Pferd mit aufgemalten Muskeln Lisa Rädlein
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Muskelspannung bei Pferden

Typen-Test und Tipps fürs richtige Training

Spannig, schluffig oder irgendwo dazwischen? Fühlen Sie im Check nach und finden heraus, ob Ihr Pferd eine hohe oder niedrige Muskelspannung hat oder ein Mischtyp ist. Denn: Die Muskelspannung beeinflusst das individuelle Training.

Ob Ihr Pferd einen hohen oder niedrigen Muskeltonus hat oder ein Mischtyp ist, können Sie selbst mit ein paar Handgriffen herausfinden. Wir haben zusammen mit Pferdephysiotherapeutin Michaela Wieland sieben Punkte für den Check aufgelistet. Kreuzen Sie an, was zutrifft.e nach Tonus sollten Sie eher an der Losgelassenheit oder an mehr Pep arbeiten. Wir haben Tipps und Übungen für jeden Typ. MACHEN SIE DEN CHECK: Welcher Muskeltyp ist mein Pferd? Ob Ihr Pferd einen hohen
oder niedrigen Muskeltonus
hat oder ein Mischtyp ist, können Sie selbst mit ein paar Handgriffen herausfinden.
Wir haben zusammen mit Pferdephysiotherapeutin Michaela Wieland sieben
Punkte für den Check aufgelistet.

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Übrigens: Muskeltonus und das Wesen des Pferds bedingen sich wechselseitig: Nervöse Typen haben meist einen höheren Muskeltonus als entspannte Kandidaten, und Pferde mit von Natur aus hohem Muskeltonus sind oft auch im Wesen elektrischer. Innerhalb einer Rasse können alle Typen vorhanden sein. Unter Arabern sind Pferde mit hohem Muskeltonus aufgrund der Zuchtziele aber zum Beispiel häufiger vertreten als niedrigtonige Kandidaten.

Hochtoniger Typ – Araberstute Hamees el Naarah (9)

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Araberstute Hamees el Naarah (9) ist ein typischer Hochtoner.

Betrachtung im Freilauf: Araberstute Hamees el Naarah gibt im Freilauf wie auf Knopfdruck richtig Gas. Der erhobene Kopf ist nicht nur rassetypisch: "Hochtonige Typen zeigen oft viel Fluchtinstinkt und spannen den Unterhals an, der Rückenmuskel wird fest", so Michaela Wieland. Auf Außenreize reagieren diese Typen sensibel, sie lassen sich schnell ablenken.

Mischtyp – Württemberger Stute Dorle (6)

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Württemberger-Stute Dorle (6)veranschaulicht den Mischtyp.

Betrachtung im Freilauf: Dorle ist zunächst aufgeregt und galoppiert los, ihre Beine macht sie steif, der Galopp ist holprig. "Sie spannt ihre Muskeln an", erklärt Wieland. Dorle zeigt schnelle Reaktionen und reagiert sensibel auf Signale. Zwischendurch dehnt sie sich aber auch immer wieder nach unten und schnaubt. "Sie ist ein Mischtyp, aber mit Tendenz zum Hochtoner", schätzt Wieland sie ein.

Niedrigtoniger Typ – Norwegerwallach Miko (9)

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Unser Beispielpferd ist der neunjährige Norweger-Wallach Miko.

Betrachtung im Freilauf: Miko braucht deutlich mehr
Reize als Hamees, damit er in Bewegung kommt. Dann zeigt er für einen Niedrigtoner recht viel Bewegungsfreude, ist aber etwas dickfellig und muss aufgefordert werden, Abstand zum Menschen zu halten. Er schnaubt nach dem Galopp schnell ab und senkt den Kopf.

Machen Sie den Check: Welcher Muskeltyp ist mein Pferd?

1. Halsmuskulatur Greifen

Greifen Sie kurz vor der Schulter den Muskelstrang unterhalb der Drosselrinne am Hals des Pferds, der sich durch eine leichte Wölbung absetzt (Kopf-Arm-Muskel). Entscheidend ist, wie sich der Strang in der Hand anfühlt.

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Sie können den Muskelstrang mit Ihrer Hand gut greifen, er fühlt sich weich an.
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Auch beim Mischtyp können Sie einen „Wulst“ fassen, der sich etwas fester anfühlt.

A. Sie können den Muskelstrang mit Ihrer Hand gut greifen, er fühlt sich weich an.

B. Auch beim Mischtyp können Sie einen "Wulst" fassen, der sich etwas fester anfühlt.


C. Der Muskelstrang gibt unter der Hand nicht nach, evtl. zeigt das Pferd eine Abwehrreaktion.

2. Hals senken lassen

Stellen Sie sich seitlich zum
 Pferd auf Schulterhöhe, sodass
Sie es anschauen. Eine Hand legen Sie vorne ans Halfter, die Finger der anderen schieben Sie langsam unter die Kante des Schulterblatts.

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Bei einem NIEDRIGTONIGEN Pferd verschwindet Ihre Hand durch das weiche Muskelgewebe fast unter dem Schulterblatt.
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Beim MISCHTYP gelangen Sie etwas weniger weit unter die Kante, die meisten Pferde senken ihren Kopf.

A. Bei einem Niedrigtonigen Pferd verschwindet Ihre Hand durch das weiche Muskelgewebe fast unter dem Schulterblatt. Das Pferd wird den Kopf meist prompt und entspannt senken.


B. Beim Mischtyp gelangen Sie etwas weniger weit unter
die Kante, die meisten Pferde senken ihren Kopf. 


C. Bei Hochtonigen Typen kommen Sie kaum unter das Schulterblatt, da das Muskelgewebe zu fest ist. Viele dieser Pferde lassen den Hals kaum fallen oder zeigen Abwehr.

3. Nacken-Muskulatur fühlen

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Greifen Sie mit den Fingern einer Hand direkt hinter beiden Ohren, wo sonst das Halfter liegt, an die kurzen Nackenmuskeln.

Greifen Sie mit den Fingern einer Hand
direkt hinter beiden Ohren, wo sonst das Halfter liegt, an die kurzen Nackenmuskeln (A). Machen Sie leicht kreisende Bewegungen.

A. Die Muskulatur fühlt sich weich an und
 gibt auf Fingerdruck leicht nach. Das Pferd zeigt evtl. Entspannungszeichen wie Kauen.


B. Die Muskulatur ist etwas fester, das Pferd zeigt aber keine Abwehr bei der Berührung.


C. Die Muskulatur fühlt sich angespannt an, Pferde dieses Typs reagieren oft unwillig und eher angespannt auf Berührungen, gerade auch im Nacken. "Spannung im Genick ist oft auch Ausdruck für innere Anspannung", so Wieland.

4. Fasziengewebe zusammenschieben

Legen Sie Ihre flachen Hände mit etwas Abstand nebeneinander am Hals, der Schulter oder in der Sattellage auf. Versuchen Sie nun mit leichtem Druck, die oberste Hautschicht zu bewegen und zusammenzuschieben.

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Auch beim Mischtyp lassen sich am Hals Fältchen und am Rücken Pölsterchen zusammenschieben, es gibt oft weniger Unterfett.

A. An Hals und Schulter bilden sich mühelos viele weiche Falten, in der Sattellage lassen sich "Pölsterchen" zusammenschieben.


B. Auch beim Mischtyp lassen sich am Hals Fältchen und am Rücken Pölsterchen zusammenschieben,
es gibt oft weniger
Unterfett.

C. Am Hals fühlt sich das Gewebe fest an und wirft kaum Falten, am Rücken bewegt sich fast nichts.

5. Vorderbein-Beweglichkeit testen

Stellen Sie sich auf Höhe des Vorderbeins mit Blickrichtung
 zum Pferdekopf. Stehen Sie links, heben Sie den Huf mit der rechten Hand an. Sie greift die Fessel und bleibt fix unter dem Ellenbogen des Pferds. Dann drücken Sie mit der linken Hand am Karpalgelenk langsam und vorsichtig das Bein nach außen, bis Sie einen Widerstand spüren oder das Pferd dagegen zieht.

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Bei Pferden mit niedrigem Muskeltonus lässt sich das Bein fast im 90-Grad-Winkel nach außen drehen.
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Bei Mischtypen erreichen Sie einen Winkel von etwa 60 bis 70 Grad.
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Das Bein lässt sich bei hochtonigen Typen nur etwa bis zu einem 45-Grad-Winkel nach außen bewegen.

A. Bei Pferden mit niedrigem Muskeltonus lässt sich das Bein fast im 90-Grad-Winkel nach außen drehen.

B. Bei Mischtypen erreichen Sie einen Winkel von etwa 60 bis 70 Grad.

C. Das Bein lässt sich bei hochtonigen Typen nur etwa bis zu einem 45-Grad-Winkel nach außen bewegen.

6. Hinterbein nach vorne dehnen

Nehmen Sie den Hinterhuf auf. Greifen Sie die Fessel mit beiden Händen und ziehen das Bein dann vorsichtig und langsam nach vorne. Achtung: Nur testen, wenn das Pferd nicht tritt!

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Der niedrigtonige Typ ist sehr beweglich, der Hinterhuf kommt deutlich in Richtung der Vorderbeine, das Bein kommt in leichte Streckung und wird gerader.
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Beim hochtonigen Typ spüren Sie bald einen Widerstand, der Huf kommt nur bis etwa unter die Bauchmitte, das Bein bleibt relativ stark angewinkelt.

A. Der niedrigtonige Typ ist sehr beweglich, der Hinterhuf kommt deutlich in Richtung der Vorderbeine, das Bein kommt in leichte Streckung und wird gerader.

B. Der Mischtyp liegt in der Mitte zwischen den beiden anderen Typen, das Bein bleibt leicht angewinkelt.


C. Beim hochtonigen Typ spüren Sie bald einen Widerstand, der Huf kommt nur bis etwa unter die Bauchmitte, das Bein bleibt relativ stark angewinkelt. Schweif bewegen Stellen Sie sich seitlich neben die Hinterhand, fassen mit einer Hand unter den Schweif
und versuchen, ihn langsam anzuheben.


7. Schweif bewegen

Stellen Sie sich seitlich neben die Hinterhand, fassen mit einer Hand unter den Schweif und versuchen, ihn langsam anzuheben.

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Beim niedrigtonigen Typ können Sie den Schweif fast senkrecht nach oben anheben, ohne einen Widerstand zu spüren.
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Hochtonige Typen drücken oft gegen Ihre Hand und der Schweif lässt sich kaum oder maximal waagrecht anheben.

A. Beim niedrigtonigen Typ können Sie den Schweif fast senkrecht nach oben anheben, ohne einen Widerstand zu spüren.

B. Beim Mischtyp können Sie den Schweif etwa waagrecht zum Boden halten, bevor Sie einen Widerstand spüren.

C. Hochtonige Typen drücken oft gegen Ihre Hand und der Schweif lässt sich kaum oder maximal waagrecht anheben.

Die Auflösung

Bei welchem Typ haben Sie am häufigsten Ihr Kreuzchen gemacht? Überwiegt A haben Sie einen niedrigtonigen Typen, ist C am häufigsten, ist Ihr Pferd ein hochtoniger Typ. Je klarer das Ergebnis, desto extremer ist der Typ ausgeprägt. Haben Sie meist B. gewählt, ist Ihr Pferd ein Mischtyp; Ihre übrigen Antworten zeigen, ob mit mehr Tendenz zum Hoch- oder Niedriegtoner. Der Muskeltyp ist angeboren und ändert sich im Laufe
 des Pferdelebens nicht grundsätzlich, aber durch gezieltes Training kann sich Ihr Pferd vom Extrem mehr in Richtung harmonische Mitte bewegen.

Beim hochtonigen Typ müssen Sie dazu vor allem an der Losgelassenheit arbeiten, beim niedrigtonigen Typ an mehr Pep.
 Sie haben einen Mischtyp? Glückwunsch, diese Pferde sind am leichtesten zu trainieren.

Hat das Pferd einen angespannten Tag, trainieren Sie eher wie beim Hochtoner, ist es eher energielos, helfen die Übungen für Niedrigtoner.

Trainingstipps für jeden Muskelspannungs-Typ

1. Mehr Pep für Niedrigtoner

Diesem Typ fehlt oft Energie, er fällt auf die Vorhand und auseinander. Das ist auf Dauer verschleißend. Das richtige Training bringt Grundspannung und Vorwärtsdrang.

Das sagt die Reiterin: 
Ulrike Störzbach (51) mit Norweger Miko, sie leitet
 das Barockreitzentrum in Heimsheim (www.barockreit zentrum.de), wo unsere Fotos entstanden sind: "Miko ist zwar Niedrigtoner, aber zeigt sich gehfreudig. Er lernt sehr schnell, eindeutige Erklärungen sind jedoch wichtig für ihn und müssen manchmal mit Nachdruck umgesetzt werden. Da Miko durchaus aufdrehen kann, muss man die Tempiwechsel mit Bedacht reiten. Kurze und prägnante Einheiten kommen ihm sehr entgegen." ...

Das sagt die Expertin, Sabine Ellinger:

Körperspannung

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Ein aufrechter Sitz hilft, lassen Sie sich also nicht hängen.

Wer ein Pferd mit niedrigem Muskeltonus reitet, muss selbst genügend Körperspannung aufbauen können. Nur so findet auch das Pferd einen etwas höheren Tonus. Ein aufrechter Sitz hilft, lassen Sie sich also nicht hängen. "Richten Sie dazu den Kopf auf, schauen nach vorne und heben das Brustbein an", rät Sabine Ellinger. Ein gutes inneres Bild dazu: "Stellen Sie sich vor, Sie ziehen den Reißverschluss Ihrer Jacke mit einer Hand zu."

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Niedrigtonige Pferde reagieren oft langsam auf die Hilfen.

Niedrigtonige Pferde reagieren oft langsam auf die Hilfen. "Hier müssen Sie mehr sensibilisieren", so Ellinger. Kommt auf den Schenkel keine Reaktion, tippt die Gerte an. "Reagieren Sie zackiger, fordern mal eine Überreaktion heraus und lassen das Pferd dann in Ruhe. Sonst erzieht
es Sie zum Dauertreiben."

Aufnehmen und Dehnen

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Beim Training mit Norweger Miko lässt Ellinger seine Reiterin Ulrike Störzbach vor den Ecken die Zügel aufnehmen und vorwärtstreiben .
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Ist eine gewisse Grundspannung erzeugt, soll die Reiterin diese wieder herauslassen, in dem sie Miko die Zügel aus der Hand kauen lässt.

"Für Niedrigtoner sind lange, gleichförmige Phasen Gift",
weiß Sabine Ellinger. "Kontraste sind gefragt: Wechseln Sie
oft zwischen flottem und langsamerem Tempo, zwischen Aufnehmen und Entspannung." Beim Training mit Norweger Miko lässt Ellinger seine Reiterin Ulrike Störzbach vor den Ecken die Zügel aufnehmen und vorwärtstreiben (A). Ist eine gewisse Grundspannung erzeugt, soll die Reiterin diese wieder herauslassen, in dem sie Miko die Zügel aus der Hand kauen lässt (B).

Einfach frisch vorwärts

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Pferde mit niedrigem Muskeltonus sollten die Freude am Vorwärts entdecken.

Pferde mit niedrigem Muskeltonus sollten die Freude am Vorwärts entdecken. Dabei hilft zum Beispiel ein flotter
 Galopp entlang der langen Seite oder auf der ganzen Bahn. "Der leichte Sitz oder Entlastungssitz unterstützt die Gehfreude", erklärt Sabine Ellinger. Gerade Linien und große gebogene Figuren sind generell eine gute Idee: "So kommen diese Pferde mehr in Schwung. Auf engen Wendungen werden sie dagegen oft langsam und kommen kaum mehr um die Kurve – das ist dann keine Versammlung, sondern kontraproduktiv."

Und Go!

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Übungen wie Antraben oder Angaloppieren aus dem Halt oder bei fortgeschrittenen Pferden aus dem Rückwärts tun niedrigtonigen Muskeltypen gut.

Übungen wie Antraben oder Angaloppieren aus dem Halt oder bei fortgeschrittenen Pferden aus dem Rückwärts tun niedrigtonigen Muskeltypen gut. "Dadurch schließt sich das Pferd zunächst und setzt sich mehr aufs Hinterbein. So bekommt es für die Bewegung mehr Schwung nach oben und vorne", erklärt Ellinger. Bei Miko hilft es, ihn für eine prompte Reaktion mit der Gerte anzutippen.

Leichttraben

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„Sitzen Sie den Trab nicht aus bei Pferden, die noch nicht richtig vorwärts gehen.“

Dieser Tipp liegt Ellinger besonders am Herzen: "Sitzen Sie den Trab nicht aus bei Pferden, die noch nicht richtig vorwärts gehen." Das würde das Pferd zusätzlich bremsen. "Außerdem beobachte ich, dass Reiter ihre Pferde unbewusst untertourig halten, weil sie dann besser sitzen können." Aussitzen sollten Sie erst, wenn das Pferd gut auf die treibenden Hilfen reagiert und konstant fleißig bleibt.

