Wie nutzt man den Spiegel beim Reiten sinnvoll?

Eine Frage - drei Experten
Wie nutzen wir den Spiegel beim Reiten sinnvoll?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.06.2026
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Charlotte Dujardin mit ihrem Pferd Valegro vor dem Spiegel
Foto: Michael Steele/ gettyimages

Das sagt die Sitz-Expertin zum Reiten mit Spiegel

Das hängt auch davon ab, wie groß der Spiegel ist. Ist die ganze kurze Seite verspiegelt, kann ich mich als Reiter gut beobachten: Sitze ich im Lot, falle ich mit dem Oberkörper nach vorne oder nach hinten? Sitze ich im Schwerpunkt auf dem Pferd? Ein einzelner, kleiner Spiegel hingegen führt den Reiter eher in Versuchung, den Kopf zu verdrehen, um sich zu sehen. Dadurch verdreht sich der Reiter automatisch auch im Becken und in der Wirbelsäule. Der anatomische Hintergrund: Die Auflagefläche des Schädels auf dem ersten Halswirbel steht mit den Sitzbeinhöckern in engstem Kontakt. Wenn der Reiter den Kopf verdrehen muss, um sich im Spiegel zu sehen, verlagert er automatisch sein Gewicht im Sattel. Auf der ganzen Bahn, am Ende der langen Seite, in der Mitte der langen Seite oder auf dem Zirkel reitend, ist es sinnvoll, einen kurzen Blick in den Spiegel zu werfen. Auf keinen Fall sollte der Reiter über drei oder mehr Pferdelängen in den Spiegel starren und dabei den Kopf verdrehen. Dabei verliert er nicht nur den Fokus auf das eigene Körpergefühl und die Verbindung zum Pferd, sondern der Sitz wird automatisch asymmetrisch. Dann lieber für zehn bis 15 Sekunden filmen lassen und anschließend die Videosequenz ansehen und analysieren.

Sybille Wiemer im Porträt
Sybille Wiemer
Die Expertin

Den Spiegel sinnvoll nutzen: Das sagt die Sport-Wissenschaftlerin

Das Lernen durch Beobachtung ist ein effektives Lernsystem und kommt in vielen Sportarten zum Einsatz. Durch einen kurzen Blick in den Spiegel kann ich mir auch als Reiter eine unmittelbare Rückmeldung zu meiner Position im Sattel holen. Dabei sollte ich mich entweder auf das Gesamtbild konzentrieren oder auf einzelne Aspekte meines Sitzes, zum Beispiel Hände, Oberkörper oder die Lage der Schenkel. Es gibt auch Einschränkungen, was unser Gehirn durch einen kurzen Blick in den Spiegel erkennen und verarbeiten kann: Das Timing der Hilfen sowie Rhythmus oder die Intensität der Bewegung können wir nicht gleichzeitig beobachten und direkt korrigieren. Heißt: Während wir reiten, können wir durch einen Blick in den Hallenspiegel keine Fehleranalyse komplexer oder technischer Bewegungsabläufe umsetzen. Dafür ist eine Video-Analyse besser geeignet, wenn ich sie mir unmittelbar nach der Lektion ansehe. Ein weiterer Fehler wäre es, sich zu viel über den Spiegel zu orientieren. Das führt vom eigenen Bewegungsgefühl weg. Bin ich auf Rückmeldung über mein Spiegelbild angewiesen, schweife ich von der Verbindung mit dem Pferd immer wieder ab und das wirkt sich eher lernhinderlich aus.

Johanna Pauls im Porträt
Johanna Pauls
Die Expertin

Das sagt die Reitkunst-Expertin über den Nutzen von Spiegel in der Reithalle

Wir haben viele Spiegel, aber ich schaue eigentlich nie rein. Sobald ich meinen Kopf in eine Richtung drehe, um zu gucken, verändere ich ungewollt meine Position auf dem Pferd. Dennoch finde ich es wertvoll und wichtig, die Möglichkeit zu haben. Reite ich gerade auf den Spiegel zu, kann ich beurteilen, welche Auswirkungen es auf mein Pferd hat, wenn ich mich mehr nach außen oder innen setze oder meinen Kopf anders halte. Das setzt aber voraus, dass ich schon eine genaue Idee habe, was ich denn im Spiegel sehen möchte. Dem erfahrenen Reiter kann auf der Suche nach kleinen Korrekturen ein Blick in den Spiegel hilfreich sein. Beim Anfänger sehe ich den Sinn nicht – er sollte sich erstmal auf das eigene Körpergefühl konzentrieren und sich nicht an Optik orientieren. Um an seinem Sitz zu arbeiten und sich im Laufe der Zeit vom Reitunterricht zu emanzipieren, sind statt des Blicks in den Spiegel Videoaufnahmen viel besser geeignet.

Christin Krischke im Porträt
Christin Krischke
Die Expertin