Spannender hätte das Finale im Grand Prix Special bei der Heim-WM in Aachen wohl kaum sein können. 29 Paare hatten ihre Prüfung bereits beendet, als Katharina Hemmer und Denoix PCH als allerletzte Starter ins Deutsche Bank Stadion einritten. Die Ausgangslage war klar: Wollte die 32-Jährige bei ihrer ersten Weltmeisterschaft eine Einzelmedaille gewinnen, musste sie noch an ihrer Teamkollegin Isabell Werth vorbeiziehen.
Und als wäre der Druck nicht ohnehin schon groß genug, tobte das Aachener Publikum kurz zuvor noch für Charlotte "Lottie" Fry und Glamourdale. Hemmer legte beim Einreiten sogar den Zeigefinger auf die Lippen und bat die Zuschauer damit um Ruhe.
Dann wurde es still. Und Hemmer lieferte.
Katharina Hemmer und Denoix knacken die 80 Prozent
Mit bemerkenswerter Ruhe pilotierte Katharina Hemmer ihren 14-jährigen Denoix PCH durch den Grand Prix Special. Viele Höhepunkte, kaum Angriffsfläche für größere Fehler. Ein Paar, das auch unter maximalem Druck ganz bei sich blieb.
Das Ergebnis: 80,866 Prozent und eine neue persönliche Bestleistung. Und das ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft, als letztes Paar der Prüfung. Damit war klar: Bronze für Katharina Hemmer und Denoix PCH!

Es war ein Krimi bis zum Schluss. Am Ende: Bronze für eine überglückliche Katharina Hemmer. Für sie ist es die erste Einzelmedaille bei einem internationalen Championat – und das gleich bei ihrer ersten WM.
"Unglaublich, er war in einer super Form", sagte Hemmer anschließend über Denoix. Sie habe gespürt, dass ihr Pferd alles richtig machen wollte. Entscheidend sei gewesen, selbst keine Fehler zu machen. Das Selbstvertrauen dafür schöpfe sie vor allem aus der engen Beziehung zu ihrem Wallach: Die beiden kennen sich seit Jahren und, wie Hemmer selbst sagt, "in- und auswendig".
Erst Team-Gold, jetzt Einzel-Bronze
Hemmer war nicht als die große Einzel-Favoritin nach Aachen gereist. Dabei hatte Katharina Hemmer schon zwei Tage zuvor gezeigt, dass sie in Aachen nicht nur dabei sein wollte. Im Grand Prix lieferte sie mit Denoix eine persönliche Bestleistung ab und trug damit maßgeblich dazu bei, dass die deutsche Mannschaft am Mittwoch vor Großbritannien und Dänemark zu WM-Gold ritt.
Hemmer schubst Isabell Werth vom Podest
Eine musste allerdings ihren Platz auf dem Treppchen räumen: Isabell Werth. Mit Wendy de Fontaine hatte die erfolgreichste Reiterin der Welt zuvor 79,544 Prozent erzielt und lag damit auf Bronzekurs. Kleine Fehler hatten jedoch wertvolle Punkte gekostet.
Dann kam Hemmer – und zog vorbei.
Werth dürfte ihrer Teamkollegin die Medaille gönnen. Und über leere Vitrinen muss sich die erfolgreichste Reiterin der Pferdesportgeschichte schließlich auch weiterhin keine Gedanken machen. Allein am Mittwoch war mit dem deutschen Team bereits ihr zehntes WM-Gold hinzugekommen.

Im Special blieb diesmal Rang vier für Isabell Werth mit Wendy de Fontaine.
Lottie Fry verteidigt ihren WM-Titel
An der Spitze führte unterdessen kein Weg an Charlotte "Lottie" Fry und Glamourdale vorbei. Die Britin brachte das Aachener Stadion mit ihrem 15-jährigen Hengst zum Kochen und sicherte sich mit 82,295 Prozent Gold. Damit verteidigten Fry und Glamourdale ihren WM-Titel im Grand Prix Special von Herning 2022 erfolgreich.
Silber ging an die Weltranglistenerste Cathrine Laudrup-Dufour aus Dänemark. Mit Mount St. John Freestyle kam sie auf 80,927 Prozent – gerade einmal 0,061 Prozentpunkte mehr als Hemmer und Denoix.
Kommentar: Vom WM-Debüt zur Doppel-Medaillengewinnerin
Katha Hemmer. Sie ist einfach cool. Ohne viel Chichi und immer mit einem lang gezogenen "Braaaav" auf den Lippen. Und vielleicht ist es genau das, was diese Bronzemedaille so besonders macht: Sie und Denoix wirken in Aachen nicht wie ein Paar, das sich von der großen Bühne beeindrucken lässt. Im Gegenteil. Je größer die Kulisse und je höher der Druck, desto mehr scheinen beide über sich hinauszuwachsen. Noch am Mittwoch half ihre starke Vorstellung Deutschland zu Mannschafts-Gold. Zwei Tage später reitet Hemmer als letzte Starterin in ein aufgeheiztes Aachener Stadion, weiß um die Chance auf eine Medaille und ... stellt eine neue persönliche Bestleistung auf. Katharina Hemmers erste Weltmeisterschaft dürfte schon jetzt eine sein, die sie ganz sicher niemals mehr vergessen wird.