Auch unter Reitern gibt es verschiedene Typen!

Wie bei Pferden gibt es auch unter Menschen solche mit hoher und solche mit niedriger Muskelspannung. Hochtonigen Reitern fällt es schwerer loszulassen, sie sind oft steif und können nicht gut sitzen. Niedrigtonigen Typen fällt es dagegen schwer, Körperspannung aufzubauen. Gehören Reiter und Pferd zum selben Muskeltyp, ist das besonders herausfordernd. Sabine Ellinger rät: "Spannen Sie am Boden immer wieder mal Ihre Muskeln bewusst an und ab. Das hilft beiden Typen, ihren Muskeltonus bewusst wahrzunehmen."

2. Hochtoner ganz relaxt

Bei Pferden mit hohem Muskeltonus fehlt es oft an Losgelassenheit, sie neigen zum Rennen und Taktverlusten. Um Verspannungen entgegenzuwirken und für mehr Konzentration hilft das richtige Training.

Das sagt die Reiterin:
 Mona Schnaufer (33) mit Araberstute Hamees el Naarah (9): "Für einen hochtonigen Typ ist meine Hamees ziemlich entspannt. Ich habe mit ihr allerdings auch schon viel an der Losgelassenheit gearbeitet. Wenn sie sich präsentieren will, etwa im Freilauf, kann sie aber auch blitzschnell den Schalter umlegen und richtig elektrisch werden. Die Tipps helfen dann, sie zu entspannen."

Vorabübung

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Vielen Hochtonern tut es gut, wenn sie vor dem Reiten bereits Spannungen lösen können.

Vielen Hochtonern tut es gut, wenn sie vor dem Reiten bereits Spannungen lösen können. "Man­che machen sonst unterm Sattel richtig dicht", berichtet Sabine Ellinger. Gut geeignet ist eine kurze Longeneinheit, bei der das Pferd nach einer Schrittphase locker traben darf. Araberstute Hamees entspannt dabei schnell.

Gebogene Linien

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Mona Schnaufer soll versuchen, ihre Stute Hamees in Wendungen an den äußeren Zügel heran­ treten zu lassen.

"Hochtonige Pferde sind oft eilig und haben über­ mäßigen Vorwärtsdrang", schildert Sabine Ellinger. Dagegen helfen viele gebogene Linien wie Zirkel, Volten und Zirkel verkleinern. Aus gebogenen Linien heraus fällt es diesen Pferden oft leichter, den Hals fallen zu lassen. Mona Schnaufer soll versuchen, ihre Stute Hamees in Wendungen an den äußeren Zügel heran­ treten zu lassen. "Geh dazu mit der Hand etwas tiefer", rät Sabine Ellinger.

Seitwärts

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Seitengänge oder Schenkelweichen fokussieren hochtonige Typen, die oft schnell abgelenkt und im Fluchtmodus sind, besser auf die Hilfen.

Seitengänge oder Schenkelweichen fokussieren hochtonige Typen, die oft schnell abgelenkt und im Fluchtmodus sind, besser auf die Hilfen. Daraus lässt sich oft auch einfacher in die Dehnung reiten. Auch beim Anhalten und Rückwärtsrichten ist gute Konzentration auf den Reiter nötig. Diese Übungen fallen Hochtonern jedoch oft schwer. Sabine Ellinger rät, damit langsam zu beginnen. Verlangen Sie erst mal nur kurze Halte-Phasen oder wenige Tritte.

Sanfte Hand

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Da sie wie viele hochtonige Typen sehr sensibel auf alle Einwirkungen des Reiters reagiert, soll ihre Besitzerin besonders darauf achten, der Nickbewegung im Schritt mit der Hand gut zu folgen.

Araberstute Hamees könnte noch besser an die Reiterhand herantreten. Da sie wie viele hochtonige Typen sehr sensibel auf alle Einwirkungen des Reiters reagiert, soll ihre Besitzerin besonders darauf achten, der Nickbewegung im Schritt mit der Hand gut zu folgen. So beginnt Hamees, mehr Kontakt zu suchen. Eine gut bewegliche Hand kann übrigens auch bei Niedrigtonern helfen und mehr Vorwärtstendenz bringen.

