Woher kommt das West-Nil-Fieber?
Lange galt das West-Nil-Virus als Problem südlicher Länder. Doch inzwischen hat sich die durch Stechmücken übertragene Infektion auch in Deutschland etabliert – und breitet sich weiter aus. Nachdem Ende August 2018 erstmals infizierte Vögel und wenig später die ersten beiden erkrankten Pferde in Deutschland nachgewiesen wurden, hat sich das Virus Schritt für Schritt über neue Regionen ausgedehnt. Zunächst waren vor allem Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen betroffen, inzwischen werden Nachweise jedoch auch aus weiteren Bundesländern gemeldet.
Besonders auffällig war das Infektionsgeschehen im Jahr 2024: Das Nationale Referenzlabor für West-Nil-Virus-Infektionen am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigte bundesweit 204 Fälle bei Pferden – so viele wie nie zuvor. Die meisten Nachweise entfielen auf Niedersachsen (68 Fälle), Brandenburg (57 Fälle), Sachsen (17 Fälle), Sachsen-Anhalt (12 Fälle) und Schleswig-Holstein (8 Fälle). Damit verlagerte sich das Geschehen erstmals deutlich über die bisherigen Kerngebiete im Osten Deutschlands hinaus.
Im Jahr 2025 fiel die Zahl der bestätigten Infektionen zwar wieder deutlich geringer aus. Nach Angaben des FLI wurden vier Fälle bei Pferden sowie 21 Fälle bei Wild- und Zoovögeln registriert. Experten führen dies unter anderem auf ein für Stechmücken ungünstiges Frühjahr sowie eine steigende Impfquote bei Pferden zurück. Unabhängig von den jährlichen Schwankungen zeigt die Entwicklung jedoch: Das West-Nil-Virus ist in Deutschland angekommen und bleibt für Pferdehalter ein wichtiges Gesundheitsthema.
Was verursacht das West-Nil-Fieber?
Das West-Nil-Fieber wird durch das West-Nil-Virus (WNV) ausgelöst. WNV gehört zur Familie der Flaviviren (Flaviviridae). »Es ist das am weitesten verbreitete Flavivirus«, sagt Professor Norbert Nowotny. Der Infektionszyklus: Das Virus überwintert in weiblichen Stechmücken an frostfreien Orten (Keller, Kanalisation). Im Frühjahr verlassen die Mücken ihr Winterquartier und infizieren beim Blutsaugen Vögel. Andere Stechmücken nehmen das Virus wiederum von infizierten Vögeln auf und übertragen es weiter. Es entstehen immer mehr Viren, die in unseren Breiten ab etwa Anfang Juli bis Ende Oktober zu Krankheitsausbrüchen führen können.

Das West-Nil-Virus wird durch den Stich infizierter Stechmücken auf Pferde übertragen.
Weitergegeben werden die in der Mücke vervielfältigten Viren bei der nächsten Blutmahlzeit. Säugetiere wie Menschen oder Pferde, die durch den Stich einer infizierten Mücke ihrerseits infiziert werden können, gelten nur als Zufallswirte. Die Viruskonzentration in ihrem Blut (Virämie) ist nämlich zu gering und dauert nicht lange genug an, um das Virus effektiv zu verbreiten. »Die infizierten Säugetiere können aber sehr wohl an der Infektion erkranken«, erklärt Professor Norbert Nowotny.
Welche Symptome verursacht das West-Nil-Virus?
Anzeichen sind Fieber über 39 Grad Celsius (normal bis 38,2 Grad) sowie unkontrollierte Bewegungen (Ataxien); vor allem die Hinterhand ist geschwächt oder gar gelähmt. Manchmal ist auch die Vorhand betroffen: Die Pferde fallen plötzlich auf die Vorderfußwurzelgelenke. Tierärzte beobachten zudem Muskelzittern, Krämpfe, Lähmungen von Gesichtsnerven, Schluck- und Sehstörungen. Kranke Pferde laufen ziellos umher, kreisen in der Box (Manegebewegungen) oder drücken den Kopf gegen die Boxenwand. Sie reagieren zudem oft überempfindlich auf Berührungen oder Geräusche; manche Tiere sind allerdings auch eher lethargisch. Detailliert sind die Symptome in der Arbeit De Heus et al., Transbound Emerg Dis. 2020; 67(3): 1189–1197 beschrieben. Unter »Supporting information« kann von dieser Publikation auch ein Video, das die Hauptsymptome des West-Nil-Fiebers zeigt, heruntergeladen werden.

Zur Prophylaxe gibt es inzwischen verschiedene Impfstoffe.
Weitere Informationen zu Ursachen, Symptomen, Behandlung und Prophylaxe bei West-Nil-Fieber findest du im vollständigen Artikel:












