Reitschultest CAVALLO
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CAVALLO-Reitschultest

Drei Reitschulen in Mainz im Test

Ein echter Gentleman unterm Sattel, ein altersloser Wallach, der es eher gemächlich angehen lässt und fliegen auf einer Connemara-Stute – Miriam Kreutzer war im Raum Mainz unterwegs.

1. Reitschule im Test: Reitanlage Stall Sieben

Auf dem Reiterhof Sieben wird Wert auf Einzelstunden gelegt. Jeder Schüler soll die Möglichkeit zur individuellen Förderung bekommen, heißt es. Ich habe mich im Vorfeld bei Lisa Sieben angemeldet. Die bis zur Klasse S erfolgreiche Springreiterin gibt Unterricht auf dem Familienbetrieb. Als ich am Testtag auf den Hof komme, ist einiges los – aber keiner kann mir sagen, wo ich die Reitlehrerin finde.

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Reitschultest CAVALLO testet drei Reitschulen in Mainz
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Schließlich schaut eine Frau mit mir auf den Reitstundenplan in der Stallgasse. Dort steht, dass ich nicht bei der Chefin persönlich, sondern bei einer Lynn Unterricht habe. Das Schulpferd heißt Revelation. Revelation bedeutet aus dem Englischen übersetzt "Offenbarung". Ob der Name in der Reitstunde Programm ist? "Revelation ist ein Hengst. Aber keine Angst, dass weiß er gar nicht", meint meine Helferin, die beim Fertigmachen der Pferde unterstützt. Sie zeigt mir, wo sich Sattelkammer und Anbindeplätze befinden.

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Schuplpferd Revelation ist ein Oldenburger Hengst.

Das Schulpferd ist ein brauner Oldenburger

Der Hengst knabbert gerade Stroh in seiner frisch eingestreuten Innenbox. Ich spreche ihn an. Der Braune spitzt die Ohren und schnuppert zur Begrüßung an meiner Hand. Ein sympathischer Kerl! Willig folgt er zum Anbindeplatz in der Stallgasse. Ich nehme ihm die Winterdecke ab. Dabei schnappt er nach meiner Jacke. Beim Putzen ist er jedoch brav.

Dann geht’s ab in die Halle. Dort ist noch eine Reiterin mit ihrer Stute. Wie das Schulpferd mit Spitznamen "Hengsti" sich wohl verhalten wird? "Hengsti" beachtet die Stute gar nicht. Er steht ruhig an der Aufsteighilfe. Reitlehrerin Lynn kommt und schnallt Dreieckszügel ein. Sie hat einen freundlichen Umgangston und fragt nach meinen Reiterfahrungen. Revelation sei etwa 15 oder 16 Jahre alt und "das beste Schulpferd."

Im Schritt soll ich den Oldenburger wechselseitig vorwärts treiben. Der Hengst könnte fleißiger sein. Ich bekomme eine Gerte. "Setz sie nur an der Schulter ein. Meist reicht es auch schon, sie nur in der Hand zu halten", meint Lynn. Das stimmt. Revelation wird direkt flotter. Ich muss ihn aber immer wieder mit dem Schenkel aufmuntern, damit er das Tempo hält. Lynn erkennt rasch meinen Leistungsstand und unterrichtet entsprechend. Sie achtet auf korrekte Stellung und Biegung, gibt im richtigen Moment Tipps wie "Jetzt mit dem äußeren Zügel begrenzen" und lobt, wenn etwas gut klappt.

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Wirkt etwas chaotisch: Die Trensen in der Sattelkammer.

Der schwungvolle Trab des Hengstes ist schwer zu sitzen

Wir üben Übergänge. "Siehst du, dass die Mähne hin und her kippt? Jetzt lockert er sich immer mehr", erklärt die Trainerin. Dann steht Galopp auf dem Programm. Der Dreitakt ist deutlich bequemer. Am Ende soll ich die Zügel aus der Hand kauen lassen. Revelation sucht den Weg in die Tiefe. Das gut ausgebildete Schulpferd be­kommt drei Hufeisen. Abzug gibt es für das Schnappen beim Abdecken.

Die Reitlehrerin erhält zweieinhalb Hufeisen für ihren engagierten Unter­richt. Sie ist Trainerassistentin und ab­solviert gerade ihre Trainerausbildung, erzählt sie auf Nachfrage. Gerne hätte ich ihr ein "gut" gegeben. Allerdings lässt sie mich von Anfang bis Ende der Stunde mit Hilfszügeln reiten. Das Schulpferd kann den Hals in der Entspannungs­phase nicht vollständig strecken, was seinen Bewegungsfluss einschränkt.

