Reiten lernen - Mein erstes Mal Lisa Rädlein

Reiten lernen Teil 2

In den Sattel, fertig, los!

Es wird ernst: Das erste Mal im Sattel. Der zweite Teil unseres Reit-Experiments beginnt und Mona sitzt auf. Einige Reitstunden an der Longe sollen sie vertraut machen mit Schritt, Trab und sogar Galopp.

Nachdem ich bei meinem ersten Besuch im Stall mit Xalando viel über die Kunst des Führens gelernt habe, bin ich gespannt auf mein erstes Mal im Sattel. Das allererste Mal, denn meine spärlichen Reiterfahrungen aus der Kindheit spielten sich alle ohne Sattel ab.
Den Helm hatte ich zwar schon beim Führen dabei, diesmal setze ich ihn aber auf und entscheide mich zusätzlich für einen Rückenprotektor: „Ist das sehr uncool?“, frage ich bei meinem Eintreffen im Stall. Meine Reitlehrerin Ulrike Störzbach vom Barockreitzentrum Heimsheim (www.barockreitzentrum.de) beruhigt mich: „Zieh ihn ruhig an, wenn du dich sicherer fühlst. Aber Poldi ist lieb.“

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Reiten lernen - Mein erstes Mal
Reiten lernen Teil 2 Das erste Mal im Sattel für die Reitanfängerin
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Reiten lernen - Mein erstes Mal
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Das Team: Reitlehrerin Ulrike Störzbach, Poldi und ich (v.l.).

Neues Pferd, neue Erfahrungen

Moment, wer ist Poldi? Offenbar ein anderes Pferd im Barockreitzentrum, das mit mir die nächste Einheit meistern soll. Also watscheln wir zu seiner Box, um ihn abzuholen. Das polnische Warmblut Poldi (13) ist wunderschön und riesig, zumindest wirkt es auf mich so.

Ganz scheint er mir noch nicht zu trauen, kommt dann aber doch mit zum Putzplatz. Er ist ganz schön weich, merke ich, als ich beginne, ihn zu striegeln. Dann zeigt mir Ulrike Störzbach, worauf es beim Satteln und Trensen ankommt. Überall müssen Abstände eingehalten werden, um dem Pferd genug Luft zu lassen und es ihm so bequem wie möglich zu machen.

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Mona Pekarek (23) ist Volontärin bei der Zeitschrift MOTORRAD, die wie CAVALLO bei der Motor Presse Stuttgart erscheint. Sie wagt das Experiment mit einer Pferdestärke und vier Hufen statt zwei Rädern.

Erste Reiterfahrungen an der Longe

Zum ersten Aufsitzen gehen wir in die große Reithalle. Ich ziehe meinen Helm fest, hole einen Hocker und stelle ihn neben Poldi.

Ihn scheint meine Nervosität nicht zu beeindrucken. Im Gegenteil: Er strahlt eine gewisse Ruhe aus. Jetzt hier einfach den Fuß rein, in den Steigbügel. Aber Achtung, nicht die Fußspitze in Poldis Bauch drücken, den Körper nah ans Pferd und hochschwingen. Schon sitze ich hoch oben auf dem Ross.

Es fühlt sich viel höher an, als es bei Poldis Stockmaß von 1,60 Metern eigentlich ist. Auf Runterfallen habe ich keine Lust, soviel steht schon mal fest. Also schnell den anderen Fuß in den rechten Steigbügel. Gut, Ulrike Störzbach muss nachhelfen, da ich es selbst ohne Hände nicht geschafft habe.

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Gleichgewicht ist das A und O auf dem Pferd. Das muss man lernen.

Erst allerdings, nachdem sie die Riemen maximal gekürzt hat und bemerkt: „Das nächste Mal müssen wir die Ponybügel nehmen.“ Offenbar ist meine Kurzbeinigkeit unter Reitern wenig verbreitet. Aber was soll’s, bei der ersten Stunde werde ich ohnehin nur im Schritt durch die Halle kurven und fest auf meinem Hintern sitzen bleiben. Hoffe ich zumindest.

Bewegungen spüren und verstärken

Auf Kommando meiner Reitlehrerin läuft Poldi an der Longe los und ich wackele munter mit. Der Sattel knarzt ein wenig, ich versuche auszusehen, wie ich mir eine Reiterin vorstelle. Und als ich am Spiegel vorbeikomme, denke ich: „Ja, eigentlich ganz passabel.“

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Noch etwas unsicher holpere ich bei meinem ersten Trab-Versuch auf Poldi.

Aber schließlich soll ich nicht einfach nur rumsitzen, sondern etwas lernen: Ich soll die Bewegung von Poldi spüren. Mit meinen Händen soll ich sie nachzeichnen und nein, die Hüfte geht nicht vor und zurück, sondern wie beim Catwalk links runter, rechts runter. Verstärke ich diese Bewegung mit meinem Becken bewusst, scheint Poldi dies direkt zu merken, zumindest läuft er etwas zügiger.

Nun geht es darum, mein Gleichgewicht auf dem Pferderücken zu schulen: Arme ausbreiten, kreisen, in die Luft boxen, Augen nach links, Zunge nach rechts (sieht mit Sicherheit ziemlich bescheuert aus), Füße aus den Bügeln, Oberkörper drehen. Das fühlt sich bald schon relativ sicher an und schnell bekomme ich Lust, in eine höhere Gangart zu wechseln. Aber noch nicht heute.

„Ich werde langsam sicherer und bin bereit für Trab- und Galopp-Versuche“

In einer der nächsten Einheiten ist es so weit: Poldi und ich machen uns bereit fürs Traben auf dem Sandplatz. Den Rückenprotektor lasse ich diesmal weg, ich vertraue Poldi voll und ganz.

