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Die Geräuschkarte im Pferdekopf

Warum Pferde auf Geräusche hochempfindlich reagieren

Sobald es weht und pfeift, flattern selbst Gemütstieren die Nerven. Hinter dem windigen Verhalten steckt ein Geheimnis: die Geräuschkarte im Pferdekopf.

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Sie scheuen bei Ausritten, trauen sich kaum mehr um Hofecken oder verkriechen sich am liebsten gleich in der Box. Wind macht Pferde wuschig. Und ihre Reiter nervös. Um so erstaunlicher, dass bis heute kaum erforscht ist, was im Pferdehirn vorgeht, wenn zu viel Luft die Vierbeiner aus der Bahn weht.

„Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten über dieses Phänomen gibt es meines Wissens jedenfalls nicht“, sagt Dr. Margit Zeitler-Feicht freimütig.
Die Verhaltensforscherin arbeitet im Departement für Tierwissenschaften des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der Technischen Universität München.

Ganz im Dunkeln tappen Dr. Zeitler-Feicht und ihre Kollegen dennoch nicht: Die meisten Reaktionen von Pferden auf Wind lassen sich aus dessen Verhalten als Fluchttier ableiten.

„In der freien Wildbahn beobachten Pferde ständig ihre Umgebung, um mög-
liche Gefahren rechtzeitig zu erkennen“, sagt Dr. Dirk Lebelt, Fachtierarzt für Pferde und Verhaltenskunde an der Pferdeklinik Havelland in Brielow/Brandburg.

Dafür sind die ehemaligen Steppenbewohner perfekt ausgestattet. Sie hören fast doppelt so gut wie ihre Reiter. Deren Hörvermögen erfasst Frequenzen zwischen 20 und 20 000 Herz. Der Hörbereich von Pferden liegt zwischen 60 und 38 000 Herz. „Sie hören gewissermaßen die Mäuse husten“, sagt Dr. Lebelt.

Bei Wind gelingt ihnen das jedoch nur teilweise. „Einerseits gibt es eine Reihe neuer Geräusche. Irgendwo klappert etwas, Laub raschelt, Bäume rauschen“, sagt Dr. Lebelt. Hinzu kommt, dass der Luftzug neue, unbekannte Töne heranträgt oder verstärkt, die Fahrgeräusche einer Autobahn etwa, oder das Signal eines vorbeifahrenden Zuges.

Die neue Geräuschkulisse kommt allerdings nur auf einem Ohr richtig an. „Das windzugewandte Ohr wird mit Tönen bombardiert. Beim windabgewandten Ohr bleibt der Ton hingegen weg“, so Dr. Lebelt.

Bei hohen Windgeschwindigkeiten überlagern die dabei entstehenden Töne sogar alle anderen Laute. Je stärker es also weht, um so schwieriger wird es für Pferde, aus diesem Tonsalat die für sie wichtigen Geräusche zu filtern.

„Das verunsichert Pferde natürlich. Sie werden wachsamer, um sich zu schützen, und damit steigt automatisch der Erregungslevel. Kurz: Die Pferde werden nervös“, sagt Dr. Cathleen Wenz.

Die 45jährige Agrarwissenschaftlerin hat sich auf Ethologie, Verhaltensforschung, spezialisiert und bietet an der Tierklinik Gescher-Hochmoor in Nordrhein-Westfalen eine ethologische Sprechstunde an.

Neue Töne machen scheu

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GHP-Übungen machen das Pferd windfest.

„Purer Stress, denn Pferde erkennen ihre Fressfeinde auch anhand von Bewegungen“, erläutert Dr. Cathleen Wenz. Plötzlich ist ihre Umwelt voll davon; doch was bedeutet Gefahr, was nicht?

„Da ist es doch kein Wunder, wenn manche Pferde guckig werden oder scheuen“, sagt Dr. Cathleen Wenz. Andere reagieren freilich so langmütig wie ein norddeutscher Fischer bei Windstärke 9. Der allerdings ist ebenso ein Klischee wie der dröselige Kaltblüter.

