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9 Fakten: Das müssen Sie über alte Pferde wissen

Fragen und Antworten: Tipps fürs hohe Pferdealter

Haben Sie auch ein altes Pferd im Stall stehen? Dann sollten Sie wissen, was Sie beachten müssen, um Ihren Senior besser zu verstehen.

Was bedeutet altern?

Das Älterwerden ist ein hochkomplexer Prozess. Bis heute ist es Forschern nicht gelungen, ihn zu entschlüsseln. Sicher ist nur: Bestimmte Mechanismen im Körper führen dazu, dass Zellen – die Bausteine des Körpers – nach einer bestimmten Zeit absterben. Dieser Prozess verläuft bei Pferden genauso wie bei uns Menschen.

Warum die Zellen sterben, darüber diskutieren Forscher noch. Bislang gibt es rund 300 Theorien dazu. Eine davon: Zellen und Organe nutzen sich im Lauf des Lebens ab und verschleißen. Andere Forscher vertreten die Meinung, dass in den Zellen eine innere Uhr tickt. Nach 50 bis 150 Zellteilungen drückt dieser innere Taktgeber quasi auf die Stopp-Taste. Per se ist der Zell-Tod nichts Schlimmes, im Gegenteil: Würden Zellen nicht regelmäßig absterben, würden wir einen Haufen Zellmüll herumschleppen. Zu unserem 80. Geburtstag etwa hätten wir rund zwei Tonnen Knochenmark angehäuft.

Der Zell-Erneuerungsprozess läuft von Geburt an. Je älter Mensch und Pferd werden, umso langsamer wird er. Der Körper kommt mit Erneuern und Ausbessern nicht mehr hinterher. Denn der Stoffwechsel, der unter anderem für die Zellerneuerung zuständig ist, läuft mit den Jahren nicht mehr mit voller Kraft. Das führt etwa dazu, dass die Regeneration nach Belastungen länger dauert oder die Immunabwehr schwächelt.

Ab wann sind Pferde alt?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, genauso wenig wie bei uns Menschen. Den einen zwickt es bereits mit Mitte 30 im Kreuz, der andere läuft noch mit 80 Jahren einen Marathon. Bei Pferden ist das eine ganz ähnlich individuelle Sache wie bei uns Reitern.

Allerdings gibt es grobe Richtwerte, an denen man sich orientieren kann. Im Alter zwischen 12 und 16 Jahren erreichen Pferde meist ihren Höhepunkt, was die Leistungsfähigkeit angeht. Danach nimmt die Leistung Stück für Stück ab; ab 16 Jahren werden die Pferde „älter“. Steht eine 2 vor der Alterszahl, wird der Vierbeiner in der Regel als „altes Pferd“ eingestuft, ab Mitte Zwanzig oft als sehr alt. Allerdings lässt sich diese Skala nicht auf jedes Pferd übertragen. Ab wann ein Pferd als alt gilt, hängt noch von anderen Faktoren als dem Geburtsjahr ab.

Was hat Einfluss aufs Pferdealter?

Ein Shetty-Pony, das gerade 28 Jahre wurde, hat vermutlich noch bis zu zehn, Jahre, vielleicht sogar mehr vor sich. Ein 28-jähriges Warmblut mit 1,80 Meter Stockmaß ist hingegen ein ziemliches Urgestein. Das liegt an zwei Faktoren: Größe und Rasse

Große Pferde werden meist nicht so alt wie kleine Tiere. Woran liegt das? Das fragten sich auch Forscher der Uni Göttingen. Sie werteten die Daten von rund 50.000 Hunden aus, vom Chihuahua bis zur Dogge. Auch hier werden kleine Rasse-Vertreter älter als große.

Der Grund: Der Alterungsprozess läuft bei großen Tieren schneller ab, quasi in einer Art Zeitraffer. Sie altern rasanter als kleine Rasse-Vertreter. Bei Pferden dürfte der Effekt ganz ähnlich sein.

Welchen Einfluss hat die Rasse?

Einige Rassen gelten als besonders langlebig, wie Araber, Shettys oder andere Kleinpferderassen. Das liegt ein Stück weit an deren Entwicklungsgeschichte: Ponys, Araber und Co. sind seit Jahrhunderten ideal an die Umweltbedingungen angepasst. Sie wurden zudem mit solchen Rassen gekreuzt, die ebenfalls ideal an ihren Lebensraum angepasst waren, etwa Araber und Berber. Das macht sie widerstandsfähig und lässt sie alt werden. Allerdings: Alt werden ist das eine, gesund alt werden das andere. Für Letzteres können wir Reiter ein Stück weit sorgen.

Was lässt sich gegen das Altern tun?

Sagen wir so: Aufhalten lässt sich der Prozess nicht, aber verlangsamen. Denn bei uns Menschen gehen Forscher davon aus, dass nur 20 bis 30 Prozent unseres Erbguts bestimmen, wie schnell und wie wir altern. Der Großteil liegt also in unseren Händen. Das gilt auch für unsere Pferde. Sprich: Wenn die Rahmenbedingungen in punkto Haltung und Training ideal sind, lässt sich der Alterungsprozess etwas ausbremsen.

