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Life Kinetik: Bewegungstraining für Reiter

So macht Reiten klüger

Life Kinetik ist ein neues Bewegungstraining, das die Gehirnhälften des Reiters besser vernetzt – für feinere und fixere Reaktionen im Sattel. CAVALLO machte den Test.

Auf Reiter prasselt viel auf einmal ein. In der Reitstunde müssen sie die Tipps ihres Trainers umsetzen, sich bewegen, schnell reagieren und ihre Hilfen fein abstimmen. Manchmal auch noch exakte Bahn guren reiten und auf Mitreiter achten. Ein spezielles Trainingskonzept soll dieses Multitasking im Sattel aus Wahrnehmung, Gehirntraining und Bewegung verbessern.

Es heißt Life Kinetik (Life = Leben; Kinetik = Bewegung). Fußballer und Skisportler trainieren bereits mit speziell für Life Kinetik lizenzierten Trainern. Ob das Konzept auch für Reiter taugt, hat CAVALLORedakteurin Cathrin Flößer ausprobiert.

Kontakt:

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Gabriele Nimsky-Magnussen

Gabriele Nimsky-Magnussen aus Haldenwang im Allgäu ist Pferdewirtschaftsmeisterin, Bewegungstrainerin (EM) und Life-Kinetik-Trainerin (www.nimskybewegung.de).

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Dressur

Life Kinetik fordert das Gehirn ständig neu

„Bei Life Kinetik bewegt sich der Mensch und muss gleichzeitig sein Gehirn anstrengen“, sagt Trainerin Gabriele Nimsky-Magnussen. Reiter machen etwa Ballspiele, bei denen sie sich zusätzlich etwas merken müssen. Aber sie trainieren nie solange, bis die Übung automatisch funktioniert. So fordert das Training das Gehirn ständig heraus.

Dadurch entstehen neue Verbindungen im Gehirn, sogenannte Synapsen. Je mehr von ihnen angelegt sind, desto mehr kann ein Mensch leisten, weil seine Gehirnhälften besser zusammenarbeiten. Studien zeigen, dass Menschen dadurch ihre Konzentrations- und Leistungs™ higkeit verbessern und die Wahrnehmung der Augen steigern.

Um das neue Trainingskonzept vorzuführen, reiten zwei Schülerinnen von Gabriele Nimsky beim Termin auf der Reitanlage Schmid in Seeleuten im Allgäu: Nicola Nad mit Euer Ehren, Alina Schubert mit Amarena; CAVALLO-Redakteurin Cathrin Flößer reitet Happy Day. Die Übungen beginnen im Sattel, scheinbar ganz simpel: Der Reiter beugt sich auf Kommando nach vorne, hinten, links und rechts. Dann ordnet die Trainerin den Bewegungen Zahlen zu: eins bedeutet links, zwei vorne, drei hinten, vier rechts.

Schon das ist nicht leicht nachvollziehbar, weil die Reihenfolge von Zahlen und Bewegungen nicht dem gewohnten Uhrzeigersinn entspricht. Dann sattelt die Trainerin noch eins drauf: Sie gibt den Bewegungen Farben und sagt gleichzeitig Zahlen an: Die Reiter sollen nur auf die Farben achten, die sie hochhält. Folge: Der Reiter muss zwischen den akustischen und visuellen Ansagen differenzieren. Auf welchen Reiz man eher anspringt und welchen man besser ausblenden kann, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Cathrin Flößer reagiert auf die akustischen Reize. Schnell entsteht Chaos im Kopf. Was bedeutete nochmal blau? Als sich die Reiter zusätzlich zu Kommandos und Farbtafeln um Hindernisblöcke schlängeln sollen, enden die Linien erstmal in ungleichmäßigen Halbkreisen. Mit diesem verwirrenden Training soll man besser reiten?

Dann verteilt die Trainerin verschiedenfarbige Hütchen auf dem Reitplatz. Die neue Aufgabe: Bei Ansage einer Farbe eine Volte im Trab reiten, um das gelbe eine Linksvolte, um alle anderen eine Rechtsvolte. Dann ordnet die Trainerin den Pylonen Zahlen zu und neue Voltenrichtungen. Das funktioniert so gut, dass die Reiter am Ende sogar Galoppvolten drehen. Zum Schluss steht ein kleiner Wettbewerb an, der das Gehirn enorm fordert: Jedes Hütchen erhält einen Zahlenwert, die Teilnehmer reiten fünf Pylonen der Länge nach ab, zählen laut mit und addieren noch die Zahlenwerte. Die Beste beim Reiten mit Rechnen ist Nicola Nad.

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Besseres Timing für die Reiterhilfen

Nicola Nad trainiert schon länger mit Life Kinetik und hat die Koordination ihrer Hilfen verbessert: „Ich hatte große Schwierigkeiten mit dem Timing bei Galoppwechseln. Das ist jetzt deutlich besser geworden.“ Der Effekt des Trainings tritt nicht sofort ein.

„Aber ein Mal pro Woche in den Unterricht integriert, merkt man schon nach wenigen Wochen Verbesserungen“, sagt Gabriele Nimsky. Kleine Erfolge stellen sich prompt ein, wie bei Nimskys Reitschülerin Alina Schubert, die ihre erste Life-Kinetik-Stunde hatte: Sie kämpft gegen hüpfende Hände. Weil sie sich im Training mit ganz anderen Dingen beschäftigt, sind die Hände automatisch ruhiger. Das Pferd profitiert, weil es erstmal zur Nebensache wird.

Cathrin Flößer hätte nie gedacht, mit dem unbekannten, 1,75 Meter großen Wallach an diesem Tag Galoppvolten zu drehen. Und obwohl der Kopf raucht, wenn Reiten schlau macht, ist Spaß garantiert. Sie trainiert weiter – mit Übungen zum Mitdenken.

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Tipp:

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Peilen Sie einen Gegenstand (etwa zwei Meter weg) mittig durch ein Guckloch an, das Sie mit Ihren Händen formen. Schließen Sie abwechselnd ein Auge. Bleibt der Gegenstand dabei im Sichtfeld, ist das Auge dominant. Bahnfiguren fallen in Richtung dominantes Auge meistens leichter. Life Kinetik stärkt das schwächere Auge.

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