erfolg mit sich: Mit dem Mannschaftsgold hat sich Deutschland direkt für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles qualifiziert.

Nach Bronze bei der WM 2022 in Herning steht Deutschland damit vier Jahre später wieder ganz oben auf dem Podium.

Und die Weltmeisterschaften sind für die deutschen Dressurreiter noch lange nicht vorbei.

Am Freitag, 14. August, werden im Grand Prix Special die ersten Einzelmedaillen vergeben. Am Samstag, 15. August, folgt die Grand Prix Kür.

Nach diesen vier Runden dürfte klar sein: Auch dort ist mit den deutschen Paaren zu rechnen.