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In der Stallgasse liegt die Abendration Raufutter bereit.

Der Betrieb bekommt drei Hufeisen

Schüler haben jederzeit einen Ansprechpartner. Die 20 x 40 Meter große Halle und ein Außenplatz bie­ten gute Trainingsmöglichkeiten. Es stehen viele Geräte herum, was den Hof etwas unaufgeräumt erscheinen lässt. Für Pflege und Haltung gibt es zwei Huf­eisen. Revelation hat im Winter Einzel­auslauf auf Paddocks. Auch die anderen Pferde kommen laut Reitlehrerin meist einzeln raus, "damit sie sich nicht ver­letzen". Ein gestreckter Galopp ist auf den Paddocks, die ich am Testtag sehe, kaum möglich. Auch der Stall von mehreren Jungpferden könnte mehr Platz bieten. Mehr Sozialkontakt wäre wünschenswert. Das Sattelzeug passt. Ich streichele Revelation zum Ab­schied den muskulösen Hals. Er ist ein Mann mit guten Manieren, ein Gentle­man unterm Sattel.

CAVALLO-Empfehlung:

Schulpferd: 3/4 Hufeisen

Reitlehrer: 2,5/4 Hufeisen

Reitbetrieb: 3/4 Hufeisen

Pflege & Haltung: 2/4 Hufeisen

Kontakt

Reitanlage Stall Sieben, Außerhalb 10, 55268 Nieder-Olm, Telefon: 0151 /40 75 99 03, www.stall-sieben.de

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Schulpferd Nils knabbert in seinem Offenstall Raufutter.

2. Reitschule im Test: Reitbetrieb Göthling

Ob das geklappt hat mit der Ter­minvereinbarung? Es gab kein persönliches Gespräch. Beim Reitbetrieb Göthling ist eine Schnupperstunde in der Gruppe gebucht. Auf der Homepage ist die Nummer des Stallhandys angegeben. Interessenten sollen an diese Nummer schreiben. Die Absprache per Textnachricht lief reibungs­los. Ich soll mich am Reitstundentag bei Mareike melden, die in der großen Halle sei und eine halbe Stunde vor Unterrichts­beginn da sein.

Den Nachnamen der Reit­lehrerin erfahre ich nicht.
 Tatsächlich läuft alles wie am Schnür­chen. In einer der beiden Reithallen auf dem Betrieb findet gerade Unterricht statt, als ich ankomme. Ich schaue über die Bande und die Trainerin sieht mich so­fort. Sie begrüßt mich und teilt mir Nils als Schulpferd zu. Eine Reitschülerin, die schon länger auf dem Hof reitet, soll mir alles zeigen und Nils mit mir zusammen aus dem Offenstall holen. Keine Frage: Ich fühle mich als neuer Schüler willkommen.

Das Schulpferd lässt sich brav das Halfter anlegen

Alter und Rasse des Wallachs kann mir keiner nennen. Der Schimmel hat ein Stockmaß von etwa 1,65 Meter. Der Betrieb punktet mit guten Möglichkeiten zum Putzen: Es gibt Anbindeplätze draußen und im Stall. Ich binde Nils drinnen an. Er hat eine eigene, gut ausgestattete Putzkiste auf der sein Name steht. Die Mitreiterin zeigt mir die Sattel­kammer, in der das Sattelzeug ordentlich aufbewahrt und beschriftet ist. Ich nehme den Sattel direkt mit zum Putzplatz. Dort kann ich ihn auf einem Sattelhalter ordentlich ablegen.

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Die Reithalle ist hell, der Boden ist gut geebnet.

Der Schimmel trägt zwei Decken

Als ich diese vorne öffne, dreht er sein Maul zu mir. Ich passe auf, dass er nicht meinen Jackenärmel schnappt. "Er mag auch Sat­teln nicht so gerne. Sonst ist er ganz lieb", sagt die Mitreiterin. Ich lege den Sattel also vorsichtig auf – und Nils bleibt artig. Der Unterricht findet in der 20 x 60 Me­ter großen Reithalle statt. Wir reiten zu viert in der Gruppe. Ausbilderin Mareike hilft jedem mit einer Aufsteighilfe aufs Pferd. Für das Pferd ist diese Art des Aufsteigens rückenschonend. Der Reiter zieht sich mit seinem Gewicht nicht auf einer Seite hoch, was den Pferderücken einseitig belasten würde. Die Reitlehrerin lässt uns zunächst im Schritt durcheinander reiten. "Kennen alle die Bahnfiguren?", fragt sie. Mareike erkundigt sich zudem nach meiner Reiterfahrung und gibt ein paar Infos zu Nils weiter. "Mach ihn gleich im Schritt wach, dann hast du es später im Galopp leichter."

