Hier wohnt ein Bastler. Auf den Regalen diverse Modelle, Segelschiffe, Panzer, in der Ecke des Wohnzimmers eine Modelleisenbahn-Anlage. "Basteln kann ich leider nicht mehr, die Hände machen nicht mehr mit", sagt Walter Fürther. Am 18. September wird er 80. Im Flur hängt eine Urkunde von 1998 über die Verleihung der Ehrennadel des Verbandes der Reit- und Fahrvereine Oberbayern: "Für besondere Verdienste."

Walter Fürther wurde am 18. September 1946 im fränkischen Iphofen geboren. Er schloss seine Bereiterlehre 1963 "als jüngster Bereiter FN" ab, wie er nicht ohne Stolz erzählt. Geritten ist Fürther Dressur und Springen bis Klasse S, zudem ist er seit 1975 Pferdewirtschaftsmeister und war 40 Jahre lang Parcoursbauer. Er lebt in Holzkirchen, Oberbayern.
Walter Fürther: Im Nürnberger Zoo gab es eine kleine Reitschule mit Ponys und Haflingern. Da habe ich mitgeholfen, hatte einen Helferausweis und war jeden Tag da. Wenn nachmittags Schule war am Vormittag – und wenn am Vormittag Schule war am Nachmittag. Aber Schule war für mich nicht so wichtig. Darum sind meine Lese- und Schreibkünste auch heute noch überschaubar. Aber ich wollte unbedingt reiten, hatte aber von meinen Eltern kein Pferd bekommen. Also musste ich mir was einfallen lassen.
Das Pferdematerial ist heute viel teurer, die Zucht ist völlig anders, zielgerichteter. Als Amateur kannst du dir heute doch kein Leistungssport-Pferd mehr leisten. Im Grunde hat man damals mit jedem Pferd versucht in der Klasse S zu reiten. Manche wurden unter der Woche für die Arbeit auf dem Feld eingespannt und sind am Wochenende aufs Turnier gegangen. Und die Stangen im Parcours lagen viel fester, waren schwerer, die Auflagen tiefer. Das Pferdematerial hat damals auch mehr Widerstand gebraucht, weil sie nicht höher gesprungen sind als sie mussten. Barren war damals nicht unüblich. Das konnte man natürlich nicht mit jedem Pferd machen, das musste schon einer sein, der vorwärts wollte – sonst hätten die irgendwann verweigert. Heute sind die Auflagen alle flacher, die Pferde wollen die Stange nicht mehr anfassen. Da ist mehr Vollblut drin.
Es sollte beim Unterricht natürlich nichts passieren und es ging ja auch damals schon um Geld. Auch beim Barren war man vorsichtig, denn wenn ein Pferd nicht mehr sprang, hatte man eine Menge Geld verloren. Hinzu kommt: Wenn man heute einmal stürzt, dann bist du ausgeschieden. Das war damals nicht so streng.
Auf einem Springturnier in Nürnberg kam es in einer S-Prüfung im Stechen dazu, dass ein Teilnehmer die Auflage verbogen hat, weil sein Pferd dagegen gebollert war. Und der nächste Reiter ist gesprungen, hat nach einem Abwurf an diesem Sprung gesehen, dass die Auflage ja schief und verbogen war und dagegen protestiert, da die Stange leichter runterfallen konnte. Es war ja damals oft nervig mit den Auflagen, die sich leicht verbogen haben. Da habe ich angefangen nachzudenken.
Ich habe mir gedacht: Wie bekomme ich es hin, dass Pferde weniger stürzen. Denn die Auflagen waren sehr tief, bis die Stange da bei einem Fehler runtergefallen und gebrochen ist, hat es gedauert. Die Unfallgefahr war also auch recht hoch. Als Vorbild hatte ich die Auslösetechnik einer Skibindung genommen und mit einer Druckfeder gearbeitet. Und wenn das Pferd dagegenstieß, wurde ein Mechanismus ausgelöst: Die Halterung hat sich gedreht und die Stange ist nach unten gefallen. Diese Sicherheitsauflage war zuerst aus Metall, später hab ich PVC verwendet. Das war ein Fehler. Denn die ist im Winter durch die Kälte kaputtgegangen.
Ich habe nach Warendorf geschrieben und vorgeschlagen, diese Auflage zur Pflicht zu machen, weil Pferd und Reiter so weniger stürzen würden. Reiter und Pferd sollte so auch die Angst vorm Sprung genommen werden. Die Antwort war sinngemäß: Man habe sich mit zwei hochrangigen Springreitern besprochen und halte die Auflage nicht für sinnvoll, da Pferde einen gewissen Widerstand bräuchten, um keine Fehler zu machen. Den Brief habe ich leider nicht mehr.
Ich war ja auch Parcoursbauer. Wollte ich erst gar nicht, aber Ottokar Pohlmann hatte mich gefragt, ob ich das machen wollte. Wollte ich, aber nur ohne Prüfung, was dann auch genehmigt wurde – immerhin bis Klasse M. So habe ich irgendwann Curt Bender kennen- gelernt (Anm. d. Red.: Bender gehörte zu den renommiertesten Parcourschefs in Bayern und ist 2025 im Alter von 84 Jahren gestorben). Für die Pracourschef-Prüfung Klasse S sind wir zusammen nach Warendorf gefahren. Ich habe ihm von meiner Erfindung erzählt. Er fand das gut – und ich habe ihm irgendwann das Patent für eine Maß Bier geschenkt. Besser als nichts, habe ich mir damals gedacht. Im Nachhinein ärgert mich das immer noch.
Das ist falsch! Ich hatte das Gebrauchsmuster bereits 1970 beim Deutschen Patentamt angemeldet. 61,65 Mark hat das damals gekostet. (Anm. d. Red.: Fürther zieht aus einen Ordner die Patentamt-Urkunde heraus). Ich kenne keine Statistik, aber nach meiner Beobachtung haben diese Auflagen jede Menge schlimme Unfälle verhindert.
Springen & Sicherheit
FEI-Sicherheitsauflagen sind spezielle Hindernisauflagen, die bei hoher vertikaler Belastung (z. B. Pferd springt auf die Stange) die Stange freigeben, um Stürze zu verhindern. Die Auflage besteht aus zwei Teilen, dem Halter im Hindernisständer und dem Einsatz, auf dem die Stange liegt.
Das Thema "Sicherheitsauflagen" findet sich erstmals 2013 in der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO). Im Anhang heißt es unter "Auflagen": "Schalenauflagen mit einer Mindesttiefe von 1,8 cm, bei Vielseitigkeits-Springprüfungen circa 2,5 cm Tiefe (Innendurchmesser 18 cm). Bei Hochweitsprüngen müssen jeweils für die hintere Stange, bei Triplebarren für die mittlere und hintere Stange und bei überbauten Wassergräben für alle Stangen Sicherheitsauflagen vom Veranstalter zur Verfügung gestellt und verwendet werden (§ 507.3).” Für alle übrigen Arten von Sprüngen wird die Verwendung empfohlen.












