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Magnetfelddecken: Medizinischer Nutzen und Wirkung

Was bewirkt die Magnetfeld-Therapie?

Magnetfelder sollen auf natürliche Weise Heilungsprozesse im Pferdekörper anschieben und Muskeln entspannen. Bewiesen ist das allerdings nicht. Tierärzte klären über Nutzen und Wirkung der Therapie auf.

Aaufmerksam beobachtet der braune Wallach, wie Tierarzthelferin Katrin Maier ihm die schwere blaue Decke anlegt. Ein paar Knöpfe werden gedrückt. Bald beginnt das Pferd zu kauen, senkt den Kopf und döst. Als Reha-Patient der Tierklinik Schabelhof genießt der Braune regelmäßig eine Behandlung unter der Magnetfelddecke. Doch was passiert im Körper, wenn das Pferd ins Magnetfeld gehüllt wird?

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Natürliche Impulse

Die meisten Magnetfelddecken oder -gamaschen arbeiten mit pulsierenden Magnetfeldern. Anders als bei statischen Dauermagneten, erzeugen hier metallene Spulen ein Magnetfeld mithilfe elektrischer Spannung. Die Magnetimpulse immitieren eigentlich nur einen ganz natürlichen Mechanismus im Körper: „Durchblutung und Stoffwechsel funktionieren mithilfe von elektromagnetischen Ladungen und Entladungen“, erklärt Dr. Andreas Roeckl von der Tierklinik Schabelhof in Bad Dürrheim. „Ein von außen angebrachtes pulsierendes Magnetfeld soll diese elektrischen Impulse im Körper gezielt verstärken.“

Gerät der Körper in einen Ausnahmezustand, etwa bei Stress, Verletzungen oder Entzündungen, müssen die Zellen für die Regeneration mehr leisten als gewöhnlich. Die körpereigenen Impulse reichen dabei manchmal nicht aus. Genau hier setzt beispielsweise die physikalische Gefäßtherapie von BEMER an. „Jede Zelle ist wie eine kleine Fabrik“, beschreibt Tierärztin Elke Neumann aus München. „Material, in diesem Fall Nährstoffe wie Glucose und Sauerstoff, wird mit dem Blut angeliefert und Abfälle wie Kohlendioxid oder Harnstoff entsorgt. Das nennt man Mikrozirkulation.“ Das spezifische Signal des Geräts kurbele Versorgung und Entsorgung in der Zelle an und leiste dem Körper so Hilfe zur Selbsthilfe.

Ein Patient litt an chronischen ISG-Problemen. Das Magnetfeld konnte helfen

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Lisa Rädlein
Magnetfelddecke

Dr. Andreas Roeckl entschied sich, das Pferd mit der Magnetfeldtherapie zu behandeln, weil das Iliosakralgelenk manuell nur schwer zugänglich ist: „Meiner Meinung nach konnten wir mit der Magnetfeldtherapie viel erreichen.“

Anwendung am Pferd

Das Magnetfeld soll Patienten helfen, die unter chronischen orthopädischen Erkrankungen etwa an Sehnen, Bändern oder Gelenkkapseln leiden. Daneben dösen bei Tierärzten wie Dr. Roeckl auch Pferde mit Kissing Spines, schmerzhaften muskulären Problemen im Rücken sowie Halswirbelsäulenarthrosen unter der Magnetfelddecke. „Geräte mit einem speziellen Impulsgefüge können meiner Erfahrung nach auch die Wundheilung unterstützen und während einer längeren Boxenruhe verhindern, dass die Beine anlaufen und Verspannungen entstehen“, sagt Elke Neumann.