„Ob ein Pferd gut mit Wind umgehen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Mit Rasse hat das wenig zu tun“, sagt Dr. Dirk Lebelt. „Es gibt ebenso nervöse Schleswiger wie Araber. Das ist eher eine individuelle Sache.“

Die hängt seiner Meinung nach allerdings oft mit der Art der Haltungsbedingungen zusammen. „Wenn man ein Pferd 23 Stunden am Tag in der Box einsperrt und es dann eine Stunde in der angrenzenden Reithalle bewegt, muss man sich nicht wundern, wenn es beim leisesten Zug in die Luft geht“, sagt Dr. Lebelt.

Der Wind stellt Pferde auf die Probe

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Bei Wind ab durch die Mitte.

„Je vielfältiger die Eindrücke, desto besser lernen Pferde diese einzuschätzen“, pflichtet ihm die Hamburger Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz, Dr. Barbara Schöning, bei. Und fügt hinzu: „Das gilt auch für junge Pferde. Je später man damit anfängt, desto schwieriger wird es, aus einem schreckhaften Angsthasen ein gelassenes Pferd zu machen.“

Eine Gewähr für Coolness ist die winderprobte Haltung jedoch nicht. Selbst erfahrene Pferde können unter bestimmten Umständen völlig panisch reagieren. „Das liegt daran, dass Pferde letztlich auch nur Gewohnheitstiere sind“, sagt die Verhaltensexpertin Dr. Cathleen Wenz.

„Selbst Wildpferde leben auf einem klar umrissenen Gebiet, auf dem sie sich bestens auskennen. Sie haben eine Art innere Karte im Kopf, auf der jeder Baum und jede Hecke verzeichnet ist.“

Dieses innere Kartenwerk besitzt sogar noch eine Zusatzfunktion, die alle modernen Navigationssysteme in den Schatten stellt: „Pferde haben auch ein Bild davon, wie ihre Umgebung sich anhört, eine akustische Karte“, sagt die Wissenschaftlerin.

„Bei Wind wechselt dieses Geräuschmuster schlagartig. Damit fällt ein gewohnter Teil ihrer Umgebung weg.“ Aus diesem Grund kann beispielsweise ein sturmerprobter Isländer in einem neuen Umfeld zum Angsthasen mutieren, weil im eine leichte Brise durchs Fell streicht. „Der muss die neuen Geräuschmuster erst lernen“, so Dr. Cathleen Wenz. Das funktioniert am besten an der frischen Luft.

Vertrauen zum Reiter sorgt für innere Ruhe

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Ein Luftzug trägt neue Reize ans Pferd.

„Das Pferd muss mir vertrauen“, so die Western-Trainerin Claudia Meindl aus Westerheim/Baden-Württemberg. Für sie liegt der Schlüssel einer guten Mensch-Pferd-Beziehung in der Bodenarbeit. „Das Pferd muss dabei lernen, dass ich als Reiter wichtiger bin als die Außenreize.“

Dass aber selbst gelassene und vertrauensvolle Pferde bei windigen Ausritten scheuen, hält die 43Jährige für völlig normal. „Da muss man als Reiter einfach durch. Wichtig ist nur, dass man das Pferd nicht durch so eine Situation hindurchprügelt. Damit bringt man dem Pferd erst bei, sich bei Wind zu ängstigen.“

Im schlimmsten Fall entwickelt es durch ein derartiges Erlebnis eine Phobie. „In solchen Fällen kann man mit einem Konditionierungsprogramm – wie etwa der Gelassenheitsprüfung (GHP) – ganz gute Ergebnisse erzielen. Dabei lernt es, nicht mehr vor herumfliegenden Blättern zu scheuen“, so Dr. Lebelt.

„Wenn sich das Pferd vor dem Windgeräusch fürchtet, können Sie es ihm in verschiedenen Situationen vorspielen“, sagt Dr. Barbara Schöning. „Fangen Sie damit im sicheren Bereich der Box oder der Stallgasse an und machen Sie dann draußen beim Führen weiter. Steigern Sie dabei schrittweise die Lautstärke.“

Ganz wichtig dabei: „Belohnen Sie das Pferd für entspanntes Verhalten ‘wenn der Wind weht’. Es muss etwas Positives mit der Erfahrung verbinden“, beschreibt die Verhaltensexpertin.