Sanft sitzen

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Der Reiter sollte bei hochtonigen Typen das entspannte Gegenstück sein und seinen eigenen Muskeltonus herunterfahren.

Der Reiter sollte bei hochtonigen Typen das entspannte Gegenstück sein und seinen eigenen Muskeltonus herunterfahren. "Reite nicht zu viel mit Kreuz, sitze eher mal leicht auf dem Oberschenkel", rät Ellinger Mona Schnaufer. In Übergängen lässt die Hüfte die Bewegung locker durch. "Denke an Trab anfangen, nicht an Galopp abbrechen!" Sanfte Trab-Galopp-Übergänge fördern die Losgelassenheit.

Leichttraben im Takt

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Araberstute Hamees hat es im Trab anfangs eilig und steppt wie eine Nähmaschine in kurzen, schnellen Tritten vorwärts.

Araberstute Hamees hat es im Trab anfangs eilig und steppt wie eine Nähmaschine in kurzen, schnellen Tritten vorwärts. Sabine Ellingers Tipp für Besitzerin Mona: "Verlangsame beim Leichttraben ganz leicht deinen Takt, so dass sie sich deinem Rhythmus anpasst". Mit dem Bein soll Mona trotzdem dranbleiben. "Hochtoner erziehen ihre Reiter sonst gerne dazu, mit dem Schenkel nichts mehr zu machen.

Ruhiger Galopp

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Galopp-Reprisen sind gut für die Losgelassenheit.

Galopp-Reprisen sind gut für die Losgelassenheit. Achten Sie darauf, sich für die Übergänge lange genug Zeit zu lassen und die Hilfen fein zu dosieren, damit das Pferd in Ruhe anspringt und durchpariert. Wenn das Pferd noch relativ viel Spannung im Körper hat und dadurch schwer zu sitzen ist, gehen Sie lieber in den leichten Sitz oder entlasten, so stören Sie nicht und es kann leichter im Rücken loslassen.

3. Mischtypen trainieren

Das sind Alleskönner, ihr Training hängt von der Tagesform ab. Übungen für Hoch- und Niedrigtoner sind hier angesagt.

Das sagt die Reiterin: Katharina Kolbe (30) mit Württemberger-Stute Dorle (6): "Dorle war beim Fototermin sehr aufgeregt – wie oft, wenn etwas neu ist. In ihrer gewohnten Umgebung oder im Gelände ist sie viel relaxter. Sabine Ellinger hat mich immer wieder in die Dehnung reiten lassen, das tat Dorle an diesem Tag sehr gut. In solchen Situationen versuche ich außerdem, mich selbst bewusst zu entspannen."

Varianz und Lob

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Mischtypen sind oft cool im Kopf und lassen sich sowohl gut vorwärts schicken als auch leicht in die Tiefe reiten.

Mischtypen sind oft cool im Kopf
und lassen sich sowohl gut vorwärts schicken als auch leicht in die Tiefe
reiten. Nutzen Sie diesen Vorteil und variieren viel zwischen peppigen Reprisen und ruhigen Phasen. Während Niedrigtoner sich sehr anstrengen müssen und Hochtoner sich mit ihrem Temperament teils selbst im Weg stehen, sind Mischtypen sehr leistungsstark. Nehmen Sie das nicht selbstverständlich, Lob motiviert!

Richtig wählen

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Bei Mischtypen entscheidet auch die Tagesform: Hat das Pferd einen gemütlichen Tag, können Übungen aus dem Repertoire für Niedrigtoner helfen; ist es aufgeregt, schauen Sie sich etwas beim Hochtoner-Training ab.

Bei Mischtypen entscheidet auch die Tagesform: Hat das Pferd einen gemütlichen Tag, können Übungen aus dem Repertoire für Niedrigtoner helfen; ist es aufgeregt, schauen Sie sich etwas beim Hochtoner-Training ab. Achten Sie auch auf kleine Anzeichen. Können Sie heute schlechter sitzen als sonst? Arbeiten Sie an der Losgelassenheit. Fällt Ihr Pferd in letzter Zeit eher auseinander? Tempiwechsel und flotte Übergänge helfen.

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