Etwa eine halbe Stunde lang bleibt das Equipment pro Behandlungseinheit auf dem Pferd. Meist kann zwischen verschiedenen Programmen ausgewählt werden. „Bei akuten Entzündungen und Zerrungen setzen wir das Behandlungsintervall in der Regel etwas länger an. Die magnetische Flussdichte, also die Intensität des Magnetfelds, ist dabei relativ hoch“, sagt Dr. Roeckl. „Pferde mit chronischen Beschwerden behandeln wir über eine längeren Zeitraum von sechs bis acht Wochen, anfangs sogar oft täglich.“

Neben Rekonvaleszenten profitieren auch gesunde Reit- und Sportpferde von der sanften Therapie, findet Stefan Schneider, Tierarzt auf Gut Rothenkircherhof in Rheinland-Pfalz. Den Turnierpferden seiner Frau, Dressurikone Uta Gräf, gönnt er regelmäßig eine Magnetfeldbehandlung. Das entspanne die Pferde nach einem anstrengenden Turnier und beuge Verletzungen, orthopädischen Problemen und Ermüdungserscheinungen vor. „Schlackstoffe wie Lactat sollen mithilfe der Magnetimpulse schneller abgebaut werden“, sagt Schneider.

Tierärztin Elke Neumann empfiehlt die Therapie auch in Stresssituation, wenn der Pferdekörper mit einer eingeschränkten Zellaktivität zurechtkommen muss: Das Blut werde dabei in Sinnesorgane und Gehirn sowie die wichtige Muskulatur des Bewegungsapparats umverteilt. „Die Folge ist“, erklärt Neumann, „dass andere Organe wie Magen, Darm, aber auch die Haut unterversorgt werden.“ Die Gefäßtherapie soll die Durchblutung an diesen Stellen gezielt angeregen und das Risiko stressbedingter Erkrankungen verringern.

Nach einem Bruch in der Schulter hat sich das Pferd komplett erholt.

Tierärztin Elke Neumann ergänzte die Behandlung des 26-jährigen Pferds mit der Gefäßtherapie von BEMER, um die Regeneration zu verbessern. Heute geht es dem Pferd gut, es steht im Offenstall und wird wieder dressurmäßig geritten.

So funktioniert die Magnetfelddecke

Die Decke ist normalerweise mit zwei angenähten Taschen ausgestattet. In einer davon befindet sich der Akku samt Hauptschalter. Damit nehmen Sie die Decke in Betrieb. Nicht vergessen: Der Akku muss vor der Behandlung aufgeladen werden!

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Magnetfelddecke
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Magnetfelddecke

In der zweiten Tasche steckt das Steuergerät. Überprüfen Sie, ob die Stromkabel richtig sitzen. Bei Bedarf stecken Sie das Kabel ein, das den Strom zur Gamasche leitet.

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Magnetfelddecke

Akku und Steuergerät verpacken Sie anschließend wieder gut in ihren Taschen. Ein Klettverschluss verhindert, dass die empfindlichen Geräte herausfallen, falls sich das Pferd einmal ruckartig bewegt.

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Magnetfelddecke

Jetzt stellen Sie das gewünschte Programm ein. Meist können Sie dabei zwischen verschiedenen Flussdichten (T) und Impulsfrequenz (Hz) sowie Länge der Behandlung auswählen. Einige Decken haben auch eine spezielle Massagefunktion: Vibrierende Elemente in der Decke lockern die Muskeln zusätzlich.

Die Kraft des Magnetfelds

Die Magnetfeldtherapie gilt als alternatives Heilmittel. Als klassisch schulmedizinische Behandlung ist sie nicht anerkannt. Bislang fehlen eindeutige wissenschaftliche Belege, ob und wie die Magnetfeldtherapie den Pferdekörper tatsächlich unterstützen kann.

An der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte Tierärztin Nora Rindler beispielsweise, wie sich die pulsierende Magnetfeldtherapie (PEMF) auf die Rückendurchblutung und Rittigkeit von Polopferden auswirkte. Nach zehntägiger Behandlung mit der Magnetfelddecke, im Test mit einer Flussdichte von +/- 50 μT, konnte im Rücken der Pferde mittels Thermographie keine nennenswert höhere Temperatur festgestellt werden; das hätte auf eine faktisch bessere Durchblutung der betreffenden Körperregionen hingedeutet. Ganz wirkungslos schien das Magnetfeld dennoch nicht gewesen zu sein: Ein Großteil der Reiter gab an, dass nach der Behandlung eine „sichtliche Verbesserung der Zufriedenheit und Losgelassenheit“ bei den Pferden zu erkennen war.