„Sie können an windigen Tagen auch ein wenig mit Ihrem Pferd spazieren gehen“, ergänzt Dr. Cathleen Wenz. „Drehen Sie eine Runde um den Stall, damit sich das Pferd mit Windgeräuschen vertraut machen kann. Fangen Sie nicht gleich mit Ausritten beim Sturm an.“

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Angst auslösenden Reiz abzuschalten. „Manche Pferde empfinden den Winddruck in den Ohren als extrem unangenehm. Wenn das Pferd schon Ohrenschützer kennt, können Sie diesen Reiz dadurch ausschalten“, sagt Dr. Cathleen Wenz.

Die Methode klappt jedoch nicht immer: „Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Pferde auf solche eine Reizabschaltung reagieren. Die einen entspannen sich total“, so Dr. Wenz. Andere Pferde werden noch ängstlicher. „Sie empfinden die Unterdrückung des unangenehmen Reizes als Kontrollverlust.“

Leider kennt auch Dr. Wenz nur eine Methode, um herauszufinden, zu welcher Gruppe ein Pferd gehört: „Man muss es ausprobieren.“ In ganz extremen Fällen rät die Verhaltensexpertin jedoch zur Vermeidungsstrategie. „Wenn überhaupt nichts klappt, tun sie ihrem Pferd doch einfach den Gefallen und lassen es bei Wind in Ruhe.“

GHP-Übungen: Windspiele fördern die Gelassenheit

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Statt Laub weht Flatterband.

Herumwirbelnde Blätter, knarrende Äste und raschelnde Büsche zählen für nervenschwache Pferde zu den großen Herausforderungen bei Sturm und Wind. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, gibt es die GHP. Mit ihr lässt sich das Nervenkostüm der Vierbeiner stärken und ihr Vertrauen in den Reiter schulen.

Das funktioniert beispielsweise mit dem Flatterbandvorhang. Er besteht aus einem Tor, das mindestens zwei Meter breit und 2,30 Meter hoch sein sollte. Rot-weißes Flatterband bildet einen fürs Pferd undurchsichtigen, raschelnden Vorhang, durch den es hindurch muss. Und zwar vor dem Menschen mit dem Führseil.

Wichtig ist, das Pferd langsam ans Flattertor heranzuführen. Beginnen Sie zunächst mit dem Tor ohne Vorhang. Führen Sie das Pferd hindurch und beginnen Sie anschließend, es seitlich vorauszuschicken. Haben Sie dies gemeistert, kommt der Flattervorhang hinzu.

Beginnen Sie an einem windstillen Tag zunächst mit nur einem Flatterband, das abwechselnd links und rechts am Pferd vorbeistreicht, wenn es durchs
Tor geht. Steigern Sie dann langsam die Zahl der Flatterbänder, bis der Vorhang dicht ist.

Anfangs können Sie dem Pferd das Durchschreiten erleichtern, indem Sie den Vorhang aufziehen. So sieht es, dass der Vorhang durchlässig ist und dass auf der anderen Seite keine Löwen lauern. Will Ihr Pferd partout nicht durch die Flatterwand, gehen Sie wieder einen Schritt zurück. Üben Sie niemals Zwang aus, da Sie so lediglich den gegenteiligen Effekt erzeugen und das Pferd verängstigen. Trainieren Sie am Tag nicht länger als 20 Minuten und belohnen Sie das Pferd, indem Sie es entspannen lassen.

Weitere Übungen finden Sie in der GHP-Broschüre, die CAVALLO gemeinsam mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) erarbeitet hat. Bei der FN erhalten Sie auch die offiziellen GHP- Ausschreibungsunterlagen sowie weitere Infos zu GHP-Veranstaltungen:

Deutsche Reiterliche
Vereinigung,
48299 Warendorf,
Abteilung Breitensport,
Vereine und Betriebe,
Birgit Lietmann,
Tel.: 02581 / 63 62 537,
E-Mail: blietmann@fn.dokr.de.

Die Landespferdesportverbände informieren Sie außerdem
über GHP-Termine in Ihrer Nähe. Oder Sie schauen auf www.cavallo.de nach. Hier gibt es die aktuelle GHP-Broschüre als Download.

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