Test: Wie schlau ist Ihr Pferd?

Unterscheidungs-Tests: So lernen Pferde

Foto: Nadine Nover Test: Wie schlau ist Ihr Pferd?
Lernen Pferde gut, hilft das beim Training und im Umgang. Eine leichte Übung aus der Forschung zeigt Ihnen, wie schlau Ihr Pferd ist - und schult zugleich sein Köpfchen.

Kreis oder Kreuz? Pferde können solche Symbole auseinander halten. Um das zu beweisen, stellten Forscher den Tieren Unterscheidungsaufgaben – und sammelten so spannendes Wissen u?ber das Lernverhalten der Tiere. Das Beste: Die Methode aus der Forschung kann jeder mit dem eigenen Pferd Zuhause nachmachen – und von der Wissenschaft ganz praktisch im Alltag profitieren. Spaß macht’s obendrein. Werden Sie zum Pferde-Forscher!

Pferde in Gruppen lernen besser

Dr. Vivian Gabor von der Uni Göttingen brachte Pferden bei, Kreise und Kreuze zu unterscheiden. Wählten die Pferde das gewünschte Symbol, gab es sofort eine Belohnung. Was lässt sich mit solchen Unterscheidungsaufgaben erforschen? Die Verhaltensforscherin untersuchte damit, wie schnell Pferde lernen und wie lange sie sich Aufgaben merken.

Sie verglich in einer Studie das Lernverögen von Pferden aus Einzel- und Gruppenhaltung. Das Ergebnis: Pferde aus Gruppenhaltung schnitten beim Lerntest besser ab. Es begriffen insgesamt mehr Tiere aus Gruppenhaltung die Aufgabe – und sie lernten schneller. Obendrein konnte die Forscherin zeigen: Wer die Aufgabe einmal gelernt hat, erinnert sich auch nach drei Monaten Pause noch daran. Pferde haben folglich ein gutes Gedächtnis.

„Unterscheidungstests dienten mir auch als Grundlage dafu?r, Pferden das Zählen beizubringen“, sagt die Wissenschaftlerin. Erstaunlich: Ihr Shetty Moritz erkennt, ob auf einem Bildschirm eine Menge von vier oder fünf Kreisen zu sehen ist. Moritz kann also bis fünf zählen – und ist damit der beste pferdige Mathematiker der Welt.

Profit-Punkte

Pferde-Grips lässt sich schulen. „Je mehr kognitive Reize ich dem Pferd setze, desto besser lernt es“, erklärt Dr. Vivian Gabor. Unterscheidungsaufgaben sind dafür ein tolles Instrument. Von dem Denksport profitieren Pferd und Reiter auch beim normalen Training. Warum? „Pferde müssen beim Reiten und bei der Bodenarbeit ständig etwas unterscheiden: beispielsweise verschiedene Hilfen“, erklärt die Forscherin.

Das Pferd lernt beim Training etwa, zwischen einem verwahrenden oder vorwärtstreibenden Schenkel zu unterscheiden. Lerntests schulen dieses Unterscheidungsvermögen. Und: Sie motivieren das Pferd. Denn für jede richtige Unterscheidung gibt es direkt eine Belohnung.

Foto: Nover Unterscheidungstest mit dem Pferd

Helfen Sie Ihrem Pferd anfangs auf die Sprünge.

„Die Lerntests verdeutlichen, wie wichtig gutes Timing beim Loben ist“, sagt Vivian Gabor. Das kann ein richtiges Aha-Erlebnis fu?r den Reiter sein. Er sieht nämlich, wie schnell er eine erwünschte Handlung belohnen muss, damit dass Pferd sie auch mit dem Lob verknüpft. Klappt das, fördern Unterscheidungsaufgaben nicht nur die Motivation, sondern auch eine gute Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd.

Wann hat mein Pferd wirklich gelernt, das Kreuz vom leeren Blatt zu unterscheiden? Forscher sagen: Wenn es sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu 80 Prozent richtig entschieden hat. Es muss also jeweils von 10 bzw. 20 Durchläufen 8 bzw. 16 Mal direkt den Zettel mit dem Kreuz angestupst haben. Generell gilt: Je mehr Durchläufe das Pferd absolviert, desto zuverlässiger das Ergebnis.

Steigern Sie die Anforderung

Jetzt wird es richtig spannend. Hat das Pferd die erste Unterscheidung gelernt, können Sie die Aufgabe beliebig abwandeln. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Folgendes ko?nnten Sie testen: Welche Farben oder Muster kann Ihr Pferd unterscheiden? Kann es auf Fotos Sie und Ihre Reitbeteiligung auseinander halten? Kann es weitere Symbole wie Notenschlüssel, Kreis oder Dreieck unterscheiden? Probieren Sie es aus.

Foto: Nover Unterscheidungstest mit dem Pferd

Auch den Hintergrund sollten Sie immer wieder verändern.

Übertragen Sie neues Wissen

Bei den Unterscheidungstests zählt nicht bloß das Ergebnis. Bereits beim Üben lernen Sie Ihr Pferd besser kennen. Wahrscheinlich ist Ihnen jetzt viel bewusster, wie lange sich Ihr Pferd konzentrieren kann, wann es eine Pause braucht und wie wichtig Ihr Timing beim Belohnen ist. Übertragen Sie dieses neue Wissen aufs Reiten. Dann kommen Sie auch bei Lektionen schneller ans Ziel!

03.07.2018
Autor: Alena Brandt
© CAVALLO
Ausgabe 06/2016