Er macht immer noch einen ruhigen Eindruck, auch wenn seine Laune heute laut Uli Störzbach nicht ganz so gut ist – was ich jedoch selbst nicht merke. Als ich dann aufsitze und zum Aufwärmen wieder meine Übungen mache, fällt mir auf, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, was gleich passieren wird.

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Der Galopp macht riesigen Spaß, auch wenn ich mich lieber noch festhalte.

Den richtigen Rhythmus beim Reiten finden

Ob ich bereit bin? Versuchen wir’s. Im richtigen Moment leicht aufstehen und wieder setzen. Was immer so unglaublich einfach aussieht, ist für Ungeübte wie mich eine Achterbahnfahrt. Ich werde zunächst durchgeschüttelt wie der Cocktail, den ich mir nach diesem Ritt verdient hätte. Offenbar habe ich den Rhythmus von Poldi nicht ganz mitgemacht.

Nächster Versuch: Ich werde wieder geschüttelt, glaube aber einigermaßen die richtigen Momente zu erwischen, um mich aus dem Sattel zu heben. Das Problem sind meine Füße. Immer wieder rutsche ich durch den Steigbügel, sodass sich dieser nur noch kurz vor meiner Ferse befindet. Also anhalten, Fuß wieder ausrichten und weiter hoppeln. Langsam wird es anstrengend und ich ahne: Das gibt ordentlich Muskelkater.

Staunen über Freiarbeit

Nach meiner ersten Einheit im Trab bestaune ich noch Katharina, die Tochter meiner Reitlehrerin, die mir ihre beeindruckende Freiarbeit mit Poldi zeigt: Er kreiselt frei um Katharina, trabt auf sie zu und hebt die Beine für den spanischen Schritt.

Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt, aber es ist einfach der Hammer! Das sei viel Arbeit gewesen, aber jetzt vertrauen sie sich zu 100 Prozent, erzählt mir Katharina, während sie Poldi in seiner Box wieder vom Sand befreit. Er hatte sich noch ausgiebig gewälzt.

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„Endlich kann ich reitende Freundinnen verstehen: Die Zeit im Stall ist wunderschön. Und Poldi zuckersüß.“

Weitere Reitstunden bringen Übung

Das Traben an der Longe funktioniert mit jeder wöchentlichen Reitstunde etwas besser, langsam finde ich in den Rhythmus. Als hätte sich ein Schalter umgelegt, fühlt sich der Trab plötzlich nicht mehr unkontrolliert und rumpelig an, sondern relativ geschmeidig. Wenn auch das Ganze noch sehr anstrengend für mich ist.

Ulrike Störzbach betont oft, dass richtig reiten lernen Jahre und Jahrzehnte dauert, und dann könne man es noch immer nicht perfekt. Egal: Dass ich mich einigermaßen halten kann und nicht mehr durchgeschüttelt werde, fühlt sich für mich schon wie ein Erfolg an.

Ran an den Galopp

Ich will es einfach wissen und so wagen wir uns an den Galopp heran. Ich habe gehört, dass sich der Trab eigentlich schwieriger reiten lässt, der Galopp aber eben dynamischer und schneller sei. Und was soll ich sagen: Genau so ist es auch!

Nach dem Warmreiten und einer Runde im Trab kommt wieder die Frage: „Bereit?“ Ganz ehrlich? Ich weiß nicht so recht, was auf mich zukommt. Reitlehrerin Ulrike Störzbach erklärt und ich merke mir: Nicht aufstehen, tief sitzen bleiben und der Bewegung von Poldi mit der Hüfte folgen, am „Angstriemen“ festhalten und mich daran tief runter ziehen.

Dann springt Poldi los und tatsächlich ist die Bewegung in etwa so, wie ich sie mir vorgestellt hatte: Ein großer Poldi macht auch große Sprünge und ich fühle mich zunächst wie beim Rodeo.

Tempo, Tempo

Dass ich mich bei diesem Tempo überhaupt oben halte, hätte ich nie gedacht. Halten – das muss man bei mir wörtlich nehmen, denn mein Muskelkater an der Schenkelinnenseite lässt mich ahnen: Vielleicht habe ich mich ein bisschen zu sehr an Poldis Bauch geklemmt. Anders fand ich noch keinen Halt.

„Und ihr macht das ja alles ohne Festhalten …“, folgere ich und merke: Das war erst der Anfang vom Anfang vom Anfang. Reiten ist weit schwieriger, als ich dachte. Aber ich bleibe dran!

„Hä?! Wie bitte?“ Reitanfänger verstehen im Stall anfangs nur Bahnhof. Wir übersetzen:

Trense oder Zaumzeug: Meist nennt man die Lederriemen so, die das Pferd um den Kopf hat und von dem die Zügel ausgehen. Eigentlich ist die Trense aber das Stück Metall, welches das Pferd im Maul hat. In der Regel wird es Gebiss genannt.

Gamaschen und Bandagen kommen zum Schutz vor Blessuren an die Pferdebeine. Ihre Wirkung ist umstritten. Während Gamaschen meist per Klettverschluss am Pferdebein befestigt werden, muss man Bandagen, die aus langen Fleece-Bahnen bestehen, aufwändig ums Bein wickeln.

„Tief einsitzen“ hören Reiter oft, sobald sie im Sattel sitzen. Das bedeutet nicht, dass es ein Stockwerk tiefer geht, sondern dass der Reiter mit der richtigen Grundspannung im Oberkörper und locker im Becken mit den Bewegungen mitgeht.

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