Satteldecken-Test Lisa Rädlein

5 Satteldecken im Labor-Test

Wie atmungsaktiv sind Satteldecken?

Satteldecken sollen atmungsaktiv sein und so für ein gutes Klima unterm Sattel sorgen. Aber gelingt das? CAVALLO ließ fünf Modelle testen.

Beim Reiten kann es ganz schön heiß hergehen: Wenn Pferde schwitzen, werden sie in der Sattellage schon mal klatschnass. Früher saugten fast ausschließlich Decken aus Filz den Pferdeschweiß auf. Heute sollen atmungsaktive Hightech-Funktionsstoffe dafür sorgen, dass Schweiß vom Pferderücken weg transportiert wird und sich Satteldecken auch nass nicht schwer oder durchnässt anfühlen und obendrein schnell trocknen. Viele Hersteller werben mit ihren atmungsaktiven Sattelunterlagen. Aber leisten die Decken, was die Werbung verspricht?

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Praxistest 5 Satteldecken im Test
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Satteldecken-Test 2020 im Labor

Grund genug für CAVALLO, fünf aktuelle Modelle im Labor testen zu lassen. Neben vier Decken aus Funktionsstoffen wie Polyester oder Hohlfasern ist auch eine Wollfilz-Schabracke dabei, allerdings mit Polster aus High-Tech-Material im Bereich der Sattellage. Die Tests fanden im Labor des Prüf- und Forschungsinstituts Pirmasens e. V. (PFI) statt.

Testmodelle waren die "Satteldecke KavalFunction" von Kavalkade, die "Schabracke Barcelona" (Waldhausen), die "Mesh-Schabracke Timeless Elegance" (Felix Bühler), die "Satteldecke Dressur Korrektur" (Medi Cheval) sowie die "Wollfilz-Schabracke" der Firma Krakeltier. Im Labor zeigte sich, wie viel Luft und Wasserdampf die Decken durchließen – denn diese beiden Werte zeigen an, wie atmungsaktiv die jeweiligen Stoffe sind. Werden die Hightech-Stoffe dem Naturmaterial den Rang ablaufen?

Mit dem Wasserdampf weicht auch die Hitze

Aber was bedeutet eigentlich Atmungsaktivität? Ein atmungsaktiver Stoff transportiert Schweiß als Dampf nach außen und verhindert so, dass sich der Stoff nass anfühlt. Damit zwischen Pferderücken und Sattel kein Hitzestau entsteht, sollen Satteldecken atmungsaktiv sein. Je nach Stoff klappt das besser oder schlechter.

Baumwolle zum Beispiel ist nicht atmungsaktiv, denn sie saugt viel Wasser auf. Das weiß jeder, der schon einmal ein Baumwoll-T-Shirt durchgeschwitzt hat. Es klebt nass auf der Haut. Hitzestau entsteht zwar nicht, aber es ist feucht. Ebenfalls eine Naturfaser ist Filz, der aus Wolle hergestellt wird. Schafwolle gilt von Natur aus als atmungsaktiv und temperaturausgleichend.

Polyester-Stoffe saugen sich nicht mit Wasser voll

Künstliche Stoffe aus Polyester saugen sich kaum mit Wasser voll und fühlen sich auch nassgeschwitzt leicht und trocken an. Daher setzen viele Hersteller auf diese funktionellen Stoffe und Füllungen aus Polyester, die außerdem preiswert sind. Weil es darum geht, den Schweiß vom Pferdekörper weg zu transportieren, ist die Unterseite der Satteldecken entscheidend, die sich oft schon optisch von der Oberseite abhebt.

Wie bei der "Mesh-Schabracke" von Felix Bühler aus Polyester. Als Mesh werden Polyesterstoffe bezeichnet, die an ein netzartiges Material erinnern. Damit werden oft auch luftige Joggingschuhe überzogen, um eine gute Luftzirkulation zu ermöglichen. Die Satteldecke von Kavalkade hat eine integrierte Polsterung aus so genanntem Memoryschaum, der bei Druck nachgibt und Stöße absorbieren soll. Zudem hat diese Satteldecke einen Kammerkanal aus Meshgewebe, um die Luftzirkulation zu erhöhen.