Die Trainerin meint, dass der Schimmel neue Reiter durchaus auch testet und im Galopp auch mal einen Bocksprung macht. Der Unterricht ist klassisch aufgebaut mit Lösungs-, Arbeits- und Entspannungsphase. Korrekturen wie "Schultern zurück" sind selten. Zudem schnallt die Trainerin die Dreieckszügel direkt ein, Nils kann seinen Hals nicht vollständig strecken. Der Umgangston ist freundlich. Die Reitlehrerin bekommt zwei Hufeisen. Eine Trainerausbildung oder ähnliches habe sie nicht, erzählt sie auf Nachfrage. Positiv ist, dass sie nach der Stunde über weitere Reitmöglichkeiten informiert und darauf achtet, dass ich als neuer Reitschüler stets einen Ansprechpartner habe.

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Es gibt eine eingestreute Liegefläche im Unterstand.

Schulpferd Nils hat ein eher langsames Grundtempo

Er habe einen schwierigen Rücken, meint die Reitlehrerin. Als ich nachhake, was sie damit meint, erklärt sie: "Ihm fehlen Muskeln." Der Wallach bekommt zweieinhalb Hufeisen. Anfangs ist er ziemlich steif. Die Übergänge gelingen im Laufe der Stunde fließender, er galoppiert willig an und dehnt sich am Ende der Stunde. Nach dem Reiten kommt er zurück in den Offenstall, den er mit einem Pony teilt.

Dort gibt es einen Unterstand als Witterungsschutz, der eingestreut ist. Die Raufe hat keinen Regenschutz. Die Pferde bekommen viel Auslauf, Licht und Sozialkontakt. Andere Pferde auf dem Hof leben auch in Paddock- oder Innenboxen. Weiden und Paddocks bieten zusätzlich Auslauf: drei Hufeisen für Pflege und Haltung. Der Betrieb beherbergt rund neun Schulpferde. Es gibt zwei Reithallen (20 x40 Meter und 20 x 60 Meter) und einen Außenreitplatz, der aber laut einer Reitschülerin nicht für den Schulbetrieb genutzt wird.

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Die Weiden grenzen an den Betrieb und sind fest umzäunt.

Der gepflegte Betrieb erhält drei Hufeisen. Ich stecke Nils ein Leckerli zu, das mir eine Reitschülerin gegeben hatte. Dann trottet der Schimmel zu seinem Raufutter.

CAVALLO-Empfehlung:

Schulpferd: 2,5/4 Hufeisen

Reitlehrer: 2/4 Hufeisen

Reitbetrieb: 3/4 Hufeisen

Pflege & Haltung: 3/4 Hufeisen

Kontakt

Reitbetrieb Göthling, Neuweg 101, 55130 Mainz-Laubenheim, Telefon: 0160 /5 54 52 36, www.reitbetrieb-goethling.com

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Auf dem Betrieb gibt es Paddockboxen, die den Pferden viel Luft und Licht bieten.

3. Reitschule im Test: Reitzentrum Stephanshof

Polly wartet bereits gesattelt in der Box. Die graue Connemara-Stute ist sieben Jahre alt und stammt direkt aus Irland. "Wir haben mehrere Connemaras. Das Stockmaß zwischen 1,50 und 1,55 Meter ist perfekt für den Unterricht", erzählt Julian Meckel. Bei dem Pferdwirt und Trainer A habe ich heute eine Einzelstunde, die 30 Euro kostet. Der Reitlehrer hatte sich im Vorfeld bei der Telefonanmeldung über Reitkenntnisse, Größe und Gewicht erkundigt, um ein passendes Schulpferd auszuwählen.

Da Polly schon fertig ist, starten wir direkt mit dem Unterricht. Die Stute hat die Ohren gespitzt und sieht aufgeweckt aus. Ob sich der Eindruck beim Reiten bestätigt? 
Von einer Aufsteighilfe aus kann ich rückenschonend fürs Schulpferd aufsitzen. Der Reitlehrer checkt das Bügelmaß, gurtet nach und schnallt Dreickszügel ein. Ich soll Polly Ganze Bahn im Schritt lösen. Sonst reitet hier gerade keiner. Es gibt noch eine weitere Halle, in der Reiter trainieren können.

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Schulpferd Polly ist eine Connemara-Stute. Sie wohnt in einer Innenbox.

