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Pferde-Fütterung
Mineralfutter Lisa Rädlein
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Mineralfutter

Was ist drin im Zusatzfutter?

Es findet sich in fast jedem Trog – aber was muss im Mineralfutter eigentlich drin sein? Und warum entstand es? Werfen Sie einen spannenden Blick auf das Zusatzfutter.

Schätzen Sie mal: Wie lange hält der Mensch das Pferd als Haustier? Wissenschaftler vermuten zwischen 5.000 und 30.000 Jahren. Mineralfutter hingegen gibt es erst seit rund 60 Jahren. Warum brauchen das Pferde von heute – und wie entstanden die nährstoffhaltigen Pellets & Co.?

Warum entstand Mineralfutter?

Dass Mineralfutter entstand, hat unterschiedliche Gründe. Einer davon ist die frühere Fütterungsweise. „Die Pferde wurden meist nach der Fünfer-Regel gefüttert: fünf Kilo Hafer, fünf Kilo Heu, fünf Kilo Stroh“, sagt Sophia Riegger vom Futtermittelhersteller Marstall. Eine derart getreidehaltige Fütterung bringt allerdings einen Phosphor-Überschuss mit sich. Das wollte man durch ein vor allem calciumhaltiges Ergänzungsfutter ausgleichen.

Nährstoffgehalte im Boden ändern sich

Zum anderen wandelte sich das Lebensumfeld des Pferd:jobmäßig weg vom Arbeitstier in Landwirtschaft und Militär hin zum Freizeit- und Sportpartner. Und auch in punkto Haltung tat sich einiges, was Einfluss auf die Fütterung und die Versorgung mit Nährstoffen hatte: „Durch andere Saatmischungen und Düngung haben sich die Nährstoffgehalte im Boden geändert und damit natürlich auch das, was letztlich in Heu und Stroh ankommt“, erklärt Dr. Ernst Stephan von Salvana Tiernahrung.

Mineralfutter
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Natürliches Vitalfutter kann den Bedarf des Pferds nicht abdecken.

Heu, Stroh und Hafer sind nicht alles

Ein weiterer Baustein in der Entwicklung des Mineralfutters war die Forschung. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde viel im Bereich Nutztiere und deren optimaler Fütterung geforscht, vor allem an Schweinen“, weiß Constanze Röhm, unabhängige Futterberaterin. Die Werte wurden anfangs vom Schwein aufs Pferd übertragen, bevor es eigene Forschungen gab. „Wir wissen heute einfach mehr als früher, was Pferde brauchen“, so Röhm, „und dass Heu, Stroh und Hafer allein den Nährstoffbedarf nicht decken.“

Mineralien und mehr

Alles zusammengenommen – Wissen, Haltung und Leistung – führte zur Entwicklung von Mineralfutter. Salvana brachte 1959 das erste portionierte mineralische Ergänzungsfutter in Deutschland auf den Markt: den PS-Riegel. „An der Form hat sich bis heute nichts geändert“, sagt Dr. Ernst Stephan; an der Zusammensetzung schon: Die ersten Mineralfutter basierten vor allem auf Mengenelementen wie Calcium und Magnesium. Im Laufe der Zeit kamen zahlreiche weitere Spurenelemente, Vitamine und Zusatzstoffe wie Probiotika hinzu.

Was steckt im Mineralfutter?

Mineralfutter steckt voller Nährstoffe; klar, das weiß jeder Reiter. Aber welche genau sind drin, was muss rein – und ist es wichtig, ob die Nährstoffe „organisch gebunden“ sind oder nicht?

Jedes Mineralfutter besteht im Kern aus drei Teilen: den Mengenelementen, den Spurenelementen und den Vitaminen. Mengenelemente sind Mineralien, die – der Name verrät es – in einer bestimmten Menge vorkommen, nämlich ab 50 Milligramm pro Kilo Lebendmasse. Dazu zählen etwa Magnesium, Calcium, Phosphor und Natrium. Die Konzentration von Spurenelementen wie Eisen, Zink, Kupfer oder Selen ist geringer. Die Dritten im Bunde sind Vitamine. Wieviel wovon enthalten ist, hat sich über die Jahre deutlich geändert.

Einheitliche Mengen

„Die Gehalte an Vitamin A und D wurden ordentlich nach unten korrigiert“, sagt Constanze Röhm. Ein Mineralfutter aus dem Jahr 1985 hatte beispielsweise 1,75 Millionen IE (Internationale Einheiten) Vitamin A und 350.000 IE Vitamin D pro Kilo. Heute liegt der Gehalt bei etwa 475.000 IE Vitamin A und 40.000 IE Vitamin D. „Auch das Verhältnis von Calcium und Phosphor hat sich vereinheitlicht. Früher schwankte es zwischen 1:1 und 10:1, heute liegt es bei 2:1 bis 3:1“, so Röhm. Die Forschung weiß heute besser, was Pferde brauchen. Apropos Bedarf: Woran orientieren sich da Futterhersteller?

