Sind Wölfe eine Gefahr für unsere Pferde? Ako Agrartechnik

Sind Wölfe eine Gefahr für unsere Pferde?

Abschuss oder Koexistenz Sind Wölfe eine Gefahr für unsere Pferde?

Von Abschuss bis Koexistenz: Wissenschaftler, Verbände und Pferdehalter suchen Lösungen, wie wir unsere Pferde sicher vor dem Wolf schützen können.

Wie gefährdet sind unsere Pferde auf den Weiden?

Die Wolfspopulation in Deutschland wächst kontinuierlich; geschätzt leben derzeit laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) 113 Rudel (mit je fünf bis zehn Tieren) und zehn Einzeltiere vor allem in nord- und ostdeutschen Wäldern.

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Abschuss oder Zusammenleben Welche Gefahr sind Wölfe für Pferde auf der Weide?
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Zugenommen haben auch die Übergriffe auf Weidetiere: von 2.000 getöteten oder verletzten Tieren im Jahr 2018 auf rund 2.900 im Jahr 2019. In 2020 wurden geschätzt 3.500 Weidetiere Opfer von Wolfsattacken. Zu knapp 90 Prozent wurden in den letzten Jahren Schafe oder Ziegen angegriffen, proportional stiegen aber auch Angriffe auf Pferde und Rinder.

Wissenscchaftler tauschen sich euopaweit aus, um mehr über das natürliche Verhalten zwischen Raubtier Wolf und Beutetier Pferd zu erfahren. Eine Studie zur Interaktion zwischen Pferd und Wolf, die Prof. Konstanze Krüger von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HFWU) in Nürtingen betreute, kam zu dem Ergebnis: "Beutetiere wie zum Beispiel Pferde können aufgrund der Körperhaltung und Bewegungen durchaus unterscheiden, ob ein Raubtier wie der Wolf auf der Jagd ist und für sie gefährlich wird." Die Gefahr, dass eine Pferdeherde nur durch Anwesenheit eines Wolfs in Panik gerate und Zäune durchbreche, werde somit oft überbewertet, so Krüger.

Gehören Pferde zum Beuteschema des Wolfs?

Wölfe finden hier einen gut gedeckten Tisch, das ist ein Grund für die schnell wachsende Population. Sind ausreichend natürliche Ressourcen vorhanden, ernährt sich der Wolf vorzugsweise von Kaninchen und Hasen sowie Jungtieren von Wildschweinen und Rehen.

Bei den Pferden seien deshalb auch in erster Linie Jungtiere und Ponys gefährdet, erklärt Konstanze Krüger. Darüber müssten sich Züchter und Halter Gedanken machen. "Wir müssen deshalb versuchen, dass der Wolf im Wald bleibt", fordert die Wissenschaftlerin.

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Lisa Rädlein
Prof. Konstanze Krüger

"Natürliche Wolfsreservate" hält Bernhard Feßler, Leiter des Hauptstadtbüros der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), für wenig realistisch. "Meiner Erfahrung nach steht das Wild zumindest in Nord- und Ostdeutschland nicht mehr an erster Stelle auf der Speisekarte." Die Zahl der gerissenen Weidetiere spräche eine deutliche Sprache.

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FN Archiv
Bernhard Fessler

Drastischer formuliert es Heinz Bley, der Thürengeti-Erfinder und Geschäftsführer der Agrar Crawinkel GmbH: "Wenn wir, wie es viele fordern, zurück zur Natur wollen, müssen wir uns damit abfinden, dass auch Pferde als Wolfsfutter sterben."

Einsatz vom Herdenschutzhund: Ein Wolf im Hundepelz?

In vielen europäischen Ländern sind Herdenschutzhunde bereits im Einsatz. Die Hunde leben bei den Herden und verteidigen sie gegen Angreifer.

In Italien zum Beispiel habe man schon seit Längerem gute Erfahrungen mit den Hunden gemacht, in Deutschland fehle es noch an ausreichendem Wissen über die Arbeitsweise dieser Hunde, sagt Prof. Konstanze Krüger.

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privat
Hanno Pilartz

Hanno Pilartz von der VFD sieht den Einsatz von solchen Hunden positiv: "Zum Schutz unserer Tiere vor Wölfen helfen zuverlässige Zäune und gegebenenfalls zusätzliche Herdenschutzhunde."

Was sagen die Kritiker?

"Solche Hunde sind bei uns einfach nicht praktikabel", lautet die Einschätzung von Heinz Bley. "Bei uns in der Thürengeti müssen Menschen über die Weiden laufen, und da können solche Hunde sogar zu einer größeren Gefahr werden als die Wölfe selbst."

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privat
Heinz Bley

Auch Bernhard Feßler von der FN weist auf Probleme hin, die es mit den Hunden gibt: "Kommen Sie mal nach Brandenburg an einem Sonntag, wenn da Spaziergänger unterwegs sind, die Angst vor den Hunden haben."