Auf Gertenseinsatz muss Reaktion folgen

Der Reitlehrer reicht mir eine Gerte. Polly marschiert zwar fleißig im Schritt los. Ab und zu muss ich sie aber antreiben, damit sie das Tempo hält. Julian Meckel fordert mich auf, die Gerte einzusetzen. "Und zwar so, dass auch eine Reaktion kommt. Das Pferd soll nicht abstumpfen", sagt er. Im Trab dreht das Schulpferd wie ein Uhrwerk seine Runden auf dem Zirkel.

Ich brauche wenig Kraft, um sie vorwärts zu reiten. Julian Meckel fordert bald Aussitzen und dabei mehr Versammlung. Dann soll ich wieder Leichttraben und Zulegen. Eine gute Übung, die Polly noch aufmerksamer macht und locker im Rücken. Sie lässt sich leicht aussitzen. Auf der linken Hand schaut das Pferd nach außen. Stellung und Biegung fallen Polly auf dieser Hand schwer. "Immer wieder innen wie an einem Gummiband nach innen stellen", korrigiert mein Trainer. Gibt Polly nach, lobt er im richtigen Moment. Das hilft mir als Schüler, ein Feeling für das Timing und die gewünschte Reaktion des Pferds zu bekommen.

Galopp ist auf Polly wie fliegen. Die Stute reagiert willig auf die Galopphilfe und galoppiert fleißig. Auf der linken Hand galoppiert sie mehrfach im Außengalopp an – bei der Geraderichtung ist bei diesem Schulpferd noch Luft nach oben. Die Stute bekommt drei Hufeisen. Im Umgang beim Absatteln und Putzen ist sie ein Goldstück! Der Reitlehrer erhält zweieinhalb Hufeisen. Abzug gibt es für die Dreieckszügel, die über die gesamte Zeit eingeschnallt sind. Polly hat nicht die Möglichkeit, sich beim Warmreiten und Entspannen richtig zu strecken. Die Korrekturen des Trainers sind insgesamt hilfreich und Julian Meckel ist die gesamte Stunde präsent und engagiert. Am Ende reiten wir drei Runden Schritt – Polly schnauft noch, als wir aufmarschieren sollen.

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In der 20 x 60 Meter großen Reithalle findet regelmäßig Unterricht statt. Der Boden ist gut gepflegt.

Der grosse Betrieb liegt idyllisch zwischen Wiesen

Es gibt mehrere Stalltrakte. Polly und einige ihrer rund zehn Schulpferde-Kollegen wohnen in Innenboxen. Es gibt auch Außen- und Paddockboxen sowie einen Offenstall. Im Sommer sind die Pferde laut Reitlehrer auf der Weide. Im Winter bekommen sie Auslauf auf Paddocks. Polly hat passendes Sattelzeug, das ordentlich in der Sattekammer verstaut ist. Beim Putzzeug bediene ich mich aus einer Gemeinschaftsputzkiste. Für die Hygiene wäre es besser, wenn jedes Pferd eigenes Putzzeug hätte. Der Schulpferdetrakt ist der dunkelste Stall. Zweieinhalb Hufeisen für Pflege und Haltung. Der Betrieb punktet mit guten Trainingsmöglichkeiten: Es gibt zwei Reithallen (20 x 40 und 20 x 60 Meter) und einen Außenplatz (20 x 60) Meter.

Die Anlage ist sauber und gepflegt. Viele Gebäude wirken neu. Ich sattele Polly in der Box ab und kratze ihr die Hufe aus. Dort könnte die Stute mich leicht an die Wand quetschen. Sicherer wäre es, an einem Putzplatz die Pferde fertig zu machen. Dafür ziehe ich einen halben Punkt ab. Für den Betrieb gibt es dreieinhalb Hufeisen. Julian Meckel informiert mich zum Abschluss über weitere Trainingsmöglichkeiten. Es wäre auch eine Art Reitbeteiligung möglich mit Unterricht und selbstständigem Reiten. Am Wochenende ist der Reitschulleiter oft auf Turnieren, sagt er.

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Direkt an der Anlage gibt es große Weideflächen.

CAVALLO-Empfehlung:

Schulpferd: 3/4 Hufeisen

Reitlehrer: 2,5/4 Hufeisen

Reitbetrieb: 3,5/4 Hufeisen

Pflege & Haltung: 2,5/4 Hufeisen

Kontakt

Reitzentrum Stephanshof, 65366 Geisenheim, Stephanshausen, Telefon: 06722 /7 53 17, www.reitzentrum-stephanshof.de

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