Auf Grund der unsicheren Sachlage sehen viele Experten die Stärken der Magnetfeldtherapie daher hauptsächlich in der ergänzenden Therapie. „Das Magnetfeld ist sicherlich kein Wundermittel, aber eine tolle Unterstützung im Verbund mit anderen Therapieformen der Schulmedizin oder als Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts“, findet Stefan Schneider. In den seltensten Fällen wird die Magnetfeldtherapie einzeln angewendet, sondern meist in Verbindung mit Bewegungstherapie, Medikamenten oder anderen Heilmethoden. „Aber in vielen Fällen führen wir gut verlaufendende Heilungsprozesse tatsächlich auch aufs Magnetfeld zurück“, sagt Dr. Roeckl.

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Die Magnetfeldgamaschen lassen sich wie Transportgamaschen anlegen. Ein Kabel verbindet sie mit dem Steuergerät an der Decke.

Ist ein Risiko dabei?

Offene, infizierte Wunden sollten eher nicht mit Magneten behandelt werden. Sonst könnte sich die Infektion mithilfe der magnetischen Stimulation ausbreiten.

„Wenn im Körper eine hohe Zellteilungsrate besteht, bei Tumorpatienten oder trächtigen Stuten, wäre ich sicherheitshalber auch vorsichtig“, rät Stefan Schneider. Wird ein lokalwirksames Medikament gespritzt, sollte die Magnetfeldbehandlung ausgesetzt werden. Denn hier wäre ein schneller Abtransport des Wirkstoffs dank einer stark angeregten Durchblutung eher hinderlich.

Für den Hausgebrauch

Wenn Ihr Pferd bereits sehr gut auf die Therapie angesprochen hat und Sie ein chronisches Problem zu Hause weiter behandeln wollen, kann sich die Anschaffung eines
eigenen Magnetfeld-Equipments lohnen. Viele Hersteller bieten ihre Produkte auch zum Verleih an. So können Sie das (meist recht kostspielige) Equipment in Ruhe am Pferd testen, bevor Sie sich für den Kauf eines Modells entscheiden.

Sprechen Sie die Therapie sicherheitshalber immer mit einem Experten ab. Schaden können Sie dem Pferd mit dem Magnetfeld grundsätzlich nicht; falsch eingestellt, wirkt die Magnetfelddecke oder -gamasche aber womöglich zu unspezifisch. Kritisch wird es allerdings bei akuten Verletzungen: „Bei einem massiven Trauma selbst erst einmal mit der Magnetfelddecke herumzuprobieren, anstatt den Tierarzt zu rufen, halte ich für fahrlässig“, betont Dr. Andreas Roeckl.

Auch wenn die Wirkung der Magnetfeldtherapie bisher nicht zweifelsfrei belegt werden konnte, spricht einiges dafür, die alternative Heilmethode in Betracht zu ziehen. Beobachten Sie die Reaktion Ihres Pferds während der Therapie – die Tiere wissen und zeigen meist recht deutlich, ob ihnen die Behandlung gut tut oder nicht.

Geräte-Sicherheit

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Magnetfelddecke

„Geräte, die ausschließlich zur Magnetfeldtherapie bei Tieren eingesetzt werden, müssen nicht als Medizinprodukte zugelassen werden; sie sind auch nicht als Arzneimittel einzustufen“, erklärt Jennifer Reinhard vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Tatsächlich gibt es keine konkreten Vorschriften im deutschen oder EU-Recht, die die Anwendung von Magnetfeldgeräten zur therapeutischen Anwendung bei Tieren regeln. Trotzdem lassen manche Hersteller freiwillig ihre Geräte als Medizinprodukte zertifizieren. Diese werden dann mit dem CE-Zeichen und eventuell mit einer eindeutigen Prüfnummer versehen. „Ich würde aus Sicherheitsgründen immer dazu raten, beim Kauf auf diese Zertifizierung zu achten“, sagt Tierarzt Dr. Andreas Roeckl.

Das junge Pferd hatte massive Rückenprobleme. Heute läuft es Turniere.

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Lisa Rädlein
Magnetfelddecke

Tierarzt Stefan Schneider therapierte das Pferd unter anderem mit der Magnetfelddecke: „Verspannung, Steifheit und Schmerzen verschwanden. Heute kann das Pferd sogar erfolgreich auf M-Niveau vorgestellt werden.“

Mehr über Magnetfeldresonanz:

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