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Was taugt Stroh als Futter und Einstreu?

Futter und Bett – Stroh unter der Lupe

Stroh ist ein wahrer Alleskönner. Pferde schlafen nicht nur gerne auf den gelben Halmen, sie haben sie auch zum Fressen gern. Was zählt bei Fütterung, Einstreu & Lagerung?

Es wird Goldgelb im Stall. Doch manche Pferdehalter rümpfen bei Stroh die Nase: Sie sehen es als gefährliche Brutstätte für Bakterien und Pilze, die allzu oft Husten oder Koliken hervorrufen. Andere sind überzeugt von den energiearmen Halmen. Beide haben recht: Bei Stroh besteht tatsächlich die Gefahr einer mikrobiellen Belastung mit gesundheitlichen Risiken fürs Pferd.

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„Wenn die Qualität stimmt, die Halme also frei von Staub und Schimmel, Hefen und Milben sind, spricht nichts gegen eine ergänzende Fütterung mit Stroh“, sagt Pferdeernährungsexpertin und Tierärztin Dr. Kathrin Irgang. Auch Stroh darf übrigens erst sechs Wochen nach der Ernte verwendet werden, betont die Expertin; in dieser Schwitzphase stirbt der Großteil der Keime ab.

Worauf kommt es aber nun konkret an, wenn die goldgelben Halme im Pferdestall landen?

Stroh als Pferdefutter

Eine Renaissance fürs Stroh als Futter prophezeit Dr. Kathrin Irgang angesichts der diesjährigen Heuknappheit. Ihr Tipp: Die tägliche Heuration mit Stroh zu strecken und fehlendes Eiweiß über die Fütterung von Luzerne, Bierhefe oder Sojaschrot zu ergänzen.

Die Tierärztin empfiehlt die Strohfütterung aber nicht nur in diesem Jahr. „Gerade bei übergewichtigen und leichtfuttrigen Pferden ist eine Teilersetzung der täglichen Heuration durch Stroh ratsam“, sagt Dr. Irgang. Darüber hinaus ist das Knabbern an den Halmen für Pferde eine sinnvolle Beschäftigung zur Überbrückung von längeren Fütterungsabständen. Stroh hat rund ein Drittel weniger Energie als Heu und enthält auch weniger Eiweiß und Zucker. Der hohe Rohfasergehalt des Strohs erhöht die Kauaktivität und sorgt so für zufriedene und schlanke Pferde.

Wie erkenne ich die Qualität? Mithilfe einer sensorischen Prüfung lässt sich bereits vor Ort am Stall der Hygienestatus und der Futterwert des Strohs ermitteln. Dafür spielen Kriterien wie der Griff, die Farbe, der Geruch und der Verschmutzungsgrad eine Rolle.

Der Hygienestatus ist gut, wenn sich das Stroh trocken anfühlt, den typischen Stroh-Geruch hat, eine goldglänzende Farbe aufweist und frei von Schimmel, Milben, Käfern und ähnlichem Schmutz ist. Der Hygienestatus ist mangelhaft, wenn sich das Stroh klamm und feucht anfühlt, schimmeligmodrig riecht, gräulich oder rötlich verfärbt ist und mit Schimmel, Milben usw. belastet ist. Stroh mit solchen Hygienemängeln ist weder als Futter noch als Einstreu geeignet!

Der Futterwert ist besonders hoch, wenn das Stroh einen relativ hohen Anteil an Blattmasse hat, also nicht nur aus blanken Stängeln besteht. Das merkt man, wenn man das Stroh anfasst. Fühlt sich das Stroh hingegen holzig-reisigartig an, ist der Futterwert gleich null. Stroh als Futter sollte natürlich auch nicht mit Erde verdreckt sein und staubig sein. Bei den Kriterien Geruch, Farbe und Verschmutzung gilt ansonsten dasselbe wie für den Hygienestatus.

Sind Sie unsicher, was die Qualität des Strohs angeht, können Sie Proben für weitergehende Untersuchungen an landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA) oder tiermedizinische Hochschulen schicken. Um ein repräsentatives Ergebnis zu bekommen, sollten mehrere Proben von jeweils mindestens 0,5 Kilogramm von verschiedenen Stellen des Ballens entnommen und eingeschickt werden.

Wie viel Stroh ist gesund? Bei der Ration gilt folgende Empfehlung: Der Strohanteil sollte nicht mehr als ein Drittel der Heuration ersetzen. Bei empfohlenen 1,7 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Idealgewicht des Pferds entspricht das 0,6 Kilo Stroh pro 100 Kilogramm Idealgewicht. Wird zu viel Stroh gefüttert, kann es zu Verstopfungskoliken kommen.

Wichtig: Nur Pferde mit guten Zähnen können Stroh richtig kauen; gerade für ältere Pferde ist Stroh daher oftmals eher ungeeignet. Außerdem sollte allen Pferden, die mit Stroh gefüttert werden, immer ausreichend Wasser zur Verfügung stehen.

