Test: Reitschulen in der Südpfalz

Reitschultest Südpfalz: Reiterhof Giehl im Test

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CAVALLO-Testerin Miriam Kreutzer testet den Reiterhof Giehl in der Südpfalz. Das ist ihr Fazit.

Schwups! Vorbeigefahren. Erst beim zweiten Versuch finde ich die Einfahrt vom Reiterhof Giehl. Der liegt mitten im Ort, versteckt hinter einem Tor. Wer hier reiten möchte, muss klingeln, damit jemand öffnet.

„Isch bin de Stefoon“, begrüßt mich Stallbesitzer Stefan Giehl im breitesten Pfälzisch. Von irgendwoher dudelt Countrymusik. Rauchschwaden von Stefans Zigarre steigen über dem Hof auf. Hier soll es fundierten Reitunterricht geben oder nur Cowboy-Romantik?

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Reiten in der Südpfalz

Der Braune steht mit seiner Gruppe auf einem Paddock. Paul ist ein etwa 15-jähriger Quarter-Wallach. Sein genaues Alter weiß Stefan nicht. Während ich putze, erzählt Stefan von sich. Mit dem Hof hat er sich vor allem auf Kinder spezialisiert. Die meisten Schulpferde sind daher Ponys, die in Offenställen gehalten werden. Vor etwa fünf Jahren hat Stefan Giehl den Hof gekauft und ist nach 30 Jahren Festanstellung als Entwickler in der Autobranche ausgestiegen. Statt Motoren bestimmen jetzt Pferde sein Leben. Um Technik geht es aber immer noch – die korrekte Technik beim Westernreiten. Er ist Trainer C im Westernreiten und Hippolini-Lehrkraft: Das ist ein spezielles Reitpädagogik-Konzept für Kinder und Jugendliche.

Ich werde genau ausgefragt, wo und wie ich bisher geritten bin. Als Paul sauber ist, zeigt mir Stefan haarklein, wie ich satteln und trensen soll. „Achte darauf, dass du beim Zaum das Backenstück nicht übers Auge ziehst“, sagt er. Paul senkt den Kopf beim Trensen ab und lässt sich brav satteln. „Den Gurt nur locker anziehen“, betont der Reitlehrer. Dann geht es in die luftige Reithalle, die ich auf 15 x 30 Meter schätze. Der Sand kommt mir am Testtag recht tief vor. „Es ist etwas viel drin. Wir müssen den Boden wieder wässern und abziehen, dann wird er schön fest. Durch den Frost war das die letzten Wochen unmöglich.“ Bevor ich losreite, soll ich Paul im Stand nachgeben lassen und dazu mit den Fußgelenken wackeln, bis er den Kopf senkt. Erst dann darf ich losreiten.

Reitschule Südpfalz im Test

Stefan Giehl erklärt mir ausführlich, wie das Reiterbecken arbeiten soll. „Je weniger es gekippt wird, desto schneller wird das Pferd.“ Ich soll mein Becken mehr nach vorne oben kippen, sodass ich quasi auf den Hosentaschen sitze. „Schee uff de Bobbes setzen“, erklärt Stefan. Ich merke, dass ich den überwiegenden Teil meines Lebens im klassischen Sattel gesessen habe, mit Fokus auf Sitzbeinhöcker und Schambein. Das Becken die ganze Zeit bewusst nach vorne abzukippen, fällt mir extrem schwer. Ich kann das nicht halten, ohne dabei zu verspannen.

Wir arbeiten auch an der Lenkung. Der Reitlehrer erklärt, wie ich das Pferd durch Sitz und Blickrichtung lenken kann. Klappt das nicht, soll ich abbiegen, indem ich den Zügel an den Hals lege – das sogenannte Neck Reining. Stefan Giehl erklärt sehr viel, was gut ist. Ich bin irgendwann allerdings mit den vielen Infos überfordert und habe das Gefühl, alles falsch zu machen. Er erkennt, dass ich total verspannt bin. Die Sitzhaltung ist für mich völlig ungewohnt.

Reitschultest Südpfalz

in meinem Becken sei auch der Grund, warum Paul im Trab weglaufe, statt langsam zu joggen. Also alles auf Anfang – ich reite wieder Schritt und kreisel um den Reitlehrer. Paul biegt sich zu beiden Seiten gleich gut und man merkt ihm eine gute Gymnastizierung an. Er ist ein sehr gutes Schulpferd und bekommt vier Hufeisen für seine Leistung.

Stefan Giehl ist sehr kompetent und ein Reitlehrer, der viel erklärt. Mir war es zwischendurch jedoch zu viel Input. Es frustrierte mich, dass ich nicht gleich alles umsetzen konnte. Ich gebe dem Westerntrainer drei Hufeisen für seinen Unterricht, der mich 35 Euro kostete.

Auch der Reitbetrieb punktet. Er ist top organisiert, das Equipment der Schulpferde ist sehr gepflegt. Allein der tiefe Sandboden kostet ein halbes Hufeisen Abzug. Bleiben dreieinhalb Hufeisen.

Bis auf Paul und ein weiteres Pferd, die nachts in Innenboxen wohnen, stehen alle Tiere in kleinen Gruppen in sauberen Offenställen. Die Tiere machen einen sehr zufriedenen Eindruck. Pauls Barhufe sind ausgefranst, daher drei Hufeisen für Pflege und Haltung. Nett: Zum Abschied werde ich zum Tor hinausbegleitet.

Bewertung:

Schulpferd: vier von vier Hufeisen
Reitlehrer: drei von vier Hufeisen
Reitbetrieb: dreieinahlb von vier Hufeisen
Pflege & Haltung: drei von vier Hufeisen

Kontakt:

Reiterhof Giehl
Obere Hauptstraße 105
76863 Herxheim
Telefon: 0157 / 36 36 40 00
www.reiterhof-giehl.de

13.05.2019
Autor: CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 4/2019