Wolfsmanagement: Abschuss oder mögliche Symbiose?

Den Stempel "Problemwolf" bekommen solche Tiere, die Zäune überwinden oder immer wieder Weidetiere jagen – und dieses Verhalten an ihren Nachwuchs weitergeben. Der Umgang mit diesen Tieren wird von Experten kontrovers diskutiert. "Wir brauchen ein Wolfsmanagement, aber das ist nicht so einfach", betont Konstanze Krüger.

Zwar müsse verhindert werden, dass sich einzelne Rudel, wie das in Italien passiert sei, auf die Jagd auf Pferde spezialisieren. Wenn ganze Rudel herausgenommen werden, füllen andere Tiere das Territorium aber auf. Die VFD fordert, dass nur auffällig gewordene Einzeltiere getötet werden, die einwandfreie Herdenschutzeinrichtungen überwunden haben.

"Der Abschuss von über 100 Wölfen bei einer Treibjagd in Frankreich hat gezeigt, dass dies die Probleme der Weidetierhalter nicht löst", sagt Hanno Pilartz. Im selben Jahr seien sogar drei- bis viermal so viele Weidetiere gerissen worden.

FN fordert gezielte und artgerechte Dezimierung."Mich verwundert, dass wir immer nur über den Herdenschutz sprechen statt über Entnahmen und die Definition eines Akzeptanzbestandes", so Bernhard Feßler. Die FN fordert deshalb bundeseinheitliche Wolfsmanagementpläne.

"Das Bundesnaturschutzgesetz lässt über Paragraf 45/a die Entnahme einzelner Rudel zu, warum tun wir es nicht? Wir können nicht zuschauen, wie ein Raubtier sich vermehrt und immer mehr Tiere wegfrisst."

Weidesicherheit mit wolfssicheren Zäunen

Ein Wolfsschutzzaun muss Wölfe abhalten und darf für Pferde nicht gefährlich werden. Der Zaunpfosten wird deshalb beidseitig auf der "Pferde-Innenseite" und der "Wolfs-Außenseite" bespannt. Es sollten Zaundrähte mit sehr guter Leitfähigkeit verwendet werden, zum Beispiel kunststoffummantelter Stahldraht.

Die Reihen müssen mehrmals vertikal leitend verbunden sein. Damit ein Wolf den Zaun nicht untergraben kann, sind die unteren Drähte besonders wichtig (siehe Skizze). "Wir empfehlen Drahtreihen in den Höhen 20, 40, 60 und 90 Zentimetern auf der Wolfsseite. Besser wäre noch eine Reihe in 120 Zentimetern Höhe", erklärt Markus Öxle, Geschäftsführer Ako-Agrartechnik.

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Ako Agrartechnik
Ein Wolfsschutzzaun muss Wölfe abhalten und darf für Pferde nicht gefährlich werden.

Preislich werden pro laufendem Meter rund 14 bis 18 Euro fällig, günstiger wird es im Eigenbau mit fünf bis acht Euro pro Meter. Wichtig: Der Zaun muss für Pferde gut erkennbar sein.

Elektrozäune sind eine psychologische Barriere. Damit der Wolf nicht den Respekt verliert, muss der Zaun permanent unter Strom stehen, auch wenn keine Tiere auf der Weide sind, darauf weist Markus Öxle hin. "Der erste Stromschlag muss einem Wolf im Gedächtnis bleiben. Für die empfohlene Entladeenergie von mindestens zwei Joule ist statt der herkömmlichen 9-Volt ein 12-Volt-Batteriegerät nötig."

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privat
Markus Öxle

Die Zäune müssen zudem regelmäßig überprüft werden. Weitere Infos für den Bau wolfssicherer Weidezäune gibt es beim Verband der Elektrotechnik unter: www.vde.de

CAVALLO-Kommentar

Lassen sich Wölfe erziehen, damit sie im Wald bleiben? Bieten Zäune plus Herdenschutzhunde einen ausreichenden Schutz vor einem Wolfsrudel auf der Jagd? Es gibt noch viele offene Fragen rund um die Weidesicherheit unserer Pferde.

Auch die Wissenschaft sucht derzeit nach Antworten auf Probleme, die es seit langer Zeit nicht mehr gab. Mit jedem gerissenen Tier steigt allerdings der Druck auf Politik und Verbände, schnelle Lösungen zu finden, wie die unmissverständliche Forderung der FN nach einem erleichterten Abschuss von Wölfen zeigt.

Je klüger die Antworten und größer die Schritte, mit denen wir diesem intelligenten Tier voraus sind, umso besser. Auch wenn sich der Abschuss von Problemwölfen nicht vermeiden lässt, müssen wir Möglichkeiten für eine Koexistenz finden. Das Mittelalter ist schließlich vorbei.

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Lisa Rädlein
Ute Stabinigies

Ute Stabingies, CAVALLO-Redakteurin

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