Auch Krankenhäuser setzen auf Hohlfaserflor

Die Decke der Firma Medi Cheval besteht indes aus Hohlfaserflor, einer speziellen Polyesterart. Der Flor funktioniert ähnlich wie Lammfell, ist aber laut Hersteller dichter gewebt und pflegeleichter. Dieses Material verwenden auch Krankhäuser für Liegematten, denn es ist sehr robust.

Die Waldhausen-Schabracke besteht aus einem Mix aus Baumwolle und Polyester. Die Krakeltier-Schabracke ist aus natürlichem Wollfilz. Im Bereich der Sattellage hat das Test-Modell ein Polster, das Druck absorbieren soll.

Verhindert der Sattel Atmungsaktivität der Satteldecke?

Doch was hilft eigentlich gute Atmungsaktivität, sobald der Sattel draufliegt? Wenn die Satteldecke den Schweiß vom Pferdefell nach außen transportiert, müsste ja der Sattel dafür umso mehr nass werden. Und verhindert nicht gar der Sattel selbst die Atmungsaktivität? "Über den Kissenkanal kann die Luft genug zirkulieren, wenn die Satteldecke atmungsaktiv ist", sagt Eva Menke, 30, aus Aachen, die als Sattlerin für das Reitsportgeschäft Röttsches arbeitet. Sie persönlich bevorzugt bei Sattelunterlagen einen Wollfilz, der acht bis zwölf Millimeter dick ist. "Wollfilz ist sehr langlebig und pflegeleicht, weil man ihn nach dem Reiten einfach nur trocknet und später ausbürstet."

Der Sattlerin ist es wichtig, dass Satteldecken atmungsaktiv sind und das Pferd nicht klatschnass unterm Sattel wird. Nasses Leder müsse man in Kauf nehmen. "Das Leder stört es nicht, wenn es mal nass wird – man muss es dann einfach pflegen", sagt Eva Menke. Falls das Pferd mal so sehr geschwitzt hat, dass die Satteldecke komplett nass ist und sich Salzränder am Sattel bilden, sollte man diese einfach mit etwas Sattelseife entfernen.

Ihr Tipp: Egal ob Sattelunterlage aus Wollfilz oder Funktionsstoff – falls die Decke nach dem Reiten verschwitzt ist, sollte sie vom Sattel getrennt und bei Raumtemperatur getrocknet werden.

PFI-Tests zur Wasserdampf- und Luft-durchlässigkeit

Doch wie haben die fünf Test-Decken nun im Labor abgeschnitten? Um zu testen, wie atmungsaktiv sie tatsächlich sind und ob sie halten, was ihre Hersteller versprechen, wurden sie im Labor des PFI-Tests zur Wasserdampfdurchlässigkeit (nach DIN EN ISO 14268) und Luftdurchlässigkeit (nach DIN EN ISO 9237) unterzogen. "Die Wasserdampfdurchlässigkeit zeigt, wie viel Feuchtigkeit das Material als Wasserdampf nach außen transportiert und an die Umgebung abgibt", erklärt Diplom-Ingenieur Kai Tinschert, 35, der die Prüfungen im Labor leitete.

Um das zu testen, stanzen die PFI-Mitarbeiter aus jeder Satteldecke drei Stoffstücke aus. Die Proben werden über einem Behälter mit Trockenmaterial befestigt und starkem Luftstrom ausgesetzt. Das Trocknungsmittel nimmt den Wasserdampf auf, der durch den Stoff dringt. Es wird dann gewogen, um zu bestimmen, wie viel Wasserdampf über einen definierten Zeitraum durchgedrungen ist. Außerdem testete das Labor mit einem genormten Luftdruck von 100 und 200 Pascal, wie viel Luft die Sattelunterlagen in Millimeter pro Sekunde (mm/s) durchlassen.