Die Basis für ein gesundes altes Pferd wird im Jungpferdalter gelegt, etwa was Sehnen angeht. „Bis zum Alter von zwei Jahren entwickeln Sehnen ihre maximale Belastbarkeit. Das Niveau, das sie bis dahin erreicht haben, ist die Basis, von der ein Pferd sein Leben lang zehrt“, sagt Tierarzt Dr. Christian Bingold von der Pferdeklinik Großostheim/Bayern. Daher gilt für Jungspunde: Nichts wie raus – Bewegung auf der Weide ist die Basis für gesunde Sehnen und Gelenke.

Was kann ich tun, damit mein Pferd fit alt wird?

Nicht jeder Reiter hat sein Pferd von Fohlenbeinen an und kann so für eine gute Basis sorgen. Trotzdem gibt es in jedem Pferdealter was zu tun, damit mögliche Alterszipperlein nicht so intensiv ausfallen. Etwa indem Pferde vor dem Training mindestens zehn bis 15 Minuten im Schritt warm geritten werden. Das sorgt für genug Gelenkschmiere und kann so später Arthrose mindern. Auch Übergewicht rächt sich im Alter. Die Gefahr für Krankheiten wie Cushing wächst; Gelenke, Organe und Sehnen werden durch Extra-Kilos ebenfalls belastet. Feines Training und gute Haltung vergrößern also die Chancen, dass Pferde gesund alt werden.

Wie verändert sich der Pferdekörper im Alter?

Graue Haare sind ein äußeres Merkmal des Alters. Auch im Inneren verändert sich einiges, etwa im Blut: Die Zahl weißer Blutkörperchen nimmt ab. Dadurch wird das Pferd anfälliger für Infekte. Auch Muskelfasern baut der Körper nach und nach um. Sauerstoffabhängige (aerobe) Fasern wandeln sich zu weniger sauerstoffabhängigen. Die halten Belastungen nicht mehr so gut stand; daher ermüden ältere Pferde schneller. Generell nehmen die Muskeln ab. Kräftige Muskeln schützen aber Gelenke, Sehnen und Co.; die werden also anfälliger für Schäden, zumal Sehnen und Bänder mit den Jahren an Elastizität verlieren.

Die Thermoregulation ändert sich ebenfalls. Durch fehlendes Körperfett frieren alte Pferde schneller. Werden sie bei hohen Temperaturen beansprucht, können sie schneller überhitzen – vermutlich unter anderem, weil sich die Durchblutung, der Elektrolythaushalt und das Herz-Kreislauf-System im Alter ändern. Darauf müssen Reiter in Training und Haltung Rücksicht nehmen.

Hat das Alter Folgen für die Verdauung?

Ältere Pferde sind Kolik-anfälliger. Das hat mehrere Gründe. Einer davon sind die Zähne. Die sind von Geburt an im Kiefer angelegt. Jahr für Jahr schieben sie etwa zwei Millimeter nach und werden beim Kauen abgeschliffen. Ist der Zahn aufgebraucht, kann das Pferd nicht mehr gut kauen – das Kolik-Risiko steigt.

Auch die Darmmotorik funktioniert im Alter meist nicht mehr so gut. Bewegen sich Pferde zudem etwa wegen Arthrose weniger, bringt das die Darmmotorik zusätzlich ins Stocken. Auch die Menge an Verdauungsenzymen nimmt ab. Das kann für Koliken sorgen, aber auch dafür, dass das Pferd sein Futter nicht mehr so gut verwerten kann.

Ticken alte Pferde anders?

Forscher gehen davon aus, dass die Persönlichkeit des Pferds mit etwa zehn Jahren voll entwickelt ist. Das heißt, der Charakter bleibt dann weitgehend gleich. Wie passt das mit Beschreibungen zusammen, wonach Pferde im Alter ruhiger werden – oder im Gegensatz dazu manchmal schreckhafter?

Das kann mit dem Älterwerden zusammenhängen, aber auch mit der Lebenserfahrung. Im Alter haben Pferde einiges gesehen, das macht cool; vor allem, wenn sie ihre Umgebung gut kennen. Angsthasen bleiben ihr Leben lang ängstlich. Andere werden im Alter schreckhafter; das kann körperliche Gründe haben: Pferde hören und sehen im Alter schlechter und erschrecken daher leichter vor Dingen, die früher keine Angst machten.

Dazu kommt, dass Pferde ihre körperlichen Einschränkungen spüren. Sie wissen, dass sie nicht mehr so schnell reagieren und durchsetzungsfähig sind. Das macht unsicher, schreckhaft – und kann dazu führen, dass ein Pferd in der Herden-Hierarchie absteigt, obwohl es jahrelang unangefochtener Chef war.

Und wie sieht es mit Alterssturheit aus, gibt es die bei Pferden auch? Ja, und auch das liegt teilweise an körperlichen Veränderungen. Das Pferd wird unflexibel und kann sich körperlich wie mental schlechter auf neue Gegebenheiten einstellen. Gleichzeitig ist Sturheit ein idealer Weg, um Stress zu vermeiden – und stressigen Situationen gehen Pferde im Alter gern aus dem Weg.

Wie sich Pferde im Alter ganz konkret verändern können, zeigen wir auf den nächsten Seiten. Wir haben fünf Pferde im besten Alter und einige Jahre später erneut porträtiert. Lesen und schauen Sie selbst, wie sie sich verändert haben – zu liebenswerten alten Hasen.

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