CAVALLO-Test: Reitschulen rund um Celle

Farm Wiese

Auf der Farm Wiese sind Isländer zu Hause. Einer der wuscheligen Zeitgenossen erobert Reitschul-Testerin Miriam Kreutzers Herz im Sturm.

Kerstin Garber ist Islandpferdefan seit der ersten Reitstunde, die sie mit neun Jahren genoss. Bei ihr findet der Reitunterricht nur in kleinen Gruppen statt, lieber aber einzeln. Die Reitlehrerin hat keinen Trainerschein, besucht aber regelmäßig seit 20 Jahren Lehrgänge von bekannten Islandpferdetrainern, um sich fortzubilden. Sie züchtet, trainiert Berittpferde und unterrichtet. Großpferde reitet sie seit einem Reitunfall nicht gerne, obwohl sie auch Warmblüter in Pension nimmt.

Info: So testet CAVALLO Reitschulen

Am Testtag fahre ich erst einmal an der Farm Wiese in einem Vorort von Celle vorbei. Nicht viel deutet von der Straße aus auf Pferdehaltung, der Stall ist eher unscheinbar hinter einem blumenumwachsenen Wohnhaus verborgen. Heute ist der Tierarzt da. Er hat gerade das drei Tage alte Fohlen Gillingur von Hamingja wegen Durchfalls behandelt. Kerstin Garber biegt kurze Zeit später um die Ecke.

Wir holen Schul- und Verkaufspferd Mjölnir von Goðsaga vom Paddock. Zum Putzen geht‘s mit dem siebenjährigen Wallach in einen Kuhstall. Hier schließen auch die Außenboxen der Isländer an. Die sind tagsüber leer, da die Pferde draußen stehen.



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Mjölnir ist ein bildhübscher Kerl: Schwarzbraun mit einer wippenden Wuschelmähne – wie es sich für einen Isländer gehört. Mit 1,43 Metern ist er ein recht großer Vertreter seiner Rasse. Mjölnir ist laut Garber Fünfgänger mit gut getrennten Gängen und viel natürlichem Tölt. Da ich angekündigt hatte, gerne wieder einmal zu tölten und meine Kenntnisse im Gangpferdereiten zu vertiefen, sind das beste Voraussetzungen. Kerstin Garber setzt Mjölnir gelegentlich für fortgeschrittene Reitschüler im Unterricht ein, obwohl er erst seit einem Dreivierteljahr unterm Sattel ist. Der Wallach sei sehr gelehrig und reagiere sehr fein, sagt Garber. Zum Reiten gehen wir auf die Ovalbahn des Reitstalls, die eigentlich eine grüne Wiese direkt neben dem 20 x 40 Meter großen Sandreitplatz ist. Hier beginnen wir im Schritt. Kerstin Garber lässt zum Lösen dem Schenkel weichen. Das könne Mjölnir noch nicht ganz so gut, ich solle es einfach versuchen.

Die Reitlehrerin ruftŸ dann zur Auffrrischung in Erinnerung, wie meine Körperspannung beim Reiten sein muss – nämlich locker und entspannt. Wir üben ganze Paraden, und ich lasse Mjölnir mehrfach über meinen Sitz anhalten. Dafür soll ich mich etwas aufrichten und „Halt“ denken. Das funktioniert. Mjölnir reagiert fein und geht angenehm durchs Genick.

Für den Tölt nehme ich die Zügel etwas auf, damit sich Mjölnir aufrichtet. Mit wenig Schenkeldruck und Kreuz fliegt der Isländer geradezu über die Wiese. „Und was möchten Sie jetzt noch lernen?“ , fragt Kerstin Garber. „Dann können wir ja eigentlich mit Tempounterschieden weitermachen.“ Sie schickt mich im Tölt schneller vorwärts und lässt mich Mjölnir an den kurzen Seiten über den Sitz versammeln. Am Schluss soll ich versuchen, den Wallach zu galoppieren. „Das ist noch etwas schwierig, da Mjölnir Fünfgänger ist und zur Zeit den Rennpass lernt“, erklärt die Reitlehrerin. Deswegen sollte der Reiter die Zügel am besten gar nicht annehmen und in den leichten Sitz gehen. „Wenn die innere Hand ein wenig den Zügel annimmt, ist das die Hilfe zum Rennpass“, sagt Garber. Nach einem Fehlversuch schaffen Mjölnir und ich locker einen Galopp auf jeder Hand.

Für die sehr gute Reitstunde von 45 Minuten auf dem tollen Schulpferd zahle ich 20 Euro. Drei Hufeisen fürs Preis-Leistungs-Verhältnis. Die volle Punktzahl für seine Leistung bekommt auch Mjölnir, der wuschelige Gangpferde-Traum.

Der landwirtschaftliche Betrieb mit Pferdehaltung ist gut geführt. Er bietet Islandpferden und ihren Fans fast alles, was das Herz begehrt: einen Sandplatz, eine Wiese als Ovalbahn, gepflegte Paddocks sowie luftige Boxen für die Nacht. Tagsüber stehen die Pferde auf der Weide oder den Paddocks. Mjölnirs Sattelzeug passt und ist gepflegt. Eineinhalb Eisen Abzug gibt‘s, weil die Reithalle fehlt und das Putzzeug nur aus einer Gemeinschafts-Wurzelbürste besteht.

Reitlehrerin Kerstin Garber ist auf mein reiterliches Können hervorragend eingegangen, hat das richtige Pferd gewählt und alle Lektionen genau erklärt. Die Wertung: drei Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: drei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Farm Wiese
29352 Adelheidsdorf
Tel. 05085-971484
www.hamingja.de

09.08.2011
Autor: Mirim Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 07/2011