Welche Sorte eignet sich am besten? „Weizen- und Haferstroh schmeckt den meisten Pferden am besten“, weiß Dr. Irgang. Gerste komme theoretisch zwar auch infrage, könne aber wegen des ausgeprägten Grannenbesatzes Maulentzündungen hervorrufen. Roggenstroh empfiehlt die Expertin nicht, weil immer noch Ähren im Stroh sein können, Roggen aber kein Pferdefuttermittel ist.

Stroh als Einstreu

Nicht nur für die Fütterung mit Stroh gilt das Reinheitsgebot: Stroh zur Einstreu sollte der Futterqualität in nichts nachstehen. Wird Einstreu schlechter Qualität gefressen, kann das Koliken auslösen. Ist das Stroh zu staubig, belastet dies die empfindlichen Atemwege von Pferden.

Eine Studie des Forschungs- und Studienzentrums für Veredlungswirtschaft in Vechta und des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Braunschweig zeigte, dass Partikel größer als 5 Mikrometer durch den Selbstreinigungsschutz der Nase wieder ausgestoßen werden, kleinere Partikel jedoch in die Lungen gelangen können. Dort nimmt der Staub die Flüssigkeit aus den Schleimhäuten auf, gewinnt an Umfang und gelangt nicht mehr raus. Die Untersuchungen ergaben zwar, dass Strohpartikel häufig größer sind – aber eben nur bei entsprechend guter Qualität.

Welches Stroh taugt als Einstreu? Für die Sortenauswahl gilt im Prinzip dasselbe wie für die Fütterung. Haferstroh ist hier allerdings nur eingeschränkt zu empfehlen wegen der geringeren Saugfähigkeit.

Ist Gehäckseltes Stroh eine gute Alternative zu Langstroh? Häcksel stauben tatsächlich nur dann weniger, wenn die Ausgangsqualität des Strohs gut war oder die Häcksel maschinell entstaubt wurden. Damit Häcksel saugfähiger sind als normales Stroh, muss die glatte Oberfläche der Halme im Herstellungsprozess aufgebrochen werden; das Stroh einfach nur zu kürzen, hat keinen Effekt. Häcksel unter 5 cm Länge stellen zudem eine Gefahr für Pferde dar: Frisst das Tier die kurzen Halme, können diese im Blinddarm zu Verstopfung und Kolik führen.

Und was ist mit Strohpellets? Diese haben eine bessere Saugfähigkeit als Langstroh und Keime werden bei der Produktion durch Temperaturen um die 110 Grad abgetötet. Außerdem sind Pellets schneller abbaubar und erzeugen ein geringes Mistvolumen als Langstroh. Wird mit Pellets eingestreut, muss jedoch darauf geachtet werden, dass genügend Heu zur Verfügung steht. Gelangen die Pellets in den Pferdemagen, können diese im Verdauungstrakt gefährlich aufquellen und Koliken auslösen.

Kauf & Lagerung

Stroh ist, wie Heu auch, sehr wetterempfindlich. Die Qualität hängt deshalb maßgeblich von der Witterung ab. Regnet und stürmt es den Sommer über viel, knickt das Getreide um und lagert Wasser ein. Je feuchter das Stroh ist, desto wohler fühlen sich insbesondere Schimmelpilze. Im Herbst und Winter gibt es dann häufig unschöne Überraschungen, wenn sich große, graue Schimmelnester gebildet haben. Rötliche Flecken deuten auf einen Pilzbefall hin. Hier besteht die Möglichkeit, dass sich Giftstoffe (Toxine) bilden!

Qualität und Preise in diesem Jahr: Aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in diesem Sommer ist das Stroh qualitativ hochwertig, auch wenn die Getreideernte selbst durch die Dürre schlecht ausfiel. Allerdings ist Stroh in diesem Jahr aufgrund der Heuknappheit auch sehr teuer. Eine Tonne Stroh als Rundballen kostet durchschnittlich 123 Euro; mancherorts klettern die Preise auf bis zu 180 Euro. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren Rundballen mit durchschnittlich 86 Euro pro Tonne rund 30 Prozent günstiger. Sehr wahrscheinlich werden die Preise über den Winter auch noch weiter steigen.

Wie wird Stroh richtig gelagert? Im Idealfall sollte Stroh in einer Scheune, gegen Wettereinflüsse abgeschirmt, auf Paletten stehen. Lagert Stroh auf Beton, kann die Luft nicht zirkulieren: Schimmel bildet sich. Aus Platzmangel wird Stroh aber oft im Freien gelagert und nur mit Planen oder Vlies abgedeckt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dabei Kondenswasser bildet und das Stroh schimmelt, ist hoch“, betont die Fütterungsexpertin.

Selbst wenn der Schimmelbefall augenscheinlich gering ist, reicht es nicht, nur die betroffenen Stellen zu entfernen. „Es sollte immer der ganze Ballen entsorgt werden, weil sich die Schimmelsporen im Ballen verteilen“, warnt Dr. Irgang. „Auch als Einstreu ist dieses Stroh nicht mehr geeignet!“

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