Fazit: Alle Modelle bestehen die Schwitz-Probe

Das positive Ergebnis: Im Labor-Test erwiesen sich alle Satteldecken als atmungsaktiv, wie von den Herstellern versprochen. Deutlich am meisten Wasserdampf ließ die Schabracke von Felix Bühler durch. Mit jeweils ähnlichen Werten folgen die Wollfilz-Schabracke von Krakeltier sowie das Medi Cheval-Modell. Danach kommen die Testmodelle von Waldhausen und Kavalkade, beide ebenfalls mit ähnlichen Werten.

Auch bei der Luftdurchlässigkeit hatte die Felix-Bühler-Decke die Nase klar vorn; die Decken von Medi Cheval und Krakeltier ließen im Vergleich etwa ein Viertel der Luft durch, gefolgt vom Waldhausen-Modell und der Decke von Kavalkade.

Die Modelle im Test:

Mesh-Schabracke Timeless Elegance (Testsieger)

Satteldecke Mesh-Schabracke Timeles Elegance
Rädlein
Mesh-Schabracke Timeless Elegance.

Herstellerschreibung: Diese atmungsaktive Schabracke von Felix Bühler besteht aus schockabsorbierenden Meshgewebe (100 % Polyester), das eine permanente Luftzirkulation zulässt und Stöße absorbiert. Widerristpolster und die Sattel- und Gurtschlaufen sorgen für Tragekomfort, waschbar bei 30 Grad, Preis: rund 43 Euro. www.kraemer.de

Wasserdampf- und Luftdurchlässigkeit: Die Decke hatte die höchste Wasserdampf- und Luftdurchlässigkeit, war also am atmungsaktivsten. Beim Wasserdampfdurchlässigkeitstest ließ sie 22,5 Milligramm pro Quadratzentimeter in acht Stunden durch (mg/cm²xh); Luftdurchlässigkeit: 1092,5; 1057,5; 1644,0, 1579,0 mm/s.

Fazit: Testsieger – und obendrein ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Satteldecke Dressur Korrektur

Satteldecke Dressur Korrektur
Rädlein
Satteldecke Dressur Korrektur.

Herstellerschreibung: Die Satteldecke der Firma Medi Cheval besteht aus orthopädischem, atmungsaktiven Hohlfaserflor, der ähnlich weich wie Lammfell ist, bietet Einschübe zum Polstern und Ausgleichen. Sie passt sich dank anatomischer Rückenform gut an, ist weich, anschmiegsam, allergiearm, schnell trocknend und sehr pflegeleicht. Waschbar bei 30 Grad. Preis: rund 170 Euro. https://medi-cheval.de

Wasserdampf- und Luftdurchlässigkeit: Die Decke hat bei der Wasserdampfdurchlässigkeit den drittbesten Testwert (11,7 mg/cm²xh); Luftdruchlässigkeit: (205,0; 214,0; 413,0 und 383,0 mm/s). Das ist ca. ein Viertel der Luft im Vergleich zum Testsieger-Modell.

Fazit: Der Hohlfaserflor beim Testmodell erweist sich, wie vom Hersteller beschreiben, als atmungsaktiv und hält, was er verspricht.

Schabracke Barcelona

Satteldecke Barcelona
Rädlein
Schabracke Barcelona.

Herstellerschreibung: Die atmungsaktive Schabracke von Waldhausen besteht aus einem Mix von Baumwolle (Obermaterial) sowie Futter und Wattierung aus 100 % Polyester, die Wattierung und der Schaum aus Polyurethan wirken druckausgleichend und stoßabsorbierend; bei 30 Grad waschbar, rund 50 Euro, www.waldhausen.com

Wasserdampf- und Luftdurchlässigkeit: Bei der Wasserdampfdurchlässigkeit hat das Testmodell mit 7,1 mg/cm²xh den niedrigsten Wert im Test. Bei der Luftdurchlässigkeit liegt die Schabracke auf dem vierten Platz mit 95,5, 61,3, 178,0 und 114,0 Millimetern pro Sekunde. Der Atmungsaktivitätstest ist damit bestanden.