In erster Linie an den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE). „Dazu kommen unsere Praxiserfahrungen“, so Dr. Stephan; daher steckt in Salvana-Mineralfutter zum Beispiel noch Biotin. Daneben gibt es Regeln vom Gesetzgeber zu Höchstgehalten von Nährstoffen wie Selen oder Zink, „die in zu hoher Konzentration toxisch fürs Pferd werden können“, erklärt Sophia Riegger.

Mineralfutter
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Ein Futter gilt nur dann als Mineralfutter, wenn es einen Rohasche-Gehalt von mindestens 40 Prozent hat.

Rohaschegehalt ist entscheidend

Eine andere Vorgabe im Futtermittelrecht: Ein Mineralfutter darf sich nur dann Mineralfutter nennen, wenn der Rohaschegehalt bei mindestens 40 Prozent liegt. „Rohasche ist das, was übrig bleibt, wenn das Futter sechs Stunden lang bei 550 Grad verbrennt“, so Sophia Riegger. Dieser Anteil soll garantieren, dass genügend Nährstoffe im Futter enthalten sind. Damit Asche entsteht, muss ein Teil der Nährstoffe anorganisch sein. Anorganisch, organisch: Was bedeutet das denn? Macht das fürs Pferd einen Unterschied?

Ob ein Nährstoff organisch oder anorganisch ist, liegt an seiner chemischen Zusammensetzung, also wie die Atome miteinander verbunden sind. Das kann Auswirkungen darauf haben, wie das Pferd die Nährstoffe aufnimmt. Eine organische Zinkverbindung etwa kann vom Pferd schneller verwertet werden, aber nicht unbedingt besser – „wenn sich nämlich die Nährstoffe nicht so gut vom Kohlenstoffatom trennen können, ist die aufgenommene Menge de facto geringer“, erklärt Constanze Röhm.

Fürs Pferd seien beide Varianten natürlich, weil beide Nährstoffformen in Pflanzen vorkommen. Das Pferd ist zudem auf anorganische Nährstoffe angewiesen. Die erkennen Sie übrigens an den Endungen Oxid, Chlorid, Phosphat oder Sulfat. Chelat, Oxalat und Citrat stehen für organische Formen.

Das Pferd optimal versorgen

Eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen ist wichtig, um gesund zu bleiben und Leistung zu bringen. Worauf sollten Pferdebesitzer daher bei der Mineralfutter-Ration achten, damit ihr Vierbeiner optimal versorgt ist?

Zunächst mal auf die Rahmenbedingungen: Vierbeinige Sportler haben oft einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen, ebenso wie ältere Pferde. Letztere verstoffwechseln Nährstoffe oft nicht mehr so gut und brauchen daher mehr. Auch der Bedarf von Ponys und Pferden unterscheidet sich rasse- und gewichtsbedingt. „Daher sollte man sich immer an der Fütterungsempfehlung des Herstellers orientieren“, sagt Sophia Riegger.

Nicht angebracht ist das Motto „viel hilft viel“: „Pferdehalter sollten darauf achten, was man absolut pro Tag füttert“, so Riegger. Heißt: Kombiniert man mineralisiertes Müsli, Mineralfutter und weitere Präparate, erreicht man eine mitunter riskante Überversorgung. Also immer im Blick haben, was in Summe im Trog landet. Und auch einen Blick aufs Mindesthaltbarkeitsdatum werfen: „Der Vitamin-Gehalt ist nur bis zu diesem Datum gewährleistet“, sagt Ernst Stephan. Danach bauen sich die Vitamine ab; Mineralstoffe bleiben etwas länger erhalten.

Wie sieht es mit „natürlichem“ Vitalfutter aus? Das soll den Vierbeiner über Zutaten wie Seealgenmehl oder Kräutern rundum versorgen. „Algen bringen Jod mit und Kräuter sind oft reich an Calcium“, gibt Sophia Riegger zu. Aber: „Gerade die fürs Pferd wichtigen Mangelspurenelemente wie Zink, Kupfer und Selen sind oft nicht in ausreichender Menge enthalten.“

Dazu kommt der schwankende Gehalt. „Für Seealgenmehl werden unterschiedliche Tangarten genutzt“, erklärt Constanze Röhm – deren Inhaltsstoffe variieren stark. „Da müsste man von jeder Charge eine chemische Analyse machen, um wirklich zu wissen, was drin ist.“ Besser ist Mineralfutter; da weiß man genau, welche Nährstoffe enthalten sind.

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