Fazit: Eine preiswerte und pflegeleichte Schabracke, die im Atmungsaktivitäts-Test hält, was sie verspricht.

Wollfilz-Schabracke

Satteldecke Wollfilz Schabracke
Rädlein
Schabracke Wollfilz.

Herstellerschreibung: Die Schabracke der Firma Krakeltier besteht aus reinem, drei Millimeter starkem Wollfilz. Zusätzlich sind in der Auflagefläche des Sattels zwei Zentimeter dicke Polster aus High-Tech-Materialien eingearbeitet, die atmungsaktiv und stoßabsorbierend wirken. Sie ist nicht waschbar, wird trocken ausgebürstet. Auf Maß und in Wunschfarbe gefertigt ab 390 Euro, www.krakeltier.de

Wasserdampf- und Luftdurchlässigkeit: Der Wollfilz hat bei der Wasserdampfdurchlässigkeit den zweitbesten Wert im Test (13,5 mg/cm²xh), die Luftdurchlässigkeit liegt bei 204,3, 196,8, 393,0 und 379,7 mm/s.

Fazit: Eine atmungsaktive Sattelunterlage für Liebhaber von Naturmaterialien.

Satteldecke KavalFunction

Satteldecke Kavalfunktion
Rädlein
Satteldecke Kavalfunkion.

Herstellerschreibung: Die Satteldecke von Kavalkade aus atmungsaktiven Funktionsstoffen und einem Obermaterial aus Baumwolle bietet eine integrierte Polsterung aus Memoryschaum und einen atmungsaktiven Kammerkanal aus Meshgewebe. Das Innenmaterial besteht aus schnell trocknendem Material; ein Silikonstopper verhindert, dass der Sattel rutscht, waschbar bei 30 Grad: Preis: 73 Euro. www.kavalkade.de

Wasserdampf- und Luftdurchlässigkeit: Die Decke liegt bei der Wasserdampfdurchlässigkeit mit 7,9 mg/cm²xh auf Platz vier. Das Modell ließ im Test die geringste Luft durch (42,0, 20,9, 71,2, 34,6 mm/s), aber genügend, um atmungsaktiv zu sein.

Fazit: Decke im mittleren Preissegment, die in Sachen Atmungsaktivität hält, was sie verspricht.

So testet CAVALLO im Labor

Das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e. V. (PFI) testete die Sattelunterlagen. Dort mussten sich die Decken zwei Labortests unterziehen: einem zur Wasserdampfdurchlässigkeit (WDD) und einem zur Luftdurchlässigkeit.

Die Wasserdampfdurchlässigkeit nach DIN EN ISO 14268 (WDD) zeigt an, wie gut eine Satteldecke den Schweiß an die Umgebung abgibt. Das Verfahren: Aus der Decke werden drei Stücke Stoff gestanzt und auf dem Deckel einer mit Trockenmittel gefüllten Plastikdose befestigt. Die wird zuvor gewogen. Ein Ventilator bläst Luft auf den Dosendeckel. Die enthaltene Luftfeuchtigkeit wird innen vom Trockenmittel gebunden. Dann wird der Stoff samt Behälter und Trockenmittel gewogen, um zu bestimmen, wie viel Wasserdampf über einen definierten Zeitraum (8 Stunden) durchgedrungen ist.

Im zweiten Test prüfte das PFI die Luftdurchlässigkeit nach DIN EN ISO 9237: Mit einem genormten Luftdruck von 100 und 200 Pascal wird getestet, wie viel Luft der Stoff in Millimeter pro Sekunde (mm/s) durchlässt – und zwar einmal von außen nach innen und einmal von innen nach außen.

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